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·Fachbeitrag ·Umsatzsteuer

So ermitteln Sie die Umsatzsteuer beim Verkauf von Fahrzeugen an Autohaus-Mitarbeiter richtig

von StB Dipl.-Finw. (FH) Michael Heuser, WTS Steuerberatungsges. mbH, Köln

| Verkauft Ihr Autohaus ein Fahrzeug an einen eigenen Mitarbeiter, fällt Umsatzsteuer an. Weil Sie Ihrem Mitarbeiter dabei in der Regel einen höheren Rabatt einräumen als sonstigen Kunden, ist in der Praxis die Frage aufgetaucht, wie sich das auf die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer auswirkt. Die Antwort: In der Regel gar nicht. Erfahren Sie, welche Regeln hier für die Berechnung der Umsatzsteuer gelten und worauf Sie beim Verkauf eines differenzbesteuerten Fahrzeugs achten müssen, insbesondere wenn Sie betreffend des Fahrzeugs Aufwendungen getätigt haben. |

Fahrzeugverkauf unterliegt der Umsatzsteuer

Verkauft Ihr Autohaus zuvor erworbene Fahrzeuge an das eigene Personal, liegt umsatzsteuerlich ein entgeltlicher Leistungsaustausch nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG vor. Bemessungsgrundlage (BMG) für die Umsatzsteuer ist nach § 10 Abs. 1 S. 1 UStG grundsätzlich immer der tatsächlich erhaltene Verkaufspreis (netto).

 

Bei entgeltlichen Lieferungen an das Personal müssen Sie jedoch immer die „Mindest-BMG“ (§ 10 Abs. 5 Nr. 2 i. V. m. § 10 Abs. 4 Nr. 1 UStG) im Auge behalten. Mindest-BMG ist der Einkaufspreis (netto) des Fahrzeugs.

 

Wichtig | Die lohnsteuerlichen Werte bei Fahrzeugverkäufen an Mitarbeiter, wie der 96-Prozent-Ansatz und der Rabattfreibetrag in Höhe von 1.080 Euro, spielen bei der Umsatzsteuer keine Rolle.

Mitarbeiter kauft einen Neuwagen

Kauft einer Ihrer Mitarbeiter bei Ihnen ein Neufahrzeug unter Abzug eines Belegschaftsrabatts, gilt: BMG für die Umsatzsteuer ist der Kaufpreis (netto), den der Mitarbeiter an Ihr Autohaus gezahlt hat, mindestens jedoch der Preis (netto), zu dem Sie das Fahrzeug vom Hersteller erworben haben.

 

  • Beispiel

Sie verkaufen ein neues Fahrzeug für 28.000 Euro brutto (= 23.529,41 Euro netto)an einen Mitarbeiter. Aus diesem Geschäft müssen Sie 4.470,59 Euro Umsatzsteuer abführen.

 

Angenommen, Sie hätten für das Fahrzeug 24.000 Euro (netto) an den Hersteller gezahlt, müssten Sie 4.560 Euro Umsatzsteuer abführen (19 % auf 24.000 Euro Mindest-BMG).

 

Mitarbeiter kauft einen Gebrauchten

Kauft einer Ihrer Mitarbeiter einen Gebrauchten unter Abzug eines Belegschaftsrabatts, gilt: BMG für die Umsatzsteuer ist der Kaufpreis (netto), den der Mitarbeiter gezahlt hat, mindestens jedoch der Preis (netto), zu dem Sie das Fahrzeug erworben haben. Im Grunde ist das nicht anders als bei einem Neufahrzeug.

 

Soweit so gut. Nun aber müssen Sie unterscheiden, ob Sie das Fahrzeug regel- oder differenzbesteuert angekauft haben.

 

Ankauf mit ausgewiesener Umsatzsteuer

Haben Sie den Gebrauchtwagen von einem Unternehmer gekauft, ist die Mindest-BMG der Ankaufpreis (netto). Aufgrund des gesonderten Steuerausweises beim Ankauf ist keine Differenzbesteuerung beim Weiterverkauf zulässig.

 

  • Beispiel

Sie haben das Fahrzeug für 11.900 Euro brutto (= 10.000 Euro netto) angekauft. Sie verkaufen das Fahrzeug für 12.500 Euro an Ihren Mitarbeiter weiter. Sie schulden aus dem Geschäft 1.995,80 Euro Umsatzsteuer (19 % aus 12.500 Euro). Aus dem Ankauf haben Sie einen Vorsteuerabzug von 1.900 Euro.

 

Würden Sie das Fahrzeug für 11.000 Euro brutto (= 9.243,70 Euro netto) an Ihren Mitarbeiter abgeben, schulden Sie 1.900 Euro Umsatzsteuer Euro (19 % auf den Einkaufspreis 10.000 Euro netto; denn dieser bildet die Mindestbemessungsgrundlage). Aus dem Ankauf haben Sie einen Vorsteuerabzug von 1.900 Euro

 

Ankauf ohne ausgewiesene Umsatzsteuer

Haben Sie den Gebrauchtwagen von einer Privatperson (oder einem Kleinunternehmer i. S. v. § 19 UStG) erworben, müssen Sie das Fahrzeug differenzbesteuert weiterverkaufen.

 

Bei Anwendung der Differenzbesteuerung im Fall des Weiterverkaufs an das Personal hat der Gesetzgeber in § 25a Abs. 3 Halbs. 2 UStG Folgendes geregelt: Bei Lieferungen, für die die Mindest-BMG anzusetzen ist, und Lieferungen nach § 3 Abs. 1 b UStG (d. h. Verkäufen an das Personal) ermittelt sich die BMG nach dem Unterschied zwischen dem tatsächlichen Einkaufspreis und dem Einkaufspreis zzgl. Nebenkosten im Zeitpunkt der Abgabe (Abschnitt 25a.1. Abs. 9 S. 1 Umsatzsteuer-Anwendungserlass).

 

Wie sich das auswirkt, zeigen die folgenden Beispiele:

 

  • Beispiel

Sie haben ein Fahrzeug für 10.000 Euro von einem Privatmann gekauft. Das Fahrzeug verkaufen Sie, ohne daran irgendetwas gemacht zu haben, für 10.000 Euro an Ihren Mitarbeiter weiter. Hier fällt keine Umsatzsteuer an; denn BMG ist der Unterschied zwischen dem Wert der Mindest-BMG (10.000 Euro) und dem Einkaufspreis (10.0000 Euro). Damit beträgt die BMG 0 Euro.

 

 

Wichtig | Die BMG wäre auch dann 0 Euro, wenn Sie das Fahrzeug im Beispiel für weniger als 10.000 Euro an Ihren Mitarbeiter verkaufen würden.

 

Eine positive BMG entsteht jedoch, wenn Sie als Händler in das Fahrzeug „investiert“ haben, z. B. um es besser verkaufen zu können.

 

  • Beispiel

Sie haben ein Fahrzeug für 10.000 Euro von einem Privatmann gekauft. Das Fahrzeug verkaufen Sie für 10.000 Euro an Ihren Mitarbeiter weiter. Sie haben aber für 500 Euro zwei neue Reifen aufgezogen sowie die Scheibenwischer und ein Scheinwerferglas ausgetauscht. Als Verkaufspreis müssen Sie hier 10.500 Euro ansetzen (Einkaufspreis plus getätigte Aufwendungen). Aus der Differenz zum Einkaufspreis (10.000 Euro) in Höhe von 500 Euro müssten Sie 79,83 Euro Umsatzsteuer abführen.

 

Einfacher zu rechnen ist der Fall, wenn Sie Ihrem Mitarbeiter ein Fahrzeug zu einem höheren Preis als Ihrem Einkaufspreis weiterverkaufen. Hier spielt die Mindest-BMG keine Rolle. Hier ist der höhere, vom Mitarbeiter gezahlte Preis maßgebend.

 

  • Beispiel

Sie verkaufen an Ihren Mitarbeiter ein gebrauchtes Fahrzeug für 15.500 Euro. Das Fahrzeug haben Sie für 15.000 Euro von einem Privatmann gekauft. Da Sie die Differenzbesteuerung anwenden können, müssen Sie 79,83 Euro Umsatzsteuer abführen (19 % aus 500 Euro Differenz).

 

Hätten Sie in diesem Fall wie im Beispiel oben 500 Euro in das Fahrzeug „investiert“, würde der steuerliche Verkaufspreis auf 16.000 Euro steigen und Sie müssten 159,66 Euro abführen (19 % aus 1.000 Euro Differenz).

 

Bei Ihrer Rechnungsstellung an Ihren Mitarbeiter sollten Sie unbedingt Folgendes beachten:

 

  • Ihre Ausgangsrechnung darf keine Umsatzsteuer ausweisen (§ 14a Abs. 6 S. 2 UStG).
  • Auf Ihrer Rechnung müssen Sie den Hinweis „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung“ anbringen (§ 14a Abs. 6 S. 1 UStG).

 

Wichtig | Wenn Sie dennoch Umsatzsteuer ausweisen, schulden Sie diese nach § 14c UStG, und zwar zusätzlich zu der nach § 25a UStG bereits gesetzlich geschuldeten Umsatzsteuer.

Quelle: Ausgabe 08 / 2016 | Seite 5 | ID 44145500