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30.05.2011 |Umsatzsteuer

Umsatzsteuerpflicht der Garantieprämie - Antworten auf weitere Praxisfragen

von Steuerberater Hans-Georg Janzen, Kanzlei von der Hardt & Partner, Münster

Ein Leser hat zur Umsatzsteuer auf die Garantieprämie zwei Fragen gestellt: „Was muss ich umsatzsteuerlich beachten, wenn ich ein differenzbesteuertes Fahrzeug einschließlich einer Garantiezusage veräußere und für die Garantiezusage kein besonderes Entgelt berechne? Wie sollte bei einem Fahrzeug, das nicht der Differenzbesteuerung unterliegt, die Rechnung an einen Nichtunternehmer aussehen, wenn die Software automatisch für den Fahrzeugverkauf Umsatzsteuer ausweist?“ Der folgende Beitrag liefert die Antworten.  

Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer ermitteln

Die erste Frage unseres Lesers zielt darauf ab, wie die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer auf die Garantieprämie ermittelt werden muss, insbesondere im Fall einer negativen Marge. 

 

Am besten lässt sich das anhand eines Beispiels erklären, das wir nach und nach variieren, um die drei in der Praxis denkbaren Fälle vorzustellen.  

 

Beispiel

Sie haben ein Fahrzeug von einem Privatkunden für 10.000 Euro hereingenommen und für denselben Preis weiterverkauft. Hinsichtlich der Garantiezusage haben Sie sich bei einer Versicherungsgesellschaft rückversichert und dafür 200 Euro aufgewendet. 

 

Fahrzeugverkauf und Garantie sind zwei getrennte Leistungen

Wie mehrfach berichtet, erbringen Sie als Kfz-Händler bei einem solchen Verkauf zwei eigenständige Leistungen (Bundesfinanzhof, Urteil vom 10.2.2010, Az: XI R 49/07, Abruf-Nr. 101104): 

 

1. Sie liefern das Fahrzeug im Rahmen einer Differenzbesteuerung (§ 25a Umsatzsteuergesetz) steuerpflichtig und
2. mit der Garantiezusage erbringen Sie eine steuerpflichtige sonstige Leistung.

 

Gesamtpreis im Wege der Schätzung aufteilen

Daher müssen Sie die beiden Umsätze getrennt betrachten. Haben Sie mit Ihrem Kunden keine gesonderten Entgelte für den Fahrzeugverkauf und die Garantiezusage vereinbart, muss der Gesamtpreis im Schätzungswege, zum Beispiel nach den entstandenen Kosten, auf die beiden Umsätze aufgeteilt werden. 

 

Im Beispielsfall führt eine Aufteilung des Gesamtpreises nach den entstandenen Kosten zu folgendem Ergebnis:  

  • Auf das Fahrzeug entfällt eine Gegenleistung von 9.804 Euro (10.000 Euro x [10.000 Euro : 10.200 Euro]).
  • Auf die Garantiezusage eine Gegenleistung von 196 Euro (10.000 Euro x [200 Euro : 10.200 Euro]).

 

Die umsatzsteuerlichen Folgen sind: 

  • Da die Fahrzeuglieferung der Differenzbesteuerung unterliegt, ergibt sich eine negative Marge von 196 Euro (9.804 Euro ./. 10.000 Euro), sodass für die Fahrzeuglieferung keine Umsatzsteuer entsteht.
  • Für die Garantiezusage ergibt sich eine Umsatzsteuerbelastung von 31,29 Euro (196 Euro : 1,19 x 19 %).

 

Abwandlung 1

Das Fahrzeug wird für 10.100 Euro weiterverkauft. 

 

Die Aufteilung des Gesamtpreises nach den entstandenen Kosten ergibt folgendes Ergebnis:  

  • Auf das Fahrzeug entfällt eine Gegenleistung von 9.902 Euro (10.100 Euro x [10.000 Euro : 10.200 Euro]).
  • Auf die Garantiezusage eine Gegenleistung von 198 Euro (10.100 Euro x [200 Euro : 10.200 Euro]).

 

Die umsatzsteuerlichen Folgen sind: 

  • Für die Fahrzeuglieferung ergibt sich weiterhin eine negative Marge, und zwar in Höhe von 98 Euro (9.902 Euro ./. 10.000 Euro), sodass für die Fahrzeuglieferung keine Umsatzsteuer anfällt.
  • Für die Garantiezusage beträgt die Umsatzsteuerbelastung 31,61 Euro (198 Euro : 1,19 x 19 %).

 

Abwandlung 2

Das Fahrzeug wird für 11.000 Euro weiterverkauft. 

 

Die Aufteilung des Gesamtpreises führt zu folgendem Ergebnis:  

  • Auf das Fahrzeug entfällt eine Gegenleistung von 10.784 Euro (11.000 Euro x [10.000 Euro : 10.200 Euro]).
  • Auf die Garantiezusage eine Gegenleistung von 216 Euro (11.000 Euro x [200 Euro : 10.200 Euro]).

 

Die umsatzsteuerlichen Folgen sind:  

  • Für die Fahrzeuglieferung ergibt sich jetzt eine positive Brutto-Marge von 784 Euro (10.784 Euro ./. 10.000 Euro), sodass für die Fahrzeuglieferung Umsatzsteuer in Höhe von 125,18 Euro anfällt (784 Euro : 1,19 x 19 % ).
  • Für die Garantiezusage beträgt die Umsatzsteuer 34,49 Euro (216 Euro : 1,19 x 19 %).

Rechnungsgestaltung gegenüber Privatkunden

Die zweite Frage hat folgenden Hintergrund: Wir hatten berichtet, dass Sie als Kfz-Händler gegenüber Privatkunden in der Rechnung weder für das Fahrzeug noch für die Garantiezusage Umsatzsteuer ausweisen müssen (ASR 4/2011, Seite 8).  

 

Software weist Umsatzsteuer automatisch aus

Seine Software aber weist bei nicht differenzbesteuerten Fahrzeugen automatisch die Umsatzsteuer für den Fahrzeugverkauf auf der Rechnung aus. In diesem Fall sind unterschiedliche Formen möglich, wie das folgende Beispiel zeigt: 

 

Beispiel

Für das Fahrzeug werden 20.000 Euro netto und für die Garantiezusage 200 Euro netto vereinbart.  

 

Möglichkeit 1: Die Rechnung kann (auszugsweise) wie folgt lauten: 

 

Pkw 

20.000 Euro 

Garantiezusage 

200 Euro 

 

20.200 Euro 

zuzüglich 19 % Umsatzsteuer 

3.838 Euro 

 

24.038 Euro 

 

Möglichkeit 2: Die Rechnung kann aber auch lauten: 

Pkw 

20.000 Euro 

 

+ 19 % Umsatzsteuer 

3.800 Euro 

23.800 Euro 

Garantiezusage 

200 Euro 

 

+ 19 % Umsatzsteuer 

38 Euro 

238 Euro 

 

 

24.038 Euro 

 

Möglichkeit 3: Die Rechnung kann auch nur den Bruttobetrag für die Garantiezusage ausweisen: 

Pkw 

20.000 Euro 

 

+ 19 % Umsatzsteuer 

3.800 Euro 

23.800 Euro 

Garantiezusage 

 

238 Euro 

 

 

24.038 Euro 

 

 

Weiterführende Hinweise

  • Umsatzsteuerpflicht der Garantieprämie - Antworten auf wichtige Praxisfragen, ASR 4/2011, Seite 8.
  • Umsatzsteuerpflicht der Garantieprämie - Antworten auf fünf Zweifelsfragen, ASR 7/2010, Seite 5.
  • Garantiezusage eines Kfz-Händlers im „Kombinationsmodell“ umsatzsteuerpflichtig, ASR 5/2010, Seite 5.

 

Quelle: Ausgabe 06 / 2011 | Seite 5 | ID 145524