Ausgabe 09/2012, Seite 5

<< vorheriger | Inhaltsverzeichnis | nächster >>

Jetzt kostenlos testen!

Rechtsquellen


 
Lesezeichen setzen | Drucken | per E-Mail Beitrag empfehlen
Diesen Beitrag teilen: per facebook per twitter per XING

| Vergütung

Die Honorare im Osten steigen – aber zu langsam

von Silke Jäger, ergoscriptum | Texte für Reha und Therapie, Marburg

| Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung warten die Therapeuten in den neuen Bundesländern immer noch auf eine Angleichung der Vergütungshöhen. Immer noch liegen die Honorare der Kassen unter dem Westniveau. Immerhin gibt es nun einige Preissteigerungen. |

Warum dauert der Ost-West-Angleich so lange? 

Seit dem Jahr 2009 ist für viele Berufsgruppen im Gesundheitswesen der Ost-West-Angleich der Honorare im SGB V festgeschrieben. Nur für Therapeuten gibt es diese Festschreibung nicht. Und so tobt der Verhandlungskampf zwischen Krankenkassen und den Verbänden der Heilmittelerbringer munter weiter. Mit dem allseits bekannten Ergebnis: Therapeuten in den neuen Bundesländern verdienen immer noch deutlich weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in den alten Ländern. Doch was den Osten ärgert, ist auch schlecht für den Westen. Denn das zähe Ringen um den Vergütungsangleich bindet Kraft und Energie bei den Verhandlungsführern und sorgt dafür, dass auch die Honorarsteigerungen im Westen in den letzten Jahren unterhalb des Inflationsniveaus blieben. Das hat vor allem mit der ungeliebten Grundlohnsummenbindung zu tun, die gerechte Preissteigerungen nach wie vor verhindert (wir berichteten in PP Nr. 11/2011 auf Seite 3).

 

Immerhin gestand die Politik den Therapeuten im Jahr 2009 das Schiedsverfahren zu. Das stärkt die Verhandlungsposition der Heilmittelverbände. Denn nun können Verhandlungen für gescheitert erklärt werden. Waren Krankenkassen zuvor in der Lage, die Vergütungszuwächse quasi zu diktieren, müssen sie sich jetzt dem Schiedsverfahren stellen.

Was konnte das Schiedsverfahren erreichen? 

Seit es möglich ist, die Schiedsstelle anzurufen, ist der Einigungsdruck bei den Verhandlungspartnern größer geworden. Das hat die Kassen dazu bewogen, sich auf Forderungen der Heilmittelverbände einzulassen. Dadurch sind nun einige positive Ergebnisse und Vergütungssteigerungen zu verzeichnen.

 

Wir haben versucht, uns einen Überblick darüber zu verschaffen, wie die Lage bei den Therapeuten in den neuen Bundesländern ist. Herausgekommen ist die Tabelle, die Sie am Ende dieses Beitrags finden. Die Angaben fußen auf den Informationen der Heilmittelverbände und beziehen sich auf die Hauptpositionen, das heißt, die Behandlungsarten, die in der jeweiligen Berufsgruppe am häufigsten abgerechnet werden. Zu beachten ist, dass sich die Preissteigerungen bei den einzelnen Behandlungspositionen sehr unterschiedlich niederschlagen und dass sie zum Teil in mehreren Teilschritten erfolgen. Die Prozentangaben geben deshalb die Summe der gemittelten Steigerungsraten wieder.

 

Physiotherapeuten 

Die Landwirtschaftlichen Krankenkassen (LKK) vergüten bereits seit 2009 physiotherapeutische Leistungen in den alten und neuen Bundesländern einheitlich, ohne dass jemals ein Schiedsverfahren dafür bemüht werden musste. So erfreulich das ist, so wenig ist es spürbar. Denn bei den LKKen sind nur wenige Patienten versichert. Auch die IKK-Brandenburg und Berlin vergütet im Osten auf Westpreisniveau, wenn auch noch auf der niedrigsten Stufe. Ab Sommer 2013 soll aber auch dort eine gute Ost-West-Angleichung erreicht sein. Der Verband physio-deutschland (ehemals ZVK) hofft, dass in 2 bis 3 Jahren die Ost-West-Angleichung bei allen Kassen abgeschlossen sein wird.

 

Ergotherapeuten 

Auch die Ergotherapeuten bekommen von den LKKen im Osten und Westen gleich viel. Ebenso wie von den Gesetzlichen Unfallversicherungen (DGUV). Mit diesen beiden Kassengruppen sind schon recht früh einheitliche Vergütungssätze vereinbart worden, teilweise direkt nach der Wiedervereinigung. Das konnte beispielsweise bei der DGUV gelingen, weil diese Versicherungen nach § 71 SGB V nicht im gleichen Maße an die Grundlohnsummenentwicklung gebunden sind. Bei den Knappschaften sieht es hingegen düster aus, denn die Verhandlungen gestalten sich, ähnlich wie bei der IKK-Ost, schwierig.

 

Logopäden 

Bei den Logopäden existiert seit 2001 eine mit dem Verband der Ersatzkassen (vdek) ausgehandelte bundeseinheitliche Vergütungsliste, die aber erst nach Einführung des Schiedsverfahrens regelmäßig in Höhe der Grundlohnsummensteigerung angepasst wird. Mit der BKK-Ost gab es jüngst Verhandlungsabschlüsse, die eine Preissteigerung bis zum Jahr 2014 um insgesamt 18 Prozent für einige Positionen vorsieht. Mit einigen ostdeutschen Kassenverbänden verhandeln die Logopäden aber weiterhin um angemessene Steigerungsraten. Immerhin sind die Verhandlungen nicht ins Stocken geraten, im Herbst wird es zahlreiche Treffen mit Kassenvertretern geben. Der Deutsche Bundesverband für Logopädie (dbl) fürchtet jedoch, dass immer wieder qualifizierte Therapeuten aus den neuen Bundesländern abwandern, weil sie die nicht mehr nachvollziehbaren Preisunterschiede nicht länger hinnehmen wollen.

 

Podologen 

Beim Verband deutscher Podologen (VDP) sind die jeweils aktuellen Preislisten der Kassenverbände auf der Homepage einsehbar (www.verband-deutscher-podologen.de). Die prozentualen Veränderungen zu den jeweiligen Vorgängerverträgen lagen uns bei Redaktionsschluss für viele Ost-Kassen nicht vor, sodass wir hier nur vereinzelt Angaben machen können. Interessierte bitten wir, sich direkt mit dem Verband in Verbindung zu setzen.

 

FAZIT | Die Politik ist in der Verantwortung, endlich die Grundlohnsummenbindung abzuschaffen, um die Ost-West-Angleichung schneller zu erreichen. Solange angemessene Honorarsteigerungen dadurch verhindert werden, haben es die Verbände schwer, mit den Ost-Kassen eine bundeseinheitliche Vergütungshöhe auszuhandeln.

 
Physiotherapeuten
Ergotherapeuten
Logopäden
Podologen

AOK-Ost

AOK Plus: Erhöhung Gesamtvolumen ca. 7,8 %; Differenz Westniveau ca. 15 % AOK Nordost: Erhöhung Gesamtvolumen mindestens 7,2 %; Differenz Westniveau ca. 13 % AOK Sachsen-Anhalt: Schiedsverfahren eingeleitet; Differenz Westniveau ca. 22,3 %

Erhöhung Gesamtvolumen ca. 9 %; Differenz Westniveau ca. 14 %

Laufende Verhandlungen

Erhöhung Gesamtvolumen ca. 2 %

Ersatzkassen (vdek)

Erhöhung Gesamtvolumen ca. 6,6 %; Differenz Westniveau ca. 9 %

Differenz Westniveau ca. 10,5 %

Ost-West- Angleich abgeschlossen

Differenz Westniveau ca. 15 %

BKK

BKK-Mitte: Erhöhung Gesamtvolumen ca. 5,8 %; Differenz Westniveau ca. 13 % BKK-Ost: Erhöhung Gesamtvolumen ca. 6 %; Differenz Westniveau ca. 8 %

Erhöhung Gesamtvolumen ca. 3 %; Differenz Westniveau ca. 15 %

BKK-Ost: Erhöhung Gesamtvolumen ca. 18 %

Informationen nicht verfügbar

IKK-Ost

IKK-Brandenburg und Berlin: Erhöhung Gesamtvolumen ca. 21 %; Ost-West-Angleich 09/2013 abgeschlossen IKK classic, IKK Nord: (in Verhandlungen) Erhöhung Gesamtvolumen ca. 4,8 % IKK gesund plus: Erhöhung Gesamtvolumen ca. 4,9 %; Differenz Westniveau ca. 18,4 %

Erhöhung Gesamtvolumen ca. 3,7 %

Laufende Verhandlungen

Informationen nicht verfügbar

Knappschaften

Erhöhung Gesamtvolumen ca. 4,7 %; Differenz Westniveau ca. 17,2 %

Knappschaft Mecklenburg-Vorpommern: Erhöhung Gesamtvolumen ca. 6,5  %; Differenz Westniveau ca. 18 % Knappschaft Thüringen: Erhöhung Gesamtvolumen ca. 10,92 %; Differenz Westniveau ca. 18 %

Laufende Verhandlungen

Informationen nicht verfügbar

Landwirtschaftliche Kassen (LKK)

Erhöhung Gesamtvolumen ca. 2,5 %; Ost-West- Angleich 03/2013 abgeschlossen

Ost-West-Angleich abgeschlossen

Ost-West- Angleich abgeschlossen

Ost-West- Angleich abgeschlossen

DGUV

Erhöhung Gesamtvolumen ca. 1,8 %; Ost-West- Angleich z. T. 12/2012 abgeschlossen

Ost-West-Angleich abgeschlossen

Informationen nicht verfügbar

Informationen nicht verfügbar

Quelle: Ausgabe 09 / 2012 | Seite 5 | ID 35149170