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· Fachbeitrag · Medizinwissen

Mobbing macht krank

von Dr. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn

| Mobbing am Arbeitsplatz kann die Gesundheit der Betroffenen schwer schädigen. Und auch die Arbeitgeber spüren die Folgen, zum Beispiel durch Ausfalltage. Menschen, die durch Mobbing krank werden, suchen oft zunächst den Hausarzt auf. Wie Sie als MFA betroffene Patienten erkennen und welche Möglichkeiten der Hilfe es gibt, zeigt der folgende Beitrag. |

Mobbing oder nur normale Streitigkeiten?

Die Grenzen zwischen normalen Streitigkeiten und Mobbing verschwimmen am Anfang häufig miteinander. Erst, wenn die Zurücksetzungen systematisch, häufig (einmal pro Woche) und über einen längeren Zeitraum (ein halbes Jahr) auftreten, spricht man von Mobbing. Typische Mobbinghandlungen sind zum Beispiel Unwahrheiten verbreiten, Gerüchte streuen oder die Arbeitsleistung bewusst herabwürdigen. (Eine ausführliche Liste von Mobbinghandlungen finden Sie in PPA 04/2010, Seite 18).

Gesundheitliche Beeinträchtigungen

Mobbing verursacht Stress und andere negative Emotionen. Es schädigt dadurch die seelische und körperliche Gesundheit der Opfer. Die Arbeitsleistung sinkt und die Betroffenen werden dadurch noch mehr zur Zielscheibe von Mobbingangriffen, sodass die Opferrolle sich festigt und ein Teufelskreis entsteht.

 

 

 

Psychische Beeinträchtigungen

Der mit Mobbing verbundene Stress beeinträchtigt die Psyche der Betroffenen. Typische seelische Folgen von Mobbing sind:

 

  • Verlust der Freude an der Arbeit und der Arbeitsmotivation
  • Unsicherheit, Nervosität und Angstzustände
  • Antriebslosigkeit
  • Nachlassende Konzentration

 

Körperliche Symptome

Neben den psychischen Beeinträchtigungen aufgrund des Mobbings zeigen sich bei vielen Betroffenen auch bald körperliche Symptome. Dies können unter anderem sein:

 

  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Verspannungen der Nacken- und Rückenmuskulatur
  • Herzrasen, Kreislaufprobleme
  • Magenprobleme, Verdauungsstörungen

 

Wenn jemand über Monate und Jahre gemobbt wird, nehmen die Beschwerden chronische, schwer zu therapierende Formen an. Die Folgen sind unter anderem:

 

  • Allgemeine Angstzustände, Sozialängste
  • Anhaltende Schuld- und Versagensgefühle
  • Suizidgedanken

Hilfe beim Hausarzt

Da es vor allem in kleinen Betrieben selten einen Betriebsarzt gibt, gehen Betroffene mit körperlichen Symptomen meistens zu ihrem Hausarzt.

 

Anamnese zum Ausschluss organischer Ursachen

Der Arzt wird als erstes eine sorgfältige Anamnese erheben. Dabei wird mitunter schon deutlich, dass die beschriebenen körperlichen Beschwerden eine psychische Ursache haben können. Immer ist es jedoch notwendig, organische Ursachen auszuschließen. Dies kann manchmal auch eine umfangreiche Diagnostik mit EKG, Echokardiographie, Ultraschall des Abdomens, Magen- oder Darmspiegelung nach sich ziehen. Erst wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind, kann von psychosomatischen Störungen gesprochen werden.

 

Patienten brauchen Ruhe

Der Arzt kann Betroffene in dieser Situation zunächst krankschreiben. Einige Tage Abstand zur Arbeit dienen der Erholung und können zur Wiederherstellung der Arbeitskraft beitragen. Wird allerdings das Problem am Arbeitsplatz nicht gelöst, treten mit Aufnahme der Arbeit die gleichen Beschwerden meist schnell wieder auf. Auslöser der Beschwerden ist die andauernde Stresssituation am Arbeitsplatz, die nach Möglichkeit beseitigt werden sollte. Eine alleinige medizinische Behandlung der körperlichen Beschwerden ist daher meist nicht zielführend.

 

PRAXISHINWEIS | Wenn Patienten Ihnen als MFA von Problemen bei der Arbeit berichten, ist es für Sie in der Regel schwierig, sich einen objektiven Eindruck von den tatsächlichen Vorfällen zu verschaffen. Wichtig ist es in dieser Situation, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen und die Probleme des Patienten nicht zu bagatellisieren.

 

Entspannungstechniken zum Stressabbau

Mobbing-Betroffene sollten versuchen, Möglichkeiten der Entspannung und Ablenkung zu finden, denn der Umgang mit Stress ist erlernbar. Geeignete Entspannungstechniken zum Stressabbau sind progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder autogenes Training (siehe PPA 10/2014, Seite 11). Aber auch Sport und soziale Kontakte sind hilfreich im Umgang mit Stress. Die Arbeitssituation sollte nach Möglichkeit nicht den gesamten Alltag bestimmen.

Überweisung zum Psychotherapeuten

Mobbing selbst ist keine psychische Erkrankung. Trotzdem kann die Überweisung zu einem Psychotherapeuten sinnvoll sein. Wenn sich Mobbing bereits über mehrere Monate oder Jahre erstreckt hat, sind die Betroffenen häufig am Rande ihrer psychischen Belastbarkeit angekommen. Etwa ein Drittel der von Mobbing-Betroffenen benötigt dann professionelle therapeutische Hilfe, um das Erlebte zu verarbeiten. Die Behandlung kann ambulant, tagesklinisch oder stationär als psychosomatische Krankenhausbehandlung ablaufen. Im Zentrum steht das psychotherapeutische Gespräch, oft begleitet durch Musik-, Kunst-, Bewegungs- und Entspannungstherapien.

Weitere Hilfe für Mobbing-Betroffene

Ärztliche bzw. therapeutische Behandlung können nichts gegen das Mobbing selbst ausrichten, sondern nur die Folgebeschwerden lindern. Deshalb sollten sich Betroffene unbedingt wehren bzw. sich Hilfe beim Arbeitgeber oder Betriebsrat suchen (siehe PPA 08/2015, Seite 7). Auch rechtlicher Rat (siehe PPA 08/2015, Seite 9) kann hilfreich sein. In größeren Städten gibt es häufig spezialisierte Beratungsstellen für Mobbing-Betroffene. In großen Unternehmen ist mitunter ein Abteilungswechsel und damit ein Neuanfang möglich. Traurige Wahrheit ist jedoch, dass etwa 50 Prozent der von Mobbing-Betroffenen ihren Arbeitsplatz wechseln. Dies ist zwar häufig schmerzhaft, viele Betroffene sind im Nachhinein jedoch froh, diesen Schritt gegangen zu sein.

 

Weiterführende Hinweise

  • Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V.:  
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:
Quelle: Ausgabe 08 / 2015 | Seite 4 | ID 43451734