logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.09.2006 | Außergewöhnliche Belastungen

So kann das Finanzamt an den Behandlungskosten beteiligt werden

Mit jeder kleinen Gesundheitsreform müssen die Patienten ein bisschen mehr von ihren Krankheitskosten selbst tragen. Hinzu kommt: Die Ärzte gehen aufgrund ihrer Richtgrößen mit Heilmittel-Verordnungen sparsam um und die Patienten können oder wollen sich die dringend gebotenen Weiterbehandlungen nicht mehr leisten.  

 

Was viele Patienten jedoch nicht wissen: Der Fiskus beteiligt sich unter Umständen an den Behandlungskosten der Patienten. Der nachfolgende Beitrag erläutert Ihnen alles Wichtige zu diesem Thema. Im Internet können Sie zusätzlich auf ein Muster-Informationsblatt „Außergewöhnliche Belastungen“ für Ihre Patienten zugreifen, dass Sie kopieren und individuell anpassen (Praxislogo, Briefkopf) können: www.iww.de; Online-Service, Musterschreiben.  

Krankheitskosten sind außergewöhnliche Belastungen

Das Zauberwort heißt außergewöhnliche Belastung. Ihr Patient zahlt weniger Steuern oder bekommt als Arbeitnehmer zu viel gezahlte Steuern vom Finanzamt zurück, wenn er Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung geltend machen kann.  

 

Zu den steuerlich abzugsfähigen Krankheitskosten gehören zunächst einmal alle Ausgaben der Patienten, die sie für die Heilung und Linderung einer Krankheit aufwenden müssen. Aber auch Aufwendungen für medizinisch begründete Weiterbehandlungen, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht mehr übernommen werden – gleichgültig, ob vom Arzt verordnet oder nicht –, sind steuerlich begünstigte Krankheitskosten. Das gilt entsprechend auch für die Privatversicherten.  

 

Dagegen sind Aufwendungen für Sport oder den Besuch eines Fitnessstudios grundsätzlich Kosten der Lebenshaltung und werden steuerlich nicht berücksichtigt.  

 

Ausnahmen von diesem Grundsatz sind allerdings möglich, wenn der Sport betrieben wird, um eine Krankheit oder ein Gebrechen zu heilen oder zu einer Besserung beizutragen. Das aber ist durch eine im Vorhinein ausgestellte amts- oder vertrauensärztliche Bescheinigung nachzuweisen. Weiter ist dann noch erforderlich, dass der Sport nach genauer Einzelverordnung durch ärztliche Anleitung und Aufsicht (ausnahmsweise kann das auch ein Krankengymnast sein) ausgeübt wird. Es genügt nicht, wenn sich beispielsweise der behandelnde Orthopäde nur gelegentlich von den Auswirkungen des Sports auf ein Wirbelsäulenleiden des Patienten überzeugt.  

Ausgaben, die das Finanzamt berücksichtigen muss

Zu den Ausgaben, die das Finanzamt auf alle Fälle und ungekürzt als Krankheitskosten berücksichtigen muss, gehören zunächst einmal die zum 1. Januar 2004 eingeführte Praxisgebühr von 10 Euro – egal ob beim Zahnarzt, Allgemeinmediziner, Facharzt oder auch die Verordnungsblattgebühr bei Therapeuten sowie die Zuzahlungen in der Apotheke für die vom Arzt verordneten Medikamente.  

 

Weiterhin gehören zu den Krankheitskosten auch die Aufwendungen für die Behandlung bei Ärzten, für die von ihnen verordneten, aber nicht verschreibungspflichtigen Medikamente oder für eine Operation im Krankenhaus. Aber auch die Kosten beim Zahnarzt für alle zahnerhaltenden Maßnahmen, der Eigenanteil bei Zahnersatz – auch auf der Basis eines Implantates – Zahnfüllungen, Kieferkorrektur- und Parodontose-Behandlungen werden steuerlich berücksichtigt.  

 

Ausgaben für Hilfsmittel (wie Brille, Hörgerät, Prothesen, Rollstuhl), die der Patient aufwendet, um seine Krankheit erträglicher zu machen, rechnet das Finanzamt in vollem Umfang zu den als außergewöhnliche Belastung zu berücksichtigenden Krankheitskosten.  

 

Nicht als Krankheitskosten erkennt das Finanzamt lediglich vorbeugende, ganz allgemein der Gesundheit dienende Maßnahmen an: Gymnastik oder Jogging/Walking im Sportverein, Medizinisches Gerätetraining in einem Fitness-Studio. Auch Aufwendungen, die durch eine ärztlich verordnete Diätverpflegung entstehen, können ebenso wie Aufwendungen bei überdurchschnittlicher Körpergröße nicht als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden.  

Erstattungen der Krankenkasse müssen angerechnet werden

Erstattungen von privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen oder Beihilfen für Beamte mindern die abziehbaren Krankheitskosten. Das heißt: Nur die tatsächlich und endgültigen Belastungen des Patienten können steuerlich berücksichtigt werden. Die Erstattungen sind auch dann anzurechnen, wenn sie erst in einem späteren Jahr gezahlt werden, der Patient im Zeitpunkt der Belastung mit der Erstattung aber rechnen konnte. Zahlungen einer Krankentagegeldversicherung werden übrigens nicht angerechnet.  

 

Auch das Finanzamt mutet den Patienten einen eigenen Anteil zu. Der Fiskus erkennt also regelmäßig nur einen Teil der Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung an, den anderen Teil der Ausgaben muss der Patient immer selbst tragen. Diese „zumutbare Eigenbelastung“ ist davon abhängig, wie hoch die Einkünfte des Patienten sind, ob er verheiratet ist und wie viel Kinder er hat. Sie wird nach der folgenden Tabelle ermittelt.  

 

Zumutbare Eigenbelastung in Prozent der Gesamteinkünfte 

Bei einem Gesamtbetrag der Einkünfte ...  

bis  

15.340 Euro  

von 15.341 Euro  

bis 51.130 Euro  

über  

51.130 Euro  

Alleinstehende  

5 Prozent  

6 Prozent  

7 Prozent  

Verheiratete ohne Kinder  

4 Prozent  

5 Prozent  

6 Prozent  

Verheiratete mit steuerlich zu berücksichtigenden  

 

 

 

  • ein bis zwei Kindern, für die Kindergeld oder ein Kinderfreibetrag gewährt wird

2 Prozent  

3 Prozent  

4 Prozent  

  • drei oder mehr Kindern, für die Kindergeld oder ein Kinderfreibetrag gewährt wird

1 Prozent  

1 Prozent  

2 Prozent  

Bleiben die Krankheitskosten unter der zumutbaren Eigenbelastung, gibt es keine Steuervergünstigung.  

 

Beispiel

Die Eheleute Albani haben drei Kinder und im Jahr 2005 einen Gesamtbetrag der Einkünfte in Höhe von 30.000 Euro. Im Jahr 2005 hatten die Albanis folgende Krankheitskosten zu tragen.  

Frau Albani, Krankengymnastik 8 x 20,50 Euro  

164 Euro  

 

davon Krankenkasse: 90 Prozent  

- 147 Euro  

 

Zuzahlung  

=  

17 Euro  

Herr Albani, Rechnung für Zahnersatz  

2.371 Euro  

 

Erstattung AOK  

- 1.587 Euro  

 

Eigenanteil Zahnersatz  

=  

784 Euro  

8 x Praxisgebühr  

 

80 Euro  

Zuzahlungen in der Apotheke  

 

140 Euro  

Behandlungskosten beim Heilpraktiker  

 

200 Euro  

Aufwendungen zusammen  

=  

1.221 Euro  

Zumutbare Eigenbelastung (1 Prozent von 30.000 Euro)  

 

- 300 Euro  

Außergewöhnliche Belastung  

=  

921 Euro  

Die steuermindernden Krankheitskosten bringen bei den Albanis als außergewöhnliche Belastung eine Steuererstattung von etwa 200 Euro.  

Je nach Einkommen und Familienstand kann die Steuerersparnis bis zu 47 Prozent (50 Prozent bei Reichensteuer-Zuschlag für Spitzenverdiener ab 2007) der Ausgaben betragen.  

 

Praxistipp: Da die vom Patienten selbst zu tragenden Krankheitskosten jedes Jahr um die zumutbare Eigenbelastung gekürzt werden, kann es sich lohnen, die Aufwendungen auf ein Jahr zu konzentrieren. Hat die Familie des Patienten ohnehin schon eine teure Brille anschaffen müssen, die die Kasse nicht ersetzt hat, kann es sinnvoll sein, eine von der Krankenkasse nicht übernommene therapeutische Behandlung vorzuziehen und nicht erst, wie ursprünglich geplant, im nächsten Jahr durchzuführen.  

 

Diese Krankheitskosten erkennt das Finanzamt an

Ausgaben für  

Absetzbare Kosten  

– stets Kürzung um die Erstattung der Krankenkasse –  

Als Nachweis müssen Sie dem Finanzamt vorlegen  

Physiotherapeut  

Praxisgebühr / Verordnungsblattgebühr und 10-prozentige Zuzahlung; medizinisch begründete Weiterbehandlungen  

Quittungen über Praxisgebühr, Verordnungsblattgebühr und Zuzahlungen;  

Rechnungen  

Zahnarzt  

Praxisgebühren und Eigenanteil bei Zahnersatz und kieferorthopädische Behandlung; Kosten für Implantate oder Austausch der Amalgamfüllungen  

Quittungen über Praxisgebühr; Rechnung des Zahnarztes,  

Abrechnung der Krankenkasse  

Arzt  

Praxisgebühren und sämtliche Zahlungen für medizinisch notwendige Behandlungen  

Quittungen über Praxisgebühr; Arztrechnung  

Heilpraktiker  

Behandlungshonorare und Medikamente für medizinisch begründete Behandlungen  

Ablehnender Bescheid der Krankenkasse; Rechnung des Heilpraktikers und Apotheke  

Medikamente  

Sämtliche Zuzahlungen für verordnete Heilmittel; von der Krankenkasse nicht übernommene Kosten für nicht verschreibungspflichtige oder homöopathische Heilmittel  

Quittungen über Zuzahlung; Rezepte oder ähnliche Verordnungen  

Medizinische Hilfsmittel  

Zuzahlungen für krankheitsbedingte Anschaffung von Brillen, Hörgeräten, Prothesen, Stützen, Einlagen, Rollstuhl usw.  

Verordnung durch einen Arzt, Rechnung über Eigenanteil  

Krankenhaus  

Zuzahlungen von 10 Euro je Krankenhaustag;  

von der Kasse nicht übernommene Kosten, jedoch keine Kosten für nicht medizinisch begründete kosmetische Operationen  

Quittungen über Zuzahlungen;  

Rechnungen des Krankenhauses;  

Abrechnung des Krankenhauses  

Kur  

Zugezahlter Betrag oder sämtliche Kurkosten  

Bescheid über Zuschuss der Krankenkasse oder vor Antritt der Kur ausgestellte amtsärztliche Bescheinigung  

Legasthenie,  

Logopäde  

Bei medizinischer Behandlung von der Krankenkasse nicht übernommene Kosten, auch Pkw-Fahrten mit 0,30 Euro je gefahrenen Kilometer  

Teilkostenübernahme durch Krankenkasse oder amtsärztliches Zeugnis – privatärztliches Gutachten bzw. Stellungnahme der Schulbehörde reicht nicht aus  

Fitnessstudio/Sportverein  

Nur, wenn unter Anleitung und Aufsicht eines Arztes bzw. Physiotherapeuten  

Vorherige amts- oder vertrauensärztliche Bescheinigung;  

Rechnung  

Anschaffungen, Reparaturen  

Formaldehydemission oder Asbestsanierung bei konkreter Gesundheitsgefährdung  

Vorheriges amtsärztliches Attest;  

amtliches technisches Gutachten  

Quelle: Ausgabe 09 / 2006 | Seite 6 | ID 89947

Das IWW in Zahlen

mehr zum IWW Institut