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01.06.2005 | Flexibilität mit Wertkonten

Ein neues attraktives Geschäftsfeld

von Katrin Kümmerle und Diana Öhrlein, febs, München

Die Nachfrage nach Wertkonten ist in letzter Zeit gestiegen, weil sie sich flexibel einsetzen lassen, zum Beispiel für ein "Sabbatical" oder einen vorzeitigen Ruhestand.

Wie funktionieren Wertkonten? Wie werden sie steuerlich und sozialversicherungsrechtlich behandelt? Antworten darauf finden Sie im folgenden Beitrag.

Funktionsweise

Wertkonten werden im Unternehmen eingerichtet, zum Beispiel in einer Betriebsvereinbarung. Dabei wird festgelegt,

  • welche Arbeitnehmer sich am Modell beteiligen können,
  • in welchem Umfang sie welche Bausteine einbringen können,
  • wie die Verzinsung der Guthaben erfolgt,
  • welche Verwendungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und
  • was im Falle des vorzeitigen Ausscheidens oder bei einem Arbeitgeberwechsel mit dem Wertguthaben geschieht.
    Ansparphase

    Der Arbeitnehmer verzichtet in der Ansparphase beispielsweise auf Bestandteile der Vergütung. Diese werden auf sein individuelles Wertkonto eingezahlt. Er kann unterschiedliche Bestandteile seiner Vergütung in ein Wertkonto einbringen. Zum Beispiel einen prozentualen Teil des laufenden Bruttogehalts, Sonderzahlungen (zum Beispiel Tantieme, sonstige Boni etc.), Überstunden oder Resturlaub.

    Auch der Arbeitgeber kann zusätzlich Zahlungen auf das Wertkonto des einzelnen Arbeitnehmers leisten.

    Grundprinzip

    Mit der Zeit wird auf dem Wertkonto wie bei einem Sparbuch ein Guthaben angespart. Entsprechend der gewählten Rahmenbedingungen verzinst sich dieses oder es ist an die Entwicklung eines Fonds angelehnt.

    Auszahlungsphase

    Der Arbeitnehmer kann das angesparte Wertguthaben für eine Freistellung nutzen. Freistellungen können entweder auf Initiative des Arbeitgebers geschehen, zum Beispiel in produktionsschwachen Zeiten. Sie können aber auch auf Verlangen des Arbeitnehmers erfolgen, zum Beispiel wenn dieser eine "Auszeit" ("Sabbatical") oder den vorzeitigen Ruhestand plant. Während der Freistellung bezieht der Arbeitnehmer weiter Gehalt, das aber seinem Wertkonto entnommen wird.

    Optimal ist die Ergänzung des Wertkontos um ein Wahlrecht auf betriebliche Altersversorgung. In diesem Fall kann das bei Eintritt in den gesetzlichen Ruhestand nicht "verbrauchte" Wertguthaben in eine betriebliche Altersversorgung umgebucht werden. Vorteile:

  • Die Umbuchung ist unter bestimmten Voraussetzungen lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei.
  • Die starren Regeln des Betriebsrentengesetzes kommen in der Ansparphase nicht zur Geltung (zum Beispiel Vererbbarkeit).
    Steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Behandlung

    Wie werden Ein- und Auszahlungen in Wertkonten steuerlich und sozialversicherungsrechtlich behandelt?

    Steuerliche Behandlung beim Arbeitnehmer

    Der besondere Vorteil von Wertkonten liegt darin, dass die Einzahlung unbegrenzt steuerfrei ist. Der Arbeitnehmer muss lediglich vor Fälligkeit der Entgeltbestandteile auf deren Auszahlung verzichten. In diesem Fall führt die vereinbarte Gutschrift künftiger Entgeltbestandteile auf dem Wertkonto nicht zum lohnsteuerlichen Zufluss beim Arbeitnehmer.

    Das Wertguthaben inklusive Wertzuwachs wird nachgelagert besteuert. Die in der Freistellungsphase ausgezahlten Leistungen aus dem Wertguthaben werden als Arbeitslohn, das heißt als Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit versteuert (§ 19 Einkommensteuergesetz [EStG]).

    Kommt es im Falle der Kündigung zur Auflösung und Einmalauszahlung des Wertguthabens an den Arbeitnehmer, unterliegt diese Zahlung auch der Versteuerung nach § 19 EStG. In diesem Fall kann aber die "Fünftel-Regelung" nach § 34 EStG genutzt werden. Denn es handelt sich um eine Vergütung für eine mehrjährige Tätigkeit.

    Steuerliche Behandlung beim Arbeitgeber

    Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Gewinn mindernde Rückstellungen gemäß Â§ 6 EStG zu bilden, weil das Wertguthaben eine Vorleistung des Arbeitnehmers widerspiegelt. Bei der späteren Auszahlung werden die Rückstellungen Gewinn erhöhend aufgelöst.

    Diese Rückstellung ist nicht abzuzinsen, sofern dem Arbeitnehmer für sein Wertguthaben eine entsprechende Gegenleistung zugesagt wird (feste Verzinsung; Betrag in Abhängigkeit von der Entwicklung bestimmter Fondsanlagen). Das ist in der Praxis meist der Fall.

    Sozialversicherungsrechtliche Behandlung

    Auch bei der Beitragspflicht zur Sozialversicherung gilt das Zuflussprinzip. Grundlage für die Beitragsberechnung in der Arbeitsphase ist das fällige, geminderte Arbeitsentgelt, das an den Arbeitnehmer ausgezahlt wird. In der Freistellungsphase muss der Arbeitgeber auf das ausgezahlte Wertguthaben Beiträge entrichten.

    Beispiel

    Arbeitnehmer A mit einem Gehalt von 5.000 Euro brutto verzichtet auf 1.000 Euro zu Gunsten eines Wertkontenmodells. In diesem Fall müssen in der Arbeitsphase nur für 4.000 Euro Sozialversicherungsbeiträge entrichtet werden. Entscheidet sich dieser Arbeitnehmer für eine Freistellungsphase, werden für das an ihn ausgezahlte Gehalt entsprechend den zu diesem Zeitpunkt geltenden Beitragsbemessungsgrenzen und Beitragssätzen Beiträge fällig.

    Im Störfall, also bei nicht vereinbarungsgemäßer Verwendung des angesparten Wertguthabens für eine Freistellung (zum Beispiel bei Auflösung und Einmalauszahlung bei Kündigung), werden die Sozialversicherungsbeiträge nach einem gesonderten Verfahren berechnet. Dieses richtet sich nach § 23b Sozialgesetzbuch IV.

    Finanzierung und Insolvenzsicherung

    Die Rückstellungen alleine weisen nur die Verbindlichkeiten des Arbeitgebers aus. Sie stellen nicht die in der Freistellungsphase notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung.

    Unser Tipp:Raten Sie Arbeitgebern, mit der Ausfinanzierung der Freistellungsphasen bereits in der Ansparphase zu beginnen.

    Zur Ausfinanzierung eignen sich Kapitalisierungs- und Fondsprodukte. In diesen Fällen erfolgt die Insolvenzsicherung der Wertguthaben in der Regel über Treuhandlösungen oder Verpfändungen.

  • Der Vorteil von Treuhandmodellen: Die Insolvenzsicherung kann ohne Beteiligung des Mitarbeiters durchgeführt werden. Dies minimiert den Verwaltungsaufwand.
  • Bei einer Verpfändungslösung muss dagegen jeder Mitarbeiter eine Erklärung abgeben.

    Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalverzinsung entscheiden sich oftmals auch gegen eine externe Geldanlage und damit gegen einen Liquiditätsabfluss. In diesen Fällen liegt die interne Verzinsung weiter über dem, was der Kapitalmarkt zu bieten hat. Diese Unternehmen müssen bei der Insolvenzsicherung der Wertguthaben andere Wege, zum Beispiel über Patronatserklärungen oder Bankbürgschaften, gehen.

    Fest steht: Wertkonten müssen zwar kraft Gesetzes gegen die Insolvenz des Arbeitgebers abgesichert werden, bei der genauen Ausgestaltung der Insolvenzsicherung haben die Unternehmen allerdings einen sehr großen Handlungsspielraum. Und auch bei der Finanzierung schreibt der Gesetzgeber keinen Weg vor.

    Wertkonten - vorteilhaft für beide Seiten

    Wertkonten sind vorteilhaft für beide Seiten. Die Arbeitszeit kann bedarfsgerecht und flexibel gestaltet werden, so dass auch Produktionsschwankungen bzw. auftragsschwache Zeiten überbrückt werden können. Konjunkturelle Kündigungen werden vermieden und damit das Vertrauen der Arbeitnehmer in das Unternehmen gestärkt. Dies führt zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

    Daneben dienen Wertkonten als neuer Weg für Entgeltumwandlung. Dies ist gerade für jüngere Arbeitnehmer von Bedeutung. Bei der Entgeltumwandlung im Wege der betrieblichen Altersversorgung fehlt gerade den jüngeren Arbeitnehmern die Flexibilität:

  • Vor dem vollendeten 60. Lebensjahr kommen sie in keinem Fall an ihr angespartes Geld.
  • Ferner können sie ihr Geld nicht an jedermann vererben.

    Diese Punkte führen oftmals dazu, dass sich Wertkonten größerer Beliebtheit erfreuen als die betriebliche Altersversorgung.

    Der größte Bonus von Wertkonten für Arbeitnehmer ist die Finanzierung von Freistellungsphasen. So kann er sich bei Bedarf mit Zustimmung des Arbeitgebers von seiner Arbeitspflicht freistellen lassen und trotzdem weiter ein Gehalt beziehen. Insbesondere im Hinblick auf das immer höhere Renteneintrittsalter sind Wertkonten zur Finanzierung des vorzeitigen Ruhestands für viele interessant. Denn wer möchte sich nicht mit 60 aus dem Berufsleben verabschieden?

    Fazit: Insgesamt gilt es bei der Gestaltung der Modelle beide Interessen zu berücksichtigen und gemeinsam mit dem Arbeitgeber ein individuelles Wertkontenmodell zu finden.

    Quelle: Ausgabe 06 / 2005 | Seite 17 | ID 98564