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01.12.2006 | Vermögensanlage

Beteiligungen an Private Equity Fonds bleiben steuerlich weiterhin attraktiv

von RiFG Dipl.-Finw. Dr. Alexander Kratzsch, Bünde

Mit Einführung von § 15b EStG sind Verlustzuweisungsmodelle als „Steuerstundungsmodelle“ keine interessanten Anlageformen mehr. Damit jedoch nicht genug! Anlegern droht hier weiteres Ungemach. So soll in § 20 Abs. 2b EStG des Jahressteuergesetzes 2007 ein Verweis für Einkünfte aus Kapitalvermögen auf § 15b EStG erfolgen. Nach derzeitiger Rechtslage gilt § 15b EStG im Bereich der Kapitaleinkünfte nur bei typisch stillen Beteiligungen. In diesem Beitrag wird als Alternative zu einem Verlustzuweisungsmodell dargestellt, warum die Beteiligung an einem geeigneten Private Equity Fonds aus steuerrechtlicher Sicht auch nach einer etwaigen Gesetzesänderung durch das Jahressteuergesetz 2007 eine geeignete Anlageform für Freiberufler darstellt.  

1. Beteiligung mit Verlustzuweisung

Das folgende Beispiel veranschaulicht zunächst, dass Verlustzuweisungsmodelle in der Praxis nicht mehr relevant sind. 

 

Beispiel: Verlustzuweisungsmodell

Unternehmer U (62 Jahre) ist ledig und erzielt derzeit p.a. 50.000 EUR gewerbliche Einkünfte aus seinem Einzelbetrieb. Sein liquides Vermögen beträgt 500.000 EUR. Dieses möchte er möglichst so anlegen, dass die Investition in den ersten Jahren zunächst seine Steuerlast senkt und erst in späteren Jahren Gewinne anfallen. Hierzu überlegt er, in einen Windkraftfonds zu investieren. Bei dem Fonds handelt es sich um einen geschlossenen Fonds, für dessen Anteile am 1.2.05 mit der Vermarktung begonnen wurde. Das zuvor festgesetzte zu investierende Kapital von 1 Mio. EUR konnte von der Fondsgesellschaft noch vor dem 1.11.05 beschafft werden. In einem Katalog wirbt die Gesellschaft mit hohen Renditen, weist aber darauf hin, dass in der Anfangsphase Verluste entstehen könnten. Die Laufzeit des Fonds beträgt zehn Jahre. Die Beteiligung soll bei einem unterstellten Marktwert von 120.000 EUR am 31.12.10 entnommen werden. Die prognostizierten Ergebnisse sehen wie folgt aus: 

 

Prognostizierte Verluste der Fondsgesellschaft 

Jahr 

Prognostiziertes Ergebnis 

Jahr 

Prognostiziertes Ergebnis 

2006 

- 100.000 EUR 

2011 

+ 200.000 EUR 

2007 

- 110.000 EUR 

2012 

+ 300.000 EUR 

2008 

+ 10.000 EUR 

2013 

+ 310.000 EUR 

2009 

- 200.000 EUR 

2014 

+ 350.000 EUR 

2010 

- 50.000 EUR 

2015 

+ 350.000 EUR 

 

 

Lösung: Nach § 52 Abs. 4 EStG gilt § 2b EStG weiterhin für Fonds, denen der Steuerpflichtige nach dem 4.3.99 und vor dem 11.11.05 beigetreten ist. Um sicherzustellen, dass U wie gewünscht die Anfangsverluste mit anderen Einkünften verrechnen und so seine Steuerlast senken kann, sind nach § 2b EStG folgende Punkte zu prüfen: 

 

  • Liegt bei der vorliegenden Einkunftsquelle eine Gewinnerzielungsabsicht vor?
  • Übersteigen die Verluste 50 v.H. des aufzubringenden Kapitals?
  • Liegt eine modellhafte Gestaltung vor?
  • Steht ein steuerlicher Vorteil im Vordergrund?

 

Von einer Gewinnerzielungsabsicht kann hier ausgegangen werden, da die Gesellschaft ab dem Jahr 2011 Gewinne erwartet. Die Grenze der Verlustquote ist ähnlich der Freigrenze von 10 v.H. bei dem für Neufälle geltenden § 15b EStG, allerdings fällt diese bei § 2b EStG wesentlich großzügiger aus. Erst wenn eine Verlustquote von über 50 v.H. erreicht wird, ist die Anwendung der Vorschrift zu überprüfen. Zur Ermittlung der Verlustquote sind zunächst die Verluste in der Verlustphase zu addieren. Eine genaue Definition, wie dieser Zeitraum zu erfassen ist, geht aus dem Gesetz nicht hervor. Es ist aber anzunehmen, dass im Beispielsfall die Verlustphase bis 2010 geht, womit sich folgende Rechnung ergibt: 

 

Da die Verlustquote in der Verlustphase die Nichtaufgriffsgrenze 50 v.H. nicht erreicht, findet § 2b EStG keine Anwendung. Somit sind bei einem Beitritt vor dem 11.11.05 die Verluste voll mit anderen Einkünften verrechenbar. 

 

Abwandlung zum Beispiel: Verlustzuweisungsmodell

Das zu investierende Kapital von 1 Mio. EUR konnte erst zum 5.1.06 vollständig aufgebracht werden. Des Weiteren beteiligt sich U erst am 2.12.05 mit 200.000 EUR (20 v.H. des Kapitals) an dem oben genannten Fonds. Welche steuerlichen Auswirkungen ergeben sich dabei für U? 

 

Lösung: Nach § 52 Abs. 33a EStG ist § 15b EStG in den Fällen anzuwenden, in denen der Steuerpflichtige dem Fonds nach dem 10.11.05 beigetreten ist, oder in den Fällen, in denen mit dem Außenvertrieb der Fondsanteile nach dem 10.11.05 begonnen wurde. U ist dem Fonds erst am 2.12.05 beigetreten, sodass es auf den Zeitpunkt des Außenvertriebes zum 1.2.05 zur Anwendung des § 15b EStG nicht mehr ankommt. Nach § 15b EStG können Steuerpflichtige ihre Verluste nur noch mit späteren Gewinnen aus derselben Einkunftsquelle verrechnen.  

 

Ein nach § 15b EStG schädliches Steuerstundungsmodell liegt vor, wenn mit Hilfe einer modellhaften Gestaltung ein steuerlicher Vorteil durch Verlustzuweisungen erreicht werden soll. Eine Modellhaftigkeit ist gegeben, wenn durch ein vorgefertigtes Konzept die Möglichkeit gegeben wird, Verluste mit anderen Einkünften zu verrechnen. Aus dieser Definition lässt sich schließen, dass es sich, aufgrund der Verluste in der Anfangsphase, bei dem Windkraftfonds um eine modellhafte Gestaltung handelt. Weiterhin spricht dafür, dass U ein vorgefertigtes Vertragswerk zu unterzeichnen hatte, was auch nach dem früheren Anwendungsschreiben zu § 2b EStG ein weiteres Indiz für eine modellhafte Gestaltung ist. Auch ist eine Verlustverrechnung nicht möglich, da innerhalb der Anfangsphase das Verhältnis der prognostizierten Verluste zur Höhe des gezeichneten Kapitals die 10-Prozent-Grenze übersteigt. Die Anfangsphase ist der Zeitraum, bis zu dem nach dem Konzept negative Einkünfte erzielt werden, sodass von demselben Zeitraum wie im Ausgangsbeispiel auszugehen ist – also einer Verlustquote von 45 v.H.  

 

Ergebnis: Damit liegt ein Steuerstundungsmodell vor. U kann die Verluste nicht mit anderen Einkünften verrechnen. Das steuerliche Ergebnis wirkt sich wie folgt aus: 

 

Jahr 

Einkünfte aus dem Betrieb 

Steuerlast 

(ohne SolZ) 

Einkünfte aus der Fondsbeteiligung 

Fondseinkünfte kumuliert 

Endgültige  

Steuerlast 

2006 

50.000 EUR 

13.096 EUR 

- 20.000 EUR 

- 20.000 EUR 

13.096 EUR 

2007 

52.000 EUR 

13.925 EUR 

- 22.000 EUR 

- 42.000 EUR 

13.925 EUR 

2008 

44.000 EUR 

10.717 EUR 

+ 2.000 EUR 

- 40.000 EUR 

10.717 EUR 

2009 

60.000 EUR 

17.286 EUR 

- 40.000 EUR 

- 80.000 EUR 

17.286 EUR 

2010 

28.000 EUR 

5.179 EUR 

- 10.000 EUR 

- 90.000 EUR 

5.179 EUR 

2010 

Verlust aufgrund der  

Entnahme aus dem Betrieb bei einem angenommenen Marktwert von 120.000 EUR 

- 80.000 EUR 

- 170.000 EUR 

 

2011 

0 EUR 

0 EUR 

+ 40.000 EUR 

- 130.000 EUR 

0 EUR 

2012 

0 EUR 

0 EUR 

+ 60.000 EUR 

- 70.000 EUR 

0 EUR 

 

2013 

0 EUR 

0 EUR 

+ 62.000 EUR 

- 8.000 EUR 

0 EUR 

2014 

0 EUR 

0 EUR 

+ 70.000 EUR 

+ 62.000 EUR 

18.126 EUR 

2015 

0 EUR 

0 EUR 

+ 70.000 EUR 

+ 132.000 EUR 

21.486 EUR 

 

Gesamte Steuerlast:  

99.815 EUR 

 

Beachte: Nach der obigen Berechnung können die Verluste nicht mehr wie erwünscht in der Anfangsphase verrechnet werden, sodass die Steuerersparnis entfällt. Durch den Übergang zu einem geringeren Steuersatz hat U eine zusätzliche Steuerentlastung. Ohne einen Wechsel des Steuersatzes hätte sich die Steuerbelastung am Ende der Fondslaufzeit wieder ausgeglichen – der Stundungsvorteil entfällt also in jedem Falle.  

 

Auch der Verlust durch die Entnahme aus dem Betriebsvermögen kann nicht mehr wie zuvor mit anderen Einkünften verrechnet werden. Denn § 15b Abs. 1 EStG sieht die Verlustverrechnungsbeschränkung auch für Verluste vor, die im Zusammenhang mit einem Steuerstundungsmodell stehen. Der Entnahmeverlust ist den bestehenden Verlusten hinzuzurechnen. Hätte sich ein Entnahme- oder ein Veräußerungsgewinn ergeben, hätte dieser mit den Verlusten aus dem Fonds ausgeglichen werden können. Ob der Marktwert der Beteiligung in der Beispielsrechnung tatsächlich in diesem Ausmaß absinkt, ist fraglich, sofern mit künftigen Gewinnen zu rechnen ist. 

2. Beteiligung an einem Private Equity Fonds

Einkünfte aus einer Beteiligung an einen Private Equity Fonds fallen nicht in den Anwendungsbereich des § 15b EStG. Durch die vermögensverwaltende Tätigkeit des Fonds in der Rechtsform einer Personengesellschaft erzielen die Beteiligten keine gewerblichen Einkünfte (§ 15 EStG), sondern Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG). Diese Einkünfte werden nach bisher geltender Rechtslage von § 15b EStG nicht erfasst. Des Weiteren werden dem Steuerpflichtigen in der Regel nur Gewinne aus den Veräußerungen der Beteiligungen zugewiesen. Da die durchschnittliche Haltedauer drei bis fünf Jahre beträgt, sind diese Gewinne steuerfrei (vgl. § 23 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Auch § 17 Abs. 1 EStG ist nicht anzuwenden, da die Beteiligungen der Fonds an den Kapitalgesellschaften in der Regel 5 v.H.nicht übersteigen, sodass die auf den Anleger entfallende Beteiligung der 1-Prozent-Hürde nicht überschritten wird. 

 

Aus diesem Grund stellt eine derartige Beteiligung eine interessante Alternative zu den üblichen Fondsgestaltungen dar. Wichtigste Grundvoraussetzung für eine Investition ist die Bonität des Anlegers. Er muss ausreichend Kapital zur Verfügung haben, um die hohe Mindesteinlage finanzieren zu können. Auch wird es von den Fondsgesellschaften begrüßt, wenn der Anleger dem Fonds einen gewissen Mehrwert in Form von Unterstützung beim weltweiten Zugang von Märkten, Transaktionen und Netzwerken verschafft (Jesch, Private – Equity – Beteiligungen, S. 138). Hinzu kommt, dass nur Investoren zu einem Investment eingeladen werden, die aufgrund ihrer fachlichen Kenntnisse in der Lage sind, Chancen und Risiken des Engagements richtig einzuschätzen. 

 

Beispiel: Private Equity Fonds

U beteiligt sich mit 500.000 EUR an einem Private Equity Fonds und hält diese Beteiligung in seinem Privatvermögen, da ein steuerfreier Veräußerungsgewinn nur möglich ist, wenn es sich bei einer späteren Veräußerung um ein privates Veräußerungsgeschäft handelt. Die Private Equity Gesellschaft erwirbt mit dem Fonds zehn Beteiligungen an Kapitalgesellschaften, die jeweils ab dem Jahre 2009 wieder veräußert werden. Aus Vereinfachungsgründen wird dabei angenommen, dass ab dem Jahre 2010 keine (steuerpflichtigen) Dividenden erzielt werden. Es werden folgende Veräußerungserlöse erzielt: 

 

Jahr 

Veräußerungserlös 

Jahr 

Veräußerungserlös 

2009 

10.000 EUR 

2013 

120.000 EUR 

2010 

80.000 EUR 

2014 

180.000 EUR 

2011 

50.000 EUR 

2015 

250.000 EUR 

2012 

90.000 EUR 

 

 

 

 

 

Lösung: Aus den Veräußerungserlösen ergeben sich für U folgende steuerliche Auswirkungen: 

 

Jahr 

Einkünfte aus dem Betrieb 

Steuerlast 

(ohne SolZ) 

Einkünfte aus der Fondsbeteiligung 

(Steuerpflichtige) Gesamteinkünfte 

Endgültige 

Steuerlast 

2006 

50.000 EUR 

13.096 EUR 

0 EUR 

50.000 EUR 

13.096 EUR 

2007 

52.000 EUR 

13.925 EUR 

0 EUR 

52.000 EUR 

13.925 EUR 

2008 

44.000 EUR 

10.717 EUR 

0 EUR 

44.000 EUR 

10.717 EUR 

2009 

60.000 EUR 

17.286 EUR 

10.000 EUR 

60.000 EUR 

17.286 EUR 

2010 

28.000 EUR 

5.179 EUR 

80.000 EUR 

28.000 EUR 

5.179 EUR 

2011 

0 EUR 

0 EUR 

50.000 EUR 

0 EUR 

0 EUR 

2012 

0 EUR 

0 EUR 

90.000 EUR 

0 EUR 

0 EUR 

2013 

0 EUR 

0 EUR 

120.000 EUR 

0 EUR 

0 EUR 

2014 

0 EUR 

0 EUR 

180.000 EUR 

0 EUR 

0 EUR 

2015 

0 EUR 

0 EUR 

250.000 EUR 

0 EUR 

0 EUR 

 

Gesamte Steuerlast:  

60.203 EUR 

 

Beachte: Die dargestellten Einkünfte aus dem Fonds und die Freistellung dieser von der Einkommensteuer machen deutlich, dass es bei dieser Gestaltungsmöglichkeit nicht (mehr) darauf ankommt, dem Steuerpflichtigen einen steuerlichen Vorteil durch Verlustzuweisungen zu verschaffen, sondern eine möglichst hohe Rendite aus den Veräußerungen der Beteiligungen zu erzielen, die nicht der Einkommensteuer unterliegen. Ein Steuerstundungsmodell i.S. des § 15b EStG liegt dementsprechend nicht vor, sodass auch eine mögliche Erweiterung des § 15b EStG im Jahressteuergesetz 2007 auf alle Kapitaleinkünfte durch § 20 Abs. 2b EStG letztlich nicht zur Anwendung des § 15b EStG führen kann. 

 

2.1 Vorteile der Beteiligung

Die Beteiligung an einem Private Equity Fonds senkt zwar nicht die Steuerlast des Anlegers, sie bietet ihm aber eine Investitionsmöglichkeit, deren Gewinne nicht seinem in der Regel hohen Steuersatz unterliegen. Hinzu kommt, dass der Anleger Veräußerungsverluste voll mit seinen übrigen Einkünften verrechnen kann. Da das Konzept einer Private Equity Gesellschaft keine Verlustzuweisung vorsieht, können Veräußerungsverluste nicht als modellhafte Gestaltung angesehen werden, auch wenn diese die Verlustquote von 10 v.H. übersteigen.  

 

Eine Beteiligung an einem Private Equity Fonds bietet somit eine wesentlich lukrativere Anlage als die Beteiligung an einem üblichen geschlossenen Fonds, da dessen Zweck in der Regel in der Zuweisung von Verlusten liegt. Auf diese Weise wird dem Steuerpflichtigen ein steuerlicher Vorteil verschafft, was durch die Einführung von § 15b EStG nicht mehr möglich ist. Zudem unterliegen die Einkünfte aus geschlossenen Fonds nach § 15 EStG der Einkommensteuer und sind nicht wie die Einkünfte aus Private Equity Fonds steuerfrei.  

 

2.2 Risiken der Beteiligung

Die unter Punkt 2.1 aufgeführten Vorteile der Beteiligung haben aber auch ihren Preis. Zum einen muss ein hohes Startkapital aufgebracht werden, und ein gewisses „Know-how“ für die Einschätzung von Risiken und Chancen vorhanden sein. Zum anderen ist das Risiko bei einer derartigen Beteiligung wesentlich höher. Für einen Investor empfiehlt es sich daher, nicht mehr als 10 bis 15 v.H. des frei verfügbaren Vermögens in Private Equity Fonds zu investieren.  

 

Für eine ordnungsgemäße Beratung ist es notwendig, auch die Risiken einer Beteiligung an einem Private Equity Fonds darzustellen. Damit der Anleger abwägen kann, ob die Rendite hoch genug ist, die folgenden Risiken einzugehen, oder ob es sinnvoller wäre, eine Investition zu tätigen die zwar eine geringere Rendite aufweist, im Gegenzug dazu allerdings auch ein geringes Risiko darstellt. Bei einer Beteiligung an einem Private Equity Fonds sind folgende sechs Hauptrisiken zu nennen (vgl. Jesch, a.a.O., S. 177 ff.): 

 

1.Blind-Pool-Risiko: Bei Fonds stehen zum Zeitpunk der Investition oft die Unternehmen, an denen sich der Fonds beteiligen wird (Pool), noch nicht fest. Der Anleger muss auf die Fähigkeiten des Fondsmanagements vertrauen, Unternehmen zu finden, die ausreichend Wachstumspotenzial besitzen, um eine Wertsteigerung der Beteiligung zu realisieren. Die Auswahl des richtigen Managers ist also von großer Bedeutung. Um das Risiko ein wenig zu verringern, sollte von dem Fondsmanager zumindest eine Beteiligungsstrategie festgelegt werden.

 

2.Investitionsrisiko: Da bei Private Equity Fonds schnell ein hohes Zeichnungskapital erreicht wird, besteht das Risiko, dass nicht ausreichend Unternehmen gefunden werden, in die das Kapital investiert werden kann. Dieses Risiko sollte nicht unterschätzt werden. Denn je größer das Kapitalangebot und je geringer das Angebot an jungen Unternehmen ist, desto teurer werden die Beteiligungen an Erfolg versprechenden jungen Unternehmen. Der Preis einer Beteiligung steigt, sobald mehrere Interessenten für ein bestimmtes Unternehmen vorhanden sind. Je höher die Kosten für die Anschaffung der Beteiligung sind, desto geringer ist folglich auch der zu erwartende Veräußerungserlös.

 

3.Renditerisiko: Das Renditerisiko ist abhängig von dem Erfolg der jeweiligen jungen Unternehmen, an denen sich der Fonds beteiligt hat. Durch die Beteiligung an mehreren Unternehmen kann dieses Risiko relativ gering gehalten werden. Um eine weitere Verbesserung des Rendite-Risiko-Verhältnisses zu erreichen, empfiehlt es sich, neben der Private Equity Beteiligung weitere Anlagen in Aktien und Wertpapieren zu halten, da es sich um zwei, voneinander unabhängige Märkte handelt. Weil die Unternehmen, an denen die Fonds beteiligt sind, zu klein sind, um an die Börse zu gehen, entwickeln sich diese unabhängig von den Kursen an der Börse. So kann eine stark unterschiedliche Korrelation zwischen den Investitionen erreicht werden. Eine relativ gleiche Korrelation kann die Rendite zwar noch erhöhen, es steigt aber wieder das Rendite-Risiko-Verhältnis.

 

Hinweis: Oftmals werden nur zwei von zehn Unternehmen am Markt erfolgreich sein. Zwar werden noch keine sechs von zehn Unternehmen aufgegeben, jedoch werden diese letztlich am Markt auch keinen Erfolg haben. Zwei Unternehmen geraten in der Regel in die Insolvenz. Dies hat zur Folge, dass nur eine kleine Anzahl an Unternehmen einen Großteil des gesamten Gewinns ausmachen. So werden etwa 60 v.H. der Gewinne von 6 v.H. der Unternehmen erwirtschaftet.

 

4.Exit-Risiko: Die mitunter schwierigste Entscheidung der Fondsgesellschaft betrifft den optimalen Austrittszeitpunkt aus dem Beteiligungsengagement. Für die Beendigung der Beteiligung stehen der Fondsgesellschaft mehrere Exit-Möglichkeiten zur Verfügung. Dabei stellt die häufigste und wohl auch lukrativste Art der Beendigung der Beteiligung den Verkauf der Beteiligung über die Börse dar. Denn hier erhält die Fondsgesellschaft eine zusätzliche Liquiditätsspritze in Form von Eigenkapital, sichert den langfristigen Zugang zu Kapital (Kapitalerhöhungen durch Emissionen werden möglich) und erhöht den Bekanntheitsfaktor für das junge Unternehmen. Nachteilhaft wirkt sich allerdings die Beendigung über die Börse in einer schwachen Börsenphase aus. Dies kann entweder zu einer geringeren Rendite führen, oder zu einer längeren Laufzeit der Beteiligung. Der Anleger muss dann die Aktien länger im Depot halten, um auf einen Anstieg der Börsendotierung zu warten.

 

5.Laufzeit: Die meisten Fonds haben eine Laufzeit von acht bis zwölf Jahren. Nur ca. 15 v.H. der Fonds haben eine geringere Laufzeit. Um möglichen Schwächen in den Veräußerungsmärkten zu begegnen und eine bessere Rendite zu erzielen, kann die Laufzeit auch höher als geplant ausfallen. Der Investor sollte deshalb über einen entsprechend langen Planungshorizont verfügen, da ein vorzeitiger Verkauf der Anteile fast ausgeschlossen ist, und somit das Kapital lange gebunden bleibt.

 

Hinweis: Verkürzen lässt sich die Laufzeit, in dem der Fonds sich nur an Unternehmen beteiligt, die sich bereits in einer späten Entwicklungsphase befinden, und kurzfristig lukrativ veräußerbar sind.

 

6.Eingeschränkte Fungibilität: Eine Rückgabe der Beteiligung an die Fondsgesellschaft ist in der Regel nicht möglich. Der Investor hat jedoch die Möglichkeit, diese Beteiligung am freien Markt zu veräußern. Ob ein solcher Markt für Unternehmensbeteiligungen existiert, sollte der Anleger zuvor dringend überprüfen. Der Investor muss bei einem Verkauf der Anteile mit einem sehr hohen Wertverlust von bis zu 50 v.H.rechnen. Dies liegt daran, dass es nicht möglich ist, die Anteile objektiv zu bewerten. Nach vielfach vertretener Ansicht, ist gerade diese eingeschränkte Fungibilität die Rechtfertigung für die langfristig hohen Renditeprämien, und nicht etwa das im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten höhere Risiko.

 

Fazit: Die Beteiligung an einem Private Equity Fonds stellt – soweit die dargestellten Rahmenbedingungen beachtet werden – eine interessante Beteiligungsform dar. 

Quelle: Ausgabe 12 / 2006 | Seite 312 | ID 89581