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01.09.2005 | Versicherungsmakler siegt vor OLG Köln

Sorgfältige Beratung und Dokumentation!

Der Versicherungsmakler haftet für Beratungsfehler. Als treuhänderischer Sachwalter treffen ihn umfangreiche Hinweis- und Beratungspflichten sowohl bei der Anbahnung neuer als auch der Umdeckung bestehender Versicherungsverträge. Urteile über die Schadenersatzpflicht aus Beratungsfehlern finden aus diesem Grund immer hohe Aufmerksamkeit in der Branche.

Das Oberlandesgericht (OLG) Köln hat jetzt über die Klage einer Holzhandlung entschieden, die einen Makler auf Schadenersatz in Anspruch nehmen wollte. Der Makler sollte es unterlassen haben, sie rechtzeitig auf eine Deckungslücke hinzuweisen, bei der ein nicht gedeckter Schaden eintrat (Urteil vom 7.5.2004, Az: 9 U 105/03; Abruf-Nr. 051641).

Der zu Grunde liegende Fall

Was war geschehen? Die Holzhandlung hatte am 3. September 2001 per Maklervertrag den Makler mit der Vermittlung, Betreuung und Verwaltung der Versicherungen beauftragt. Er wurde zugleich bevollmächtigt, nach Abstimmung mit der Holzhandlung bestehende Versicherungen auf Richtigkeit und Zweckmäßigkeit zu prüfen, zu erweitern, zu kündigen, neu abzuschließen und die erforderlichen Erklärungen in allen Versicherungsangelegenheiten abzugeben.

Am 17. Oktober 2001 brach eine Hochregalanlage aus ungeklärter Ursache zusammen (Schaden: rund 76.000 Euro). Der Versicherer zahlte nicht, weil der Bruchschaden nicht versichert war. Den Schaden wollte die Holzhandlung vom Makler ersetzt bekommen.

Argumente der Holzhandlung

Die Holzhandlung machte geltend, der Makler hätte in seiner Risiko-Analyse auf den fehlenden Deckungsschutz hinweisen müssen. Tatsächlich habe er im Mai 2001 nur Fotokopien der bestehenden Versicherungsverträge mitgenommen und im Übrigen keinen Kontakt mit der Holzhandlung aufgenommen. Erst am 23. August 2001 sei es zu einem weiteren Gespräch mit dem Makler gekommen. Dabei sei die Deckungslücke nicht besprochen worden.

Gegenargumente des Maklers

Der Makler wandte ein, der Maklervertrag sei erst am 3. September 2001 abgeschlossen worden. Vorher habe es lediglich Kontaktgespräche gegeben, in denen Unterlagen über das Versicherungskonzept des Maklers und die bestehenden Versicherungsverträge der Holzhandlung ausgetauscht wurden. Am 3. September 2001 habe der Makler im Übrigen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Deckungslücken im Versicherungsschutz bestünden.

Am 25. September ließ die Holzhandlung den Makler wissen, dass sie den inzwischen angebahnten Versicherungsverträgen des Maklers erst zum 1. Januar 2002 zustimmen würde. Deshalb seien die Vorverträge auch zu diesem Datum gekündigt worden.

Die Entscheidung des Gerichts

Das OLG hat keine Pflichtverletzung des Maklers feststellen können. Es stellte zwar fest, dass der Makler bei Inanspruchnahme seiner Dienste für die Schließung möglicher Deckungslücken Sorge tragen muss. Aber die Holzhandlung konnte nicht beweisen, dass der Makler Sorgfaltspflichten verletzt habe.

Das OLG ging vielmehr davon aus, dass die Holzhandlung der Beseitigung der Deckungslücke erst zum 1. Januar 2002 zugestimmt habe. Gestützt wurde dies durch die Aufzeichnungen des Maklers über die Inhalte der Beratungsgespräche und durch Zeugenaussagen.

Die Bedeutung für die Praxis

Glück gehabt? Mitnichten: Der Makler hat sorgfältig und strukturiert gearbeitet und seinen Aufklärungspflichten genüge getan.

  • Er hat das Risiko analysiert, die Holzhandlung auf Deckungslücken aufmerksam gemacht und Vorschläge für adäquaten Versicherungsschutz unterbreitet.
  • Er hat alle Schritte dokumentiert und durch Aussagen seiner Mitarbeiter belegen können.

    Dass der Schaden schließlich nicht versichert war, lag allein an der Entscheidung der Holzhandlung, den vom Makler vorgeschlagenen risikogerechten Versicherungsschutz erst zu einem späteren Zeitpunkt beginnen zu lassen, um Prämien zu sparen.

    Ein folgerichtiges Urteil des OLG Köln, das in seiner Konsequenz alle Profis unter den Maklern bestätigt: sorgfältig arbeiten und dokumentieren. Und das war entscheidend: Der Makler konnte substanziiert darlegen, seine Maklerpflichten erfüllt zu haben.

    Unser Tipp:Die im Zuge der Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie angebotenen Beratungsprotokolle und Risiko-Analyse-Muster erleichtern es Ihnen, den passenden Versicherungsschutz zu ermitteln und Vorschläge und Entscheidungen zu dokumentieren. Wer solche Bögen bisher nicht genutzt hat, sollte dies tun. Sie verbessern Ihre Haftungssituation und üben, was in absehbarer Zeit mit Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie ohnehin verpflichtend wird.

    Die Vorschläge des "Arbeitskreises EU-Vermittlerrichtlinie" finden Sie zum Download im Internet unter www.vermittlerprotokoll.de oder www.vermittlerrichtlinie.de

    Quelle: Ausgabe 09 / 2005 | Seite 5 | ID 98607