logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.01.2005 | Praxis in der Vermögenschadenhaftpflicht

20 Schadensfälle und was Sie als Makler daraus lernen können

von Ralf W. Barth, Schwaigern-Niederhofen

Immer wieder kommt es in der Praxis vor, dass Kunden ihren Versicherungsmakler in Regress nehmen, wenn sie keine Leistungen aus der vom Makler vermittelten Versicherung erhalten.

Im folgenden Beitrag erläutern wir Ihnen anhand 20 ausgewählter Schadensfälle, die Makler in der Vergangenheit ihrer Vermögenschadenhaftpflicht (VSH) gemeldet haben, wie Sie solche Streitfälle vermeiden können.

Schadensursachen

Zunächst aber sollten Sie wissen, wo für Sie als Versicherungsmakler Fallstricke liegen.

1. Selbst verursachte Schäden

Die meisten Schadensfälle verursacht der Makler selbst. Typische Schadensfälle sind: Der Makler hat

  • die Kundensituation nicht oder falsch analysiert;
  • nicht sorgfältig dokumentiert oder keine entsprechenden Beratungsprotokolle erstellt;
  • unzureichenden Deckungsschutz besorgt;
  • vergessen, Risiken einzudecken;
  • Kundenunterlagen verloren oder zu spät zurückgesendet;
  • die Zeit überschritten, ohne den Auftrag ausgeführt zu haben;
  • bei Risikohinweisen/negativen Informationen nicht (ausführlich) informiert;
  • wettbewerbsrechtliche Risiken verkannt (Provisionsabgabe, Werbe-Aussagen, Briefpapier oder Impressum etc.);
  • Fallstricke in der oft breit gefächerten Produktpalette übersehen;
  • für Schlüsselpersonen keinen Vertreter bestimmt ("Schlüsselpersonenrisiko");
  • einen Außen- oder Innendienst, der zum Beispiel Falschangaben macht (Mitarbeiter- und Vertriebsrisiken);
  • keine einwandfreie Kontrolle und keine systematische Bearbeitung der sich stets verändernden Risiken im eigenen Bestand ("Allmählichkeitsrisiken").
    2. Mithaftungsschäden

    Daneben gibt es zahlreiche Schäden, für die Makler (mit-)haften, ohne dass sie selbst "etwas dafür können". Sie haften auch für Schäden, die in der Sphäre Dritter angelegt wurden. Zum Beispiel:

  • Produkt- und Produktgeberrisiken
  • Fertigstellungsrisiko, Risiko der Schlecht-/Mangellieferung
  • Risiko unversicherter/nicht versicherbarer Schäden
  • Finanzierungsrisiken: Zinsänderungsrisiko für Finanzierung oder Wechselkurs-/Währungsrisiko
  • Kapitalanlagerisiko: mangelnde Fungibilität/kein funktionierender Zweitmarkt bei geschlossenen Fonds; bei Schiffsfonds: Nachschusspflicht der Beteiligten, Wegfall oder Reduktion von Charterraten während der Festcharterperiode, Charterraten-Ausfall nach Ablauf der Festcharterperiode oder überschätzter Marktwert des Schiffes bei Veräußerung
  • Änderung rechtlicher/steuerlicher Rahmenbedingungen
  • Schadensfälle aus der Praxis
  • Viele Fehler und Versäumnisse Lesen Sie nun anhand von 20 Schadensfällen aus der Praxis, wie Sie Ihr Haftungsrisiko als Makler verringern.
    Praxisfälle
    FallPraxistipps
    Keine Leistung aus Berufsunfähigkeitszusatzversicherung: Im Schadensfall will der Versicherer aus einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung nicht zahlen, er verweist den Kunden auf anderweitige Ersatztätigkeit. Der Kunde fühlt sich schlecht beraten und verlangt vom Makler seinen Schaden ersetzt.
  • Kundenwünsche dokumentieren
  • Auf Tarife und Beschränkungen detailliert hinweisen, protokollieren und sich vom Kunden gegenzeichnen lassen
    Überhöhte Prämie bei Feuerversicherung für "Abbruchhaus": Der Makler gibt an, er habe sich auf Kundenangaben bei der Feuerversicherung verlassen und daher die Prämien entsprechend kalkuliert. Kunde findet die Prämien zu hoch und verlangt Schaden ersetzt.
  • Genaue Definition der Pflichten im Maklervertrag
  • Kundenangaben zum Versicherungsobjekt im Beratungsprotokoll dokumentieren und gegenzeichnen lassen
    Einbruch-Diebstahl bei Juwelier nicht versichert:Ausschluss von Einbruchdiebstahl erfolgte auf ausdrücklichen Kundenwunsch. Der Kunde gibt an, nicht eindringlich genug gewarnt worden zu sein und verlangt Einbruch-Schaden vom Makler ersetzt.
  • Schriftliches Protokoll mit Darstellung des Einbruch-Risikos und der Prämienunterschiede mit/ohne Versicherungsschutz
    Einbruch-Diebstahl in Unternehmen nicht versichert: Es war stets ein größerer Vorrat an Briefmarken im Direktwerbungsunternehmen gelagert, was der Makler wusste. Der Makler unterließ es, darauf hinzuweisen, dass der Versicherungsschutz für Briefmarken nur bei Aufbewahrung in einem Tresor bestünde.
  • Ausführliche Risikoermittlung
  • Zur Sicherheit Informationen mit den Sachbearbeitern der Versicherer durchsprechen
  • Kunden Protokoll zustellen und unterzeichnen lassen
    Keine Leistung bei einer Architektenhaftpflicht: Der Versicherungsschutz wird einem Architekten versagt. Der Versicherer beruft sich auf das Untätigbleiben des Maklers, weswegen er sich zu einer Versagung des Versicherungsschutzes auf Grund vorsätzlicher Obliegenheitsverletzungen berechtigt sieht. Der Architekt nimmt den Makler in Regress.
  • Bei Schadensabwicklung Versicherungsschutz genau prüfen und - wenn nötig - in Diskussion mit Versicherer treten
  • Kunden unterstützen, Ziel: bestmögliche Schadenregulierung
    "Wiederherstellung von Akten und Plänen" bei Feuerversicherung nicht versichert: Innerhalb der Feuerversicherung ist die "Wiederherstellung von Akten und Plänen" nicht berücksichtigt. Im Schadensfall betrug die Wiederherstellung 2 Mio. Euro. Diese Summe soll der Makler erstatten.
  • Vertragswerk jährlich prüfen
  • Kunden auf mögliche "Mehrversicherungen" ansprechen
  • Abschließendes Protokoll, warum etwas angepasst wurde
    Unterversicherung bei Feuerversicherung: Die Fehlinterpretation eines Inventarverzeichnisses führte zu einer Unterversicherung bei der Feuerversicherung im Schadensfall.
  • Hartnäckig prüfen, was sich im Laufe des Jahres verändert hat
  • Protokollieren
    Keine Elektronik- und Reisegepäckversicherung: Eine Elektronik- und Reisegepäckversicherung wurde nur für Deutschland, nicht für Polen abgeschlossen. Der Laptop eines Kunden wurde in Polen gestohlen. Der Kunde verlangt Schadenersatz.
  • Beratung sauber protokollieren
  • Hinweise vom Kunden gegenzeichnen lassen
    Nicht versicherte Wahlleistungen bei PKV: Ein Mitarbeiter des Maklers macht infolge des Verwechselns von Kundenunterlagen falsche Angaben, welche Arzt- bzw. Krankenhausleistungen der Kunde bei der PKV in Anspruch nehmen kann. Der Kunde verlangt nicht versicherte Wahlleistungen ersetzt.
  • Mitarbeiter anweisen, Kundennamen sorgfältig zu hinterfragen und Informationen möglichst schriftlich zu liefern
  • VSH auf Personal ausdehnen
    Keine Umdeckung: Der Makler wird vom Kunden beauftragt, wegen zu hoher Prämien bestehenden Vertrag umzudecken. Der Makler verpasst die Kündigungsfrist. Der Kunde verlangt die Prämiendifferenz.
  • Für EDV-gestützte Wiedervorlage sorgen
    Verfrühte Kündigung einer Berufshaftpflicht: Gynäkologe beauftragte Makler, Umdeckung seiner Berufshaftpflichtversicherung vorzunehmen. Kündigungsschreiben des Kunden sollte erst bei Umdeckung abgesendet werden. Aus Versehen wurde es früher abgesendet, der Gynäkologe hatte keinen Versicherungsschutz, als es zu einem Schadensfall kam. Für den Schaden macht der Gynäkologe den Makler haftbar.
  • Arbeitsabläufe Schritt für Schritt eindeutig definieren
  • Vorgaben für Vertragskündigungen festlegen (keine Kündigung ohne Deckungszusage des neuen Versicherers)
  • Personal anweisen, Vorgaben einzuhalten
    Keine Eindeckung einer Versicherung:Genossenschaft beauftragte den Makler, für Versicherungsschutz des Getreides auf dem Halm gegen Feuer zu sorgen. Die zuständige Mitarbeiterin fällt überraschend aus. Folge: Keine Eindeckung. Der Makler soll Schadenersatz zahlen, weil Ernte verbrannt ist.
  • Vertretung der Mitarbeiter genau definieren
  • Vorgaben für Ausfälle von Schlüsselpersonen erstellen
    Keine Haftung für Altprodukte in Industrie-Haftpflicht: Der Vorversicherer hatte dem Kunden eine Industrie-Haftpflicht gekündigt. Der Kunde beauftragte den Makler mit der Neu-Eindeckung. Hierbei übersah der Makler, dass beim neuen Vertrag die Haftung für Altprodukte ausgeschlossen war. Der Kunde verlangt in einem "Altproduktfall" Schadenersatz.
  • Prüfen, ob Tarife der Anschlussdeckung "nahtlosen Versicherungsschutz" gewähren
    Kein Vollkasko:Bei "Ferrari F 40" wurde vergessen, Vollkasko zu beantragen. Obgleich lediglich Haftpflicht- und Teilkaskoversicherung in der Police auftauchten, fiel der Fehler niemandem auf - bis das Auto einen Unfall erlitt.
  • Sorgfältig aufnehmen, was zu versichern ist
  • Prüfen, ob Inhalt der Police gewünschten Versicherungsumfang entspricht
    Kein sofortiger Versicherungsschutz für Maschinenversicherung: Der Kunde wünschte sofortigen Versicherungsschutz für einen Bagger, mit dem er seit drei Wochen arbeitete. Der Makler konnte das Risiko am selben Tag nicht eindecken. Er interpretierte aber den Kunden dahin, dass eine zügige Eindeckung genüge. Jedoch unterließ er es, den Kunden darüber zu informieren. Am nächsten Tag war der Bagger zerstört. Der Kunde verlangt den Schaden ersetzt.
  • Über verzögerte Eindeckungen oder fehlgeschlagene Eindeckungsversuche unverzüglich Kunden informieren
    Anzeigepflicht in der Krankenvollversicherung verletzt: Der Kunde beantragte beim Makler eine Krankenvollversicherung. Er verletzte beim Beratungsgespräch und bei Antragsausfüllung seine Anzeigepflicht. Weil der Krankenversicherer nicht zahlt, nimmt der Kunde den Makler in Anspruch.
  • Kunden Gesundheitsdaten persönlich ausfüllen lassen
  • Protokoll, das auf Wichtigkeit der angegebenen Gesundheitsdaten hinweist
  • Kunden bestätigen lassen, dass er diese korrekt angegeben hat
    Tagegeld in Krankenvollversicherung nicht versichert: In einer Krankenvollversicherung wurde das Tagegeld nicht versichert. Auch die Vorversicherung beinhaltete kein Tagegeld. Der Kunde äußerte im Beratungsgespräch nicht den Wunsch nach der Zusatzleistung. Der Kunde nimmt den Makler in Anspruch, weil er kein Tagegeld bekam.
  • Mit Kunden Umfang der gewünschten Versicherung detailliert klären,
  • Bei Ersetzung einer Vorversicherung Zusatzleistungen anbieten und Ablehnung dokumentieren
    Einverständniserklärung zum Lastschriftverfahren in Geschäftsinhaltsversicherung fehlt: Der Kunde bat um die Eindeckung einer Geschäftsinhaltsversicherung. Unmittelbar nach der Policenausstellung trat ein Leitungswasserschaden auf. Der Versicherungsbeitrag war nicht beglichen worden. Der Makler hatte die Einverständniserklärung des Kunden zum Lastschriftverfahren bei der Antragsstellung nicht beigefügt.
  • Sorgfältig alle Unterlagen auf Vollständigkeit prüfen
    Vorzeitige Kündigung einer bestehenden PKV: Ein Makler kündigt vorzeitig eine bestehende PKV, ohne dass die Deckungszusage einer anderen Versicherung vorliegt. Der Kunde ist ohne Versicherungsschutz, weil er auf Grund der Vorerkrankungen nirgends versicherbar ist.
  • Systematisch Gesundheitszustand hinterfragen
  • Altvertrag erst nach Deckungszusage kündigen
    Keine Verlängerung der Risiko-LV: Die Ehefrau des Kunden bat angeblich beim Vermittler um Verlängerung der Risiko-Lebensversicherung. Der Kunde verstarb dann. Seine Ehefrau konnte auf Grund der abgelaufenen Risiko-LV keine Leistung beziehen. Es gab laut Angaben des Maklers weder vor noch nach dem Ablauf der Versicherung eine Meldung über den Wunsch der Fortführung des Vertrags.
  • Schriftlich Telefongespräche festhalten, vor allem bei wichtigen vertragsrelevanten Inhalten wie Verlängerungen, Erweiterungen oder Reduzierungen

    Fazit: Auch scheinbar einfache Geschäfte haben es oft in sich. Kleine Fehler oder Nachlässigkeiten können gravierende Folgen haben und den Makler teuer zu stehen kommen. Mit den genannten Praxistipps und einer VSH können Sie aber vorbeugen.

    Quelle: Ausgabe 01 / 2005 | Seite 5 | ID 98490