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· Fachbeitrag · Wirtschaftliche Praxisführung

So steigern Sie das betriebswirtschaftliche Ergebnis in Ihrer Arztpraxis!

von Dr. Dr. med. Peter Schlüter, Reilingen, www.vita-lco.de 

| Das betriebswirtschaftliche Ergebnis (Gewinn oder Verlust) einer Arztpraxis lässt sich wie bei einem Unternehmen einfach ausrechnen: Umsatz minus Kosten. Die Praxis kann ihr Ergebnis steigern, indem sie ihren Umsatz steigert und/oder ihre Kosten senkt. Auf beiden Wegen spielt das Thema „Praxisorganisation“ eine große Rolle. Auch Sie als MFA sollten die Wege zur Gewinnmaximierung in der Arztpraxis kennen, denn mit der Praxisorganisation sind in erster Linie Sie befasst. |

Umsatzsteigerung

Den Umsatz können Sie in Ihrer Arztpraxis zunächst dadurch steigern, indem Sie das vorhandene Potenzial der Gebührenordnungen voll ausschöpfen. Zusätzlich kann es für Ihren Chef sinnvoll sein, neue Umsatzpotenziale zu erschließen, zum Beispiel, indem er Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) anbietet oder auch eine Nicht-ärztliche Praxisassistentin (NäPa) einstellt.

 

Konsequente Anwendung der Gebührenordnungen

Oft schlummern viele Leistungen im Verborgenen der Gebührenordnungen und werden, obwohl oft geleistet, nicht abgerechnet. Nur wenn Sie den EBM, die GOÄ und die UV-GOÄ konsequent anwenden, können Sie für Ihre Praxis den maximalen Honorarumsatz erzielen.

 

  • So nutzen Sie die Gebührenordnungen effizient
  • Dokumentieren Sie alle erbrachten Leistungen sorgfältig: Nur was dokumentiert ist, können Sie auch abrechnen!
  • Rechnen Sie auch die oft vernachlässigten „kleinen Leistungen“ ab, die auch außerhalb der Budgetierung noch Umsätze bringen, zum Beispiel das sogenannte „Pillenrezept“ nach Nr. 01820 EBM oder die Auflichtmikroskopie nach Nr. 750 GOÄ.
  • Studieren Sie die Gebührenordnungen regelmäßig und bilden Sie sich in einschlägigen Seminaren regelmäßig weiter, um auch wirklich alle Möglichkeiten der Leistungsabrechnung nutzen zu können.

 

Hinweis | Unter www.facebook.com/groups/abrechnungsforum finden Ärzte, MFA und alle anderen, die sich intensiv mit EBM und GOÄ beschäftigen, ein Forum für den Austausch über Fragen der Kassenabrechnung und Privatliquidation.

 

IGeL als zusätzliche Einnahmequelle nutzen

Wer die betriebswirtschaftliche Entwicklung seiner Arztpraxis heute ausschließlich von den Honorareinnahmen aus der gesetzlichen Krankenversicherung abhängig macht, wird in Zukunft immer weniger Umsätze erzielen.

Der sogenannte „Zweite Gesundheitsmarkt - Stichwort IGeL - wird künftig eine immer größere Rolle spielen.

 

  • So nutzen Sie IGeL effizient!
  • Bieten Sie als Praxis nur solche IGeL an, von deren medizinischem Nutzen Sie zu 100 Prozent überzeugt sind.
  • Bilden Sie sich im Team in der Führung von Beratungs-/Verkaufsgesprächen weiter (siehe PPA 05/2014, Seite 7).
  • Führen Sie ein Recall-System in Ihrer Praxis ein und nutzen Sie es konsequent (siehe PPA 09/2012, Seite 4.)
  • Stellen Sie die Rechnungen für erbrachte IGeL noch am Tag der Leistungserbringung und nicht erst am Ende des Monats oder des Quartals.
  • Mahnen Sie säumige Zahler konsequent an (siehe Folgebeitrag in PPA 10/2015).
 

Hinweis | Viele Vertragsärzte und auch MFA schrecken noch immer vor der vermeintlich „unmoralischen“ Rolle des „Verkäufers“ zurück. Hier ist folgendes Argument hilfreich: Sie haben die Gesundheitspolitik nicht gemacht. Unmoralisch wäre es eher, den Patienten über eine IGeL, die ihm wirklich hilft, nicht zu informieren (siehe PPA 05/2014, Seite 15).

 

NäPa als Umsatzpotenzial

Seit dem 1. Januar 2015 wird der Einsatz einer NäPa für Hausbesuche, finanziell gefördert. Die betreffenden Praxen dürfen bestimmte Gebührenziffern abrechnen, die für ebendiese Hausbesuche gelten (Nrn. 40870 und 40872 EBM). Wenn die Praxis eine MFA entsprechend weiterqualifiziert, investiert sie damit auch in mehr Umsatz.

Kostensenkung

Bei der Kostensenkung in der Arztpraxis geht es vor allem um Zeitmanagement. Maßnahmen, um vor allem die Zeit des Praxischefs einzusparen, sind eine Optimierung des Terminmanagements und die Delegation von Leistungen. Zusätzlich sparen Sie Kosten, wenn Sie andere Bestandteile Ihrer Praxisorganisation optimieren.

 

Terminmanagement und Patientenkategorisierung

Die Versicherten- und Grundpauschalen enthalten auch alle Arzt-Patienten-Kontakte, die in einem Quartal zustande kommen. Das bedeutet, dass Ihr Chef keinerlei weitere Beratung des Patienten abrechnen kann. Dies sollten Sie als MFA bei der Terminvergabe berücksichtigen (siehe auch PPA 07/2015, Seite 9).

 

  • Leitfragen für Ihr Terminmanagement
  • Müssen zukünftig alle Patientengespräche in der Praxis stattfinden?
  • Sind einfache Befundbesprechungen nicht auch telefonisch möglich?
  • Wissen Sie immer, warum der Patient einen Termin möchte?
  • Haben Sie im Team die rhetorischen Grundlagen besprochen, Patienten gezielt nach ihren Problemen zu fragen?
  • Welche Möglichkeiten haben Sie, den Patientenstrom effizient zu lenken?
 

Delegation von Leistungen an die MFA

Die Versorgung von Patienten in der Hausarztpraxis kostet Zeit. Vor allem der Arzt wird hier besonders gefordert. Entlastung bringt die Delegation bestimmter ärztlicher Leistungen an die MFA. Die Delegationsvereinbarung, die seit 1. Oktober 2013 gilt, ist hierbei ein wichtiges Instrument.

 

  • Delegation von Leistungen - das können Sie als MFA tun
  • Prüfen Sie, welche Leistungen aus der Delegationsvereinbarung Ihr Chef schon an Sie delegiert (siehe PPA 11/2013, Seite 4).
  • Wenn er bestimmte Leistungen noch nicht delegiert, fragen Sie ihn, warum.
  • Wenn es Hindernisse für eine Delegation gibt, überlegen Sie im Team, wie diese beseitigt werden können.
  • Stellen Sie fest, welche Fortbildungen für Sie notwendig sind, um bestimmte ärztliche Tätigkeiten zu übernehmen. Im Zweifelsfall fragen Sie bei Ihrer zuständigen Ärztekammer nach.
 

Praxisorganisation optimieren

Wenn Sie Ihre Selbstorganisation und die Organisation von Arbeitsabläufen in Ihrer Praxis immer wieder kritisch hinterfragen, werden Sie immer wieder Möglichkeiten finden, Zeit und Geld zu sparen.

 

  • Anregungen zu weiteren Einsparpotenzialen in der Praxis
  • Nutze ich bzw. nutzen meine Kolleginnen ein strukturiertes System des Zeitmanagements (siehe PPA 12/2013, Seite 18)?
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  • Nutzen wir für aufwendige, aber immer wiederkehrende Tätigkeiten Checklisten zur Qualitätssicherung und zur Zeitersparnis (PPA 09/2015, Seite 19)?
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    • Ermitteln wir die optimale Bedarfsmenge?
    • Haben wir oft Engpässe an Material?
    • Müssen wir oft verdorbenes Material wegwerfen?

 

  • Wie finanziert unsere Praxis Investitionen in Großgeräte und andere Praxisausstattung (zum Beispiel Röntgengeräte, EDV, Kopierer): Kauf oder Leasing?

 

  • Welche Möglichkeiten haben wir auf Papier zu verzichten (digitale Patientenakten, E-Mail statt Fax?)
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  • Beachten Sie | Nicht alle Formen der Korrespondenz sind per E-Mail erlaubt. Sie dürfen die ärztliche Schweigepflicht auf keinen Fall verletzen!
 

Hinweis | Wenn Sie eine Idee haben, Kosten in Ihrer Praxis einzusparen, halten Sie mit Ihrem Wissen nicht hinter dem Berg. Auch wenn Ihr Praxischef noch nicht auf Ihre Idee gekommen ist, kann sie trotzdem gut sein. Teilen Sie sie ihm mit, er wird es Ihnen danken!

Quelle: Ausgabe 09 / 2015 | Seite 16 | ID 42948223