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· Fachbeitrag · kommunikationtechnik

Umstellung der Telefonanlage von ISDN auf „All-IP“: So gelingt der Wechsel

von Nadahl Shocair, CEO SNOM Technology AG, www.snom.com/de

| Die Deutsche Telekom hat die Abschaltung ihrer ISDN-Leitungen für das Jahr 2018 angekündigt und auch weitere große Telefonbetreiber haben endgültige Termine festgelegt (siehe auch PPA 09/2015, Seite 14 ). Spätestens zum Zeitpunkt der Abschaltung müssen alle Kommunikationssysteme auf „All-IP“ (also die Übertragung sämtlicher Daten über das Internet) umgestellt sein, da die Übertragung über die bisherigen Telefonleitungen dann nicht mehr funktionieren wird. Wie Sie die Umstellung Ihrer Praxis-Telefonanlage möglichst reibungslos gestalten, fasst PPA für Sie zusammen. |

Neue Anwendungen planen

Die Voice-over-IP-Technologie (VoiP) bietet viele neue Anwendungen und Funktionen, für moderne Kommunikationsmedien. Z. B. haben Mitarbeiter dank der verbesserten VoIP-Mobilität Zugriff auf eine viel breitere Auswahl an Kommunikationsgeräten, die weit über das Tischtelefon hinausgehen (z. B. Smartphones, Tablets, Desktop-Computer und Laptops). Es ist daher sinnvoll, schon vor dem Wechsel zu entscheiden, welche Funktionen für die eigene Praxis von besonderem Nutzen sind.

Kompatibilität alter Anwendungen überprüfen

Auch wenn durch den Wechsel zu VoIP viele neue Möglichkeiten der Kommunikation hinzukommen, ist es gleichzeitig wichtig darauf zu achten, dass alle bisherigen Funktionen auch in der neuen Anlage zur Verfügung stehen. So ist bspw. das Fax, das in einigen Berufszweigen kaum mehr zum Einsatz kommt, aus dem Umfeld der Arztpraxen nach wie vor nicht wegzudenken. Einige IT-Dienstleister bieten zwar Faxdienste an, doch viele haben auf ein Fax-zu-E-Mail-System umgestellt. Vor dem Wechsel zur IP-Technologie sollten Sie daher mit dem Anbieter abklären, ob er die für den Praxisalltag nötigen Dienste bereitstellen kann.

Sicherstellen, dass der Sprachverkehr erhalten bleibt

Der Wechsel einer Telefonanlage ist eine komplexe Aufgabe und sollte mit all ihren Schritten sorgfältig geplant werden, um jegliche Unterbrechung des Alltagsbetriebs in der Praxis zu vermeiden. Es muss einkalkuliert werden, dass auf die Netzwerke ein erhöhter IP-Verkehr zukommt, also mehr Daten zuverlässig übertragen werden müssen.

 

PRAXISHINWEIS | Testen Sie die neue Telefonanlage vor dem definitiven Start ausgiebig (Telefonie, Fax und E-Mail im Parallelbetrieb, Aufkommen mehrerer Anrufe etc.). So beugen Sie unangenehmen Überraschungen vor.

 

Wahl eines leistungsstarken Partners

Lassen Sie Ihre Telefonanlage unbedingt von einem professionellen IT-Spezialisten auf IP-Technologie umstellen. IT-Services bieten ganzheitliche Lösungen für den Wechsel zu VoIP, beraten bei der Auswahl der Anlagen und Telefone und konstruieren eine speziell auf die vorliegenden Gegebenheiten angepasste Kommunikationslösung. Zuverlässigkeit und hohe Qualifikation können dabei nicht hoch genug eingeschätzt werden, schließlich vertrauen Sie diesem Partner heikle Aufgaben wie z. B. die Übertragung von Telefondaten an. Wer sich ohne professionelle Hilfe an der Installation versucht, setzt die vertraulichen Patientendaten und damit die gesamte Praxis hohen Risiken aus.

Sicherheit beachten

Bei der Entscheidungsfindung zur Telefonanlage und zum Servicepartner, dem Sie hochsensible Daten anvertrauen, sollten Sie unbedingt darauf achten, wo der Anbieter seine Serverstandorte betreibt (siehe PPA 08/2015, Seite 12). Bleiben die Daten in Deutschland oder werden sie im Ausland gespeichert? Die gleiche Sorgfalt sollten Sie auch der Wahl der Telefone entgegenbringen. Befinden sich alle Server in Deutschland, so sind sämtliche Daten dank der strengen deutschen Datenschutzrichtlinien hervorragend geschützt. Auch sollten Sie auf Telefone achten, deren Hersteller ausdrücklich den Einsatz von Spionage-Software (Spyware) ausschließen. Zum Schutz der VoIP-Telefonanlage vor Spyware siehe den Folgebeitrag in PPA 07/2016).

 

  • Fünf Tipps für die Umstellung auf VoIP
  • 1. Prüfen Sie, ob Ihre jetzige Telefonanlage „SIP“ (Session Initiating Protocol) unterstützt. Nur so kann das Telefongespräch in Form von Datenpaketen über das Internet übertragen werden. Nicht SIP-fähige Geräte werden mit der Abschaltung von ISDN unbrauchbar und müssen gegen SIP-fähige Telefone ausgetauscht werden.
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  • 2. Übertragen Sie die vorhandenen Rufnummern auf die neuen Geräte. Halten Sie gleichzeitig die alten Geräte in Betrieb. So vermeiden Sie Serviceunterbrechungen und Irritationen für Patienten und Praxisteam und sparen Kosten.
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  • 3. Planen Sie die Umstellung rechtzeitig. Die Installation des neuen Systems dauert selbst bei einer sehr schnellen Lösung mindestens vier Wochen. Falls die komplette Telefonanlage ersetzt werden muss, kann es auch mindestens acht Wochen dauern.
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  • 4. Planen Sie auch für den Test sämtlicher Dienstleistungen der IP-Service-Anbieter, die in der engeren Auswahl stehen, ausreichend Zeit ein. So können Sie spätere Komplikationen vermeiden. Die Tests erst kurz vor der ISDN-Abschaltung durchzuführen, ist nicht ratsam.
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  • 5. Betreiben Sie das alte und das neue System für einen bestimmten Zeitraum parallel. So bauen Sie im Praxisteam Vertrauen in das neue System auf, während gleichzeitig genug Zeit ist, den Umgang mit der neuen Telefonanlage und ihren neuen Funktionen zu trainieren.
 
Quelle: Ausgabe 06 / 2016 | Seite 15 | ID 44089482