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Ausgabe 09/2010, Seite 11

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06.09.2010 | Arbeiten im Ausland

Zulassung von Therapeuten in Neuseeland

von Julia Bange, Medienbüro Medizin, Hamburg

„Praxisführung professionell“ stellt am Beispiel der Ergotherapie den Weg zum Arbeiten in Neuseeland vor. Am Ende des Beitrags finden auch Physiotherapeuten und Logopäden Hinweise auf die für sie zuständigen Berufsverbände - der Weg ins neuseeländische Arbeitsleben ist bei ihnen in den Grundzügen der gleiche.  

Zulassungsbedingungen für internationale Therapeuten

Um als international qualifizierter Therapeut in Neuseeland zugelassen zu werden, müssen die Bewerber zeigen, dass sie auf die Anforderungen der ergotherapeutischen Praxis vorbereitet sind und ihren Beruf auch im Ausland sicher und kompetent ausüben können.  

 

Weil die Kommunikation mit Patienten grundlegend für die therapeutische Arbeit ist, müssen Bewerber den Sprachtest „International English Learning System“ (IELTS) absolvieren und beweisen, dass sie sich in der Landessprache verständigen können (weitere Informationen unter www.ielts.org). Darüber hinaus sind sie verpflichtet, mit einem polizeilichen Führungszeugnis zu belegen, dass sie nicht in ihrem Heimatland oder irgendwo anders mit einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden. Es dürfen auch keine berufsbezogenen Disziplinarverfahren oder Untersuchungen gegen die Antragsteller laufen. In einer Erklärung müssen die Therapeuten bestätigen, dass sie psychisch und physisch dazu in der Lage sind, den Beruf in der neuen Heimat auszuüben.  

Fachkompetenzen für Ergotherapie in Neuseeland

Wer als Ergotherapeut in Neuseeland leben und arbeiten möchte, muss sich zunächst beim „Occupational Therapy Board of New Zealand“ (OTBNZ) registrieren. Die Institution entscheidet von Fall zu Fall über die Zulassung von Ergotherapeuten, die außerhalb von Neuseeland oder Australien ausgebildet wurden. Bewerber müssen ihren Antrag an die „Competence Assessors“ des OTBNZ übermitteln, die dann überprüfen, ob ihre Ausbildung mit dem Standard der neuseeländischen Qualifikation übereinstimmt.  

 

In einer Art Selbst-Referenz sollen die Bewerber anhand konkreter Beispiele aus ihrem Berufsalltag veranschaulichen, wie sie die Anforderungen, die in Neuseeland an Therapeuten gestellt werden, in ihrer bisherigen Praxis bereits umgesetzt haben. Die Kompetenzen eines Therapeuten misst das OTBNZ im Rahmen des Registrierungsprozesses an den folgenden sieben Kriterien, zu denen die Bewerber Stellung nehmen sollen:  

 

Die sieben Kompetenzkriterien der OTBNZ

  • Anwendung/Durchführung von Ergotherapie
Therapeuten sollen hier erläutern, wie sie für Menschen Tätigkeiten schaffen, mit dem Ziel, ihre funktionelle Unabhängigkeit zu optimieren.
  • Eine ethisch und rechtlich sichere Praxis
Die Bewerber sollen zeigen, inwiefern sie beim Praktizieren ethische, rechtliche und professionelle Ansprüchen erfüllen.
  • Eine kulturell sichere Praxis
Die Arbeit der Therapeuten soll die soziokulturellen Wertvorstellungen der Patienten einbeziehen.
  • Kommunikationsfähigkeit
Bewerber sollen erläutern, wie sie durch das Anwenden ihrer Kommunikationsfertigkeiten therapeutische und professionelle Beziehungen aufbauen und führen.
  • Selbstorganisation und Management anderer Personen
Therapeuten sollen Kapazitäten managen und personelle Ressourcen überblicken, sodass die Arbeitsleistung professionell, kollegial und im Einklang mit den Arbeits- und Teamzielen steht.
  • Management von Ressourcen und der Umgebung
Hier sollen die Bewerber Beispiele geben, wie sie ihre Umgebung so organisieren, dass sie dadurch einen positiven Beitrag leistet für die Patienten und wie sie einen effektiven Gebrauch von Ressourcen gewährleisten.
  • Den Fortlauf der beruflichen Entwicklung
Ergotherapeuten sollen an dieser Stelle deutlich machen, inwieweit sie Möglichkeiten verfolgen, ihr berufliches Wissen und praktische Fähigkeiten kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Kulturelle Kompetenz

Eine Besonderheit des Akkreditierungsverfahrens für ausländische Therapeuten in Neuseeland ist, dass die Bewerber nicht nur ihre fachliche, sondern auch ihre kulturelle Kompetenz unter Beweis stellen müssen. Therapeuten müssen einen Aufsatz verfassen, in dem Sie mit eigenen Worten die Besonderheit der neuseeländischen Gesundheitspflege und Kultur erklären. Außerdem müssen sie ein Beispiel geben, wie sie selbst schon einmal im beruflichen Kontakt mit einer ihnen fremden Kultur umgegangen sind.  

Anlaufstellen für Physiotherapeuten und Logopäden

Physiotherapeuten, die in Neuseeland arbeiten wollen, sollten sich zunächst beim „Physiotherapy Board of New Zealand (www.physioboard.org.nz) informieren. Logopäden wenden sich am besten an die „International Association of Logopedics and Phoniatrics“ (http://ialp.info).  

Quelle: Ausgabe 09 / 2010 | Seite 11 | ID 138329