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01.03.2005 | "Rürup-Rente"

Die neue Welt der Altersvorsorge

von Erich Holzner, Produktmanagement-Privatkunden, Swiss Life, München

Die neue Welt der Altersvorsorge erlebte soeben ihre Geburtsstunde. Nahezu neun Monate ging man mit der "Rürup-Rente" - auch Basis-Rente" genannt - schwanger. Inzwischen sind die ersten Produkte auf dem Markt. Jetzt gilt es, mit dem Produkt sorgsam in der Beratung umzugehen und es in die Produktfamilie aufzunehmen. Mit dem folgenden Beitrag helfen wir Ihnen, den Beratungsbedarf zu strukturieren und kundengerecht einzugrenzen.

Welche Vorsorgeform für welchen Kunden?

Das Spektrum der versicherungsmäßigen Vorsorgeformen umfasst acht Lösungsmöglichkeiten. Je nach Zielgruppe, zu der der Kunde gehört, stehen nicht alle zur Verfügung. Über den Weg in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) entscheidet der Arbeitgeber.

Übersicht
Bedarf nach Wünschen und Zielen

Gibt es mehrere Versorgungswege, benötigen Sie weitere Parameter, an Hand derer Sie dem Kunden Empfehlungen geben können. Neben dem bisherigen finanziellen Engagement und der Belastbarkeit sind vor allem die persönlichen Wünsche des Kunden maßgebend. Je nach den Wünschen des Kunden grenzt sich der Kreis der geeigneten Produkte schnell ein, wie die folgende Übersicht zeigt:

Persönliche Wünsche des Kunden
WünschebAVRiesterBasis/
Rürup
Klass. Ver-
sicherung
Steuerabzugsrahmen für Beiträge soll maximal ausgenutzt werden.+++-
Vertrag soll auch volle Kapitalauszahlung zulassen.---+
Vertrag soll eine Teilkapitalauszahlung zulassen.++-+
Kapitalleistung soll unter bestimmten Voraussetzungen zumindest teilweise steuerfrei sein.---+
Kunde möchte hinsichtlich Beitragshöhe, Fälligkeit, Laufzeit etc. völlig frei entscheiden können.---+
Kunde hat Wohnsitzverlegung ins Ausland im Auge; dies soll ohne Auswirkung auf die steuerliche Belastung sein.+-++
Rentenleistung soll ohne Beitragsbelastung für Krankenversicherungsbeiträge (KVdR) sein.-+++
Rente soll nur in Höhe des Ertragsanteils der Einkommensteuer unterworfen werden.---+
Beiträge sollen aus sozialversicherungsfreiem Einkommen sein, zumindest bis 2008.+---
Steuer-Ersparnis bereits im Jahr der Leistung.+---
Versicherungsleistung soll auch an andere Personen als den Ehegatten oder die Kinder geleistet werden können.---+
"+" Produkt/Vorsorgeform möglich; "-" Produkt/Vorsorgeform scheidet aus

Der Bereich der bAV scheidet zum Beispiel aus, wenn der Kunde eine Versteuerung seiner Rente mit dem Ertragsanteil anstrebt oder die Freiheit haben möchte, das Kapital seines Vertrags an andere Personen übertragen zu können. Auch die "Riester-Rente" und die "Rürup-Rente" eignen sich in diesem Fall nicht, sondern nur die klassische private Rentenversicherung. Umgekehrt muss man sich der Direktversicherung zuwenden, wenn die Beitragsaufwendung aus sozialversicherungsfreiem Einkommen bestritten werden soll.

Die (junge) "Rürup-Rente"

Wie fügt sich die "Rürup-Rente", die es seit dem 1. Januar 2005 gibt, in die Produktlandschaft ein? Zugegeben, auf den ersten Blick scheint sie für den Kunden nicht besonders interessant zu sein, lassen sich gerade einmal zwei der vorgenannten Kundenwünsche mit ihr realisieren. Bei näherem Hinsehen hat sie aber ihren Reiz. Zunächst einmal rufen wir die Voraussetzungen dieser Vorsorgeform kurz in Erinnerung (sehen Sie dazu auch Ausgabe 7/2004, Seite 15).

1. Voraussetzungen der "Rürup-Rente"

Die "Rürup-Rente" ist eine private kapitalgedeckte Leibrentenversicherung (§ 10 Absatz 1 Nummer 2 Buchstabe b Einkommensteuergesetz [EStG]). Sie muss folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Zahlung der Altersrente als monatliche lebenslange Leibrente
  • Frühester Rentenbeginn: vollendetes 60. Lebensjahr
  • Nicht vererbbar, nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar, nicht kapitalisierbar
  • Kein Anspruch auf Auszahlung

    Wichtig:Eine ergänzende Absicherung des Berufsunfähigkeits- und Erwerbsminderungsrisikos ist möglich, ebenso die Absicherung der Hinterbliebenen. Die vorgenannten Voraussetzungen wirken sich auf die Ausgestaltung der "Rürup-Verträge" wie folgt aus:

  • Identität:Versicherungsnehmer, versicherte Person und Beitragszahler müssen identisch sein.
  • Keine Rentengarantiezeiten:Rentengarantiezeiten dürfen nicht vereinbart sein.
  • Keine Abfindungen:Abfindungen von Renten dürfen vertraglich nicht vorgesehen sein, auch nicht von Kleinstbetragsrenten.
  • Kein Sterbegeld:Sterbegeld darf nicht vereinbart sein.
  • Zusatzversicherung: Der Beitragsaufwand (brutto) für die BU-, Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenversicherung muss auf weniger als die Hälfte des Gesamtversicherungsbeitrags begrenzt sein.
  • Hinterbliebenenschutz: Bei der Hinterbliebenenrente dürfen nur der Ehepartner begünstigt sein und die Kinder, soweit für die Kinder Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag nach den einkommensteuergesetzlichen Vorschriften besteht.

    Wichtig:Wenn für die Hinterbliebenenabsicherung eine Kapitalleistung tariflich vorgesehen ist, muss vertraglich (AVB) geregelt sein, dass das Todesfallkapital nur in Form lebenslanger Renten zu Gunsten des Ehegatten gezahlt werden darf.

    2. Stufenweise Steuerfreistellung der Vorsorgeaufwendungen

    Bei der "Rürup-Rente" ist eine stufenweise Steuerfreistellung der Altersvorsorgeaufwendungen vorgesehen. In der Endstufe im Jahr 2025 kann ein Höchstbetrag von 20.000 Euro Steuer mindernd als Sonderausgaben geltend gemacht werden, bei zusammen veranlagten Ehegatten sind es sogar 40.000 Euro. Im Jahr 2005 ist der Abzugsrahmen auf 60 Prozent dieses Höchstbetrags begrenzt, also auf 12.000 bzw. 24.000 Euro. Jedes Jahr erhöht sich der Abzugsrahmen um zwei Prozentpunkte.

  • Bei Arbeitern und Angestellten wird der Höchstbetrag durch den steuerfreien Arbeitgeberanteil (§ 3 Nummer 62 EStG) gekürzt.
  • GGfmit betrieblichen Pensionsansprüchen,BeamteundAbgeordnete erwerben ihren Anspruch auf Altersversorgung ohne eigene Beitragsleistungen. Daher wird bei ihnen der 20.000 Euro-Höchstbetrag um einen fiktiven Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) gekürzt. Dieser errechnet sich aus dem Bruttolohn und dem für das Jahr gültigen Beitragssatz zur GRV bis zur Beitragsbemessungsgrenze (§ 10 Absatz 3 EStG). Einheitlich wird die Beitragsbemessungsgrenze Ost zu Grunde gelegt.
    Beispiel
    Ein Arbeitnehmer mit einem Gehalt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze der GRV (62.400 Euro im Jahr 2005) möchte den maximal verfügbaren Betrag in eine "Rürup-Rente" zahlen. Ein Selbstständiger, der keine Beiträge zur GRV oder zu berufsständischer Versorgung zahlt, hat denselben Wunsch.
    Abzugsrahmen/BeiträgeArbeitnehmerSelbstständiger
    Sonderausgaben-Höchstbetrag 200520.000 Euro20.000 Euro
    Davon 60 %12.000 Euro12.000 Euro
    ./. Steuerfreier Arbeitgeberanteil zur GRV./. 6.084 Euro-
    Maximal in 2005 abzugsfähig5.916 Euro12.000 Euro
    GRV-Gesamtbeitrag (19,5 % x 62.400 Euro)12.168 Euro-
    Davon 60 % abzugsfähig7.301 Euro-
    ./. Steuerfreier Arbeitgeberanteil zur GRV./. 6.084 Euro-
    Steuer mindernd wirken sich von den GRV-Beiträgen aus1.217 Euro-
    Verfügbarer Abzugsbetrag für "Rürup-Rente" (60 %)4.699 Euro
    (5.916 ./. 1216)
    12.000 Euro
    Jahresbeitrag für "Rürup-Rente" (100 %)7.832 Euro
    (4.700 x 100/60)
    20.000 Euro

    Beim Arbeitnehmer bleibt im Jahr 2005 vom Sonderausgaben-Höchstbetrag von 12.000 Euro nur ein Rest von 4.699 Euro übrig. Will der Arbeitnehmer diesen nutzen, muss er 7.832 Euro in eine "Rürup-Rente" zahlen. Dem gegenüber fährt der Selbstständige mit der "Rürup-Rente" besser, wenn er keine oder nur geringe Beiträge in die GRV und/oder berufsständische Versorgungseinrichtung zahlt. Er kann im Jahr 2005 bis zu 20.000 Euro an Beiträgen für eine "Rürup-Rente" ausgeben. Von diesen Beiträgen sind 60 Prozent als Sonderausgaben abzugsfähig. Folge: Bei Spitzenverdienern wird ein hoher Anteil der Beiträge durch die Steuer-Ersparnis finanziert.

    Unser Tipp: In Anbetracht des steigenden Versorgungsbedarfs im Alter sollten Kunden die Steuer-Ersparnis wieder in Vorsorgeprodukte investieren. Im Hinblick auf Flexibilität und Versorgungsbedarf sollte eine Mix-Strategie verfolgt werden, indem die Steuer-Ersparnis in eine klassische Rentenversicherung reinvestiert wird.

    3. Produktformen

    Weil das Bundesfinanzministerium erst "Minuten" vor der Geburtsstunde der "Rürup-Rente" einen Teil der maßgeblichen Kriterien festgelegt hat, sind die Produkte recht unterschiedlich gestaltet: Die "Rürup-Rente" wird es künftig in Form der klassischen Rentenversicherung geben, aber auch als fondsgebundene Variante.

    Unser Tipp: Kunden, die auf Nummer sicher gehen wollen, ist die klassische Form zu empfehlen. Andere, die auf höhere Renditen hoffen und dafür etwas mehr Risiko eingehen wollen, sollten sich eher der fondsgebundenen "Rürup-Rente" zuwenden.

    Für die Hinterbliebenenrenten werden klassische Rentenversicherungen angeboten werden. Es wird aber auch Formen geben, die im Todesfall ein Kapital vorsehen. Dies muss dann "zwangsweise" in Rentenzahlungen umgemünzt werden. Wichtig ist, dass auf eine Veränderung in der Partnerschaft reagiert werden kann, dass also die Hinterbliebenen-Zusatzversicherung aus- oder eingeschlossen werden kann.

    4. Steuerliche Überlegungen zur Rentenleistung

    Ob sich eine Hinterbliebenenrente im Rahmen der "Rürup-Rente" rechnet, entscheidet sich auch aus steuerlicher Sicht:

  • Denn alle Leistungen aus der "Rürup-Rente" sind - von der zeitlichen Übergangsregelung einmal abgesehen - voll steuerpflichtig und nicht nur in Höhe des Ertragsanteils.
  • Je früher der Versorgungsfall eintritt, desto weniger Beiträge konnten steuerlich geltend gemacht werden und desto länger sind die Rentenzahlungen voll zu versteuern.

    Beim Einschluss der Berufsunfähigkeitsabsicherung ist nicht nur zu bedenken, dass die ausgezahlte BU-Rente voll zu versteuern ist (im Gegensatz zur Besteuerung des Ertragsanteils bei der sonstigen privaten Absicherung), sondern auch die Leistung für die Beitragsbefreiung. Insofern dürfte es günstiger sein, den wesentlichen Teil der BU-Vorsorge mit klassischen Versicherungen abzudecken.

    Fazit: Die "Rürup-Rente" eignet sich vor allem als Alterssicherungsinstrument für Selbstständige, die keine oder nur geringe Beiträge in die GRV oder eine berufständische Versorgung einzahlen. Je weiter der Rentenbeginn entfernt ist, desto mehr Beiträge können sie steuerlich geltend machen. Die "Rürup-Rente" wird daher in der Aufbauphase erheblich aus der Steuer-Ersparnis aufgebaut.

    Quelle: Ausgabe 03 / 2005 | Seite 8 | ID 98520