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  • · Fachbeitrag · Interview mit DNP-Preisträger & Best Practice

    PV-Strom sinnvoll nutzen: Wechselakkus als Lösung für elektrische Traktoren

    Alexandra Buba im Interview mit Daniel Hornung von ONOX

    Wohin mit dem Strom aus Photovoltaikanlagen, wenn diese nach Jahren aus der öffentlichen Förderung fallen? Für viele Landwirte wird das gerade zum Problem. Denn ihre Anlagen stammen aus den frühen zweitausender Jahren. Ein intelligenter Weg ist der Verbrauch der gewonnenen Energie direkt auf dem Hof, mit innovativen Batteriemodulen, die für leichte und mittlere Traktoren und andere Geräte funktionieren. Daniel Hornung von ONOX, einem Teil der raumideen GmbH & Co. KG aus dem Allgäu, erklärt, wie das funktioniert.

    Frage: Herr Hornung, warum bauen Sie Batteriesysteme für Traktoren – sind das nicht eigentlich Fahrzeuge, bei denen die E-Mobilität an ihre Grenzen stößt?

     

    Antwort: Nun, wir reden hier vom zweiten und dritten Traktor, und nicht vom leistungsstärksten, der auf dem Feld für die schwere Bodenbearbeitung eingesetzt wird. Zahlenmäßig macht dieser Typus etwa die Hälfte aller Traktoren in den Fahrzeughallen der deutschen Landwirtschaft aus, rund 200.000 sind beim Kraftfahrzeugbundesamt zugelassen. Dieser Lieblingstraktor fährt meist überwiegend auf dem Hof, wird er elektrisch, dann springt er schneller an, ist leiser und verursacht keine Emissionen. Bleibt er ein Dieselverbrenner, dann kostet der Treibstoff durchschnittlich 6.000 EUR pro Jahr.

     

    Frage: Der Strom dagegen ist quasi ein Gratis-Abfallprodukt, wenn ich Sie richtig verstehe...

     

    Antwort: Ja, viele Landwirte haben während des ersten Booms Anfang der 2000er Jahre PV-Anlagen auf ihre Dächer gesetzt oder auf dem Boden installiert, diese fallen nun sukzessive aus der Vergütung raus, es werden Netzentgelte und so weiter fällig, wenn der Strom veräußert werden soll. Das ist am Ende oft wenig wirtschaftlich, sodass es sinnvoller ist, den eigenen Energieverbrauch zu erhöhen, und zwar den Stromverbrauch zulasten des fossilen Verbrauchs, das war unser Gedanke.

     

    Frage: Sie bauen keine E-Traktoren, sondern vermarkten im Wesentlichen eine Technologie, wie funktioniert Ihr System?

     

    Antwort: Das ist richtig, einen E-Traktor zu bauen, wäre für uns auch gar kein innovatives Modell. Wir kooperieren mit der TU München und einem deutschen Batteriehersteller, unser Endprodukt sind Batteriemodule, die Sie sich vorstellen können wie die XXL-Variante von Wechselakkumodulen des Akkuschraubers. Jene sind oft für mehrere Geräte kompatibel.

     

    So ähnlich ist es bei uns auch. Der Traktor in der Landwirtschaft ist deshalb das erste Einsatzgerät, weil er genau in den Monaten besonders viel benutzt wird, in denen auch die Sonne am meisten scheint. Unser Batteriemodul kann künftig dann etwa auch für den Radlader, den Hoflader und herstellerübergreifend verwendet werden. Uns ist der permanente Einsatz wichtig, da der Akku sonst nur altert.

     

    Frage: Sie haben zunächst eine Konzeptstudie gemacht, die auch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gefördert hat, und sind bereits mit ersten Produkten am Markt. Wie geht es weiter?

     

    Antwort: Obwohl unsere Produkte bereits verfügbar sind, suchen wir Partner – insbesondere Landtechnikhersteller mit Einstieg in die Elektromobilität. Ziel sind praxistaugliche Lösungen, mit denen Landwirte bei gleicher Produktivität nachhaltiger arbeiten können. Ein Beispiel ist der Futtermischwagen, der gespeicherten PV-Strom aus dem Batteriemodul nutzt. Aktuell erstellen wir zudem einen Katalog zu Einsatzdauer und Leistung verschiedener Maschinen.

     

    Frage: Wie reagiert der Markt, was sagen die Landwirte?

     

    Antwort: Das Interesse ist groß, erste Aufträge liegen für 2027 vor. Rund 65.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland erzeugen bereits erneuerbare Energie – diese direkt zu nutzen, statt sie mit Abzügen einzuspeisen und später teuer zurückzukaufen, ist für viele attraktiv. Gleichzeitig ist klar: Der bestehende Maschinenpark wird nur schrittweise ersetzt. Perspektivisch ist die Technologie aber auch über die Landwirtschaft hinaus einsetzbar, etwa im Bau oder in der Hafenlogistik.

     

    Frage: Wie sieht Ihre Unternehmensstruktur aktuell aus?

     

    Antwort: Wir haben derzeit zehn Vollzeitmitarbeitende und sind dabei, die Prozesse aufzubauen, noch ist unser Mutterunternehmen die raumideen GmbH & Co. KG. Aber wir bewegen uns langsam aus dem Start-up-Dasein heraus. Aktuell beschäftigen uns rechtliche Anforderungen und der Aufbau eines Service-Netzwerks am meisten. Ziel ist am Ende auch die ISO 9001-Zertifizierung.

     

    Frage: Letzteres klingt gar nicht nach Start-up...

     

    Antwort: Ja, denn da wachsen wir gerade raus. Dennoch werden wir auch heute noch oft gefragt: „Das kommt doch bestimmt aus China, oder?“. Als Bundeskanzler Friedrich Merz unser Fahrzeug auf der Grünen Woche im Januar in Berlin, wo es auf Einladung des Bundesministers Alois Rainer ausgestellt war, gesehen hat, konnten wir ihm aber demonstrieren, dass zwar unsere Rohzellen vielleicht aus China kommen mögen, in Deutschland aber eine ganze Menge Engineering und Wertschöpfung passieren muss, ehe der erste Traktor mit Strom aus der landwirtschaftseigenen PV-Anlage fahren kann.

     

    Zum Unternehmen — Das Unternehmen ONOX gehört zur raumideen GmbH & Co. KG aus Isny im Allgäu. Derzeit beschäftigt ONOX zehn Mitarbeitende und entwickelt spezielle Batteriemodule für landwirtschaftliche Fahrzeuge und fertigt diese Fahrzeuge. Die Markteinführung war 2026.

    Quelle: ID 50884928