· Fachbeitrag · Selbstbehauptung
Mobbing: Fünf Überlebensregeln für MFA
von Mihrican Özdem, Diplompsychologin, Landau
| Auch Gesundheitsberufe gehören leider zu den Berufszweigen, in denen Mobbing häufig auftritt. Doch Mobbing ist kein Schicksal, gegen das Sie nichts tun könnten. Lassen Sie es nicht zu, zum Mobbing-Opfer zu werden. Werden Sie aktiv. Handeln Sie auch, wenn Ihre Kollegin gemobbt wird. Denn Mobbing ist hochgradig ungerecht und macht krank. |
1. Schauen Sie genau hin: Nicht alles ist Mobbing
Das heißt nicht, dass Sie bei allem, was Ihnen komisch vorkommt, an Mobbing denken sollen. Wenn Kolleginnen in Ihrem Beisein tuscheln, reden sie vielleicht gar nicht über Sie, sondern über etwas anderes. Wenn Sie Ihren Kolleginnen in dieser Situation eine Frage stellen, und Ihnen Ihre Kolleginnen nicht antworten, liegt das vielleicht daran, dass sie Ihre Frage gar nicht gehört haben, weil sie ins Gespräch vertieft waren. Bleiben Sie deshalb freundlich und objektiv.
PRAXISHINWEIS | Wenn Sie in solchen Situationen „nervig nachfragen“, könnten Sie tatsächlich in die Rolle der Ausgegrenzten kommen, ohne dass Sie selbst oder Ihre Kolleginnen es wollten. |
2. Zeigen Sie Stärke: Sprechen Sie Vorfälle klar an
Es ist wichtig, gerade zu Beginn der Mobbing-Handlungen aktiv zu werden. Zeigen Sie, dass Sie sich nicht zum Mobbing-Opfer eignen.
Jemand antwortet nicht auf Ihre Frage
Wenn Ihnen jemand auf eine Frage nicht antwortet, gehen Sie wie folgt vor (für ein Dialogbeispiel siehe PPA 03/2011, Seite 14):
- Stellen Sie die Frage zunächst noch einmal. Vielleicht hat Ihr Gesprächspartner Sie nicht gehört.
- Wenn Sie immer noch keine Antwort erhalten, dann sollten Sie fragen, warum keine Reaktion kommt.
- Wenn noch immer keine Reaktion kommt, kündigen Sie an, den Vorfall in der nächsten Teamsitzung anzusprechen.
- Sprechen Sie den Vorfall tatsächlich in der nächsten Teamsitzung an. So bleibt Ihre Ankündigung keine „leere Drohung“ und Sie verschaffen sich Respekt.
Ihre Kollegin stichelt permanent
Wenn eine Kollegin permanent verletzende Dinge zu Ihnen sagt, sollten Sie den Inhalt der Aussage aufnehmen und Ihre Kollegin fragen, was genau sie damit meint, solange, bis Sie eine klare Antwort erhalten oder Ihre Kollegin die Sticheleien beendet. In vielen Fällen wird sie erkennen, dass Sie kein leichtes Mobbing-Opfer sind. Wenn Ihre Kollegin ihre Angriffe aber zu einem anderen Zeitpunkt wiederaufnimmt, machen sie auch hier ein Gesprächsangebot oder kündigen Sie auch hier an, den Vorfall in der nächsten Teamsitzung anzusprechen.
Jemand kritisiert Sie unberechtigt oder in unangemessener Weise
Wenn Sie für Ihre Arbeit ungerechtfertigt kritisiert werden, korrigieren Sie die Person, die Sie kritisiert. Wenn jemand Sie unangemessen kritisiert (zum Beispiel Ihre Kompetenz vor Patienten infrage stellt), bleiben Sie zunächst ruhig, damit die Situation nicht weiter eskaliert. Suchen Sie jedoch zeitnah das Vier-Augen-Gespräch (siehe PPA 04/2015, Seite 17).
PRAXISHINWEIS | Wenn Sie in dieser Art offen mit der Situation umgehen, zeigen Sie Selbstbewusstsein. Das schreckt Mobber normalerweise davon ab, sich weiter so zu verhalten. Es ist leichter, auf einem Schwachen herumzuhacken als auf einem Starken. |
3. Vier Augen sehen mehr als zwei: Binden Sie Unbeteiligte ein
Es gibt aber auch hartnäckige Mobber, die sich von selbstbewusstem Auftreten nicht abschrecken lassen. Im Gegenteil: Diese Personen empfinden Neid wegen der Stärke anderer und wollen das Opfer erst recht ausgrenzen. Dann müssen Sie das Gespräch suchen, in dem Sie einen Unbeteiligten dazu bitten, damit Sie einen Zeugen haben. Zählen Sie die Verhaltensweisen der Person auf und fragen Sie, was für ein Problem sie mit Ihnen hat.
4. Holen Sie sich Hilfe von außen: Wahren Sie Ihre Rechte
Wenn das Mobbing im fortgeschrittenen Stadium ist oder Ihre Bemühungen nicht fruchten, brauchen Sie Hilfe. Wenn das Mobbing von Kolleginnen ausgeht, dann sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Vorgesetzter seiner Schutzpflicht nicht nachkommt oder gar das Mobbing vom Vorgesetzten selbst ausgeht, kann es ratsam sein, arbeitsrechtliche Schritte einzuleiten (siehe dazu PPA 08/2015, Seite 9). Informieren Sie sich dazu bei einer Mobbing-Beratungsstelle (siehe weiterführende Hinweise in PPA 08/2015, Seite 4).
5. Als Außenstehende: Machen Sie nicht mit!
Beteiligen Sie sich nicht an Mobbing-Handlungen. Machen Sie sich klar, dass Mobber letztlich Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl sind, die ihren Wert erhöhen wollen, indem sie andere erniedrigen. Lassen Sie die gemobbte Kollegin nicht allein, ergreifen Sie Partei für sie. Selbst wenn Sie das Opfer nicht mögen: Kein Mensch verdient es, ungerecht behandelt zu werden.
Weiterführende Hinweise
- „Meine Kollegin schneidet mich immer - was kann ich tun?“ (PPA 03/2011, Seite 14)
- „Richtig Feedback geben im Praxisalltag“ (PPA 04/2015, Seite 17).