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Steuern - Buchführung - Bilanzen

Ausgabe 08/2006, Seite 141

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01.08.2006 | Sachbezüge

Firmen-Kfz als geldwerter Vorteil

von Dipl.-Betriebswirt Uwe Frank, Sinsheim

Zum steuerpflichtigen Arbeitslohn und sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt gehören insbesondere Sachbezüge und geldwerte Vorteile.Grundsätzlich sind alle Sachbezüge und geldwerte Vorteile lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig. Leider fallen jedoch die entsprechenden Vorschriften innerhalb der diversen Zuwendungen teilweise ganz unterschiedlich aus. Eine einheitliche Regelung für alle Sachbezüge und geldwerten Vorteile existiert nicht. So wird z.B. die private Überlassung eines Dienstfahrzeuges steuerlich ganz anders behandelt, als die Ausgabe von Warengutscheinen oder die Gewährung kostenloser Mahlzeiten im Betrieb. Im folgenden Beitrag werden die Regelungen im Rahmen der Überlassung eines Firmenfahrzeugs zur privaten Nutzung aufgezeigt. 

Dienstwagen zur privaten Nutzung

Eine gelegentliche Überlassung eines Firmenfahrzeuges für Privatfahrten des Arbeitnehmers (z.B. für Arztbesuche) verursacht keinen steuerpflichtiger Arbeitslohn. Wenn der Arbeitnehmer allerdings ständig in den Genuss der privaten Nutzung eines Firmenfahrzeuges kommt, entsteht ein steuer- und sozialversicherungspflichtiger Sachbezug. Zur Ermittlung der Höhe dieses Sachbezuges lässt der Gesetzgeber zwei Methoden zu: 

  • Aufteilung der Gesamtkosten entsprechend der mittels Fahrtenbuch nachgewiesenen dienstlich und privat zurückgelegten Fahrtstrecken (Einzelnachweis),
  • pauschale Schätzung des Privatanteiles nach der Ein-Prozent-Regelung.

 

Die einmal gewählte Methode darf erst nach Ablauf eines Jahres gewechselt werden (Ausnahme bei Fahrzeugwechsel innerhalb des Jahres). In diesem Artikel wird die in der Praxis fast ausnahmslos verwendete Pauschal-wertmethode besprochen. 

 

Pauschale Ermittlung des geldwerten Vorteils

Als Sachbezugswert wird monatlich ein Prozent des auf volle 100 EUR abgerundeten Fahrzeugpreises angesetzt. Gemeint ist der offizielle Listen-preis zuzüglich Sonderausstattungen und Mehrwertsteuer, nicht der meistens niedrigere tatsächliche Anschaffungspreis. Diese Regelung gilt ebenso für Gebrauchtwagen (gültiger Listenpreis zum Zeitpunkt der Neuanschaffung) und Leasingfahrzeuge. Kosten für ein Autotelefon und Freisprechanlage wirken sich genauso wenig auf die Berechnungsbasis aus wie Überführungskosten. Dagegen erhöhen Sonderausstattungen und Diebstahlsicherungen sowie Autoradios den Sachbezug. Werden Sonderausstattungen nachträglich eingebaut, müssen sie ab dem Zeitpunkt des Einbaus berücksichtigt werden. Durch ein abschließendes BFH-Urteil wurde die lange Zeit strittige Frage entschieden, dass Navigationsgeräte, die fest im Fahrzeug eingebaut sind, die Bemessungsgrundlage für die Berechnung des geldwerten Vorteils ebenso erhöhen. 

 

Nach R 31 Abs. 9 LStR 2005 fließt ein zusätzlicher Satz Reifen, einschließlich Felgen, nicht in die Bemessungsgrundlage ein. Damit soll klargestellt werden, dass der Ein-Prozent-Betrag nur auf der Basis des Listenpreises inklusive eines Satzes Reifen (Sommer- oder Winterreifen) zu berechnen ist. Mit der Versteuerung des Ein-Prozent-Wertes ist auch der geldwerte Vorteil aus der Überlassung eines weiteren Satzes Reifen abgegolten. 

 

Pauschale und kilometerbezogene Eigenbeteiligungen des Arbeitnehmers mindern den geldwerten Vorteil. Gleiches gilt, wenn der Arbeitnehmer einen Teil der Anschaffungskosten übernimmt. Dagegen führt die Übernahme von Treibstoffkosten durch den Arbeitnehmer zu keiner Minderung des Sachbezugswertes. 

 

Berücksichtigung Sachbezugswert

Ausstattung des Fahrzeuges 

zusätzlich zum  

Bruttolistenpreis dazuzurechnen 

nicht zum  

Bruttolistenpreis 

dazuzurechnen 

Autoradio 

Autotelefon  

Diebstahlsicherung 

Freisprecheinrichtung  

Klimaanlage 

Navigationsgerät 

Preisnachlässe 

Standheizung 

Überführungskosten 

Zusätzlicher Reifensatz, Felgen 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beispiel 1

Ein Arbeitnehmer nutzt sein Dienstfahrzeug privat. Der Listenpreis des Wagens beträgt 25.000 EUR. Das Fahrzeug ist geleast. Die monatliche Leasingrate beträgt 500EUR. Daran beteiligt sich der Arbeitnehmer mit einer Zuzahlung von monatlich 100 EUR. 

 

Daraus ergibt sich folgende Berechnung: 

 

1 Prozent von 25.000 EUR  

250 EUR 

abzüglich monatliche Zuzahlung Arbeitnehmer 

./. 100 EUR 

anzusetzender geldwerter Vorteil 

150 EUR 

 

 

 

Beispiel 2

Ein Arbeitnehmer erhält ab 1. Juli ein Dienstfahrzeug, welches er auch privat nutzen kann. Der monatliche Sachbezugswert nach der Ein-Prozent-Methode beträgt insgesamt 400 EUR. Der Arbeitnehmer übernimmt eine einmalige Eigenleistung für Sonderausstattungen in Höhe von 2.500 EUR.  

 

monatlicher Sachbezugswert: 

400 EUR 

Juli - Dezember: 6 x 400 EUR 

2.400 EUR 

abzüglich Eigenanteil des AN 

./. 2.500 EUR 

verbleiben im laufenden Kalenderjahr zu versteuern 

0 EUR 

 

 

Einmalige Zuzahlungen können allerdings nur im Jahr der Zahlung berücksichtigt werden. Ein verbleibender Restbetrag kann nicht in späteren Jahren mit dem Sachbezugswert verrechnet werden. 

 

Hinweis: Der Bundesrat hat am 7.4.06 das Gesetz zur Eindämmung missbräuchlicher Steuergestaltungen verabschiedet. Dieses Gesetz legt u.a. fest, dass die Ein-Prozent-Regelung künftig nur bei Fahrzeugen möglich ist, die zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt werden. Dies trifft vor allen Dingen Einzelunternehmer oder Freiberufler, die z.B. mehrere Fahrzeuge mit nur geringer betrieblicher Nutzung als Firmenfahrzeuge angemeldet haben. Nicht betroffen sind Fahrzeuge, die an Arbeitnehmer zur privaten Nutzung überlassen werden. Diese gehören automatisch zum notwendigen Privatvermögen und zwar unabhängig davon, in welchem Umfang sie tatsächlich betrieblich genutzt werden. 

 

Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

Setzt der Arbeitnehmer den Firmenwagen auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ein, entsteht ein weiterer zur Ein-Prozent-Regelung zusätzlich zu berücksichtigender Sachbezug. Dieser Wert errechnet sich mit 0,03 Prozent vom Listenpreis, multipliziert mit den Entfernungskilometern, d.h. einfache Wegstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Ein Arbeitnehmer, der z.B. morgens und abends je 20 km zurücklegt, hat 20 Entfernungskilometer. Die tatsächliche Anzahl der Fahrten spielt dabei keine Rolle. Ein eventueller Nutzungsausfall durch Urlaub oder Krankheit ist in den gesetzlichen Pauschalsätzen von 1 Prozent bzw. 0,03 Prozent berücksichtigt. Lässt der Arbeitnehmer allerdings das Fahrzeug auf Grund von Krankheit oder Urlaub einen vollen Kalendermonat im Betrieb stehen, entfällt der pauschale Ansatz.  

 

Dieser so errechnete geldwerte Vorteil kann vom Arbeitgeber mit 15 Prozentpauschal versteuert werden. Dabei ist eine Obergrenze zu beachten. Pauschaliert werden kann nur der jährliche Betrag, den der Arbeitnehmer im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung als Werbungskosten für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ansetzen kann. Anzusetzen sind 0,30 EUR pro Entfernungskilometer für jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer in seinen Betrieb gefahren ist. Die Finanzämter erkennen zwischen 220 und 230 Arbeitstagen jährlich an. Zur Feststellung der Pauschalierungshöchstgrenze darf der Arbeitgeber aus Vereinfachungsgründen von 180 Arbeitstagen im Jahr ausgehen, ohne nachweisen zu müssen, wie viele Fahrten tatsächlich stattgefunden haben. 

 

Beispiel 3

Ein Arbeitnehmer erhält ein Dienstfahrzeug zur privaten Nutzung. Der Anschaffungswert beträgt 28.000,00 EUR. Zusätzlich kommen Sonderausstattungen in Höhe von 2.000,00 EUR hinzu. Die einfache Entfernung (Entfernungskilometer) von der Wohnung zur Arbeitsstätte beträgt 20 km. Der Arbeitgeber pauschaliert die Fahrten Wohnung – Arbeitsstätte im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Ohne genaue Prüfung kann der Arbeitgeber davon ausgehen, dass 180 Fahrten im Jahr bzw. 15 Fahrten pro Monat von Wohnung der zur Arbeitsstätte stattgefunden haben. 

 

Listenpreis bei Erstzulassung inklusive MwSt 

 

28.000,00 EUR 

Sonderausstattung inklusive MwSt 

 

2.000,00 EUR 

Maßgeblicher Fahrzeugpreis 

 

30.000,00 EUR 

1. Private Nutzung 

 

 

monatlich 1 Prozent von 30.000 EUR = 300 EUR 

 

300,00 EUR 

2. Fahrten Wohnung – Arbeitsstätte 

 

 

0,03 Prozent von 30.000,00 EUR = 9,00 EUR 

 

 

20 km x 9,00 EUR = 180 EUR 

180,00 EUR 

 

davon können pauschal versteuert werden: 

 

 

0,30 EUR x 20 km = 6,00 EUR 

 

 

6,00 EUR x 15 Tage (pauschale Annahme) = 90 EUR 

90,00 EUR 

 

somit muss der Arbeitnehmer für Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte noch individuell versteuern:180,00 EUR - 90,00 EUR = 90,00 EUR 

 

90,00 EUR 

 

 

Eine Pauschalierung der Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte im rechtlich zulässigen Rahmen zieht Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung nach sich. 

 

Hinweis: Der Bundesrat hat am 7.7.06 das Steueränderungsgesetz 2007 beschlossen. Danach wird ab 1.1.07 der Werbungskostenansatz für Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsst=ätte nur noch für Entfernungen über 20 Entfernungskilometer möglich sein. Diese Regelung wirkt sich auch auf die vom Arbeitgeber mögliche Pauschalierung der Fahrten Wohnung Arbeitsstätte aus. Bezogen auf obiges Beispiel findet ab 1.1.07, da die einfache Wegstrecke genau 20 km ausmacht, überhaupt keine Pauschalierung mehr statt. Der Sachbezugswert von 180 EUR für Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte ist dann nur noch in voller Höhe als normaler Arbeitslohn vom Arbeitnehmer zu versteuern und in dieser Höhe auch beitragspflichtig in der Sozialversicherung. 

Besonderheiten

  • Gelegentliche Nutzung: Die vollen Monatsbeträge in Höhe von 1 Prozent bzw. 0,03 Prozent sind nicht anzusetzen, wenn der Arbeitnehmer das Firmenfahrzeug nur gelegentlich für besondere Anlässe für nicht mehr als fünf Kalendertage nutzen darf. In diesem Fall richtet sich die Bewertung nach 0,001 Prozent vom maßgeblichen Bruttolistenpreis.

 

  • Ausschließliche dienstliche Nutzung: Verwendet der Arbeitnehmer das Fahrzeug für Fahrten Wohnung Arbeitsstätte nur aus dienstlichem Anlass, z.B. für eine Auswärtstätigkeit, die an der Wohnung beginnt und endet, entfällt der Ansatz des Sachbezugswertes. Dies trifft außerdem für solche Arbeitnehmer zu, die mit einem Firmenfahrzeug Fahrten im Rahmen einer Rufbereitschaft ausüben.

 

  • Firmenwagenwechsel während des Monats: Erhält der Arbeitnehmer während des Monats ein neues Firmenfahrzeug, so ist der Sachbezugswert komplett auf Basis des in diesem Monat zeitlich überwiegend genutzten Fahrzeuges zu berechnen.
Quelle: Ausgabe 08 / 2006 | Seite 141 | ID 88337