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·Fachbeitrag ·Umsatzsteuer

Abrechnungen der Zulassungsdienste auf korrekten Umsatzsteuerausweis prüfen!

von Diplom-Finanzwirt Rüdiger Weimann, Dozent, Lehrbeauftragter und freier Gutachter in Umsatzsteuerfragen, Dortmund.

| Viele Autohäuser arbeiten seit Jahren mit selbstständigen Zulassungsdiensten zusammen. Die Abrechnung der Dienstleistungen gegenüber den Autohäusern ist aber nicht einheitlich. Mindestens zwei Varianten sind „gebräuchlich“. Das wirft Fragen auf: Welche der beiden Varianten ist richtig? Und was soll ein Autohaus veranlassen, wenn sich bei der Prüfung herausstellt, dass die Abrechnung falsch ist? Denn in diesem Fall sind spätestens bei der nächsten Betriebsprüfung Probleme vorprogrammiert. |

Die beiden Varianten in der Praxis

Die beiden Varianten unterscheiden sich bezüglich der umsatzsteuerlichen Behandlung der Gebühren der Straßenverkehrsämter:

 

Variante 1 

Die Zulassungsdienste belasten ihre Leistung und den Netto-Betrag der Schilder mit Umsatzsteuer und addieren die Gebühren der Straßenverkehrsämter. Die Abrechnung sieht dementsprechend so aus:

 

Unsere Dienstleistungen

280,70 Euro

Schilder (152,32 Euro : 1,19)

128,00 Euro

408,70 Euro

Zuzüglich USt (19 %)

77,66 Euro

Zuzüglich Gebühren der Straßenverkehrsämter

678,20 Euro

Zu zahlen

1.164,56 Euro

 

Variante 2

Die Zulassungsdienste belasten auch die Gebühren der Straßenverkehrsämter mit Umsatzsteuer und rechnen wie folgt ab:

Unsere Dienstleistungen

280,70 Euro

Schilder (152,32 Euro : 1,19)

128,00 Euro

Gebühren der Straßenverkehrsämter

678,20 Euro

1.086,90 Euro

Zuzüglich USt (19 %)

206,52 Euro

Zu zahlen

1.293,42 Euro

In beiden Fällen ist den Rechnungen eine Aufstellung beigefügt, in der die Einzelpositionen kundenbezogen aufgelistet sind.

Variante 1 ist richtig

Für die einzelnen Positionen stellt sich die Frage,

  • ob diese in den umsatzsteuerlichen Leistungsaustausch zwischen Zulassungsdienst und Autohaus einzubeziehen sind und damit die Umsatzsteuer erhöhen oder
  • außerhalb des Leistungsaustauschs erfolgen und damit gegenüber dem Autohaus nur netto abgerechnet werden dürfen.

 

Unterschiedliche Beurteilung der Einzelpositionen

Bei der Abrechnung gilt es demnach, die drei Einzelpositionen hinsichtlich der umsatzsteuerlichen Beurteilung zu unterscheiden:

 

  • Die Eigenleistungen der Zulassungsdienste sind „normale“ Leistungen und unterliegen damit der Umsatzsteuer.

 

  • Die Kosten für die Schilder unterliegen ebenfalls der Umsatzsteuer. Sie dürfen allerdings in die Ermittlung des Entgelts nur netto eingehen (Einkaufspreis des Zulassungsdienstes : 1,19) und müssen dann in einem zweiten Schritt neu mit Umsatzsteuer belastet werden.

 

  • Die von der Zulassungsstelle erhobene Gebühr schuldet immer der Kfz-Halter, also der Kunde des Autohauses. Dabei ist es egal, wer die Gebühr tatsächlich bezahlt. Bezahlt ein Zulassungsdienst, tut er dies als Erfüllungsgehilfe des Autohauses im Namen und für Rechnung des Kunden.

 

Weiterbelastung der Gebühren als durchlaufender Posten

Bei der anschließenden Weiterbelastung der Zulassungsdienste an das Autohaus handelt es sich um einen nicht der Umsatzsteuer unterliegenden durchlaufenden Posten (§ 10 Abs. 1 Nr. 6 UStG, Abschnitt 10.4 Umsatzsteuer-Anwendungserlass [UStAE]).

Doppeltes Risiko des Autohauses bei Variante 2

Erfolgt die Abrechnung nach Variante 2, ergeben sich daraus für Ihr Autohaus bei einer Betriebsprüfung gleich zwei Steuerrisiken:

 

1. Der Betriebsprüfer wird Ihren Vorsteueranspruch kürzen, weil nur eine zutreffend berechnete Umsatzsteuer als Vorsteuer abgezogen werden darf (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG, Abschnitt 14c.1 Abs. 1 Satz 6, Abschn. 15.2 Abs. 1 Sätze 1 bis 3 UStAE). Den „Mehrbetrag“ müssen Sie abzüglich der gesetzlich geschuldeten Umsatzsteuer zurückzahlen (Abschnitt 14c Abs. 10 UStAE; Abschnitt 15.2 Abs. 1 Satz 2 UStAE: „soweit“).

  • Beispiel

Der Zulassungsdienst rechnet nach Variante 2 ab. In diesem Fall bliebe die reguläre Umsatzsteuer in Höhe von 77,66 Euro (Ermittlung wie in Variante 1) als Vorsteuer erhalten. Der Vorsteuerabzug würde um die zu hoch ausgewiesene Umsatzsteuer in Höhe von 128,86 Euro (206,52 Euro ./. 77,66 Euro) gekürzt.

Wichtig | Obwohl Sie als Autohaus insoweit keinen Vorsteueranspruch haben, schuldet der Zulassungsdienst bis zu einer Rechnungsberichtigung den gesamten ausgewiesenen Umsatzsteuerbetrag!

 

2. Der Betriebsprüfer wird die zu Unrecht gezogene Vorsteuer zulasten Ihres Autohauses verzinsen (§ 233a Abgabenordnung). Und das kann teuer werden. Denn der gesetzliche Zins beträgt 0,5 Prozent pro Monat! Entdeckt der Betriebsprüfer also zum Beispiel eine vier Jahre alte Rechnung eines Zulassungsdienstes, müssen Sie zum zurückzuzahlenden Vorsteuerbetrag zusätzlich 24 Prozent als Zins an das Finanzamt zahlen!

Konsequenzen für Ihre Buchhaltung

  • Weisen Sie Ihre Kreditorenbuchhaltung an, bei einer Abrechnung nach Variante 2 den Zahlbetrag aus der Eingangsrechnung entsprechend zu kürzen. Eine berichtigte Rechnung brauchen Sie nicht einzufordern.
  • Informieren Sie den Zulassungsdienst über die Problematik und fordern Sie ihn auf, künftig korrekt abzurechnen.

Musterschreiben / Korrekte Abrechnung durch Zulassungsdienst

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Schreiben vom ... [Datum] haben Sie die Leistungen abgerechnet, die Sie uns gegenüber im … [Monat/Jahr] erbracht haben. Dabei haben Sie auch die Gebühren der Straßenverkehrsämter in die Berechnung der Umsatzsteuer einbezogen, obwohl es sich hierbei um einen „durchlaufenden Posten“ nach § 10 Abs. 1 Nr. 6 Umsatzsteuergesetz handelt.

Wir haben daher den Überweisungsbetrag entsprechend gekürzt und bitten für die Zukunft um zutreffende Abrechnung.

Mit freundlichen Grüßen

Wichtig | Variante 1 ist auch anzuwenden, wenn Sie den Zulassungsdienst für die An-, Ab- oder Ummeldung autohauseigener Fahrzeuge einsetzen. Kfz-Halter ist dann Ihr Autohaus.

Konsequenzen für die Abrechnung gegenüber Ihren Kunden

  • Die behördlichen Gebühren sind auch hier ein durchlaufender Posten.
  • Lassen Sie sich Ihre Bemühungen um die Zulassung gesondert vergüten (Rechnungsposition „Zulassungskosten“), handelt es sich um eine unselbstständige Nebenleistung zur Fahrzeuglieferung, die nach den allgemeinen Grundsätzen der Umsatzsteuer unterliegt.

 

Weiterführender Hinweis

  • Das Musterschreiben „Aufforderung an Zulassungsdienst zur korrekten Abrechnung der Gebühren der Straßenverkehrsämter“ finden Sie auf asr.iww.de unter dem Reiter Downloads in der Rubrik Musterverträge/-formulierungen unter dem Stichwort Unternehmensführung.
Quelle: Ausgabe 05 / 2012 | Seite 7 | ID 32663550