· Fachbeitrag · Nachhaltigkeit im Einkauf durch Scoring-Verfahren
Wie der ESG-Score die Beschaffung messbar, vergleichbar und nachhaltiger macht
von Boris Arno Werschbizky, Politikwissenschaftler, Journalist und TV- Produzent u. a. für das Wissensmagazin „Galileo“
Die Anforderungen an eine nachhaltige Beschaffung steigen. Viele Unternehmen und öffentliche Auftraggeber wollen und müssen ihre Einkaufsentscheidungen verantwortungsvoller gestalten – aus Überzeugung und weil Konsumenten zunehmend nachhaltige Produkte nachfragen. Gleichzeitig fehlen oftmals verlässliche, vergleichbare Produktinformationen, um Umwelt- und Sozialaspekte bei der Warenbestellung systematisch berücksichtigen zu können. Der Beitrag zeigt, warum nachhaltiger Einkauf häufig an der aufwendigen und kostspieligen Datenrecherche scheitert – und wie ein standardisiertes, digitales ESG-Scoring-Modell das Problem lösen kann.
1. Herausforderung für den Procurement Manager
Die ökonomische Bedeutung des Beschaffungsmarkts ist enorm: Allein in Deutschland ordern Unternehmen jedes Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 1,25 Bill. EUR – Tendenz steigend. Das schiere Volumen begründet auch die ökologische Relevanz: Beschaffung ist ein zentraler Hebel, wenn es um Klimaschutz, Ressourceneffizienz und faire Lieferketten geht.
1.1 Operative Hürden im Einkauf
Je nachhaltiger die Produkte im Warenkorb, desto besser der ökologische Footprint eines Unternehmens. Doch in der Praxis fehlt dafür oftmals die Entscheidungsgrundlage: Digitale Warenkataloge lassen sich nach Kategorien wie Preis, Lieferzeit oder Artikelnummer filtern – nicht nach CO2-Fußabdruck, Materialkreislauf oder Sozialstandards. Nachhaltigere Produkte sind im Beschaffungsprozess meist nicht sichtbar oder nur mit erheblichem Rechercheaufwand zu identifizieren – über Produktdatenblätter, Herstellerportale oder durch die Kennzeichnung mit Umweltsiegeln.
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