Praxiswissen auf den Punkt gebracht.
logo
  • Meine Produkte
    Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen.
Menu Menu
MyIww MyIww
  • · Fachbeitrag · Apothekenorganisation

    Die Spezial-Apotheke in der Palliativpflege

    von Julia Bange, Medienbüro Medizin, Hamburg

    | Menschen die letzten Tage ihres Lebens zu erleichtern, das ist eine große Herausforderung für Pfleger, Ärzte und Pharmazeuten. Apotheker können sich im Bereich Palliativpharmazie spezialisieren und fortbilden lassen. Hier lernen sie, welche Bedürfnisse Sterbende haben, welche Ansprüche an die Pharmakotherapie gestellt werden und welche Aufgaben Apotheker in ambulanten Palliative-Care-Teams übernehmen. |

    Was sind Palliative-Care-Teams?

    Dem Leben nicht mehr Tage, aber den Tagen mehr Leben zu geben - das ist der Anspruch in der Palliativmedizin. Laut dem Sozialgesetzbuch (SGB) V haben Versicherte ein Recht auf eine „spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ (SAPV), also auf ärztliche und pflegerische Leistungen am Lebensende. Umgesetzt werden soll dies in sogenannten Palliative-Care-Teams. Das sind multiprofessionelle Teams, bestehend aus Ärzten, Pflegern, Apothekern, Seelsorgen und Physiotherapeuten, die Patienten in der letzten Lebensphase begleiten und medizinisch versorgen.

     

    MERKE | Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet „Palliative Care“ als Ansatz, der die Lebensqualität der Patienten verbessert, die an einer lebensbedrohenden Krankheit leiden. Dies werde dadurch erreicht, dass das Leiden der Patienten gemildert und frühzeitig Schmerz sowie andere physische und psychosoziale Probleme behandelt werden.

     

    Spezialisierte Apotheker Palliativpharmazie

    Die Betreuung von Patienten in der letzten Lebensphase findet in unterschiedlichen Organisationsformen statt. Sie werden von Angehörigen gepflegt, stationär in Krankenhäusern oder teilstationär in Hospizen versorgt oder sie befinden sich in neuen Betreuungsformen wie der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. Insofern hat die Bundesapothekerkammer zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin für Apotheker ein Curriculum für eine Zertifikatsfortbildung zur Palliativpharmazie verabschiedet. Im Rahmen dieser Fortbildung lernen Apotheker, durch welche pharmazeutischen Serviceleistungen die Arzneimitteltherapie verbessert werden kann und wie sie als Teil des Versorgungsnetzwerkes eingebunden sind. Sie können die gewonnenen Fachkenntnisse dann in diesen Netzwerken einbringen oder auch Hospize, Senioren- und Pflegeheime mit speziellen Medikamenten beliefern.

    Ethische Aspekte von Palliative Care

    Ein wichtiger Bestandteil in der Palliativ-Pflege sind ethische und rechtliche Gesichtspunkte. Die Autonomie und das Recht jedes Menschen, sein Leben selbstbestimmt zu leben, sind im Grundgesetz verankert. Doch sehr kranke oder alte Menschen können dieses Recht unter Umständen nicht mehr selbst ausdrücken. In diesem Fall ist der mutmaßliche Wille des Patienten entscheidend, der im besten Fall in Form einer Vollmacht oder Patientenverfügung festgehalten ist.

     

    Besonders die Entscheidungen am Lebensende sind in der Palliativmedizin von großer Bedeutung. Jedoch herrscht oft Unsicherheit bei Begriffen zum Thema Sterbehilfe und der Abgrenzung zwischen zulässigen und unzulässigen Maßnahmen:

     

    • Aktive Sterbehilfe: Als aktive Sterbehilfe bezeichnet man die (strafbare) Tötung auf Verlangen, also ein bewusstes ärztliches Eingreifen, um den Tod des Patienten herbeizuführen.

     

    • Passive Sterbehilfe: Dieser Ausdruck beschreibt den (straflosen) Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen oder den Behandlungsabbruch, beruhend auf Patientenverfügungen.

     

    • Indirekte Sterbehilfe: Unter indirekter Sterbehilfe versteht man, wenn z. B. ein Arzt durch medikamentöse Therapie am Lebensende den Tod als unbeabsichtigte (und deshalb straflose) Nebenfolge in Kauf nimmt.

     

    • Beihilfe zum Suizid: Wenn jemand Sterbenden Medikamente bereitstellt, mit der der Patient sich selbst tötet, dann spricht man von (strafloser) Beihilfe zum Suizid.

    Aufgaben von Apothekern in Palliativnetzwerken

    Zum Lebensende ändert sich der medizinische Behandlungsauftrag: Es geht nicht mehr darum, Diagnosen herauszuarbeiten, sondern die Beschwerden zu lindern. Entsprechend ist die palliative Therapie auch nicht mehr kurativ ausgerichtet. Apotheker sorgen durch die Pharmakotherapie dafür, dass die Patienten ihren letzten Lebensabschnitt möglichst selbstbestimmt und beschwerdefrei verbringen können:

     

    • Sie stellen patientenindividuelle Rezepturen zusammen und beugen Nebenwirkungen der Medikamente vor.

     

    • Sie unterstützen das Palliativ-Team, indem sie die Medikation planen und überwachen.

     

    • Sie können den behandelnden Ärzten als Arzneimittelexperten mit gutem Rat zur Seite stehen. Denn nicht jeder Arzt ist mit den verschiedenen Behandlungsoptionen am Lebensende vertraut.

     

    PRAXISHINWEIS | Palliativ-Apotheker können regelmäßig einen kritischen Blick auf das Rezept werfen und mit dem behandelnden Arzt oder dem Pflegedienst sprechen. Viele Patienten in der letzten Lebensphase haben z. B. Probleme, Medikamente oral einzunehmen. Entweder weil sie schlecht schlucken können oder sich regelmäßig übergeben. Hier können Apotheker die Mediziner über alternative Applikationsformen informieren, z. B. Spray oder Zäpfchen.

     

    Symptome und Schmerzen lindern

    In der Palliativmedizin geht es nicht darum, Krankheiten zu heilen, sondern ihre Symptome in den Griff zu bekommen und damit den Patienten ein würdevolles Sterben zu ermöglichen. Menschen im letzten Lebensabschnitt sind oft unruhig, sie haben Magen-/Darmprobleme, ihnen ist übel oder sie leiden unter Atemnot. Diese Symptome zu lindern, ist die Aufgabe insbesondere der Pharmazeuten.

     

    Die Schmerztherapie spielt eine Schlüsselrolle. Denn frei von Schmerzen zu sein, entscheidet im hohen Maße über die persönliche Lebensqualität. Apotheker können frühzeitig Analgetika geben und „Schmerzdurchbrüche“ vermeiden. Dazu sollten die Schmerzmittel möglichst zu festen Zeiten eingenommen werden. Spezialisierte Apotheken stellen Infusionen bereit, die die Patienten schnell von Beschwerden befreien sollen. Dies bedeutet, dass bestimmte Medikamente immer in der Apotheke verfügbar sein und auch an einem Sonntagabend für die Patienten bereitstehen müssen.

    Bedürfnisse von Palliativpatienten

    Apotheker in Palliativnetzwerken arbeiten ganz nah am Patienten und sind teilweise bei der Visite in Hospizen und bei der häuslichen Pflege dabei. Aus diesem Grund lehrt die Zertifikatsfortbildung auch psychosoziale Aspekte der Betreuung Sterbender. Besonders in der letzten Phase des Lebens gewinnen Aspekte wie Spiritualität, Wertvorstellungen und der eigene, persönliche Wille an Bedeutung. Dies sollten Apotheker auch im Hinblick auf die Medikation berücksichtigen. Wenn z. B. ein Patient deutlich macht, dass er keine Zäpfchen nehmen möchte, sollte das respektiert und dem behandelnden Arzt eine andere Applikationsform vorgeschlagen werden.

    Fortbildung mit Hospitation und Patientenfall

    Die Fortbildung mit 40 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten schließt mit einem Zertifikat ab. Zusätzlich müssen die Teilnehmer eine dreitägige Hospitation in einem Hospiz, einer Palliativstation oder einem ambulanten Palliativdienst absolvieren. Darüber hinaus müssen sie einen Patientenfall eigenständig dokumentieren. Für weitere Informationen können Sie sich an die jeweilige Apothekerkammer wenden.

    Quelle: ID 44178937