· Fachbeitrag · Interview mit DNP-Preisträger & Best Practice
Die Gläserne Bank: Ethikbank setzt Maßstäbe für transparentes, nachhaltiges Banking
Alexandra Buba im Interview mit Katrin Spindler, Vorständin EthikBank
Die EthikBank wurde bereits vor über 20 Jahren aus einer Volksbank in Thüringen heraus gegründet. Damals revolutionär, sind „grüne“ Anlageprodukte inzwischen an vielen Stellen erhältlich. Was unterscheidet die EthikBank jedoch noch immer von diesen? Und wie blickt das Haus auf die Entwicklungen in Politik und Gesellschaft im Hinblick auf ihre Anlagerichtlinien? Vorständin Katrin Spindler gibt Antworten.
MERKE — Im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Produkte (DNP) stellt PN in einer Interviewreihe die ausgezeichneten Lösungen und ihre Macher vor. Alexandra Buba spricht mit den Preisträgern über ihre Nachhaltigkeitsstrategien, die Besonderheiten ihrer Produkte und die Erfolgsfaktoren hinter der Auszeichnung – mit konkreten Einblicken und Best Practices für die Praxis. |
Frage: Frau Spindler, das Programm liegt ja schon im Namen angelegt – wie kam es überhaupt zur Gründung einer „EthikBank“?
Antwort: Die Geschichte der EthikBank begann bereits im Jahr 1999, als wir beschlossen, in der Volksbank Eisenberg, unserem Mutterunternehmen, Förderkonten anzubieten: ein Frauen-, ein Umwelt- und ein Ethikkonto. Wer sein Geld dort anlegte, sollte eine sichere Rendite erhalten und einen kleinen Teil des Ertrags durch Zinsen einem guten Zweck zuführen. Nur ein Jahr später wurde ein Journalist, der sich auf „Grünes Geld“ spezialisiert hatte, auf unser Förderkonzept aufmerksam. Dieser empfahl uns, eine „Grüne Bank“ zu etablieren und klare, nachhaltige Anlagekriterien einzuführen.
Im Dezember 2002 fiel dann der Startschuss für die EthikBank – zunächst als Direktbank für ethische Tagesgeldkonten. Schritt für Schritt wurde das Produktangebot erweitert. Neben dem Tagesgeld bietet die Bank nun Girokonten, Depots, Geldanlagen und Kredite für Privatpersonen, Freiberufler, kleine und mittelständische Unternehmen sowie gemeinnützige Organisationen an.
Frage: Was unterscheidet Sie von normalen Banken?
Antwort: Unser Anspruch als Bank ist es, das Geld unserer Kundinnen und Kunden ausschließlich i. S. v. Mensch, Natur und Umwelt zu investieren, um einen positiven Beitrag für die Zukunft zu leisten. Das Herz der EthikBank schlägt in ihrer sozialökologischen Anlagepolitik – einem Mix aus Negativ- und Positivkriterien. Diese sind transparent auf unserer Website einsehbar. So investieren wir nicht in Rüstungsgeschäfte, Atomkraft oder in Unternehmen, die Kinderarbeit zulassen. Die Unternehmen, die Geld von der EthikBank bekommen, müssen sich aktiv für eine nachhaltige Wirtschaftsweise engagieren.
Im Gegensatz zu konventionellen Banken legen wir kontinuierlich offen, wohin das Geld der Kundinnen und Kunden fließt. Im Sinne der Gläsernen Bank können alle Kapitalmarktanlagen, Beteiligungen und Kreditvergaben auf unserer Website transparent nachvollzogen werden. Zudem verpflichten wir uns selbst zu einer jährlichen Berichterstattung, um all unsere Maßnahmen, die wir im Sinne der Nachhaltigkeit treffen, offenzulegen.
Frage: Wie halten Sie dem Wettbewerb stand – oder müssen Sie das gar nicht?
Antwort: Bisher gibt es wenig Banken, die Nachhaltigkeit als Maßstab für verantwortungsvolles Banking heranziehen. Da wir jedoch gemeinsame Ziele verfolgen und den Wandel hin zu einem nachhaltigeren Finanzsystem unterstützen, pflegen wir einen partnerschaftlichen Austausch mit anderen nachhaltigen Banken.
Wesentlich ist: Nachhaltigkeit ist für uns kein Zusatzprodukt, sondern Teil unseres Geschäftsmodells und unserer Identität. Gleichzeitig sehen wir den Wandel im Finanzsektor positiv. Je mehr Banken nachhaltige Kriterien ernst nehmen, desto größer ist der Hebel für die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Unser Ziel ist es deshalb nicht nur, wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern auch Impulse zu setzen und zu zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und nachhaltiges Handeln zusammengehören.
Frage: Welche Meilensteine in Sachen Nachhaltigkeit, oder besser noch mehr Nachhaltigkeit, finden sich in Ihrer Unternehmensgeschichte?
Antwort: Mit der Unterzeichnung des „Paris Pledge“ 2015 hat die EthikBank früh Verantwortung übernommen und ein klares Signal für den Klimaschutz gesetzt. Als eine der ersten Banken bekannten wir uns öffentlich dazu, die weitere Förderung von Kohle konsequent abzulehnen und die Ziele des Pariser Klimaabkommens aktiv zu unterstützen. „Das Versprechen von Paris“ steht dabei für eine Verpflichtung von Finanzakteur:innen, diverse Kapitalströme an Klima- und Nachhaltigkeitszielen auszurichten. Für die EthikBank war das ein wichtiger Meilenstein, um die Nachhaltigkeit noch tiefer in unserem Geschäftsmodell zu verankern.
Frage: Sie wurden für Ihre Baufinanzierung ausgezeichnet, wie kam diese zustande, was sind die maßgeblichen Eckpfeiler?
Antwort: Die ökologische Baufinanzierung stellt eines unserer beliebten Ankerprodukte dar, die mehr leistet als herkömmliche Förderprogramme für Haus- und Wohnungsbaudarlehen. Der ÖkoBauKredit belohnt ökologisches Bauen mit speziellen Förderkonditionen, nach dem Prinzip: Je mehr eine Immobilie oder ein Bauprojekt für die Umwelt tut, umso geringer sind die Kreditzinsen. Er beschränkt sich nicht auf Energieeffizienz, sondern belohnt auch den besten Weg dorthin. Regenerative Energien und die Verwendung ökologischer Baustoffe honoriert die EthikBank jeweils mit einem zusätzlichen Förderbonus.
Frage: Gibt es noch andere Projekte in Ihrem Haus, denen Sie selbst Nachhaltigkeitspreispotenzial zusprechen würden?
Antwort: Als EthikBank unterstützen wir mit Bankspenden seit vielen Jahren drei ausgewählte Förderprojekte, um dort Hilfe zu leisten, wo sie dringend nötig ist. Entscheiden sich unsere Kundinnen und Kunden bei dem Tagesgeldkonto für eines unserer drei Förderkonten (ZinskontoUmwelt, ZinskontoFrauen oder ZinskontoEthik), spenden sie automatisch 0,25 % ihrer Zinsen an ein ausgewähltes Projekt.
Neben unseren Förderprojekten stellen wir ebenfalls Finanzierungslösungen für gemeinschaftliche Wohnprojekte zur Verfügung, bei denen Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen und nachhaltigen Lebensraum schaffen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht maximale Renditen, sondern bezahlbares, solidarisches und langfristig nachhaltiges Wohnen. So fördert das Produkt Projekte, die soziale Gemeinschaft stärken, Spekulation entgegenwirken und Wohnraum für alle zugänglicher machen.
Frage: Was ist Ihrer persönlichen Einschätzung nach der wesentliche Erfolgsfaktor für nachhaltige Projekte?
Antwort: Der wesentliche Erfolgsfaktor für nachhaltige Projekte ist langfristiges Denken – Nachhaltigkeit entfaltet ihre Wirkung dann, wenn sie konsequent gelebt wird, wirtschaftlich tragfähig ist und Menschen bereit sind, Veränderung gemeinsam mitzutragen. Entscheidend ist dabei, aus guten Ideen konkrete und verlässliche Lösungen zu machen, die dauerhaft echten Mehrwert für Gesellschaft und unsere Umwelt schaffen.
Frage: Wenn Sie drei Wünsche für Rahmenbedingungen in Deutschland frei hätten, welche wären das?
Antwort: Unternehmen und Finanzinstitute brauchen verlässliche politische Leitplanken und Planungssicherheit für nachhaltige Investitionen. Gerade bei Themen wie Energiewende, Infrastruktur oder Transformation der Wirtschaft brauchen wir eine langfristige Perspektive und keine kurzfristigen Richtungswechsel. Gleichzeitig braucht es Offenheit für nachhaltige Technologien sowie politische Rahmenbedingungen, die Innovationen fördern und den notwendigen Raum sowie Entwicklungskraft für Transformation geben.
Insgesamt wünschen wir uns Rahmenbedingungen, die Mut zur Veränderung fördern. Deutschland hat die Chance, wirtschaftliche Stärke und Nachhaltigkeit gemeinsam zu denken und genau darin liegt aus unserer Sicht die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts. Dafür ist es aber notwendig, dass wir aktiv vorangehen und uns nicht vor Neuausrichtungen scheuen.
Zur EthikBank — Die EthikBank wurde 2002 aus der Volksbank Eisenberg in Thüringen heraus gegründet und beschäftigt heute 70 Mitarbeitende. Mit ihrem Geschäftsmodell zählt sie seit acht Jahren in Folge zu den drei bestbewerteten deutschen Banken im unabhängigen Fair Finance Guide.