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  • · Fachbeitrag · Interview mit DNP-Preisträger & Best Practice

    Das Recht auf Reparatur zahlt keine Rechnung: Warum Versicherungsschutz über die Lebensdauer von Elektronikgeräten entscheidet

    Alexandra Buba im Interview mit Nina Ruhnow

    Der Gesetzgeber hat beschlossen, dass es ein Recht auf Reparatur geben soll. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher freut das, haben sie doch in der Vergangenheit oft aus Kostengründen eigentlich noch reparaturfähige Geräte weggeworfen. Allerdings ändert daran auch das Gesetz nichts, denn die Kosten für Reparaturen muss der Verbraucher weiterhin selbst tragen, so die Experten der Wertgarantie Group. Das Versicherungsunternehmen bietet seit über 60 Jahren mit dem Komplettschutz eine Reparaturkostenabsicherung für Elektrogeräte und Fahrräder sowie E-Bikes an. Nina Ruhnow erklärt, wie das funktioniert, warum der Ansatz schon immer nachhaltig ist und was das neue Gesetz bringt.

     

    MERKE — Im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Produkte (DNP) stellt PN in einer Interviewreihe die ausgezeichneten Lösungen und ihre Macher vor. Alexandra Buba spricht mit den Preisträgern über ihre Nachhaltigkeitsstrategien, die Besonderheiten ihrer Produkte und die Erfolgsfaktoren hinter der Auszeichnung – mit konkreten Einblicken und Best Practices für die Praxis.

     

    Frage: Frau Ruhnow, die Wertgarantie Group ist ein großes Unternehmen, dennoch kennt Sie kaum jemand, weshalb?

     

    Antwort: Wir sind so etwas wie der Riese in der Nische, dadurch, dass unsere Produkte maßgeblich über den Fachhandel vertrieben werden, treten wir für die Kundinnen und Kunden nicht so sehr in Erscheinung.

     

    Frage: Die Gründungsidee hatte in den 60er-Jahren Bezug zum technologischen Fortschritt, wie kam es dazu?

     

    Antwort: Ja, damals kamen gerade die großen, teuren Fernsehgeräte auf und mit ihnen der Gedanke, was passiert, wenn sie einmal kaputt gehen. Damit man sich in diesem Fall auch die Reparatur leisten konnte, entwickelten die Gründer den Komplettschutz, im Grunde schon in der Form, wie wir ihn auch heute anbieten: Alles, was einen Stecker oder einen Akku hat, kann man mittlerweile bei uns versichern. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um neue, gebrauchte oder refurbished Geräte handelt.

     

    Frage: Im Schadensfall schicke ich das Gerät zu Ihnen, Sie reparieren es. Warum ist das für Sie wirtschaftlich möglich, viele haben ja die Erfahrung gemacht, dass hinzugezogene Handwerker eher mit dem Kopf schütteln und einen Neukauf empfehlen...

     

    Antwort: Unsere Maxime lautet: Reparatur ist die erste Wahl. Das rechnet sich bei uns, weil wir Bündelungseffekte haben, wie sie generell in der Versicherungswirtschaft eine wichtige Rolle spielen. Als Resultat haben wir eine Reparaturquote von 68 % aller bei uns versicherten Geräte im Falle eines Defekts – während die Reparaturquote in deutschen Haushalten im Durchschnitt bei 23 % liegt.

     

    Frage: Nachhaltig ist reparieren statt wegwerfen ja schon immer, weshalb wurden Sie jetzt mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet?

     

    Antwort: Im Jahr 2025 konnten wir wichtige Erkenntnisse zum gesellschaftlichen Reparaturdiskurs beitragen. Denn unserer Studie zum Recht auf Reparatur, die wir zusammen mit dem IFH Köln und dem Bundesverband für Technik durchführten, untersuchte die potenziellen Auswirkungen der Gesetzgebung auf alle Stakeholder im Markt. In Kombination mit unserem Engagement rund um unsere Unternehmensmission „Reparieren statt Wegwerfen“ konnten wir die Jury von unserem Nachhaltigkeitsimpact überzeugen. Zuvor wurden wir auch schon mit anderen Awards ausgezeichnet, z. B. für unsere Kunstskulptur, den WERTGIGANT, der das Ausmaß des Elektroschrottproblems visualisiert und mit einer Aufklärungskampagne zur Ressourcenschonung aufruft. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist aber für uns insofern besonders wichtig, als dass er unsere eigenen Aussagen zum Thema Nachhaltigkeit durch die anerkannte Fachjury noch einmal extern belegt und hervorhebt.

     

    Frage: Was ist der zentrale Erfolgsfaktor in Ihrem Geschäftsmodell?

     

    Antwort: Enorm wichtig ist die Partnerschaft mit den Fachhändlern, die vielfach eigene Werkstätten für die professionelle Reparatur haben. Darunter sind auch Ketten, wodurch wir eine große Marktabdeckung haben.

     

    Frage: Interessiert Nachhaltigkeit im Verkaufsgespräch? Oder ist sie eher ein Abfallprodukt?

     

    Antwort: Tatsächlich steht die Absicherung der Kosten im Reparaturfall für die Kunden im Vordergrund. Die Nachhaltigkeit wird manchmal von den Händlern thematisiert, viele finden das gut, aber es ist für die meisten nicht das zentrale Argument.

     

    Frage: Welche Produkte haben Sie für die Zukunft in der Pipeline?

     

    Antwort: Wir pilotieren gerade ein Mietmodell für Elektronikgeräte in Deutschland, etwas Ähnliches praktizieren wir schon in Österreich, wo es hervorragend funktioniert. Dabei geht es im Wesentlichen darum, Haushaltselektrogeräte wie die Waschmaschine zu mieten und dies mit einer Versicherungspolice zu kombinieren. Dabei tragen wir die Verantwortung dafür, dass das Gerät immer in Stand gehalten wird.

     

    Frage: Wie kamen Sie persönlich zu Wertgarantie und was motiviert Sie, dabei zu bleiben?

     

    Antwort: Ich bin seit vier Jahren dabei und wollte in einem Unternehmen tätig sein, das eine authentische Haltung zum Thema „Nachhaltigkeit“ hat, zuvor war ich bereits Beraterin in diesem Bereich, habe auch zum Klimaschutz beraten und Nachhaltigkeitsmanagement studiert.

     

    Frage: Lassen Sie uns noch auf das geplante Gesetz zum Recht auf Reparatur schauen, wie ist Ihre Einschätzung dazu?

     

    Antwort: Wir sehen das Gesetz positiv, da es dabei hilft, die Kultur der Reparatur wieder salonfähig zu machen. Allerdings gibt es derzeit noch eine ganze Menge Missverständnisse, da viele Verbraucherinnen und Verbraucher irrtümlich davon ausgehen, Reparaturen seien dann kostenlos. Das ist selbstverständlich nicht der Fall, im Gegenteil: Auf Basis der Erkenntnisse aus unseren Studien gehen wir davon aus, dass die Reparaturkosten eher steigen werden, da der Gesetzentwurf dem Handel eine Reihe von Pflichten auferlegt, wie etwa die Lagerhaltung bestimmter Ersatzteile, die den gesamten Prozess verteuern. Für uns ist das natürlich eine große Chance: Denn auf diese Weise lohnt es sich noch einmal mehr, die Reparatur abzusichern.

     

    Zum Unternehmen — Die Wertgarantie Group ist ein Versicherungskonzern aus Hannover. Seit 1963 bietet das Unternehmen einen Komplettschutz für Consumer Electronics an, später kamen Fahrräder und vergleichsweise neu E-Bikes ins Portfolio. Die Gruppe beschäftigt rund 1.300 Mitarbeitende, die über acht Mio. Kunden betreuen. Der Vertrieb der Versicherungspolicen und die Reparatur der Geräte erfolgt u. a. über 7.200 Fachhandelspartner. International ist die Gruppe in Spanien, Frankreich, Portugal, Österreich und den Niederlanden vertreten.

     

    Weiterführender Hinweis

    Quelle: ID 50908503