28.03.2008 | Praxismanagement
Disease-Management-Programme
Ungefähr 20 Prozent aller Bundesbürger leiden unter einer chronischen Erkrankung und sind dauerhaft in ärztlicher Behandlung. Da das deutsche Gesundheitswesen in erster Linie auf die Therapie von akut Kranken ausgerichtet ist, haben chronisch Kranke häufig mehrere Anlaufstellen für unterschiedliche Aspekte ihrer Erkrankung. Erster Ansprechpartner ist normalerweise der Hausarzt. Sind jedoch spezielle Untersuchungen erforderlich, wird der Patient meistens zu einem Facharzt überwiesen. Die Vielzahl an Behandlern bringt es mit sich, dass der Informationsfluss zwischen ihnen ins Stocken geraten kann und die Behandlung nicht immer gut koordiniert ist. Durch diesen Umstand besteht die Gefahr, dass der Patient über-, unter- oder sogar fehlversorgt wird. Um diese Entwicklung zu korrigieren, wurden am 10. Dezember 2001 vom Gesetzgeber sogenannte Disease-Management-Programme (DMP) eingeführt, deren Durchführung den gesetzlichen Krankenkassen vorbehalten ist. Auf diese Weise erfolgt eine langfristige, präventive Begleitung des Chronikers.
Ziele von DMP
Disease (engl.) bedeutet Krankheit, Management heißt Führung und Steuerung. In Kombination bedeutet Disease-Management, dass dem Patienten eine kontinuierliche, qualitätsgesicherte und strukturierte Versorgung auf der Basis des besten verfügbaren Wissens zur Verfügung steht. Dies wird durch die Koordination der Leistungserbringung und die aktive Einbindung des Patienten erreicht.
DMP haben zum Ziel
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DMP gibt es derzeit für folgende chronische Krankheiten:
- Diabetes mellitus Typ I
- Diabetes mellitus Typ II
- KHK (Koronare Herzkrankheit)
- Brustkrebs
- COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
- Asthma
DMP in der ärztlichen Praxis
Wollen Sie in Ihrer Praxis DMP umsetzen, ist der erste Schritt der Antrag auf Zulassung Ihres Arbeitgebers bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Nach Zulassung durch die KV erhält die Praxis von dort die Arztmanuale (Handlungsanleitungen) zu den einzelnen Erkrankungen und die Vergütungsübersichten. Der nächste Schritt ist eine gute DMP-Software, die von der KV zertifiziert sein muss (eine Liste hierzu finden Sie unter www.kbv.de).
Software-Auswahl-Kriterien
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DMP geeignete Patienten finden
Mit Hilfe einer auf Ihre Praxis abgestimmten Praxis-Software ist es leicht, auf Basis von ICD-Kodierungen die chronisch Kranken aus den Patienten-Stammdaten herauszufiltern. Gleiches gilt für die Risikogruppe der Übergewichtigen, die sich zum Beispiel aufgrund eines BMI finden lassen, der größer als 27 ist.
Praxistipp: Nutzen Sie zum Finden von geeigneten Patienten auch Fragebögen zur Anamnese, der Krankheitsvorgeschichte und der Medikamenteneinnahme, die im Wartezimmer ausgefüllt werden können.
Nach der Sicherung der Diagnose gilt es, den Patienten zur Einschreibung in ein DMP zu motivieren. Die folgende Checkliste erleichtert Ihnen die Kommunikation mit den betreffenden chronisch kranken Patienten.
Checkliste „Vorteile des DMP“
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Ist der Patient bereit am DMP teilzunehmen, muss er die Teilnahme- und Einwilligungserklärung vollständig ausfüllen und unterschreiben. Sollte er an unterschiedlichen chronischen Erkrankungen leiden (zum Beispiel an Diabetes und KHK), ist eine Mehrfacheinschreibung möglich – allerdings nur bei demselben Arzt. Der Patient erhält dann von Ihnen einen Durchschlag der Teilnahme- und Einwilligungserklärung, ein Merkblatt zum jeweiligen DMP, Datenschutzinformationen und eine Kopie der Erstdokumentation.
Dokumentation im DMP
Die DMP-Praxis erstellt eine Erstdokumentation, die mehrere Funktionen erfüllt:
- Sie enthält die DMP-Fallnummer zur Pseudonymisierung des Patienten, den Behandlungsplan und die Zielvereinbarungen.
- Sie dient der Erhebung der Ausgangsdaten sowie der Anamnese, der Sicherung der Einschreibediagnose, der Erfassung aktueller Befunde, relevanter Ereignisse und der aktuellen Medikation.
- Sie ist Informationsspeicher für Risikofaktoren sowie Kontrolluntersuchungen und enthält die Schulungsplanung. Außerdem ist sie die Basis für Feedbackberichte und die wissenschaftliche Evaluierung des Programms.
eDMP
Ab 1. April 2008 ist die elektronische Dokumentation der DMP Pflicht (eDMP). Hierbei erfolgt auf elektronischem Wege (Diskette, CD, Online-Verfahren) einmal monatlich (spätestens am 5. des Folgemonats) die Übermittlung der Dokumentationen an die Datenstelle.
Datenfluss im DMP
Die Erstdokumentation und die Teilnahme- und Einwilligungserklärung gehen an die Datenstelle, diese teilt in Kurz- und Langdatensatz. Der Kurzdatensatz geht an die Krankenkasse, die an den Patienten die Teilnahmebestätigung schickt. Der Langdatensatz geht an die gemeinsame Einrichtung der KVen und der Kassen. Von dort wird die Evaluation der DMP-Daten vorgenommen. Die Praxis erhält im Anschluss daran die Feedback-Berichte. Unter www.iww.de finden Sie im Online-Service „myIWW“ im Bereich Checklisten ein Schaubild zum Datenfluss im DMP zum Downloaden.
Abrechnung im DMP
Die Abrechnung erfolgt über die KV. Die vollständige Dokumentation ist Leistungsinhalt der vertraglich vereinbarten Vergütungen, wie Einschreibepauschale, Betreuungspauschale und Schulungsvergütungen.