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·Fachbeitrag ·Praxisrentabilität

Mehr Gewinn, ohne mehr zu arbeiten? Klar geht das.

von StB Christoph Gasten, Köln, www.laufmich.de und StB Frank Kuhnert, Krefeld, vpmed.de

| Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist die Abrechnungsgrundlage für Leistungen an Privatpatienten oder Selbstzahlerleistungen bei Kassenpatienten. Der Anteil dieser Einnahmenbereiche an den Gesamteinnahmen ist in den meisten Arztpraxen in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen, Tendenz steigend. Damit wächst die Bedeutung der GOÄ und deren richtige Anwendung für den Praxiserfolg! Der Beitrag zeigt, es gibt viele gute Gründe sich intensive Gedanken um die monatliche Abrechnung zu machen und zu prüfen, ob eine Optimierung möglich ist. |

1. Richtig abrechnen nach der GOÄ

Die Abrechnung der ärztlichen Leistungen gehört zu den täglichen Routineaufgaben eines niedergelassenen Arztes. Nicht selten wird diese Aufgabe an einen Praxismitarbeiter delegiert. Die Sorgfalt und die investierte Zeit kommen für den Stellenwert dieser Arbeit häufig durch den Alltagsstress zu kurz. Bei der Dokumentation der Behandlungsleistungen und der Abrechnung, die im Idealfall monatlich, manchmal nur quartalsweise erfolgt, schleichen sich in vielen Praxen Flüchtigkeitsfehler ein oder bestehen Wissenslücken zu den Abrechnungsmöglichkeiten. Einzelne GOÄ-Ziffern oder -Ziffernketten werden nicht vollständig dokumentiert oder aus Unwissenheit weggelassen, Neuerungen in der Abrechnung oder indizierte Steigerungsmöglichkeiten nicht berücksichtigt.

 

PRAXISHINWEIS | Dabei ist die Ausschöpfung des Abrechnungsrahmens der gültigen GOÄ strenggenommen keine Wahlmöglichkeit, sondern sogar eine Pflichtaufgabe für einen zufriedenstellenden Praxiserfolg! Die Preise des gültigen GOÄ-Katalogs sind vor 20 Jahre festgelegt worden und basieren auf einem Kostenniveau aus dieser Zeit. Viele neue Behandlungsverfahren sind in der GOÄ überhaupt nicht abgebildet und müssen über Analogabrechnungen liquidiert werden. Die aus diesen Gründen lange überfällige neue GOÄ ist aber nicht in Sicht und jetzt offensichtlich auch erst einmal wieder auf Eis gelegt. Umso wichtiger ist es, den bestehenden Gebührenrahmen der gültigen GOÄ optimal auszuschöpfen.

 

Bezogen auf den einzelnen Behandlungsfall kann es sich bei der Abrechnungsoptimierung dabei auch um durchaus vergleichsweise geringe Beträge handeln. Aber Kleinvieh macht auch Mist und vor allem in der Masse. Dieses Steigerungspotenzial für den Praxisumsatz möchten wir für den Bereich der Gesprächsleistungen darstellen, bevor wir am Ende die Hebelwirkung von Umsatzsteigerungen für den Praxiserfolg simulieren.

 

2. Die Macht der Gesprächsziffern

Besonders große Einnahmensteigerungen durch eine Optimierung der Abrechnung können bei den Ziffern erreicht werden, die tagtäglich oder bei fast jedem Patienten genutzt werden. Die Rede ist von den Gesprächsziffern. Fachübergreifend verwendet jeder Arzt täglich verschiedene Gesprächsziffern und Sonderleistungen. Eine Optimierung in diesen Bereichen ist aufgrund der hohen Fallzahl schon bei leichten Steigerungen je Fall sehr lohnenswert und aufgrund der häufigen Wiederkehr leichter umzusetzen.

 

  • Beispiel 1

Um zu verdeutlichen, welche Auswirkungen eine optimale Abrechnung der Gesprächsziffern für die Praxis hat, wollen wir ein Beispiel nennen. Bei einem längeren Gespräch beispielsweise (mehr als 10 min) reicht die Ziffer 1 mit dem Steigerungsfaktor 2,3 nicht mehr aus, um die erbrachte Leistung aufwandsgerecht abzubilden. In der Konsequenz bleibt die Möglichkeit eine Alternativziffer anstelle der 1 zu verwenden oder die Ziffer 1 entsprechend des tatsächlichen Aufwands zu steigern.

 

1. Bei der Anhebung des Steigerungsfaktors ist geregelt, dass innerhalb des Gebührenrahmens die Gebühren unter Berücksichtigung der Schwierigkeit und des Zeitaufwands der einzelnen Leistungen sowie der Umstände bei der Ausführung nach billigem Ermessen zu bestimmen sind (§ 5 GOÄ Abs. 2). Dies eröffnet die Möglichkeit bei zeitaufwendigeren Gesprächen den Steigerungsfaktor bis zu 3,5 anzuheben. Wie weit dieser angehoben wird, ist nach „billigem Ermessen“ und somit nach der Einschätzung des Behandlers abzuwägen.

 

Bei einem Steigerungssatz von 3,5 gegenüber vorher 2,3 bedeutet das beispielsweise ein Plus von 5,60 EUR bei der Abrechnungsziffer 1. Da es sich bei der Abrechnungsziffer 1 um die häufigste Abrechnungsposition in der ärztlichen Abrechnung handelt, kommt so schnell ein Honorarplus von mehreren Tausend Euro im Jahr zusammen.

 

2. Alternativ zur Abrechnung der Ziffer 1 wäre in einigen Fällen die Abrechnung der Ziffer 3 denkbar. Dies ist dann der Fall, wenn keine Sonderleistungen wie z. B. Sonographie, Röntgen oder EKG erbracht werden, das Beratungsgespräch aber mindestens zehn Minuten dauert. Da die Ziffer 3 allerdings nur mit den Ziffern 5,6,7,8, 800 und 801 kombinierbar ist, fällt die Abrechnungsmöglichkeit der Ziffer 3 oftmals weg.

 

Durch die konsequente Dokumentation von längeren Gesprächen und die Abrechnung von aufwendigeren Untersuchungen können auf diese Weise ohne zusätzlichen Aufwand höhere Abrechnungsbeträge je Patient in Rechnung gestellt werden. Eine durchschnittliche Steigerung des Fallwerts um 5 EUR je Patient führt beispielsweise bei 250 Privat- und IGeL Patienten pro Quartal zu einer Umsatzsteigerung in Höhe von 1.250 EUR pro Quartal und 5.000 EUR pro Jahr.

 

Bei der Verwendung von Steigerungsfaktoren sind Begründungen bzw. Erläuterungen notwendig, die patientenindividuell erfasst werden müssen. Hier sind Vereinfachungen aber möglich, allerdings müssen diese eingerichtet werden und Verwaltungszeit muss investiert werden.

3. Effekt der Steigerung der Einnahmen

Aber welchen Effekt hat eine Umsatzsteigerung in dieser Größenordnung auf den Praxisgewinn und auf das Geld, das am Ende zur Verfügung steht? Nachfolgende Überlegungen und Beispiele sollen den Hebeleffekt von Umsatzsteigerungen auf den Praxiserfolg klarer machen.

4. Der Gewinnhebel

Was heißt nun beispielsweise eine Honorarsteigerung von 10 % für die Entwicklung des Gewinns der Arztpraxis und das dem Arzt zur Verfügung stehende Einkommen?

 

GEWINNHEBEL = 10 % Mehrumsatz = (10 % Mehrgewinn) x X

 

Bei einer Steigerung des Umsatzes der Praxis von 10 % wird der Gewinn der Praxis deutlich überproportional ansteigen, also Steigerung des Gewinns von 20 % und mehr. Der Grund hierfür ist, dass die Praxisausgaben wie Personal- oder Raumkosten zum großen Teil fixe Posten sind. Bei einem Anstieg der Praxiseinnahmen des Arztes werden sich die Praxisausgaben nur wenig oder sogar gar nicht verändern. In dem hier betrachteten Fall der Abrechnungsoptimierung fallen außer ggfs. Schulungskosten keine weiteren laufenden Ausgaben an. Das Umsatzplus wird nahezu 1 : 1 zu einem Gewinnplus und die Gewinnsteigerung ist im Verhältnis zum Ausgangsgewinn prozentual höher. Diesen Zusammenhang verdeutlicht das nachfolgende vereinfachte Beispiel:

 

  • Beispiel 2

Die Zahlen zeigen, wie sich eine durch eine optimierte Abrechnung bewirkte Honorarsteigerung von 10 % auswirkt.

 

EUR p.a.
EUR p.a.

Einnahmen

400.000

440.000

10 %

Ausgaben

200.000

200.000

Gewinn

200.000

240.000

20 %

Abschreibungen

20.000

20.000

Investitionen

30.000

30.000

Darlehenstilgung

30.000

30.000

entnahmefähiger Gewinn

160.000

200.000

25 %

private Steuern

60.000

82.000

Vorsorge

25.000

25.000

Eigenheim

15.000

15.000

zum Leben verbleiben

60.000

78.000

30 %

 

Die Umsatzsteigerung in dem Beispiel in Höhe von +40 TEUR schlägt direkt in eine Gewinnsteigerung (+ 40 TEUR) in gleicher Höhe durch, weil keine zusätzlichen Ausgaben entstehen. Rechnen wir zu dem Praxisgewinn Abschreibungen hinzu und ziehen Investitionen sowie Darlehenstilgungen ab, erhalten wir den entnahmefähigen Gewinn aus der Praxis. Da sich die genannten Größen ebenfalls nicht verändern, steht der zusätzliche Gewinn in Höhe 40 TEUR auch zu 100 % als zusätzliches Entnahmepotenzial zur Verfügung. Nach Abzug der Steuern, der Vorsorgebeträge und beispielsweise Eigenheimfinanzierungen verbleibt am Ende ein deutlicher Mehrbetrag zum Leben. In unserem Beispielsfall sind aus einem Umsatzplus in Höhe von 10 % damit ein Gewinnplus in Höhe von 20 % und ein verfügbares Geldplus in Höhe von 30 % geworden.

 

Zur Einschätzung der Umsatzpotenziale einer Praxis empfehlen wir einen Vergleich der Umsätze mit dem Fachgruppendurchschnitt oder Werten erfolgreicher Praxen in Form eines „Benchmarking“ zu erstellen. Dieser Vergleich gibt ein erstes Gefühl über mögliche Umsatzpotenziale in der Praxis und wo es sich lohnt, tiefer einzusteigen. Durch eine Gegenüberstellung der eigenen Umsätze und Fallzahlen mit denen der fachgleichen Kollegen kann abgeschätzt werden, wie hoch das eigene Potenzial bei einer Abrechnungsoptimierung ist und auf welche Bereiche man sich in der Praxis fokussieren sollte.

 

  • Beispiel 3

Praxis Mustermann (Orthopädie)
Fachgruppendurchschnitt

EUR p.a.

EUR p.a.

EUR

Privat-/IGeL-

Umsatz

190.000

218.000

Privat-/IGeL-

Fallzahl

800

879

Privat-/IGeL-

Fallzahl

237,50

248,01

10,62

 

 

Je stärker die Abweichung des Fallwerts ausfällt, desto lohnender wird eine Abrechnungsberatung für die Praxis werden.

5. Fazit

Das verfügbare Einkommen des Arztes steigt in unserem Beispiel bei einer Umsatzsteigerung von 10 % pro Jahr insgesamt um 30 % an - ohne laufende Mehrarbeit beim Arzt zu verursachen. Dieses einfache Beispiel gibt ein Gefühl für die Wirkungszusammenhänge zwischen Umsatz, Gewinn und verfügbarem Einkommen in der Arztpraxis wegen des hohen Anteils fixer Praxisausgaben. Also: Mehr-Praxisgewinn ohne Mehr-Arbeit! Es geht doch und ist letztlich nur das Ergebnis von mehr Sorgfalt bei der Abrechnung von Privat- und Selbstzahlerleistungen und der konsequenten Ausnutzung der Abrechnungsmöglichkeiten.

Quelle: Ausgabe 09 / 2016 | Seite 240 | ID 44079651