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·Nachricht ·Umsatzsteuer

„Briefkastensitz“ des Lieferanten reicht zum Vorsteuerabzug

| Ein „Briefkastensitz“ auf der Rechnung eines Lieferanten reicht für den Vorsteuerabzug aus. Das hat der EuGH am 15.11.2017 in zwei vom BFH initiierten Vorabentscheidungsersuchen entschieden. Die deutsche Finanzverwaltung sieht darin keine „vollständige Anschrift“ und versagt bisher den Vorsteuerabzug aus solchen Rechnungen. Diese Verwaltungspraxis dürfte nicht länger haltbar sein. |

 

Denn die Aussage des EuGH ist eindeutig: Es reicht die postalische Erreichbarkeit und somit die Angabe einer Briefkastenadresse in einer Rechnung für Zwecke des Vorsteuerabzugs. Es muss als Anschrift des Leistenden nicht der Ort seiner wirtschaftlichen Tätigkeit angegeben werden (EuGH, Urteil vom 15.11.2017, Rs. C-374/16 ‒ Geissel und Rs. C-375/16 ‒ Butin, Abruf-Nr. 197763).

 

PRAXISHINWEIS | Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht Dr. Thomas Streit, LL.M. Eur., aus der Kanzlei Küffner Maunz Langer Zugmaier (KMLZ) in München zieht aus dem Urteil folgende Schlüsse:

  • Die Entscheidung ist praxisnah und inhaltlich überzeugend zugleich.
  • Steuerpflichtige brauchen diesbezügliche Beanstandungen des Finanzamts nicht zu akzeptieren und können sich in ggf. bereits laufenden Rechtsbehelfsverfahren auf das Urteil des EuGH berufen.
  • Viele Unternehmen arbeiten mit Postfachadressen, Großkundenadressen etc. und verwenden diese Adressen auch als Anschriften auf Rechnungen. Auf Basis des EuGH-Urteils kann diese Praxis fortbestehen.
  • Hinzu kommt: Die zunehmende Bedeutung der Digitalisierung führt zur Entmaterialisierung vieler geschäftlicher Aktivitäten. Den Ort der wirtschaftlichen Tätigkeit genau zu bestimmen, dürfte in vielen Fällen nicht so leicht möglich sein und wird bei der Rechnungstellung künftig auch entbehrlich werden.
 
Quelle: Ausgabe 12 / 2017 | Seite 1 | ID 45011538