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·Fachbeitrag ·Betriebseinnahmen

So sind Zahlungen des Vertreterversorgungswerks an den Versicherungsvertreter zu versteuern

von Diplom-Finanzwirt (FH), Steuerberater Hans Walter Schoor, Kemmenau

| Versicherungsvertreter müssen die Zahlungen aus dem Vertreterversorgungswerk als nachträgliche Einkünfte aus Gewerbebetrieb versteuern, erhalten aber ab einem bestimmten Alter für diese Einkünfte den Altersentlastungsbetrag. Lernen Sie nachfolgend die steuerlichen Spielregeln kennen, damit Sie nicht zu viel Steuern zahlen müssen. |

Nachträgliche Einkünfte aus Gewerbebetrieb

Die Zahlungen eines Versorgungswerks an einen früheren Vertreter sind als nachträgliche gewerbliche Einkünfte in voller Höhe steuerpflichtig und nicht nur mit dem Ertrags- bzw. Besteuerungsanteil. Sie unterliegen aber nicht mehr der Gewerbesteuer.

 

Zahlungen des Versorgungswerks voll steuerpflichtig

Das FG Baden-Württemberg hat klargestellt, dass die Zahlungen eines Versorgungswerks an einen früheren Vertreter als nachträgliche gewerbliche Einkünfte in voller Höhe zu versteuern sind (§ 15 Abs. 1 Nr. 1 EStG in Verbindung mit § 24 Nr. 2 EStG).

 

Die Zahlungen würden mit der ehemaligen gewerblichen Tätigkeit als Vertreter in engem wirtschaftlichen Zusammenhang stehen. Trete an die Stelle des Ausgleichsanspruchs nach § 89b HGB eine voll vom Unternehmen finanzierte Betriebsrente, bestehe der Zusammenhang mit der Vertretertätigkeit fort (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 5.11.1997, Az. 12 K 168/96, Abruf-Nr. 010422).

Auch Berufsunfähigkeitsrenten voll einkommensteuerpflichtig

Das FG Münster wendet die Grundsätze dieses Urteils auf Berufsunfähigkeitsrenten an, die vom Vertreterversorgungswerk gezahlt werden. Auch derartige Renten seien nachträgliche gewerbliche Einkünfte (§ 15 Abs. 1 Nr. 1 EStG in Verbindung mit § 24 Nr. 2 EStG) und keine sonstigen Einkünfte nach § 22 EStG (FG Münster, Urteil vom 7.12.2000, Az. 14 K 3127/99 E, Abruf-Nr. 010421).

 

Versorgungsrente an Witwe voll einkommensteuerpflichtig

Der BFH sieht die Sache wohl genauso. Er zählt laufende Versorgungsleistungen auf Lebenszeit, die die Witwe eines Vertreters vom Versicherer aufgrund der früheren Tätigkeit ihres verstorbenen Ehemanns für den Versicherer erhält, zu den nachträglichen Einkünften aus Gewerbebetrieb. Die Versorgungsleistungen seien im Jahr des Zuflusses voll einkommensteuerpflichtig (BFH, Urteil vom 10.10.1963, Az. VI 322, 323/61 U, BStBl 1963 III, 592, Urteil vom 25.3.1976, Az. IV R 174/73, Abruf-Nr. 042915). Begründung des BFH:

 

  • Diese steuerliche Behandlung beruhe darauf, dass sich die Berechtigten am Vertreterversorgungswerk nicht mit eigenem Vermögen in die Pensionsregelung eingekauft hätten.

 

  • Sie hätten sich für das Versorgungswerk entschieden und deshalb eventuell verminderte Provisionseinnahmen versteuert, um nicht selbst aus dem steuerpflichtigen Gewinn eine Altersversorgung aufbauen zu müssen.

 

  • Daher flössen ihnen im Versorgungsfall nicht Anteile aus einem eigenem Rentenstammrecht zu. Vielmehr sei der gesamte Zufluss Ertrag der früheren gewerblichen Tätigkeit.

PRAXISHINWEIS | Bei der steuerlichen Behandlung spielt der Aspekt wohl keine Rolle, dass sich die Vertreter die Leistungen des Vertreterversorgungswerks eventuell aufgrund geringerer Provisionen „erkauft“ haben (so wohl auch FG Köln, Urteil vom 3.11.1988, Az. 5 K 313/84, EFG 1989, 175).

Altersentlastungsbetrag

Die Behandlung der Zahlungen des Vertreterversorgungswerks als nachträgliche gewerbliche Einkünfte hat allerdings auch eine erfreuliche Seite: Sie erhalten ab einem bestimmten Alter für diese Einkünfte den Altersentlastungsbetrag (§ 24a EStG). Dieser wird von der Summe der Einkünfte abgezogen und wirkt sich daher steuermindernd aus.

Begünstigte Einkünfte

Der Altersentlastungsbetrag begünstigt alle Alterseinkünfte - mit Ausnahme der Versorgungsbezüge und der Renten/Pensionen. Denn Renten/Pensionen sind bereits durch die Besteuerung nur mit dem Ertrags- bzw. Besteuerungsanteil begünstigt, Versorgungsbezüge durch den Versorgungsfreibetrag und den Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag. Sprich: Wer neben der Rente oder Pension keine sonstigen Einkünfte hat, kann keinen Altersentlastungsbetrag erhalten.

Vollendetes 64. Lebensjahr

Der Altersentlastungsbetrag wird Ihnen nur gewährt, wenn Sie vor Beginn des betreffenden Kalenderjahrs das 64. Lebensjahr vollendet haben (§ 24a S. 3 EStG).

 

Mit anderen Worten: Für das Jahr, in dem Sie das 64. Lebensjahr vollenden, gibt es noch keinen Altersentlastungsbetrag, erst ab dem folgenden Jahr.

 

  • Beispiel

Versicherungsvertreter A ist am 1. Januar 1951 geboren, B am 2. Januar 1951.

  • A vollendet sein 64. Lebensjahr am 31. Dezember 2014. Er erfüllt also erstmals im Veranlagungszeitraum 2015 die Voraussetzungen für den Altersentlastungsbetrag.
  • B hat insoweit Pech. Er kann den Altersentlastungsbetrag erst im Jahr 2016 beanspruchen, da er am 1. Januar 2015 das 64. Lebensjahr vollendet und somit im Veranlagungszeitraum 2015 noch nicht die Altersvoraussetzung erfüllt.

Besonderheit bei Ehegatten

Bei Ehegatten steht der Altersentlastungsbetrag nur dem zu, der die Altersvoraussetzung erfüllt, und zwar nur für die von ihm bezogenen Einkünfte. Mit anderen Worten: Bei Ehegatten muss die Berechnung für jeden Ehegatten gesondert durchgeführt werden. Dies gilt, selbst wenn Sie mit dem Partner zusammenveranlagt werden.

Höhe des Altersentlastungsbetrags

Der Altersentlastungsbetrag beträgt für vor dem 2. Januar 1941 geborene Steuerzahler 40 Prozent des Arbeitslohns und der positiven Summe der Einkünfte, die nicht solche aus nichtselbstständiger Arbeit sind, höchstens jedoch 1.900 Euro jährlich (§ 24a S. 1 EStG). Begünstigt sind der Arbeitslohn aus einer aktiven Berufstätigkeit (zum Beispiel Hinzuverdienst durch eine Arbeitnehmertätigkeit) und alle übrigen steuerpflichtigen Einkünfte mit Ausnahme von Renten und Pensionen.

 

PRAXISHINWEIS | Sind Sie vor dem 1. Januar 2005 64 Jahre alt geworden, - das dürfte bei den wenigsten Lesern der Fall sein -, können Sie den Altersentlastungsbetrag noch in voller Höhe genießen. Für Sie gilt ein absetzbarer Anteil von 40 Prozent der übrigen Alterseinkünfte und ein Höchstbetrag von 1.900 Euro.

Für alle, die nach dem 1. Januar 1941 geboren sind, wird der Altersentlastungsbetrag Jahrgang für Jahrgang schrittweise abgeschmolzen. Auch hier wird Ihnen entsprechend Ihrem Jahrgang ein bestimmter Prozentsatz und ein Höchstbetrag vom Finanzamt bis an Ihr Lebensende festgeschrieben, der aus der Tabelle des § 24a S. 5 EStG entnommen werden kann. Der maßgebende Altersentlastungsbetrag ist abhängig von dem Kalenderjahr, das auf die Vollendung Ihres 64. Lebensjahrs folgt.

 

  • Beispiel

Versicherungsvertreter C hat im Jahr 2014 das 64. Lebensjahr vollendet. Ihm steht nach der Tabelle ab 2015 ein Altersentlastungsbetrag von 24 Prozent der begünstigten Einkünfte, höchstens von 1.140 Euro zu.

Bemessungsgrundlage

Der Altersentlastungsbetrag errechnet sich aus dem Arbeitslohn und der positiven Summe der Einkünfte - ohne Arbeitslohn, Versorgungsbezüge und Renten (§ 24a S. 1 und 2 EStG). Nicht berücksichtigt werden zudem Kapitaleinkünfte, die der Abgeltungsteuer unterliegen und somit nach § 2 Abs. 5b EStG nicht in die „Summe der Einkünfte“ einbezogen werden (R 24a Abs. 1 S. 2 Einkommensteuer-Richtlinien; FG München, Urteil vom 6.6.2014, Az. 8 K 2051/12, Abruf-Nr. 145102).

 

So ermitteln Sie die Bemessungsgrundlage für den Altersentlastungsbetrag:

  • Bemessungsgrundlage für den Altersentlastungsbetrag

Brutto-Arbeitslohn (ohne Versorgungsbezüge)

+ Positive Summe aus

    • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
    • Einkünfte aus Gewerbebetrieb
    • Einkünfte aus selbstständiger Arbeit
    • Einkünfte aus Kapitalvermögen, sofern nicht der Abgeltungsteuer unterliegend
    • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
    • Sonstige Einkünfte nach § 22 EStG (ohne nicht voll besteuerte Leibrenten)

= Bemessungsgrundlage für Altersentlastungsbetrag (wenn insgesamt positive Summe)

 

Wichtig | Es kommt auf die positive Summe der Einkünfte an und nicht auf die Summe der positiven Einkünfte. Das bedeutet, dass Verluste aus einer Einkunftsart, zum Beispiel Vermietung und Verpachtung, mit positiven Einkünften aus einer anderen Einkunftsart, zum Beispiel Gewerbebetrieb, saldiert werden müssen und so den Altersentlastungsbetrag mindern.

  • Beispiel

Sie wurden im Jahr 2014 64 Jahre alt. Sie sind verwitwet und beziehen im Jahr 2015 Zahlungen vom Vertreterversorgungswerk in Höhe von 18.000 Euro, die als nachträgliche gewerbliche Einkünfte zu erfassen sind. Außerdem haben Sie aus der Vermietung eines Hauses einen Verlust aus Vermietung von Verpachtung von 2.500 Euro erzielt. Die Bemessungsgrundlage für den Altersentlastungsbetrag ermitteln Sie wie folgt:

 

Bemessungsgrundlage für den Altersentlastungsbetrag

Einkünfte aus Gewerbebetrieb

18.000 Euro

Verlust aus Vermietung und Verpachtung

./. 2.500 Euro

Positive Summe

15.500 Euro

 

Sie erhalten den Altersentlastungsbetrag, weil die Summe der begünstigten Einkünfte mit 15.500 Euro positiv ist.

 

Berechnung des Altersentlastungsbetrags

Positive Summe: 15.500 Euro

24 % von 15.500 Euro

3.720 Euro

Höchstbetrag laut Tabelle (§ 24a S. 5 EStG)

1.140 Euro

 

Ihr Altersentlastungsbetrag beträgt rechnerisch 3.720 Euro (= 24 % von 15.500 Euro). Er ist jedoch auf den in der Tabelle des § 24a S. 5 EStG ausgewiesenen Höchstbetrag von 1.140 Euro begrenzt.

Quelle: Ausgabe 10 / 2015 | Seite 9 | ID 43513075