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· Fachbeitrag · Medizinwissen

Rauchentwöhnung - wie kann der Patient motiviert werden?

von Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, Medizinjournalistin, Nordhorn

| Weniger Zigaretten zu rauchen, gehört an Silvester zu den häufigen Vorsätzen für das neue Jahr. Doch leichter gesagt als getan. Trotz starker Ausstiegsmotivation fällt es vielen Rauchern extrem schwer, mit ihrem Laster aufzuhören. Hier ist in erster Linie der Arzt gefragt, doch auch die MFA kann entscheidend zur Motivation des Patienten beitragen. Bereits die alleinige Aufforderung zum Rauchverzicht - auch durch die MFA - hat einen nachvollziehbaren Effekt sowohl auf die Motivation des Patienten als auch auf seine Erfolgsquote. |

Steter Tropfen höhlt den Stein

Zwar sind die Zahlen ernüchternd, was die Erfolgsquoten bei der Rauchentwöhnung angeht - nur zwei bis fünf Prozent der Ausstiegsversuche führen ohne fremde Hilfe zum Erfolg. Doch: Steter Tropfen höhlt den Stein. Die meisten Raucher schaffen es nach mehreren Aufhörversuchen dann doch, abstinent zu werden. Darüber hinaus erhöht die kurze Ansprache durch die MFA die Chancen, einen Raucher zu motivieren, zumindest über einen Rauchstopp nachzudenken. So ist ein erster Schritt zur Tabakentwöhnung getan!

Vorgehen im Praxisteam absprechen

Die Ansprache von Rauchern sollte mit dem behandelnden Arzt und innerhalb des Praxisteams grundsätzlich abgestimmt werden, damit es zu keinen Unstimmigkeiten oder Missverständnissen kommt. Häufig ist es auch sinnvoll, wenn sich eine Mitarbeiterin des Teams für diese Aufgabe verantwortlich fühlt und sich entsprechend fortbildet. Auch sollten im Wartezimmer Plakate und Aufsteller angebracht werden, um Patienten immer wieder auf dieses wichtige Thema hinzuweisen.

Wie kann die Ansprache eines Patienten konkret aussehen?

In entsprechenden Situationen kann die MFA einen Patienten beispielsweise fragen ”Haben Sie je versucht aufzuhören?” oder ”Sind Sie daran interessiert, mit dem Rauchen aufzuhören?” Zeigt der Patient daraufhin Interesse, kann die MFA in einem zweiten Schritt auf die unmittelbaren persönlichen Vorteile eines Rauchstopps für den Patienten hinweisen. Hierzu zählen:

  • Gesundheitliche Vorteile eines Rauchstopps
  • Körperliches Wohlbefinden und steigende Gesundheit.
  • Bereits einen Tag nachdem die letzte Zigarette geraucht wurde, sinkt das Herzinfarktrisiko.
  • Fünf Jahre nach dem Rauchstopp ist das Herzinfarktrisiko auf nahezu normale Werte gesunken.
  • Die Lungenfunktion kann sich nach drei Monaten um bis zu 30 Prozent erhöhen, das bedeutet u. a., dass die körperliche Kondition zunimmt und ein Raucherhusten verschwindet.
  • Nach zehn Jahren Rauchfreiheit gleicht das Lungenkrebsrisiko nahezu dem eines „echten” Nichtrauchers.
  • Der Geruchs- und Geschmackssinn verbessert sich bereits drei Tage nach dem Rauchstopp.
  • Das Aussehen verbessert sich: Die Haut wird besser durchblutet, Falten glätten sich, die Zähne werden nicht mehr gelblich verfärbt, der Atem ist frisch und man selbst und die Kleidung riechen nicht nach kaltem Zigarettenrauch.
  • Häufig steigt das Selbstwertgefühl. Das schlechte Gewissen, sich selbst und seiner Umwelt zu schaden, verschwindet.
  • Und nicht zuletzt ist auch mehr Geld in der Kasse.

Aktive Hilfe

Zeigt ein Raucher nach diesem ersten Gespräch weitergehendes Interesse, sollte aktiv Hilfe angeboten werden. Hierzu gehören beispielsweise das konkrete Festlegen eines Ausstiegsdatums, das Erstellen eines Ausstiegsplans und das Einbeziehen des sozialen Umfeldes. Dies geht in der Regel über die Möglichkeiten einer MFA hinaus. Daher sollte sie den Patienten dann auf jeden Fall an den Arzt verweisen, der weitergehende Hilfe anbieten oder über professionelle Rauchentwöhnungsprogramme informieren kann.

Rauchentwöhnungsprogramme

Erfolgreicher als ein Spontanentschluss, mit dem Rauchen aufzuhören, sind professionelle Rauchentwöhnungsprogramme. Von den Rauchern, die an einem solchen Programm teilnehmen, sind ein Jahr danach noch etwa 20 Prozent Nichtraucher. Häufig kann eine solche intensive und kontinuierliche Betreuung durch das Praxisteam jedoch nicht geleistet werden. Krankenkassen, psychosoziale Beratungsstellen sowie Suchtberatungsstellen bieten eine Vielzahl verschiedener Programme zur Rauchentwöhnung an.

 

Eine Auflistung von Rauchentwöhnungsprogrammen in Wohnortnähe findet sich im Internet www.anbieter-raucherberatung.de.

Nikotinpräparate unterstützen

Am erfolgreichsten ist die Kombination beratender Angebote mit medikamentösen Maßnahmen. Nikotinpräparate verdoppeln die Erfolgsaussichten in der Rauchentwöhnung. Sie ersetzen zwar nicht den Aufhörwillen und die Entschlossenheit des Rauchers, vermindern aber eventuelle Entzugssymptome und das Verlangen nach einer Zigarette. Die in Deutschland gebräuchlichen Nikotinprodukte sind:

 

  • Nikotinkaugummi: Das Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen. Daher sollte das Kaugummi langsam mindestens über eine halbe Stunde gekaut werden. Verschlucktes Nikotin ist wirkungslos. Nikotinkaugummis gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Dosierungen (2 mg und 4 mg). Sie sind apothekenpflichtig, aber freiverkäuflich.

 

  • Nikotinpflaster: Das Nikotinpflaster wird morgens auf die Haut geklebt und gibt für 16 bis 24 Stunden Nikotin ab. Auch das Nikotinpflaster gibt es in verschiedenen Dosierungen. Es ist apothekenpflichtig, aber freiverkäuflich.

 

  • Außerdem gibt es Nikotin-Lutschtabletten, Nikotin-Sublingualtabletten und Nikotin-Inhaler.

Selbst Vorbild sein

Als MFA sollten Sie Patienten nicht nur zu einem Rauchstopp motivieren. Wie in allen Lebensbereichen gilt auch hier: Nur wer sich an die eigenen Ratschläge hält, wirkt überzeugend. Eine nach kaltem Zigarettenrauch riechende MFA wirkt unglaubwürdig in Sachen Rauchstopp. Daher sollten Sie, wenn Sie selbst rauchen, Hilfe in Anspruch nehmen, um zur Ex-Raucherin zu werden und Kolleginnen beim Rauchstopp unterstützen.

 

JEDE ZIGARETTE KOSTET 30 MINUTEN LEBEN |  Dies hat eine britische Studie ergeben, bei der Daten von Rauchern aus 50 Jahren ausgewertet wurden. Die Forscher ermittelten eine um 15 Jahre verringerte Lebenserwartung und teilten die verlorenen Lebensjahre (7.884.000 Minuten) durch die im Durchschnitt gerauchten Zigaretten (275.940 Zigaretten in 42 Jahren). Das Ergebnis: Jede Zigarette kostet 28,57 Minuten Leben. (Quelle: Gohlke H, Yusuf S: Quantitating loss of life by smoking a single cigarette. Clin Res Cardiol 2007; 96: 522-523)

Weiterführende Hinweise

Quelle: Ausgabe 12 / 2011 | Seite 13 | ID 30317370