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26.03.2009 |Vermögensverwaltende GmbH

Auswegstrategie vor der Abgeltungsteuer?

von Dipl.-Finanzw. Robert Kracht, Bonn

Für Freiberufler mit umfangreichem Privatdepot kann es sich lohnen, eine vermögensverwaltende GmbH zu gründen und das bislang private Kapital in diese Gesellschaft einzubringen. Diese bietet vor allem Vorteile aufgrund der Steuerfreiheit bei Aktienverkäufen und Dividenden sowie bei dauerhafter Gewinnthesaurierung. Allerdings kann sich diese Entscheidung negativ auswirken, wenn zügig Ausschüttungen erfolgen oder es zur Einordnung als Finanzunternehmen kommt. Der Beitrag beleuchtet daher das Für und Wider der „Spardosen-GmbH“. 

1. Aspekte für eine höhere Nettorendite

Um der Abgeltungsteuer auszuweichen, gibt es den „Fluchtweg“ über eine Kapitalgesellschaft. Die zuvor privat gehaltenen Wertpapiere werden entweder in eine bestehende Freiberufler-GmbH eingelegt oder die GmbH wird nur für diesen Zweck gegründet. Aufgrund der Belastung mit Körperschaftsteuer und mit Gewerbesteuer von 29 % bringt das auf den ersten Blick keine Vorteile, da diese über dem Abgeltungstarif liegt. Dennoch bietet die Spardosen-GmbH drei grundlegende Vorteile: 

 

  • Erträge aus Kapitalgesellschaften bleiben gemäß § 8b KStG zu 95 % steuerfrei. Das gilt für Gewinnausschüttungen über Aktien, Genossenschaftsanteile, Aktienfonds, Anteile an einer anderen GmbH sowie Kursgewinne mit solchen Wertpapieren.

 

  • Der hiermit in Zusammenhang stehende Aufwand zählt in voller Höhe als Betriebsausgabe, während die Kosten für die Geldanlage im Bereich des § 20 EStG ab 2009 nicht mehr berücksichtigt werden.

 

  • Negative Kapitaleinnahmen mindern das Einkommen der GmbH, während Verluste lediglich mit anderen positiven Kapitalerträgen verrechenbar sind (§ 20 EStG). Veräußerungsverluste bei Anteilen i.S. des § 8b Abs. 2 KStG sind aber steuerlich nicht abziehbar.

 

Zu beachten ist, dass Streubesitzdividenden gemäß § 9 Nr. 7 GewStG der Gewerbesteuer unterliegen, was eine Belastung von rund 14 % ausmacht. Dennoch ergibt sich eine bessere Nettorendite. 

 

Beispiel

Ein Arzt erzielt mit Aktien jährlich 40.000 EUR Dividenden. An Kosten fallen rund 1.000 EUR an. Die Abgeltungsteuer beträgt (40.000 x 25 %) 10.000 EUR. Im Rahmen der GmbH liegen die stpfl. Einnahmen bei (5 % x 40.000) 2.000 EUR. Abzüglich der Kosten fällt (1.000 x 15 %) 150 EUR KSt an. Hinzu kommt die Gewerbesteuer von rund 5.500 EUR. Netto verbleiben also unter Berücksichtigung der Kosten im Privatbereich 29.000 und bei der GmbH 33.350 EUR. 

 

Der Vorteil der GmbH (von im Beispiel 4.350 EUR) verbessert sich noch, sofern keine Gewerbesteuer entsteht. Das ist der Fall bei  

 

  • Anteilen an einer GmbH ab 15 % (kein Streubesitz),

 

  • realisierten Gewinnen (derzeit eher unwahrscheinlich, aber bei langfristiger Anlageplanung durchaus zu berücksichtigen).

 

Die Steuerersparnis führt per saldo dazu, dass Kapitaleinnahmen in deutlich größerem Umfang als im Privatbereich unter Ausnutzung des Zinseszinseffekts reinvestiert werden können. Allerdings sind zwei Aspekte zu überdenken: 

 

  • Die Verschiebung lohnt aufgrund der zusätzlich anfallenden Gründungskosten und laufenden Aufwendungen etwa für die Buchhaltung nur bei Vermögen in nennenswerter Höhe.

 

  • Über das JStG 2009 war bereits konkret geplant, die Steuerfreiheit des § 8b KStG bei Streubesitz (Beteiligung unter 10 %) zu streichen. Dies solle auch für indirekte Streubesitzbeteiligungen über einen Investmentfonds gelten. Dieses Vorhaben (in § 8b Abs. 4 KStG-E) wurde zwar zunächst nicht umgesetzt, schwebt aber weiterhin als latente Gefahr über der Spardosen-GmbH.

2. Die Nachteile der Spardosen-GmbH

Gegen eine Kapitalgesellschaft könnte sprechen, dass sie - im Gegensatz zum Privatanleger - ihren Jahresabschluss im elektronischen Handelsregister veröffentlichen muss. Die Ergebnisse der Geldanlage stehen also für jeden sichtbar im Internet, was für viele Sparer undenkbar ist. Darüber hinaus endet der Vorsprung bei der Nettorendite, sofern die GmbH ihre zuvor thesaurierten und moderat besteuerten Kapitalerträge ausschüttet. 

 

Fortsetzung des Beispiels

Die GmbH schüttet ihren Gewinn von 33.350 EUR im Folgejahr aus. Hierauf wird dann 8.337 EUR Abgeltungsteuer fällig, was den Nettoertrag auf 25.013 EUR und damit deutlich unter das Ergebnis im Privatbereich drückt. Der Gesellschafter kann zwar auf Antrag das Teileinkünfteverfahren nutzen, dann erhöht die Ausschüttung aber auch die Progression auf sein übriges Einkommen. 

 

Daher lohnt die Spardosen-GmbH nur bei dauerhafter Thesaurierung. Dies kommt z.B. in Betracht, wenn das Depot ohnehin für die Nachfolgegeneration gedacht ist und bis dahin unter dem GmbH-Mantel optimiert wachsen kann. Allerdings lassen sich im späteren Erbfall nicht mehr die Vorteile des § 13a ErbStG nutzen, da es sich um schädliches Verwaltungsvermögen handelt. Es kommt daher zu einem Gleichstand mit privat gehaltenem Kapital. 

3. Die Auswirkung der Kosten

Während es bei den Kapitaleinkünften seit Jahresanfang keinen Werbungskostenabzug mehr gibt, lässt sich der Aufwand beim Einkommen der GmbH unverändert in voller Höhe mindernd absetzen. Dabei reichen schon wenige Betriebsausgaben zum Ausgleich der zu 5 % steuerpflichtigen Dividenden. Insoweit entfällt die KSt-Belastung vollständig. 

 

Beispiel

Dividenden von 40.000 EUR stehen Kosten und insbesondere Schuldzinsen auf Kredite für den Aktienerwerb von 20.000 EUR gegenüber. Der wirtschaftliche Jahresertrag beträgt also 20.000 EUR. 

 

Anlage erfolgt 

in GmbH 

privat 

Dividenden 

40.000 

40.000 

davon steuerpflichtig 

2.000 

40.000 

Betriebsausgaben/Werbungskosten 

-20.000 

Einkünfte insgesamt 

-18.000 

40.000 

Abgeltungsteuer (25 %)  

-10.000 

GewSt (20.000) x 14 % 

-2.800 

 

Wirtschaftlicher Nettoertrag 

17.200 

10.000 

 

Da sich das negative körperschaftliche Einkommen über den Verlustvortrag nie auswirken wird, können in die GmbH noch sonstige Wertpapiere eingelegt werden. Hierdurch können dann Zinserträge insoweit von der Abgeltungsteuer entlastet werden. 

 

4. Die Gründung der Spardosen-GmbH

Durch das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts muss das Stammkapital jetzt zwar nicht mehr mindestens 25.000 EUR betragen. Da sich eine Gründung aber ohnehin erst ab sechsstelligen Beträgen lohnen wird, bringt diese Vereinfachung nichts. Aber immerhin lassen sich etwa im Familienkreis individueller die jeweilige Höhe der Stammeinlagen bestimmen und für unkomplizierte Bargründung mit höchstens drei Gesellschaftern Musterprotokolle verwenden. Zudem werden die Eintragungszeiten beim Handelsregister verkürzt und bei der Gründung von Ein-Personen-GmbHs auf die Stellung besonderer Sicherheitsleistungen verzichtet.  

 

Aktien oder Fonds, die der Freiberufler aus seinem Privatdepot einbringt, sind in der GmbH mit dem Teilwert oder den fortgeführten Anschaffungs- und Herstellungskosten (§ 6 Abs. 1 Nr. 5 EStG) zu bewerten. Beim Anleger liegt ein Veräußerungsgeschäft durch die Hingabe von Kapitalvermögen gegen GmbH-Anteile vor, die im Rahmen des § 23 EStG oder beim Erwerb nach 2008 über § 20 EStG steuerpflichtig sind. Bei Anteilen i.S. des § 17 EStG kann auf Antrag der Buch- oder ein Zwischenwert angesetzt werden (§ 21 UmwStG), was Auswirkung auf den Bilanzansatz, den Veräußerungspreis und die neuen Anschaffungskosten für die Spardosen-GmbH hat.  

 

Hinweis

Sofern im Rahmen der GmbH-Gründung unter dem Aspekt der Nachfolgeplanung auch Kinder oder Enkel einbezogen werden sollen, muss beim minderjährigen Nachwuchs ein Ergänzungspfleger eingeschaltet werden. Da die Schenkung von GmbH-Anteilen nicht nur mit Vorteilen, sondern auch mit Pflichten verbunden ist, können Eltern ihre Kinder unter 18 Jahren nicht selbst vertreten. 

 

5. Die Gefahr der Einstufung als Finanzunternehmen

Die ganzen Gründungsformalien für eine erhoffte Steuerfreiheit waren umsonst, wenn die Ausnahmevorschrift des § 8b Abs. 7 KStG greift. Hiernach wird die Anwendung des § 8b Abs. 2 KStG ausgeschlossen, wenn es sich um Finanzunternehmen i.S. des KWG handelt. Nach Ansicht der Verwaltung zählen dazu Holding sowie grundsätzlich auch vermögensverwaltende Kapitalgesellschaften (BMF 25.7.02, BStBl I 02, 712). Dabei wird das schädliche Merkmal des Erwerbs der Anteile mit dem Ziel der kurzfristigen Erzielung eines Eigenhandelserfolgs immer dann erfüllt, wenn die Anteile dem Umlaufvermögen zuzuordnen sind.  

 

In diesem Fall sind Dividenden und Gewinne körperschaftsteuerpflichtig, der GmbH-Mantel wirkt sich dann negativ aus. Denn die spätere Ausschüttung wird erneut besteuert, sodass der Gesamttarif deutlich über dem Abgeltungssatz von 25 % liegt. Allerdings wirken sich Verluste dann auch mindernd auf das Einkommen der GmbH aus. 

 

Nach Ansicht des FG Hamburg (26.2.08, EFG 08, 1142) ist eine Beteiligungs- und Vermögensverwaltungs-GmbH als Finanzunternehmen einzustufen, weil der Begriff weit auszulegen ist. So soll kein laufender Beteiligungshandel erforderlich sein. Das FG stützt sich auf § 1 Abs. 3 S. 1 Nr. 1 KWG, wonach der Erwerb und das Halten von Beteiligungen ausreichend ist. Es umfasst sogar GmbH-Anteile, weil für die Handelbarkeit kein mit der Börse vergleichbarer Markt erforderlich ist. Es genügt, wenn der Anteil umlauffähig, also rechtlich übertragbar, ist und im Einzelfall kurzfristig unter Ausnutzung von Unterschieden zwischen Kauf- und Verkaufspreis veräußert werden kann. 

 

Hinweis

Diese Thematik wurde bislang höchstrichterlich noch nicht abschließend behandelt und auch aus der Praxis lassen sich im Umgang mit der Finanzverwaltung kaum Rückschlüsse auf die Vorgehensweise ziehen. Das mag daran liegen, dass die Vorschrift des § 8b Abs. 7 KStG noch relativ neu und es insbesondere vor der Abgeltungsteuer kaum das Bedürfnis zur Gründung einer Spardosen-GmbH gab. Hier sprach vor allem die Spekulationsfrist des § 23 EStG eher für Privatvermögen. Nunmehr muss sich der BFH in der Revision gegen das Urteil des FG Hamburg unter I R 36/08 mit der Abgrenzung beschäftigen. 

 

Ein maßgebliches Kriterium war bislang immer, ob die GmbH ihren Wertpapierbestand als Umlauf- oder Anlagevermögen behandelt hat. Beim Umlaufvermögen kommt zum Ausdruck, dass eine Eigenhandelsabsicht vorhanden ist. Der Ausweis als Anlagevermögen dokumentiert hingegen, dass die Wertpapiere dazu bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb und eben nicht der schnellen Veräußerung zu dienen. 

 

Zwar ist die Zuordnung zum Anlagevermögen der erste Schritt zur 95%igen Steuerfreiheit. Doch ein Ruhekissen ist dies angesichts der spärlichen Rechtsgrundlagen nicht. Als zusätzliches Indiz wirkt hier, dass die Wertpapiere nicht häufig an- und verkauft werden, es also nicht zu einem regen Börsenhandel kommt. Dies zeigt, dass die Titel dauerhaft dem Geschäftsbetrieb und nicht dem kurzfristigen Erfolg dienen. Als Richtmaß für die Mindesthaltefrist sollte hier der Zeitraum von einem Jahr gelten, der auch im Rahmen des § 23 EStG für private Veräußerungsgeschäfte maßgebend ist. Eine gesetzliche Definition für die Anwendung des § 8b Abs. 7 KStG gibt es allerdings nicht.  

 

Hinweis

Zur Abgrenzung empfiehlt sich die Lektüre eines BFH-Urteils zur Abgrenzung des gewerblichen Wertpapierhandels von der privaten Vermögensverwaltung - mit mehreren Verweisen (BFH 2.9.08, X R 14/07, BFH/NV 08, 2012). Hiernach liegt kein schädliches Finanzunternehmen vor, wenn es lediglich über eine Depotbank am Marktgeschehen wie normale Privatanleger teilnimmt. 

 

6. Fazit

Die Steuervorteile der Spardosen-GmbH liegen eindeutig in der langfristigen Thesaurierung der Kapitalerträge. Um dies zu erreichen, müssen allerdings Nachteile und Unsicherheiten in Kauf genommen werden. Das reicht von der Publikationspflicht über höheren Verwaltungsaufwand und die latente Steuerlast auf die Ausschüttungen bis hin zu den Risiken, dass es zu einer gesetzlichen Einschränkung kommt oder die Gesellschaft im Nachhinein als Finanzunternehmen eingestuft wird. 

Quelle: Ausgabe 04 / 2009 | Seite 110 | ID 125532