· Fachbeitrag · Interview mit DNP-Preisträger & Best Practice
Rohre, Wasser und (k)ein Hammer: nachhaltige Sanierung von Trinkwasserleitungen
Alexandra Buba im Interview mit Thomas Moriggl
Es ist ein klassischer Alptraum: Wasserrohrbruch, die Leitungsrohre sind allesamt marode, schnelles Handeln ist gefordert. Was dann folgt, ist oft ein Riesenaufwand, denn wenn sämtliche Wände aufgeklopft und die Leitungen neu verlegt werden müssen, frisst das ordentlich Zeit und Geld. Doch es geht auch anders: Die Rohre bleiben in der Wand und werden dort von innen saniert. Das Verfahren gibt schon länger, es kommt aus Südtirol und wurde erst jetzt prämiert. Thomas Moriggl, Geschäftsführer der RISAN GmbH, hat noch einige andere überraschende Fakten parat.
MERKE — Im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Produkte (DNP) stellt PN in einer Interviewreihe die ausgezeichneten Lösungen und ihre Macher vor. Alexandra Buba spricht mit den Preisträgern über ihre Nachhaltigkeitsstrategien, die Besonderheiten ihrer Produkte und die Erfolgsfaktoren hinter der Auszeichnung – mit konkreten Einblicken und Best Practices für die Praxis. |
Frage: Herr Moriggl, die meisten Hausbesitzer fürchten sich vor dem Moment, wenn sie ihre Rohre sanieren müssen. Ihr Verfahren fühlt sich da, salopp gesagt, an wie ein Hammer. Seit wann führen sie es durch?
Antwort: Wir machen die Rohrinnensansierung seit über 30 Jahren, und das auch seit jeher immer in dieser Form. Nur das Beschichtungsmaterial wurde sukzessive verbessert. Wir wussten schon immer, dass dieses Verfahren schneller und günstiger ist als der herkömmliche Leitungsaustausch. Die Nachhaltigkeit wurde im Laufe der Jahre dabei immer wichtiger, wenngleich auch die Betrachtung unter dem Aspekt des Umweltschutzes stets positiv war: kein Bauschutt, kein Metallschrott.
Irgendwann wollten wir das schwarz auf weiß wissen und haben Experten um die Berechnung der genauen Bilanz gebeten. Der direkte Vergleich mit der herkömmlichen Arbeitsweise – also Komplettaustausch – war einfach möglich, da unser Schwesterunternehmen ja ein Installationsbetrieb ist, der genau dies macht.
Frage: Welche Werte haben Sie berechnen lassen?
Antwort: Wesentlich waren drei Kennzahlen, einmal die CO 2 -Emissionen, die um 85 % niedriger sind, dann der Bereich Abfall beziehungsweise Restmüll, hier liegen wir bei 99 % Einsparung. Wichtig war auch noch der Wasserverbrauch, hier kommen wir auf 87 % weniger.
Frage: Wie läuft die Rohrsanierung genau ab, und was sind die Konsequenzen für Bauherren oder Auftraggeber?
Antwort: Fangen wir vielleicht mit der zweiten Frage an: Die Liegenschaften bleiben während der Sanierungsphase nutzbar. Das ist etwa bei Altenheimen oder Schulen wichtig, hier müsste man ja eine ganze Menge Menschen umquartieren. Die Einschränkungen während der Arbeiten sind nur gering. Das liegt daran, dass wir die Rohre zunächst mit einem Luftstrahl von innen trocken, danach mit einem Luft-Sandgemisch reinigen. In das blank geputzte Rohr wird von innen nun die flüssige Kunststoffbeschichtung eingeblasen.
Das Endprodukt ist dann eine neuwertige, mit Kunststoff ausgekleidete Leitung auf dem aktuellen Baustandard in Deutschland, der nur noch Plastikrohre verbaut. Historisch gesehen wurden Metallrohre verwendet, in einigen Ländern der EU noch immer. Was aber die Sanierungsfälle angeht: Über 30 Mio. Wohneinheiten in Deutschland sind älter als 40 Jahre, die stehen, wenn Sie so wollen, im Grunde vor einer Sanierung.
Frage: Das ist ein gigantischer Markt – oder wie sehen Sie das?
Antwort: Wir sind derzeit die Einzigen, die eine sog. „Konformitätsbestätigung gemäß Kunststoff-Trinkwasser-Bewertungsgrundlage (KTW) für organische Materialien im Kontakt mit Trinkwasser“ für den innerhäuslichen Trinkwasserbereich vorweisen können, ja, insofern haben Sie Recht. Aber wir sind eine kleine familiengeführte Firmengruppe die seit 70 Jahren besteht, insgesamt sind wir 60 Mitarbeiter und könnten gar nicht viel mehr bewältigen. Auch unsere Marktingbudgets sind überschaubar.
Dafür gibt es inzwischen ein Lizenzverfahren, das hilft bei der Verbreitung. Ich habe mal ausgerechnet, dass wir im Falle der Bearbeitung eines einzigen Prozents aller künftigen Sanierungsfälle allein in Deutschland etwa 2 Mrd. EUR Umsatz generieren würden – genug wie ich meine, auch für ein bis zwei künftige Generationen.
Frage: Wie fügt sich ihr Geschäftsmodell in Ihre gesamte Unternehmensphilosophie ein?
Antwort: Als Familienunternehmen sind wir an sich nachhaltig, wir hatten in der Vergangenheit öfters Kaufangebote, die wir aber dankend abgelehnt haben. Es geht uns nicht um den kurzfristigen Profit, sondern um ein Unternehmertum, meines, das meines Vaters und meines Großvaters, und nun auch das meines Sohnes, als Lebensaufgabe. Deshalb freue ich mich auch so sehr, dass mein Sohn bereits fest in die Firma integriert ist.
Frage: Wollten Sie das schon immer? Diese Lebensaufgabe im väterlichen Betrieb?
Antwort: Nein, ganz und gar nicht. Ich hatte als junger Mann viele Ideen und war gerade in der Schweiz in einem guten Job beschäftigt, hatte nette Kollegen, eine tolle Aufgabe. Eines Tages rief mein Vater an und sagte: „Wenn Du einsteigen willst, dann jetzt. Du musst das aber nicht sofort entscheiden, du kannst eine Nacht drüber schlafen.“ Damals war ich 21, hatte eigentlich eine andere Perspektive, bekam 24 Stunden Zeit, meine Zukunft neu zu denken und habe meinem Vater einen Tag später zugesagt. Heute bin ich sehr, sehr froh, dass ich das damals so entschieden habe.
Frage: Weshalb? Was unterscheidet Ihre Tätigkeit von heute von einem beliebigen anderen Job?
Antwort: Als Familienunternehmer geht es dir nicht primär darum, Geld zu verdienen. Du willst vielmehr einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Damit du das kannst, brauchst du natürlich die Mittel. Wir geben heute für alle möglichen Projekte, Initiativen und Vereinigungen Geld, mit dem diese wiederum Großartiges auf die Beine stellen können.
Zum Unternehmen — Die RISAN GmbH ist – als eigenständiges Unternehmen der MORIGGL-Gruppe – seit 1993 spezialisiert auf die zerstörungsfreie Sanierung von Trinkwasserleitungen im innerhäuslichen Bereich nach dem neuesten Stand der Technik. Das RISAN-System wird in ganz Europa vertrieben und angewandt und eignet sich für jede Art von Liegenschaft: vom Einfamilienhaus über Wohnanlagen bis hin zu Hotels, Krankenhäusern, Schulen, Altersheimen und anderen öffentlichen oder gewerblichen Einrichtungen.