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·Marktanalysen

Fachkräftemarkt verschärft sich massiv ‒ Jeder vierte Betrieb will weniger ausbilden

| Die Corona-Krise hat massive Folgen für den Arbeits- und auch den Ausbildungsmarkt: Zwar planen noch 38 Prozent der Handwerksbetriebe, genauso viele Auszubildende einzustellen wie im Vorjahr. Jedes vierte befragte Unternehmen (25 Prozent) beabsichtigt allerdings, sein Ausbildungsengagement zu reduzieren, so der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH). Das IAB Institut für Arbeitsmarktforschung vermeldet indes schon jetzt einen deutlichen Einbruch am Stellenmarkt. |

Große Unsicherheit bei Betrieben

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks führt die möglichen Rückgänge bei den Ausbildungsplätzenauf die Corona-Krise zurück. „Es kommen einfach kaum neue Aufträge rein”, sagte Volker Born, Leiter der Abteilung „Berufliche Bildung“ beim ZDH dem ARD-Magazin Report. Viele Unternehmen seien derzeit extrem verunsichert. Außerdem sei völlig unklar, wann Unternehmen wieder ihren normalen Geschäftsbetrieb aufnehmen könnten. Eine Personalplanung für die Zukunft sei unter diesen Umständen besonders schwierig.

 

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) fordert Unterstützung von der Regierung: „Damit die Ausbildungsbetriebe ihr Engagement für die Nachwuchssicherung fortsetzen können, sollten sie einen Zuschuss erhalten, der sich an 75 Prozent einer durchschnittlichen tariflichen oder Mindestausbildungsvergütung über einen Zeitraum von 3 Monaten orientieren sollte. Diese Bildungsinvestitionen sind für die Betriebe nicht nur nötig, sondern sie sind eine für die Gesamtgesellschaft zukunftsfestigende Investition.“

Arbeitsmarktexperte: „Zahlen sehr beunruhigend“

Für den Arbeitsmarktexperten Stefan Sell von der Hochschule Koblenz sind die Zahlen ein Indiz dafür, dass die Corona-Krise demArbeitsmarkt nachhaltig schaden könnte. „Die Werte sind sehr beunruhigend und extrem problematisch“, sagte Sell im Interview mit Report. Im Handwerksbereich fehle es schon jetzt an Fachkräften. In den vergangenen Jahren sei dort zu wenig ausgebildet worden. Außerdem gingen in den kommenden zehn Jahren viele Facharbeiter in den Ruhestand. Sell befürchtet, dass die Corona-Krise diese schon bestehende Schieflage weiter verstärkt: „Wenn uns da noch mehr Nachwuchs wegbricht, wäre das fatal.“Es müsse unbedingt verhindert werden, dass Betriebe wegen der Corona-Krise überhaupt keine Ausbildungsplätzemehr anbieten. Denn wer einmal Lehrstellenstreiche, der biete auch künftig in aller Regel keine Ausbildungsplätzemehr an. Das habe die Vergangenheitgezeigt. „Ich sehe die große Gefahr, dass wir Betriebe dauerhaft als Ausbildungsort verlieren”, so Sell.

IAB: 330.000 weniger offene Stellen in Deutschland

Im ersten Quartal 2020 gab es bundesweit rund 1,08 Millionen offene Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Gegenüber dem Vorquartal sank die Zahl der offenen Stellen um rund 330.000. Dies entspricht einem Rückgang von nahezu einem Viertel. Verglichen mit dem Vorjahresquartal beträgt der Rückgang rund 300.000. Das geht aus der IAB-Stellenerhebung hervor, einer regelmäßigen Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

 

 

„Die Betriebe wurden verteilt über die ersten drei Monate des Jahres 2020 befragt. Von den rund 9.000 befragten Betrieben haben wir rund 1.500 in den letzten zwei Märzwochen kontaktiert. Da der wirtschaftliche Shutdown erst in dieser Zeit begann, bilden die Zahlen in erster Linie die abgeflaute Konjunktur vor der Corona-Krise ab. Die volle Wucht der wirtschaftlichen Einschränkungen wird sich erst in den Zahlen für das zweite Quartal zeigen“, erklärt der IAB-Forscher Alexander Kubis.

 

Die stärksten Rückgänge waren im ersten Quartal 2020 im exportnahen Verarbeitenden Gewerbe und im damit verbundenen Logistiksektor sowie in den Unternehmensnahen Dienstleistungen zu verzeichnen. Zusammen wiesen diese drei Bereiche im ersten Quartal rund ein Drittel weniger Stellen als im Vorquartal und im Vorjahresquartal auf. „Eine weiterhin hohe Personalnachfrage gab es im ersten Quartal dagegen im Gesundheits- und Sozialwesen,“ so Kubis.

 

Das IAB untersucht mit der IAB-Stellenerhebung viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Im ersten Quartal 2020 wurden Antworten von rund 9.000 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche ausgewertet.

 

Weiterführender Hinweis

  • Report Mainz berichtete am 05.05. 21:45 Uhr in der ARD über den Ausbildungsmarkt in Mainz

Hier die Befragung von Prof. Dr. Stefan Sell durch Report Mainz

(JT mit Material von SWR (ots) / IAB und ZDH)

Quelle: ID 46556654