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·Fachbeitrag ·Überörtliche Berufsausübungsgemeinschaften

Die Honorarverteilung in der überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft

von Dipl. Wirtschaftsingenieur Oliver Frielingsdorf, Köln

| Bei überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaften (ÜBAG) reicht die Bandbreite von der kleinen Zweier-ÜBAG bis zum großen interdisziplinären Behandlernetzwerk aus zahlreichen Einzelpraxen, Gemeinschaftspraxen und MVZ. Sie alle müssen das Gesamthonorar, dass von der KV auf das ÜBAG-Konto ausgezahlt wird, fair und nachvollziehbar auf die einzelnen Standorte und Partner aufteilen. Unklare oder unfaire Honorarverteilungsschlüssel, die einzelne Partner dauerhaft schlechter stellen, führen mittelfristig zum Auseinanderbrechen eines ansonsten vorteilhaften und strategisch wertvollen Verbundes. |

1. Honorardifferenzierung durch KVen häufig irreführend

Mittlerweile liegen umfangreiche Erfahrungen zu möglichen Fehlern bei der Honorarverteilung innerhalb einer größeren ÜBAG vor. Aus dieser Erfahrung lassen sich deutliche Empfehlungen ableiten, wie Abläufe und Verteilungsschlüssel gestaltet sein müssen, um Fehler und wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden.

 

Die gleichmäßige (also leistungsunabhängige) Aufteilung der Honorare auf alle Partner einer ÜBAG ist nicht nur unüblich, sondern auch wenig empfehlenswert. Denn bei dieser Art der Honorarverteilung bleiben die unterschiedlichen Leistungsmengen und Fallzahlen der einzelnen Partner unberücksichtigt.

 

Bewährt hat sich hingegen eine Vereinbarung, nach der jeder Partner denjenigen Anteil am gesamten KV-Honorar (ggf. nach Abzug von Gemeinschaftskosten) erhält, der seinem persönlichen Leistungsbeitrag entspricht. Dass dies ein fairer Ansatz ist, ist unmittelbar einleuchtend. Bei der praktischen Umsetzung ergeben sich jedoch schnell Fragen, die es zu klären gilt. Denn wie kann dieser „persönliche Leistungsbeitrag“ jedes Partners berechnet werden?

 

In die Bresche springen scheinbar die KVen, deren Consult-Töchter in vielen Fällen eine „ÜBAG-interne Honorardifferenzierung“ anbieten. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass diese KV-Auswertungen in den meisten Bundesländern untauglich sind.

 

  • So wird in fachgleichen ÜBAG das RLV von vielen KVen nach einer Übergangsfrist gleichmäßig auf alle Partner aufgeteilt - unabhängig von der individuellen Fallzahl und damit losgelöst von der individuellen Leistung. Hierdurch werden fallzahl-schwache Standorte unsachgemäß bevorteilt.

 

  • Ein anderer KV-Ansatz bei der Honorarverteilung besteht darin, die Honorare im Verhältnis der abgerechneten Quartalsleistung auf die einzelnen Partner zu verteilen. Während dieses Prinzip im Bereich der extrabudgetären Leistungen tragfähig ist, versagt es im budgetierten Bereich. Denn hier kommt es keineswegs darauf an, wer die meisten Leistungen abrechnet, sondern darauf, wer sein verfügbares RLV bestmöglich nutzt. Eine solche Regelung (die an einer einheitlichen Auszahlungsquote für die RLV-Leistungen jedes Partners erkennbar ist) löst einen ÜBAG-internen Hamsterrad-Effekt aus.

 

  • In fachübergreifenden ÜBAG verteilen viele KV das insgesamt zur Verfügung stehende RLV nach Arztfällen auf die einzelnen Partner. Was zunächst fair klingt, kann in bestimmten Konstellationen zu schwerwiegenden Probleme führen, die zudem nicht leicht zu erkennen sind.

 

Die Problematik offenbart sich insbesondere in ÜBAG mit Standorten unterschiedlicher Größe (bspw. Einzelpraxen und große Gemeinschaftspraxen). An den großen Standorten wird aus medizinischen Gründen häufig eine kooperative Patientenbehandlung praktiziert. Hierdurch werden Arztfälle generiert, denn aus einem Patienten, der an einem Standort von zwei Ärzten innerhalb eines Quartals gemeinsam behandelt wird, werden zwei Arztfälle. Die an Arztfällen orientierte RLV-Aufteilung mehrerer KVen tendiert in solchen Fällen deutlich dazu, den großen Standorten zulasten der Einzelstandorte überproportional viel RLV zuzurechnen. Ein Ungleichgewicht, welches bei längerem Andauern zum Zerfall einer ansonsten sinnvollen und vorteilhaften ÜBAG führen kann.

2. Fairer Schlüssel für die Honorarverteilung

Nach unserer Erfahrung gelingt eine faire und für alle Partner dauerhaft tragfähige Honorarverteilung gerade in komplizierten Konstellationen nur auf einem Weg. Jedem Standort wird hierzu derjenige Anteil am Gesamthonorar zugewiesen, den dieser Standort tatsächlich zahlungswirksam erwirtschaftet hat. Ein wichtiger Einflussfaktor für das tatsächlich pro Standort erwirtschaftete Honorar ist das pro Standort verfügbare RLV. Zwangsläufig muss also das Gesamt-RLV einer ÜBAG auf die einzelnen Standorte aufgeteilt werden, um zu einer fairen Gewinnverteilung zu gelangen.

 

Für jeden Standort wird dazu quartalsweise die Behandlungsfallzahl ermittelt. Die Behandlungsfallzahl (und keineswegs die Arztfallzahl) ist hierbei der Schlüssel zur fairen Honorarverteilung. Denn während die Arztfallzahlen an größeren Standorten mit kooperativer Behandlungsweise deutlich erhöht sind, hebt die Behandlungsfallzahl ausschließlich auf die Anzahl der tatsächlich behandelten Patienten ab. Das von der KV insgesamt zugewiesene RLV wird sodann im Verhältnis der erhobenen Behandlungsfallzahlen auf die einzelnen Standorte verteilt.

 

Einzig das hier beschriebene Grundprinzip stellt sicher, dass alle ÜBAG-Standorte gleichermaßen an den honorartechnischen Auswirkungen der ÜBAG-Gründung partizipieren. Fällt beispielsweise das ÜBAG-Honorar um 5% höher aus, als dies bei getrennter Abrechnung der Fall wäre, so kommt auch jeder Standort in den Genuss eines 5%igen Aufschlages. Dies ist die Grundlage für eine gedeihliche langfristige Zusammenarbeit, in der kein Partner bevorzugt oder benachteiligt wird. Varianten und individuelle Anpassungen dieses Grundprinzips sind je nach Gegebenheiten in einer ÜBAG möglich und sinnvoll.

3. Quartalsabschluss durch den Steuerberater

Eine wie zuvor beschriebene Honorardifferenzierung stellt die Basis dar für den Quartalsabschluss, der üblicherweise durch den Steuerberater der ÜBAG erstellt wird. Es geht zunächst darum, von den ermittelten Honoraranteilen die von der KV einbehaltenen Kürzungen und Einbehalte je Standort in Abzug zu bringen (vgl. Tabelle 1). Da einige der von der KV vorgenommenen Abzüge nicht alle Ärzte einer ÜBAG gleichermaßen betreffen, ist äußerste Sorgfalt geboten.

 

  • Tabelle Quartalsabschluss: Vom Honoraranteil zur RestzahlungDarstellung der Zahlungsströme für das Quartal II/2013 [EUR]

Zeile

NAME

Praxis A

Praxis B

Praxis C

Praxis D

Summe = ÜBAG

1

Honoraranteil Gesamt

98.910,89

207.818,96

56.978,95

95.605,20

459.314,00

2

Beiträge und Kosten

-7.078,80

-820,00

0,00

-4.908,96

-12.807,76

3

Verwaltungskosten KV

-2.571,68

-5.403,29

-1.481,45

-2.485,74

-11.942,16

4

Kostenanteil ÜBAG

-6.250,00

-6.250,00

-6.250,00

-6.250,00

-25.000,00

5

Auszahlungsanspruch

83.010,41

195.345,67

49.247,50

81.960,50

409.564,08

6

bereits erhalten

-83.000,00

-194.600,00

-49.500,00

-62.600,00

-389.700,00

7

Saldo

10,41

745,67

-252,50

19.360,50

19.864,08

 

Ausgehend von den zuvor ermittelten Honoraranteilen der einzelnen Partner (Zeile 1 in Tabelle 1) werden nachfolgend die von der KV vorgenommenen Abzüge den Partnern zugeordnet. In Zeile 2 werden zunächst die von einigen (aber nicht allen) Partnern über die KV abgeführten Zahlungen in das Versorgungswerk und an die Ärztekammer abgezogen. Partner B hat aufgrund von ausscheidenden und neu hinzutretenden Ärzten Abzüge in Form von Zulassungsgebühren zu tragen. Partner C führt seine Zahlungen an das Versorgungswerk selber ab und hat daher keine Abzüge.

 

Entsprechend der jeweils erwirtschafteten Honorare tragen alle Partner anteilig die Verwaltungskosten der KV (Zeile 3). Schließlich ist zu bedenken, dass eine ÜBAG üblicherweise einige Kosten zu bestreiten hat. Zwar werden aus Gründen der Autonomie die meisten Kosten regelmäßig als Sonderbetriebsausgaben von jedem Partner selber beglichen, aber einige Kosten müssen (nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen) von der ÜBAG als Partnerschaft bestritten werden. Zu denken ist an Teile der Personal- oder an Verwaltungskosten.

 

Nach einem ebenfalls im Regelwerk zu hinterlegenden Schlüssel müssen diese Kosten der ÜBAG vor Auszahlung von Honoraren auf die Partner umgelegt werden. Im vorliegenden Fall tragen alle Partner diese Kosten zu gleichen Teilen (Zeile 4).

 

In Zeile 5 ist schließlich der Auszahlungsanspruch jedes Partners für das betrachtete Quartal dargestellt. Dieser berücksichtigt wie zuvor beschrieben die folgenden Aspekte:

 

  • Vereinbarte Regel zur Honorarverteilung
  • Leistungsanteil jedes Partners
  • Individuelle Abzüge
  • Allgemeine KV-Abzüge
  • Umlage von ÜBAG-Kosten

 

Schließlich sind noch die in diesem Quartal bereits erfolgten Abschlagszahlungen je Standort (Zeile 6) in Abzug zu bringen, um das Quartal abschließen und die Restzahlungen ermitteln zu können (Zeile 7).

4. Fazit

Der dauerhafte Bestand einer ÜBAG erfordert zum einen eine geeignete Regelung zur Honorarverteilung und zum anderen die Fähigkeit, diese praktisch umzusetzen. Die Herausforderungen an das Praxis-Controlling sind dabei beträchtlich. In der Praxis hat es sich bewährt, die nötigen Rechenoperationen und die Steuerung der Zahlungsströme in externe, neutrale Hände zu geben. Auf diese Weise wird Argwohn und Verdacht innerhalb der Partnerschaft von vornherein der Nährboden entzogen. Beschwerden oder Unzufriedenheit einzelner Partner beeinträchtigen nicht das Klima innerhalb der Partnerschaft, sondern werden mit dem externen Honorar-Controller verhandelt.

 

Weiterführender Hinweis

Zum Autor | Der Autor ist Geschäftsführer der Frielingsdorf Consult GmbH und Dozent bei der Frielingsdorf-Akademie, die auch Fortbildungen zum Fachberater im ambulanten Gesundheitswesen anbietet (www.frielingsdorf-akademie.de).

Quelle: Ausgabe 04 / 2014 | Seite 109 | ID 42541052