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01.04.2006 | Anlagestrategie

Auch Rohstoffe eignen sich als Langfristanlage

von Dipl.-Finw. Robert Kracht, Bonn

Bei Fragen zum langfristigen Vermögensaufbau ging es bislang um das richtige Verhältnis von Renten und Aktien im Depot. Bei größeren Vermögen kam als Baustein noch die Immobilie hinzu und in manchen Fällen wurde auch zum Goldinvestment geraten. Diese konservative Grundhaltung wurde jedoch spätestens seit dem vergangenen Jahr durcheinander gewirbelt. Denn mit Rohstoffen kam eine neue Anlageklasse hinzu, an der auch Freiberufler nicht vorbei kommen. Dabei sind nicht die Kursaufschwünge bei Gold, Kupfer, Öl & Co das ausschlaggebende Argument. Vielmehr ist es die Möglichkeit für den Privatinvestor, erstmals einfach und marktbreit auf die Wertentwicklung von Rohstoffen zu setzen. Der folgende Beitrag zeigt, mit welchen Produkten dies möglich ist und welche Bereiche und Branchen langfristig aussichtsreich erscheinen. 

1. Ausgangslage

Steigende Nachfrage aus den boomenden Wirtschaftsregionen Asiens, abnehmende Reserven, schlechtes Wetter, Produktionsausfälle durch Streik oder Krieg sowie die Terrorgefahr: Dies alles sind Nachrichten, die zu steigenden Kursen bei den jeweils betroffenen Rohstoffarten führen. So wird die Goldförderung immer schwieriger, Öl steht nicht unbegrenzt zur Verfügung, Unwetter in der Landwirtschaft und Produktionsausfälle sorgen immer wieder für temporär anziehende Preise.  

 

Maßgebend für die Langfristanlage sind aber nicht Kurzfristereignisse, sondern die Tatsache, dass die Nachfrage in vielen Bereichen dauerhaft über dem Angebot liegen wird. Daher stellen die derzeit erreichten Höchststände nur einen Zwischenstand auf dem weiteren Weg nach oben dar. Zwar hat sich der CRB-Rohstoff-Index in den vergangen vier Jahren verdoppelt. Doch ist das verglichen mit den Preisen von vor 20 Jahren nur ein Anstieg von 20 v.H. Im gleichen Zeitraum haben die Aktien weltweit 700 v.H. zugelegt, sodass sich das Niveau der aktuellen Rohstoff-Hausse eher relativiert und noch Luft nach oben besteht. Viele Experten raten daher zu einem angemessenen Anteil von Rohstoffen in der privaten Vermögensanlage. 

 

Beachte: Faustregel ist hier ein Anteil von 10 v.H. am Gesamtdepot, der wiederum zu rund 15 v.H. aus Gold bestehen sollte. Der Rest sollte auf die übrigen Grundstoffe entfallen. Folgende Aspekte sind hierbei maßgebend: 

 

  • Rohstoffe machen ein konservatives Depot krisensicher, da die Kurse regelmäßig steigen, wenn sich die Aktienbörsen schlecht entwickeln.
  • Rohstoffe entwickeln sich besonders bei steigender Inflation gut und stellen damit den Gegenpol zur Rentenanlage dar.
  • Die zunehmende Weltbevölkerung und auch Klimaveränderungen werden zunehmend bei Agrarprodukten für Knappheit sorgen.
  • Edelmetalle bieten Schutz gegen Terrorgefahren, da sich Barren und Münzen weltweit problemlos zu Geld machen lassen.

2. Auswahl der Wertpapiere

Privatanleger haben noch nicht lange die Möglichkeit, auf Rohstoffe in vielfältiger Weise zu setzen. Zwar gibt es Terminbörsen, an denen Getreide oder Gold gehandelt wird, doch deckt dieser Handel Nachfrage und Angebot der Industrie ab. Erst die Kreativität der Bankhäuser sorgt dafür, dass auch herkömmliche Investoren an den Trends partizipieren können. Denn Rohstoffe lassen sich nicht wie Wertpapiere an der Börse handeln. So ist mit Ausnahme von Edelmetallen der physische Erwerb und die anschließende Lagerung kaum möglich und bei landwirtschaftlichen Produkten sind zudem kurze Umschlagszeiten und professionelle Kühlsysteme notwendig – für Privatanleger nicht realisierbare Voraussetzungen. Nunmehr gibt es Fonds, die auf die Aktien ganzer Branchen setzen, Zertifikate, die den Kursverlauf der Terminbörsen nachbilden oder Optionsscheine, deren Ertrag von fallenden oder steigenden Rohstoffkontrakten abhängt. 

 

2.1 Aktien

Selbstständige können über den wirtschaftlichen Erfolg von produzierenden Unternehmen auf die Wertentwicklung von Gold oder Öl setzen. In beiden Bereichen stehen allerdings viele Aktien zur Auswahl, die nicht direkt an einem Kursanstieg partizipieren. So steigen zwar die Einnahmen, vielfach aber auch die Gestehungskosten, womit der Gewinn nur unterproportional steigt. Im Gegenzug federn die Gesellschaften jedoch auch Kursentwicklungen nach unten ab. Während es im Öl-Bereich viele Unternehmen im Euro-Raum gibt, fokussiert sich die Lage beim Gold auf Minen im Bereich von Dollar sowie dem südafrikanischen Rand. Daher sind bei der Goldanlage in jedem Fall Währungsrisiken einzukalkulieren.  

 

Sofern nur auf ein Unternehmen gesetzt wird, besteht zusätzlich die Gefahr, dass der Rohstoffpreis zwar wie erwartet steigt, gerade diese Gesellschaft jedoch weniger Gewinn macht. Dann entwickelt sich der Aktienkurs anders als der Basiswert. Auch im Bereich Wasser, Aluminium, Kupfer oder Platin sind produzierende Unternehmen zu finden, sodass sich ein Investment in Rohstoffe in vielen Bereichen über Aktien abbilden lässt. Positiv zu erwähnen ist, dass Anleger laufend Erträge über Dividenden erhalten und ein jederzeitiger Verkauf möglich ist. 

 

2.2 Physischer Erwerb

Die Anlage in Gold, Silber und Platin kann über Barren, Münzen sowie Goldsparpläne erfolgen. Die Anlage dient dem Schutz vor Inflation und erzielt Gewinne ausschließlich durch Kurssteigerungen – allerdings in US-Dollar. Gegenüber anderen Sachwerten wie etwa Immobilien haben Edelmetalle und hier insbesondere das Gold den Vorteil, dass sie leicht zu transportieren sind und im Ernstfall schnell zu Geld gemacht werden können – egal in welcher Währung. Als physischer Erwerb von Gold sind Münzen besser als Barren, da sie weltweit als Ersatz von Bargeld anerkannt werden und fälschungssicher sind. Hierbei besteht die Auswahl zwischen bullion coins wie American Eagle (USA), Britannia (England), Krügerrand (Südafrika), Nugget (Australien), Maple Leaf (Kanada) und dem Philharmoniker (Österreich). 

 

Hinweis: Zwar ist der Erwerb umsatzsteuerfrei, jedoch verlangen die Banken auf den inneren Metallwert einen Ausgabeaufschlag. Der beträgt pro Unze knapp 7 v.H. Je kleiner die Einheit, um so höher sind die Gebühren. Bei einer 1/10 Unze liegen die Spesen bereits bei 20 v.H. Dies muss der Goldpreis zulegen, ehe ein Gewinn erzielt wird. 

 

2.3 Investmentfonds

Eine gute Alternative zur Aktienanlage sind Fonds, die auf Rohstoffunternehmen setzen. Nahezu jede Fondsgesellschaft hat zumindest ein Produkt im Angebot. Dabei besteht die Möglichkeit, dass die Manager weltweit nach eigenen Erwartungen auf sämtliche oder fachlich abgegrenzte Rohstoffe setzen oder nur ein bestimmtes Segment wie etwa Öl oder Edelmetalle erwerben dürfen. Rohstofffonds eignen sich grundsätzlich zur Langfristanlage, wie die folgende Abwägung der Vor- und Nachteile eines Investments verdeutlicht: 

 

Vor- und Nachteile

Der Fonds kann breit streuen, was das Risiko minimiert; 

Anleger müssen sich nicht permanent um ihre Investition kümmern und nicht über Fachwissen verfügen; 

Die im Fonds realisierten Gewinne sind derzeit steuerfrei; 

Die ausgeschütteten Dividenden kommen direkt beim Anleger an; 

Hohe Liquidität durch jederzeitigen Ausstieg;  

Permanente Anlage über Sparpläne mit kleinen Einsätzen möglich; 

– 

Fondsgebühren und der Ausgabeaufschlag mindern die Rendite; 

– 

Anleger sind auf die Fachkompetenz der Fondsmanager angewiesen. 

 

 

2.4 Optionsscheine

Das Investment mit den höchsten Chancen und Risiken am Rohstoffmarkt bietet sich für Privatanleger über Warrants. Hier sind über die Hebelwirkung überproportionale und auch schnelle Gewinne möglich, wenn sich der Kurs des Basiswertes wie erwartet entwickelt. Im gegenläufigen Fall kommt es hingegen zu einem Totalverlust. Die Optionsscheine beziehen sich zumeist auf globale oder auf einzelne Segmente abgestellte Rohstoffindizes. Vorteilhaft ist, dass mit diesem Produkt sowohl auf steigende (Call) als auch auf fallende Kurse (Put) spekuliert werden kann.  

 

Hinweis: Für die Langfristanlage sind Warrants nur insoweit geeignet, als sie mit wenig Eigenmitteln eine Zusatzrendite in ein ansonsten konservatives Depot bringen können. Zudem ist der Verlust auf das eingesetzte Kapital beschränkt, eine Nachschusspflicht besteht nicht. 

 

2.5 Zertifikate

Wie auch bei der herkömmlichen Geldanlage konkurrieren Zertifikate im Bereich von Rohstoffen mit Investmentfonds. In der Regel sind sie preiswerter, flexibler und in vielfältigen Varianten erwerbbar. Selbstständige, die langfristig auf Rohstoffe setzen möchten, kommen an diesem Produkt kaum vorbei, da es konservative und spekulative Formen bietet. Im Vergleich zu Fonds sind einige Nachteile zu beachten, die angesichts der Vorteile aber eher zweitrangig sind: 

 

  • Dividenden bleiben beim Emittenten, der hierüber Absicherungen oder überproportionale Erträge finanziert;
  • die Bonität des Schuldners spielt eine Rolle, denn im Gegensatz zu Fonds dient kein Sondervermögen als Absicherung;
  • die Partizipation an Index, Aktienkorb oder anderen selbst zusammengestellten Bezugswerten lässt sich oft schwer nachvollziehen.

 

Grundsätzlich beziehen sich die Zertifikate auf den Preis von Kontrakt oder Future am Terminmarkt in Öl, Gas, Aluminium, Kupfer, Kaffee, Weizen oder Rinder, den Kurs bei Edelmetallen oder den Stand von Rohstoffindizes. Um die physische Lieferung zu vermeiden, wird der jeweilige Kontrakt kurz vor Fälligkeit in den nächstfolgenden gerollt. Damit gelingt es, endlos laufende Produkte anzubieten. Da Rohstoffe regelmäßig in US-Dollar notieren, werden auch währungsgesicherte Quanto-Zertifikate angeboten. Diese Absicherung schützt zulasten der Performance vor Währungsrisiken. 

 

Hinweis: Die Partizipation erfolgt oft nicht immer deckungsgleich über ein reines Kurszertifikat, sondern ist wie auch im Aktienbereich mit einigen Varianten im Angebot (vgl. Kracht, PFB 06, 74 ff.). Dies erlaubt es Freiberuflern, Absicherungsmechanismen oder erhöhte Renditechancen ins Depot zu bringen. 

3. Einzelne Rohstoffe

Rohstoffe unterteilen sich in Industrie- und Edelmetalle, Vieh, Agrar- und Energierohstoffe. Die einzelnen Basiswerte werden jeweils an der Terminbörse gehandelt, Indizes gibt es auf einzelne Rohstoffe, Klassen oder den Gesamtmarkt. 

 

3.1 Energierohstoffe

Das bedeutendste Produkt ist das Barrel Öl, das für Transportmittel, zur Wärmeerzeugung und in der Chemie benötigt wird. Hier gibt es mit Brent aus der Nordsee und WTI aus den USA zwei Sorten, wobei das US-Öl meist rund zwei Dollar höher notiert. Das liegt am geringeren Schwefelgehalt und den höheren Transportkosten. Für Anleger ist die Wahl unerheblich, da die Kurse stark korrelieren. Seit 1999 ist Öl von 10 auf bis zu 70 Dollar angestiegen. Steigende Nachfrage bei anziehender Wirtschaft und Verknappung der Reserven könnten für einen weiteren Anstieg sorgen. Allerdings sind diese Erkenntnisse größtenteils im hohen Kurs bereits eingepreist. 

 

Hinweis: Als Untersegmente kommen auch Terminkontrakte auf Benzin, Heiz- und Gasöl sowie Erdgas in Betracht. Da sich die Notierungen stark am Rohöl ausrichten, bedarf es hier jedoch nicht zwingend einer separaten Investition in diesen Bereich. 

 

3.2 Industriemetalle

Das wichtigste Industriemetall nach Eisen ist Aluminium. Die Kurse haben in den vergangenen Jahren stark geschwankt, da der Überhang von Angebot und Nachfrage ständig wechselte. Da die Herstellung energieintensiv ist, steigt Aluminium bei anziehenden Rohölpreisen. 

 

Der Kupferpreis hat von den leeren Lagerbeständen und anziehender Nachfrage in der Baubranche, bei Klimaanlagen und Sonnenkollektoren profitiert, sodass hier ein Investment noch aussichtsreich erscheint. Der Einsatz von Nickel geht in der Stahlindustrie wegen steigender Preise hin zu Alternativen, sodass sich der Trend nicht fortsetzen muss. Zink zum Schutz anderer Metalle erhält zunehmende Nachfrage aus China. 

 

3.3 Edelmetalle

Wichtigstes Produkt ist das Gold mit Vorkommen in Südafrika, Australien und den USA. Die Förderkosten steigen stetig, weil neue Vorkommen technisch immer schwieriger zu gewinnen sind. Die zurückgehende Fördermenge wird aber zum Teil von Zentralbanken abgefedert, die ihren Bestand auf den Markt werfen. Da der Preis in den vergangenen Jahren stark angestiegen ist, dürfte ein Investment auf weiter steigende Kurse riskant sein. Hier lohnt derzeit eher ein Korb von Minengesellschaften über Fonds als konservative Alternative. 

 

Steigende Nachfrage bei abnehmenden Lagerbeständen sorgen bei Silber für hohe Kurse. Dies veranlasst die Industrie jedoch, auf Ersatzstoffe auszuweichen, was die Kursanstiege begrenzt. Katalysatoren, die Schmuckindustrie und Festplatten verlangen nach Platin. Die Nachfrage wird durch die Brennstoffzellen-Produktion noch anziehen, sodass die Minen kaum noch nachkommen. Die Aussichten erscheinen daher besser als bei Gold. 

 

3.4 Landwirtschaftliche Produkte

Weizen, Mais, Sojabohnen oder Baumwolle ist eher etwas für Experten auf diesem Gebiet und gehören nicht zwingend ins Depot eines Freiberuflers. Aussichtsreicher ist hier Zucker, der zunehmend für die Treibstoffherstellung benötigt wird und durch den Hunger der wachsende Bevölkerung nach Süßem an Nachfrage gewinnen wird. Wer auf Kaffee oder Kakao setzt, profitiert von politischen Unruhen und Klimakapriolen in den Erzeugerländern. 

4. Fazit

An Rohstoffen als Einzelinvestment oder im Verbund sollten Selbstständige nicht länger vorbeigehen. Auf Grund der teilweise hohen Kurse ist ein langsamer und permanenter Einstieg ratsam. In Betracht kommen Zertifikate und Fonds sowie im Einzelfall auch das Direktinvestment in aussichtsreiche Aktien. Hierbei ist folgende Vorgehensweise ratsam: 

 

  • Entscheidung über den Rohstoffanteil im Depot;
  • Information über in Frage kommende und aussichtsreiche Rohstoffe;
  • Wahl des passenden Wertpapiers;
  • Suche nach dem Produkt mit der erwünschen konservativen oder spekulativen Ausrichtung.

 

Beachte: Die Kursgewinne bleiben nach einem Jahr steuerfrei, ausgeschüttete Dividenden werden nur zur Hälfte erfasst. Selbst wenn künftig die Spekulationsfrist fällt, bleibt die Belastung immer noch deutlich unter der von Anleihen. 

Quelle: Ausgabe 04 / 2006 | Seite 100 | ID 89434