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01.11.2006 | Vermögensanlage

Mit Genussscheinen Kapitaleinkünfte gestalten

von Ellen Ashauer, Nürnberg

Mit dem Steueränderungsgesetz 2007 wird der Spitzensteuersatz für Steuerpflichtige mit einem zu versteuernden Einkommen von über 250.000 EUR (500.000 EUR bei Zusammenveranlagung) ab 2007 von derzeit 42 v.H. auf 45 v.H. angehoben. Von dieser Steuererhöhung sollen zunächst Gewinn-einkünfte ausgenommen sein, worunter nach der Formulierung neben den gewerblichen auch die freiberuflichen Einkünfte fallen. Betroffen sind im Endeffekt alle anderen Einkunftsarten – wie z.B. auch Kapitaleinkünfte. Im Hinblick darauf sollte der Steuerpflichtige seine aktuelle Vermögensstruktur überdenken und einkommensmindernde Gestaltungsspielräume bei der Kapitalanlage überprüfen. Dieser Beitrag stellt Ihnen hierzu die Kapitalanlage in Genussscheine als eine von zahlreichen Möglichkeiten dar. 

1. Ausgangslage

Der Genussschein ist ein Wertpapier, der ein Genussrecht verbrieft, das im Gegensatz zur Aktie inhaltlich unterschiedlich ausgestaltet werden kann. So können Genussscheine wirtschaftlich einer Aktie oder einem festverzinslichen Wertpapier entsprechen. Aus Sicht des Anlegers lassen sich Genussscheine anhand der Ausschüttungen in feste Verzinsung, gewinnabhängige Ausschüttung und Mischformen unterteilen. So kann der Genussschein auch mit Bezugsoptionen auf Aktien oder mit Wandeloptionen in Aktien ausgestaltet werden. Im Gegensatz zum Aktionär stehen dem Genussscheininhaber aber keine Mitgliedschaftsrechte zu. Neben einer Verzinsung des Genussscheins können die zugrunde liegenden Genussrechte auch an einem Verlust des Unternehmens beteiligt sein, sodass sich gegebenenfalls der Rückzahlungsanspruch auf das Genussrechtskapital entsprechend reduziert. Durch die Verlustbeteiligung kann der Unternehmer das Genussrechtskapital als handelsrechtliches Eigenkapital bilanzieren. 

 

Beachte: Genussscheine stellen für Unternehmen eine interessante Art der Finanzierung dar. Für den Anleger richtet sich die steuerliche Behandlung danach, ob der Genussschein aktien- oder obligationsähnlichen Charakter hat. Dies ist in der Regel aus den Emissionsbedingungen des Genussscheins ersichtlich. 

2. Aktienähnliche Genussscheine

Aktienähnliche Genussscheine räumen eine Beteiligung am Gewinn und am Liquidationserlös der Gesellschaft ein. Bei der Ausschüttung unterliegen die laufenden Erträge dem 20-prozentigen Kapitalertragsteuerabzug. Der Anleger selbst muss die Ausschüttung mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern, die im Rahmen des Halbeinkünfteverfahrens jedoch nur zur Hälfte steuerpflichtig ist. Die einbehaltene Kapitalertragsteuer (KESt) wird auf die persönliche Einkommensteuerschuld des Anlegers angerechnet.  

 

Aus steuerlicher Sicht sind aktienähnliche Genussscheine interessant, da ihre Erträge nur im Halbeinkünfteverfahren versteuert werden. Das steuerpflichtige Einkommen kann vermindert werden. Angenehmer Nebeneffekt ist der verminderte Einbehalt durch die 20 v.H. KESt (im Vergleich von z.B. 30 v.H. Zinsabschlagsteuer (ZASt) bei festverzinslichen Wertpapieren). 

 

Beispiel: Versteuerung von Zinserträgen

Das zu versteuernde Einkommen eines freiberuflich tätigen, ledigen Arztes setzt sich wie folgt zusammen: 

 

Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit 

100.000 EUR 

Einkünfte aus Kapitalvermögen 

10.000 EUR 

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung 

30.000 EUR 

Summe 

140.000 EUR 

abzgl. Sonderausgaben 

5.000 EUR 

zu versteuerndes Einkommen 

135.000 EUR 

 

Die Kapitaleinkünfte bestehen aus Zinserträgen von 11.370 EUR. Welche steuerlichen Auswirkungen hätte eine Umstrukturierung des Kapitalvermögens in aktienähnliche Genussscheine? 

 

Lösung: Eine Umstrukturierung in aktienähnliche Genussscheine hätte folgende liquiditätsmäßige und steuerliche Wirkung:  

 

 

Zinsen 

Ausschüttungen 

 

Einnahmen  

11.370 EUR 

11.370 EUR 

 

Freistellungsauftrag 

1.370 EUR 

 

Bemessungsgrundlage ZASt/KESt 

10.000 EUR 

11.370 EUR 

 

abzgl. ZASt/KESt 

3.000 EUR 

2.274 EUR 

 

Liquidität im laufenden Jahr 

8.370 EUR 

9.096 EUR 

 

 

 

Zinsen  

Ausschüttungen 

Einnahmen 

11.370 EUR 

11.370 EUR 

Anwendung des Halbeinkünfteverfahrens 

5.685 EUR 

abzgl. Sparerfreibetrag 

1.370 EUR 

1.370 EUR 

Einkünfte aus Kapitalvermögen 

10.000 EUR 

4.315 EUR 

 

Das zu versteuernde Einkommen verringert sich um 5.686 EUR. Wegen der geringeren KESt erhöht sich im laufenden Jahr die Liquidität des Anlegers. 

3. Obligationsähnliche Genussscheine

Obligationsähnliche Genussscheine, die gängigere Form des Genussscheins in Deutschland, räumen dem Anleger lediglich ein Gewinnbezugsrecht ein. Auf die ausgeschütteten Erträge wird zunächst ein Kapitalertragsteuerabzug von 25 v.H. einbehalten. Die Ausschüttungen auf die Genussscheine sind vom Anleger mit seinem persönlichen Steuersatz zu versteuern, wobei auch hier die KESt auf seine persönliche Einkommensteuerschuld angerechnet wird. 

 

Sofern im obigen Beispiel eine Umstrukturierung des Kapitalvermögens in obligationsähnliche Genussscheine erfolgen würde, hätte dies folgende liquiditätsmäßige und steuerliche Wirkung: 

 

 

Zinsen 

Zinsen aus  

Genussscheinen 

Einnahmen 

11.370 EUR 

11.370 EUR 

Freistellungsauftrag 

1.370 EUR 

1.370 EUR 

Bemessungsgrundlage ZASt 

10.000 EUR 

10.000 EUR 

abzgl. ZASt/KESt 

3.000 EUR 

2.500 EUR 

Liquidität im laufenden Jahr 

8.370 EUR 

8.870 EUR 

 

 

Zinsen 

Zinsen aus  

Genussscheinen 

Einnahmen 

11.370 EUR 

11.370 EUR 

abzgl. Sparerfreibetrag 

1.370 EUR 

1.370 EUR 

Einkünfte aus Kapitalvermögen 

10.000 EUR 

10.000 EUR 

 

Ergebnis: Das zu versteuernde Einkommen mindert sich nicht. Es ergibt sich aber ein Liquiditätsvorteil im laufenden Jahr. 

 

Sowohl aktien- als auch obligationsähnliche Genussscheine werden „flat“ gehandelt. Das bedeutet, dass ihre Erträge sich im Kurs ansammeln; Stückzinsen werden nicht ausgewiesen. Eine Veräußerung vor dem Ausschüttungszeitpunkt führt dazu, dass mit dem Kurs die angesammelten Erträge vom Käufer vergütet werden. Es besteht somit die Möglichkeit, die Papiere kurz vor dem Ausschüttungstermin zu veräußern und die angesammelten Erträge steuerfrei zu halten. Die Anwendung der Vorschriften über Finanzinnovationen ist laut Gesetz für die Genussscheine ausdrücklich ausgenommen.  

 

Beachte: Die Veräußerung muss außerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr erfolgen. Werden die Genussrechte nach Ablauf eines Jahres seit der Anschaffung wieder veräußert, bleibt ein etwaiger Veräußerungsgewinn (inklusive darin enthaltener aufgelaufener Erträge) steuerfrei. 

 

Aufgrund der geringeren KESt erhöht sich im laufenden Jahr die Liquidität des Anlegers. Dieser Umstand kann sich auch für die Privatanleger günstig auswirken, die ihren Freibetrag bereits durch andere Kapitalerträge ausgeschöpft haben. Insbesondere im Hinblick auf die „Halbierung“ des Sparerfreibetrages von derzeit 1.370 EUR auf 750 EUR ist die Anlage in aktienähnliche Genussscheine interessant. 

Quelle: Ausgabe 11 / 2006 | Seite 289 | ID 89563