logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.09.2005 | "Riester-Rente"

Wiederbelebte "Riester-Vorsorge"

von Erich Holzner, Produktmanagement-Privatkunden, Swiss Life, München

Mit dem Alterseinkünftegesetz unternahm die Bundesregierung auch einen Wiederbelebungsversuch für die dahin dümpelnde Altersvorsorge nach dem Altersvermögensgesetz, der so genannten "Riester-Rente". Beim Schnuppern in den Vorsorgemarkt zieht einem die steigende Nachfrage direkt in die Nase, sowohl seitens der Kunden, als auch seitens der Vermittler.

Alte und neue Vorzüge der "Riester-Rente"

Entscheidend sind die spürbaren Vorzüge der "Riester-Rente" für Kunden und Vermittler. Nachfolgend finden Sie diese im Überblick.

Kundenvorteile
Gesetzlich geregelte Kundenvorteile
  • Kapitalerhaltungsgarantie(§ 1 Absatz 1 Nummer 3 Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz [AltZertG], Regelung wie bisher): Bei Beginn der Auszahlungsphase muss mindestens die Summe der eingezahlten Beiträge (ohne Beitragsanteile für BUZ oder Todesfallabsicherung) zur Verfügung stehen.
  • Teilkapitalauszahlung (§ 1 Absatz 1 Nummer 4 AltZertG in der Form ab dem 1. Januar 2005, Regelung neu): 30 Prozent (bisher 20 Prozent) des bei Beginn der Auszahlungsphase verfügbaren Kapitals brauchen nicht verrentet, sondern können als einmalige Kapitalauszahlung beansprucht werden.
  • Lebenslang gesichertes Alterseinkommen (§ 1 Absatz 1 Nummer 2 AltZertG, Regelung wie bisher): Abgesehen von der Teilkapitalisierung, erfolgen regelmäßige, gleichbleibende oder steigende Auszahlungen bis ans Lebensende.
  • Steuerliche Förderung (§ 10a Einkommensteuergesetz [EStG], Regelung wie bisher): Bis zu gesetzlich fixierten Höchstgrenzen können die Beiträge als Sonderausgaben geltend gemacht werden bzw. es werden vom Familienstand abhängige Zulagen gewährt, die über die Wirkung des Sonderausgabenabzugs hinausgehen können.
  • Wohnungseigentum (§ 92a EStG, Regelung wie bisher): 10.000 Euro bis 50.000 Euro können für den Bau oder Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum entnommen werden.
  • Hartz IV-Sicherheit(§ 12 Sozialgesetzbuch II Absatz 2 Nummer 2, Regelung wie bisher): Bei Arbeitslosigkeit und Anspruch auf Arbeitslosengeld brauchen "Riester-Verträge" nicht aufgelöst bzw. nicht angerechnet zu werden.
  • Dauerzulagenantrag (§ 89 Absatz 1a EStG, Regelung neu): Der Versicherungsnehmer kann den Anbieter beauftragen, für ihn jährlich die Zulage zu beantragen. Dadurch erspart er sich die jährlichen Formalitäten für das Zulagenverfahren.
    Produktvorteile
  • Garantierte Mindestverzinsung:Sowohl in der Anspar- als auch in der Rentenphase ist eine Mindestverzinsung garantiert, sozusagen lebenslang.
  • Flexibilität: Vorgeschrieben ist nur der früheste und späteste Rentenbeginn (vollendetes 60. bzw. vollendetes 65. Lebensjahr). Dazwischen kann sich der Kunde je nach Lebensplanung bzw. Veränderungen im Arbeitsleben frei entscheiden, sofern der Anbieter der "Riester-Rente" eine Flexibilitätsphase anbietet.
  • Abtretung der Versicherungsansprüche: Die formale Abtretung der Versicherungsansprüche führt noch nicht zur Förderschädlichkeit. Erst wenn im Leistungsfall statt der Renten eine Teilkapitalauszahlung von mehr als 30 Prozent erfolgt, sind die Steuervergünstigungen zurückzuerstatten.
  • Attraktive Gesamtverzinsung: Unter der Gesamtsicht aller Regelungen und Garantien und Einbeziehung der aktuellen und längerfristigen Kapitalmarktsituation bietet die "Riester-Rente" eine durchaus attraktive Rendite.

    Daneben gibt es noch zwei wichtige Vorteile für Sie als Vermittler.

    Unmittelbare Vermittlervorteile
  • Steuergefördertes Produkt: Die "Riester-Rente" kann zusätzlich zur betrieblichen Altersvorsorge, zur "Rürup-Rente" oder zur privaten Vorsorge als steuergefördertes Produkt verkauft werden.
  • Zweifaches Einkommenspotenzial:
  • Der gesetzlich vorgeschriebene Verteilungszeitraum für die Provision wurde auf fünf Jahre verkürzt. Viele Versicherer zahlen die Provision inzwischen sogar vorschüssig auf einen Schlag.
  • Durch die "Riester-Stufen" steigt das Einkommen des Vermittlers überproportional (geförderter Jahresbeitrag in 2005: 1.025 Euro; 2006 bis 2007: 1.575 Euro; ab 2008: 2.100 Euro), wenn der Kunde zur Erhaltung der vollen Zulagen diese Stufen beitragsmäßig mitvollzieht.
    Kreis der geförderten Personen

    Gefördert werden im Allgemeinen die in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) Pflichtversicherten. Das sind:

  • In der GRV pflichtversicherte Arbeitnehmer
  • Selbstständige Handwerksmeister, solange sie noch keine 218 Monate Pflichtbeiträge in der GRV entrichtet haben; danach sind sie nicht mehr "Riester"-förderberechtigt, weil sie nicht mehr versicherungspflichtig sind.
  • Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH, soweit sie nicht maßgeblich beteiligt und damit sozialversicherungspflichtig sind.
  • Pflichtversicherte Landwirte
  • Sonstige pflichtversicherte Personen, wie zum Beispiel Pfleger, Lehrer, Erzieher, wenn sie keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen.
  • Personen mit Beamtenbezügen oder diesen Bezügen gleichgestellten Einkünften
  • Ehepartner des genannten Personenkreises, wenn sie nicht selbst zum begünstigten Kreis gehören und einen eigenen "Riester-Vertrag" abgeschlossen haben. Lebenspartner aus eingetragenen Lebenspartnerschaften werden aber nicht gefördert.

    Nicht zum begünstigten Personenkreis zählen unter anderem Arbeitnehmer und Selbstständige, die in berufsständischen Versorgungswerken pflichtversichert sind, sofern sie von der Versicherungspflicht in der GRV befreit wurden. Freiwillig Versicherte, soweit das in den Versorgungswerken möglich ist, sind nicht "Riester-gefördert".

    Nicht im Sinne der "Riester-Rente" begünstigte Personenkreise brauchen nicht völlig auf eine staatliche geförderte Altersvorsorge zu verzichten. Sie können sich mittels "Rürup-Rente" eine geförderte Altersvorsorge aufbauen. Als Arbeitnehmer steht ihnen auch die betriebliche Altersversorgung zur Verfügung.

    Förderweg

    Bei der "Riester-Förderung" profitieren alle begünstigten Personenkreise. Denn es handelt sich um eine zusätzliche Steuer-Sparmöglichkeit. Die Finanzämter prüfen von Amts wegen, ob der Sonderausgabenabzug (§ 10a EStG) oder die Zulagen für den Steuerpflichtigen günstiger sind, und legen sie der Steuerförderung zu Grunde.

    Die Altersvorsorgezulage setzt sich aus der Grund- und der Kinderzulage zusammen (§§ 83 ff EStG). Die Zulagenhöhe wurde durch das Alterseinkünftegesetz nicht verändert.

    Zulagenhöhe
     Grundzulage jährlichKinderzulage
    jährlich pro Kind
    Mindest-
    eigenbeitrag
    2002 bis 200338 Euro46 Euro1 Prozent
    2004 bis 200576 Euro92 Euro2 Prozent
    2006 bis 2007114 Euro138 Euro3 Prozent
    ab 2008154 Euro185 Euro4 Prozent

    Voraussetzung für die volle Zulage ist, dass der Kunde einen prozentualen Mindesteigenbeitrag aus seinem sozialversicherungspflichtigen Einkommen (bei Beamten: die bezogene Besoldung oder die Amtsbezüge, § 86 Absatz 1 Satz 2 Nummer 2 EStG) investiert. Dieser ist auf einen Sockelbetrag von einheitlich 60 Euro jährlich (ab 2005) nach unten begrenzt. Das heißt: Bei einem sozialversicherungspflichtigen Entgelt von unter 3.000 Euro in 2005 müssen mindestens 60 Euro jährlich als Eigenbeitrag aufgewendet werden, um die volle Zulage zu erhalten.

    Der mittelbar begünstigte Ehepartner braucht von Gesetzes wegen für seinen eigenen Altersvorsorgevertrag keinen Mindesteigenbeitrag zu leisten, wenn der unmittelbar berechtigte Partner seinen Mindesteigenbeitrag entrichtet.

    Beachten Sie: Manche Anbieter verlangen auch bei einem mittelbaren Altersvorsorgevertrag einen Mindestbeitrag.

    Besteuerung der Leistungen

    Die Leistungen aus dem Altersvorsorgevertrag sind voll zu versteuern, soweit sie auf geförderten Beiträgen oder gefördertem Kapital beruhen (§ 22 Nummer 5 EStG). Das gilt für eine Rentenversicherung genauso wie für einen geförderten Fondssparplan oder für eine förderunschädliche Teilauszahlung.

    Zahlt der Kunde mehr als die geförderten Beiträge in einen "Riester-Vertrag" (Überzahlungen) oder verliert er für einen Teil des Zahlungszeitraums die steuerliche Förderung wegen Wegfalls der Fördervoraussetzungen, richtet sich die Besteuerung der Leistungen für den jeweils steuerlich nicht geförderten Teil nach den allgemeinen Besteuerungsregeln: Im Falle einer Rentenversicherung nach dem "Riester-Format" bedeutet das zum Beispiel für den Fall einer förderschädlichen Verwendung (Überzahlung, Zahlung an eine nicht förderberechtigte Person oder Kapitalauszahlung über 30 Prozent):

  • Rentenleistungen unterliegen der Ertragsanteilsbesteuerung.
  • Kapitalleistungen sind unter den bisherigen Voraussetzungen steuerfrei, wenn der "Riester-Vertrag" bis zum 31. Dezember 2004 geschlossen worden war.
  • Erträge aus förderschädlichen Kapitalleistungen sind zur Hälfte steuerfrei, wenn der "Riester-Vertrag" ab dem Jahr 2005 geschlossen wurde, die Auszahlung ab dem vollendeten 60. Lebensjahr des Begünstigten beginnt und der Vertrag mindestens 12 Jahre bestand.
    Welche Empfehlung für die Kunden?

    Eine Empfehlung für oder wider "Riester-Rente" darf sich nicht allein an der steuerlichen Förderung orientieren, sondern muss auch die Ziele und Wünsche des Kunden berücksichtigen. Auf Grund Ihrer umfassenden Beratungspflicht dürfen Sie "Riester" bei der Beratung nicht außen vor lassen.

    Quelle: Ausgabe 09 / 2005 | Seite 17 | ID 98612