· Fachbeitrag · Interview mit DNP-Preisträger & Best Practice
CO2 ganz einfach im Wasser speichern
Alexandra Buba im Interview mit Pia Schlemmer von Planeteers, Hamburg
Wasser, das nur ein bisschen mehr Mineralien enthält und im Austausch dafür Luft mit weniger CO 2 ? Das klingt nach Phantasterei, ist aber längst Realität in Hetlingen bei Hamburg und in Kiel. Dahinter steckt reine anorganische Chemie und ein CO 2 -Speicherungs-Verfahren, das messbarer und dauerhafter ist als alles bisherige. Entwickelt wurde es auf einer Forschungsgrundlage der Universität Hamburg, inzwischen zählt Planeteers, das Klimatechnologie-Unternehmen aus Hamburg, 25 Mitarbeitende. Pia Schlemmer ist eine davon und erklärt Entwicklung, Technologie und das Geschäftsmodell dahinter.
Frage: Frau Schlemmer, wie kamen Sie auf die Idee, aus CO2 mineralisiertes Wasser zu machen, und ist das so einfach, wie es klingt?
Antwort: Im Grunde schon, ja. Wir beschleunigen den Prozess, der ohnehin passiert, wenn Kalkstein verwittert. In der Natur dauert das viele Tausend Jahre, bei uns ein paar Sekunden. Chemisch entsteht aus der Reaktion von Wasser und CO 2 und anschließend Kalkstein am Ende Hydrogencarbonat, ein Stoff, den Sie auch hinten auf Mineralwasserflaschen ausgewiesen finden, da er ein wünschenswerter Bestandteil desselben ist.
Unser mineralisiertes Wasser allerdings stammt aktuell aus dem gereinigten Wasser von Kläranlagen und fließt dann nach ausreichender Verdünnung z. B. in die Nordsee, trinken würden Sie dies vermutlich also nicht wollen. Den Anstoß für unser Verfahren lieferte Dr. Jens Hartmann, Professor für aquatische Geochemie an der Universität Hamburg.
Frage: Begonnen haben Sie also buchstäblich in der Garage damit?
Antwort: Wir sind das klassische Garagen-Start-up, unsere Garage stand in Eimsbüttel. Basierend auf der Grundlagenforschung und der Laboranlage, folgte ein Demonstrator, bei uns in der Garage. Dieser wurde verbessert und in eine mobile Anlage in einem Container entwickelt. Mit ihr haben wir Felderfahrungen an vier unterschiedlichen Standorten, zwei Klärwerken und zwei Klärverbrennungsanlagen, gesammelt, in Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.
Die erste feste Pilotanlage entstand dann in Hetlingen, hier vor den Toren Hamburgs, inzwischen ist sie nach international anerkannten Standards – „Isometric“ – zertifiziert. Das ist entscheidend, denn unser wichtigstes Geschäftsfeld neben der Dienstleistung für große Emittenten ist der Zertifikatehandel. Derzeit sind wir in der Phase der zweiten Finanzierungsrunde und suchen gezielt Investoren, die uns als langfristige Partner beim Skalieren unterstützen.
Frage: Warum braucht es eine Kläranlage für Ihre Technologie?
Antwort: Die braucht es gar nicht zwingend, aber wir haben damit begonnen, weil wir hier zum einen das gereinigte Abwasser verwenden können und zum anderen das CO 2 aus biogenen Quellen, etwa Klarschlammverbrennungsabluft beziehungsweise aus den Emissionen der angeschlossenen Blockheizkraftwerke oder der Klärgasverwertung, entnehmen können.
Frage: Sie haben bereits Zertifikate verkauft, bauen gerade ihre zweite Anlage in Kiel zu Ende, geplant ist eine dritte, noch größere für die Stadt Hamburg. Von welchen Kapazitäten sprechen wir hier, und was sind diesbezüglich Ihre Ziele?
Antwort: Die Pilotanlage in Hetlingen schafft 60 t pro Jahr, die nächstgrößere in Kiel bereits 1.000 t in der ersten Ausbaustufe, in Hamburg sollen es 10.000 t sein, mehr als die Anlage derzeit überhaupt ausstößt. Bis zur Mitte des Jahrhunderts wollen wir mit unserer Technologie jedes Jahr eine Gigatonne CO 2 entfernen. Das wäre dann eine negative CO 2 -Bilanz. Mich treibt das an, denn ich will etwas bewegen, und nicht nur leben, um gelebt zu haben.
Frage: Sie haben von der Gründerberatung der Stadt Hamburg zu einem Start-up gewechselt – weshalb?
Antwort: Ich liebe meinen Job hier, und war ein Fan der ersten Stunde, als ich das Unternehmen kennenlernte. Die Leute hier haben nicht nur 100 % Bock, sondern sind alle auch sehr erfahren, in der Industrie, aber auch beim Thema Gründung, die Geschäftsführer waren lange bei Airbus beziehungsweise Linde, deshalb steckt hier wirklich viel Erfahrung dahinter. Gleichzeitig ist die Atmosphäre unglaublich wertschätzend, das hat mich sofort angesprochen, und deshalb habe ich den sichereren Job gegen den für mich besseren eingetauscht – mit mehr Impact.
Frage: Lassen Sie uns einmal auf die Technologie und das Marktumfeld zurückkommen. Was unterscheidet Sie von anderen Technologien zur CO2-Speicherung?
Antwort: Wir haben eine Lösung entwickelt, die CO 2 in einem einzigen Prozess entnimmt und speichert. Man entfällt das klassische Speicher-Problem samt der Herausforderungen eines geologischen Untergrunds und der dafür nötigen Infrastruktur. Wichtig ist uns außerdem, was mit dem Wasser passiert, nachdem wir es mit Hydrogencarbonat angereichert haben. In Kiel werden die Auswirkungen auf den Ozean deshalb wissenschaftlich begleitet und untersucht. Im Vergleich zu anderen Speichertechnologien können wir sicher sagen: Das CO 2 bleibt mindestens 100.000 Jahre gespeichert. Die Menge ist messbar, und das System läuft permanent, unabhängig von äußeren Einflussgrößen. Genau das unterscheidet uns von anderen Technologien. Unser Ziel ist es deshalb, nicht nur Zertifikate zu verkaufen, sondern auch unsere Technologie an Unternehmen oder Kommunen zu veräußern, die sie freiwillig nutzen möchten oder aber dies aus Compliancegründen müssen.
Zum Unternehmen — Die Planeteers GmbH wurde 2022 in Hamburg von Ingenieuren, Wissenschaftlern und Unternehmern mit dem Ziel gegründet, eine wissenschaftsbasierte Technologien zur CO2-Entnahme und Speicherung zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt auf Messbarkeit und Nachprüfbarkeit. Das Geschäftsmodell beinhaltet sowohl den Zertifikatehandel als auch die klassische EPC-Dienstleistung.