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01.01.2005 | Rückstellung für Bestandspflege

BFH lässt Steuer sparende Bilanzierung bei bestehenden Lebensversicherungen zu

von Diplom-Finanzwirt Hermann Kahlen, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht, Senden/Westfalen

Dürfen Makler Rückstellungen für Verwaltungskosten bilden, die bei bestehenden Lebensversicherungen entstehen, wenn der Versicherer kein Bestandspflegegeld zahlt? Ja, sagt der Bundesfinanzhof (BFH, Urteil vom 28.7.2004, Az: XI R 63/03; Abruf-Nr. 043010).

Das erfreuliche Urteil bringt bilanzierenden Versicherungsmaklern bares Geld. Wie, das lesen Sie im folgenden Beitrag.

Der zu Grunde liegende Fall

Kläger war ein Versicherungsmakler. Er hatte sich 1969 in einem "Vertrag" (!) mit dem Versicherer verpflichtet,

  • Lebens- und Schadensversicherungen zu vermitteln,
  • den Bestand zu betreuen und zu erhalten und
  • das Inkasso durchzuführen.

    Der Versicherer verpflichtete sich im Gegenzug, "Abschlussprovisionen" für vermittelte Lebensversicherungen und "Abschlussprovisionen" und "Betreuungsprovisionen" für alle anderen Ver-siche-rungen zu zahlen.

    Wichtig: Für die LV-Vermittlung erhielt der Makler eine "Provision". "Betreuungsprovisionen" erhielt er nicht.

    Bildung von Rückstellung für Verwaltungsaufwand

    Der Makler war der Ansicht, dass diese Diskrepanz zwischen seinen Pflichten (Betreuung) und Rechten (keine Provision dafür) steuerlich beachtlich sei. Verwaltungsaufwand falle an, weil LV-Verträge im Durchschnitt 27 Jahre laufen würden.

    In der Bilanz zum 31. Dezember 1992 bildete der Makler daher erstmals eine Rückstellung für Verwaltungskosten. Er schätzte den Verwaltungsaufwand pro Lebensversicherungsvertrag auf zwei Mitarbeiterstunden. Bei Kosten von 160 DM hierfür und 2.093 Verträgen ergab das einen Betrag von 334.880 DM.

    Die Entscheidung des BFH

    Das Finanzamt und das Finanzgericht Münster (Urteil vom 17.12.2002, Az: 12 K 1985/99 E, G; Abruf-Nr. 040112) lehnten die Rückstellung ab. Der BFH sah das anders und gab dem Makler Recht. Eine Gewinn mindernde Rückstellung dürfe gebildet werden, weil das Gleichgewicht der Vertragsbeziehun-gen durch "Erfüllungsrückstände" eines Ver-tragspartners gestört sei. Soll heißen:

  • Eine Vertragspartei hat ihre Leistung voll erbracht, nämlich der Versicherer durch Zahlung der "Provision".
  • Die andere Partei befindet sich im "Erfüllungsrückstand", nämlich der Makler durch die in Zukunft zu erbringende Betreuung.

    Dass Lebensversicherungsverträge möglicherweise erst viele Jahre nach Abschluss zu bearbeiten seien, sei unbeachtlich.

    Tipps für die Praxis

    Das Urteil gilt in allen Fällen, in denen Makler zur Betreuung von Versicherungsverträgen verpflichtet sind, dafür aber keine oder nur eine geringe Courtage erhalten und noch keine Rückstellung für Betreuung und Bestandspflege gebildet haben. Keine Rolle spielt, wie ihr Verhältnis zum Versicherer ausgestaltet ist - als einseitige Courtage-Zusage oder als Courtage-Vereinbarung.

    Gehen Sie wie folgt vor: Sie ermitteln zunächst Ihren Aufwand und damit den Betrag für Ihre Rückstellung:

  • Ermitteln Sie, was Sie Ihre Mitarbeiter pro Stunde kosten.
  • Lassen Sie Ihre Mitarbeiter den Zeitaufwand notieren, den diese für die Bestandspflege eines Vertrags verwenden. Der Aufwand steigt, je mehr Zusatzversicherungen (wie BUZ) enthalten sind. Bei einem Mix aus Kapital-/Rentenversicherungen und Zusatzversicherungen dürften zwei bis drei Stunden angemessen sein.
  • Multiplizieren Sie die Zeit pro Vertrag mit den Stundensätzen.
  • Das Ergebnis multiplizieren Sie mit der Anzahl der verwalteten/betreuten LV-Verträge. Daraus resultiert folgende Formel:
    Formel
    Rückstellungs-
    betrag
    =Anzahl
    betreuter
    Verträge
    xMitarbei-
    terkosten
    je Stunde
    xBetreuungsaufwand je
    Vertrag

    Wichtig:Die Formel gilt für den Fall, dass Sie für die Betreuung keine Courtage bekommen.

    Beispiel

    Versicherungsmakler M (5 Mitarbeiter, 2 Auszubildende) betreute 580 Lebensversicherungsverträge im Jahr 2004. Der Betreuungsaufwand pro Vertrag lag bei durchschnittlich 2,5 Mitarbeiterstunden, die Mitarbeiterstunde bei 21 Euro. Für das Jahr 2004 ergibt sich ein Rückstellungsbetrag von 30.450 Euro (= 580 x 21 Euro x 2,5 ).

    Unser Tipp:Eine Rückstellung können Sie auch bilden, wenn Sie eine geringe Betreuungs-Courtage bekommen. Liegt diese unter Ihrem ermittelten Bestandspflege-Aufwand, so ermitteln Sie die Differenz und setzen den Betrag als Rückstellung an.

    Beispiel

    Makler M bekommt im Ausgangsfall 6.000 Euro Courtage vom Versicherer für Bestandspflege. Er kann eine Rückstellung von 24.450 Euro bilden (= 30.450 ./. 6.000 Euro).

    Die so ermittelte Rückstellung berücksichtigt Ihr Steuerberater beim letzten noch zu erstellenden Jahresabschluss. Das dürfte in den meisten Fällen die Bilanz für 2004 sein. Das Einbuchen der Rückstellung senkt Ihren steuerlichen Gewinn für 2004, ohne dass Sie einen Cent ausgegeben haben.

    Sie profitieren dreifach

    Die Rückstellungsbildung hat für Sie eine dreifache Wirkung:

    1. Von sinkenden Steuersätzen profitieren

    Der Steuersatz der Einkommensteuer sinkt in 2005 von maximal 45 Prozent auf maximal 42 Prozent. Deshalb ist es sinnvoll, Ausgaben in das Jahr 2004 zu verlagern. Das schaffen Sie, indem Sie für 2004 Rückstellungen bilden.

    2. Steuersätze für 2004 reduzieren

    Zum Jahresende 2004 haben viele Ihrer Kunden die Chance genutzt und sich die Steuerfreiheit der Lebensversicherung gesichert. Davon haben auch Sie möglicherweise profitiert.

    Die Courtage-Ansprüche müssen Sie als bilanzierender Makler steuerlich selbst dann in 2004 erfassen, wenn das Geld tatsächlich erst in 2005 fließt. Entsprechend hoch ist der Steuersatz für 2004. Diesen reduzieren Sie durch die Rückstellungsbildung. Ihre absolute Steuerbelastung für 2004 sinkt.

    3. Einkommensteuervorauszahlungen für 2005 senken

    Die Einkommensteuervorauszahlungen für 2005 orientieren sich am zu versteuernden Einkommen für 2004. Beauftragen Sie Ihren Steuerberater, die Rückstellung für Bestandspflege in 2004 einzubuchen. Unter Vorlage der BWA für den Dezember 2004 soll er dann einen Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen für 2005 stellen. So erhöhen Sie Ihre Liquidität in 2005.

    Beachten Sie: Die erstmalige Rückstellungsbildung in 2004 reduziert den Gewinn aus dem Jahr 2004. In 2005 können zusätzliche Rückstellungen für neu abgeschlossene Verträge gebildet werden.

    Quelle: Ausgabe 01 / 2005 | Seite 9 | ID 98491