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· BKK Gesundheitsreport 2020

Mobilität vs. Heimarbeit: Was der eine als Vorteil empfindet, bedrückt den anderen ...

| Fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland arbeitet aktuell ganz oder teilweise mobil: Tendenz steigend. Der neue BKK Gesundheitsreport gibt Impulse zur gesundheitsförderlichen Gestaltung von Mobilität in der Arbeitswelt. Eine interaktive Grafik zeigt die Trends. Auffällig ist, dass mobiles Arbeiten dem einen gesundheitlich hilft, den anderen aber eher bedrückt. Als Arbeitgeber sollten Sie Win-win-Situationen herstellen. |

 

 

 

Die Mobilität verändert sich: Auch nach Corona können Video- und Telefonkonferenzwerkzeuge wie Teams oder Zoom die notwendige Präsenz der Mitarbeiter im Betrieb reduzieren. In der Folge werden Dienstreisen entbehrlich; selbst berufsbedingte Umzüge sind nicht zwingend erforderlich. Das kann Mitarbeiter motivieren, weil sie die Wahl ihres Arbeitsortes in der Hand haben und einen Vertrauensvorschuss seitens des Arbeitgebers genießen. Die Schattenseiten sind mögliche Vereinsamung, gesundheitsschädliche Arbeitssituationen in der häuslichen Umgebung. Ein Wandel zu einer gesundheitsdienlichen Gestaltung von Mobilität und Arbeit daher wäre erforderlich, resümiert die BKK.

Interaktive Aufbereitung

Eine interaktive Aufarbeitung der BKK-Statistik hat der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft (IWD) aufbereitet. Unter der Grafik lesen Sie weitere Kommentierungen der BKK.

 

 

Der Krankenstand ist im Vergleich 2018 und 2019 mit 5,1 Prozent unverändert geblieben. Im ersten Halbjahr 2020 hat er dagegen eine rasante Berg- und Talfahrt absolviert: Während im März mit 6,7 Prozent der höchste Wert innerhalb der letzten Dekade zu verzeichnen ist, wird anschließend im Mai mit 3,7 Prozent ein historischer Tiefstwert erreicht.

 

Im Durchschnitt bewegt sich der Jahreswert für 2020 bisher auf dem Niveau der Vorjahre. Ein Anstieg durch die Corona-Pandemie ist nicht zu erkennen.

Gesundheitsreport zeigt: Pendler meist weniger krank

44 Prozent der BKK-Versicherten sind Pendler und zumeist männliche und gutverdienende Beschäftigte, die oftmals in Führungspositionen tätig sind. Besonders hohe Pendleranteile gibt es in IT- und naturwissenschaftlichen Berufen, deutlich geringer hingegen ist dieser Anteil im Gastgewerbe oder bei den Gesundheitsberufen.

 

Die Analysen zeigen: Pendler weisen durchschnittlich weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten auf, sind seltener in ambulanter und stationärer Behandlung und brauchen weniger Arzneimittel. „Damit liegt die Vermutung nahe, dass die negativen gesundheitlichen Folgen des Pendelns durch diese positiven Voraussetzungen in der Gruppe der Pendler teilweise kompensiert werden,“ erklärt Prof. Dr. Holger Pfaff von der Universität Köln.

Kausalität: Schlechte Bildung = mehr Fehltage

Nachgedacht werden müsse über Berufsgruppen, in denen der Bildungsgrad und der berufliche Status geringer sind. So weisen Sicherheitsberufe oder Verkehrs- und Logistikberufe mehr Fehltage und Kranken-hausaufenthalte auf. Vor allem in ländlichen und grenznahen Regionen ist der Pend-leranteil besonders hoch. Mit Abstand die größten Strecken legen in Ostdeutschland lebende Beschäftigte zurück.

Dauer und Entfernung machen den Unterschied

BKK und das Meinungsforschungsinstitut Kantar haben repräsentativ 3.000 Beschäftigte befragt ‒ Ergebnis: Mit ansteigender Entfernung und Zeit, die Beschäftigte für das Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort aufwenden müssen, nehmen Belastungen körperlich und psychisch zu. Das habe negativen Folgen für das Sozialleben und letztlich für die Gesundheit. „Das zeigt, dass die Auswirkungen von Mobilität auch abhängig von individuellen Bedürfnissen sind.

 

TIPP | Suchen Sie die Win-Win-Situation: Es gibt Kollegen, die können prima im Homeoffice arbeiten; andere leiden darunter. Die individuelle Lösung schafft nicht nur Mitarbeiterzufriedenheit, sondern stärkt auch die Leistungsbereitschaft.

 

Mobiles Arbeiten und Homeoffice erweitern Mobilität

Während Beschäftigte in der BKK-Umfrage angeben, wegen Corona deutlich häufiger als vorher (+48 Prozent) im Homeoffice tätig zu sein, ist das klassische Pendeln im Gegenzug massiv zurückgegangen (-35 Prozent). Viele Beschäftigte und Unternehmen haben dabei aus der Not eine Tugend gemacht und erkennen zunehmend die Vorteile, die sich für beide Seiten aus mobiler Arbeit ergeben. Dabei zeigt sich auch hier die Corona-Pandemie als Katalysator für eine längst überfällige Entwicklung in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt.

 

TIPP | Kosteneinsparungen können für Arbeitgeber ein Resultat sein, beispiels-weise durch weniger Dienstreisen und Büroflächen. Personen mit geringerer Mobilität können integriert und Arbeitsprozesse und Arbeitsergebnisse leichter dokumentiert werden.

 

(JT)

 

Quellen:

- BKK

- IWD-Grafik-Tool

Quelle: ID 47085593