logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.11.2005 | Berufsunfähigkeitsabsicherung

Bedarf häufig (v)erkannt

von Erich Holzner, Produktmanagement-Privatkunden, Swiss Life, München

Das Bewusstsein für eine gute Absicherung bei einer Erwerbsminderung durch gesundheitsbedingte Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit steigt, ist aber insgesamt immer noch unzureichend ausgeprägt. Zwei Gesichtspunkte erzwingen einen verstärkten Focus auf die finanzielle Vorsorge bei Erwerbsminderung (im Folgenden Berufsunfähigkeits-Versicherung [BUV]).

Erstens fordert es der Kunde, dass Sie sich diesem Thema zuwenden. Schließlich will er seinen Bedarf ausreichend decken. Zweitens lässt sich ein Ansprechen der BUV im Beratungsgespräch aus rechtlicher Sicht nicht mehr vermeiden. Denn die EU-Vermittlerrichtlinie fordert eine Beratungsdokumentation.

Im Folgenden vermitteln wir Ihnen einen Überblick über die am Markt anzutreffenden Vorsorgemöglichkeiten und sagen Ihnen, worauf Sie in der Beratung achten sollten.

Welchen Sinn hat die Absicherung?

Sinn und Zweck der Absicherung des Berufsunfähigkeitsrisikos ist es, einen adäquaten finanziellen Ausgleich für die gesundheitsbedingte Einkommensminderung sicherzustellen.

Eine Überversorgung - das heißt eine höhere Rente als das für einen angemessenen Lebensstandard erforderliche, durch Arbeit erzielte Einkommen - liegt weder im Interesse eines verständigen Kunden noch lassen es die Versicherer zu. Eine Überversorgung erhöht subjektiv das Risiko, dass der Versicherte Gesundheitsbeeinträchtigungen stärker empfindet oder sogar vortäuscht.

Um dies zu vermeiden, prüfen die Gesellschaften die wirtschaftliche Angemessenheit der vorhandenen und beantragten Renten bei Berufsunfähigkeit. Von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich werden dabei vom bisherigen Netto- bzw. Brutto-Arbeitseinkommen abhängige prozentuale Rentenhöhen versichert. Aus Sicht eines vernünftigen, rational handelnden Kunden stellt eine zu hohe Absicherung Geldverschwendung dar.

Sicherungsvarianten für Berufsunfähigkeit

Der Privatvorsorgemarkt bietet heute eine Reihe verschiedener Absicherungsmöglichkeiten, auch in Sonderformen. Auf der nächsten Seite finden Sie diese aufgelistet:

Sechs Absicherungsmöglichkeiten
  • Klassische Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ)
  • Beitragsbefreiung für die Alters- und Hinterbliebenenvorsorge und (gegebenenfalls)
  • eine Barrente
  • Selbstständige Berufsunfähigkeitsrente (SBU)
  • Gezahlt wird im Leistungsfall eine Rente. Lebensunterhalt und Altersvorsorge sind daraus zu bestreiten.
  • Keine Koppelung an die Alters- und Hinterbliebenenversorgung
  • Erwerbsunfähigkeitsrente (EU)
  • Eine Rente wird nur geleistet, wenn nahezu überhaupt kein Arbeitseinkommen mehr erzielt werden kann.
  • Angeboten als Zusatz- oder eigenständige Versicherung
  • Dread Disease Versicherung
  • In der Regel Kapitalleistung bei Eintritt definierter Krankheiten
  • Die Leistung dient zur Anpassung der Lebensumstände an die körperlichen Beeinträchtigungen (zum Beispiel Rollstuhl, Treppenaufzug etc.) und zum Ausgleich für mögliche Einkommenseinschränkungen.
  • Neuerdings leistet ein Anbieter (Swisslife) statt Kapital bei Eintritt einiger Krankheiten eine Rente.
  • Grundfähigkeitsabsicherung
  • Bei Verlust definierter Grundfähigkeiten (zum Beispiel Sehen, Gehen, Hören etc.) wird ein Kapital (von einem Anbieter, nämlich Swisslife eine Rente) gezahlt.
  • Pflegerente(als Bestandteil der BUZ oder EUZ)
  • Bei Eintritt eines vereinbarten Pflege-Umfangs (Pflegestufen) wird eine Rente gezahlt.
    Bedarf und Notwendigkeit für private Absicherung

    Seit 2001 ersetzt eine zweistufige Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Sozialversicherung die bis dahin bekannte finanzielle Absicherung bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit.

  • Volle Erwerbsminderungsrente: Die volle Erwerbsminderungsrente erhält ein Versicherter erst, wenn er am allgemeinen Arbeitsmarkt nur noch weniger als drei Stunden arbeiten kann.
  • Halbe Erwerbsminderungsrente:Beträgt sein Leistungsvermögen drei bis sechs Stunden, erhält er die halbe Erwerbsminderungsrente.

    Die Wahrung einer bisher erreichten Lebensstellung, wie sie noch bei der "alten" Berufsunfähigkeitsrente in gewissem Maß berücksichtigt wurde, ist weggefallen. Der jüngst erschienene Rentenbericht der Bundesregierung vermittelt einen Eindruck von der Notwendigkeit einer zusätzlichen privaten Erwerbsminderungsvorsorge.

  • Im Rentenbestand zum 1. Juli 2004 betrug die durchschnittliche Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung gerade 725,23 Euro monatlich. Frauen erhalten eine zirka 20 Prozent geringere Rente. Nur 17 Prozent erhalten eine Rente über 1.000 Euro monatlich.
  • Betrachtet man der Einfachheit halber nur die Rentenversicherung der Arbeiter und Angestellten zusammen, so erhalten knapp 1,7 Mio. Personen eine Erwerbsminderungsrente.
  • Mehr als 90 Prozent aller Erwerbsminderungsrenten sind volle Erwerbsminderungsrenten und weniger als zehn Prozent somit Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung.
  • Die gesetzliche Rentenversicherung liefert ihren Mitgliedern nur bedingt eine Grundversorgung bei krankheitsbedingter Erwerbsminderung. Selbstständige sind hier nur rudimentär vertreten.
    Auf was muss man als Berater achten?

    Sie sollten folgende Punkte beachten, wenn Sie Ihre Kunden hinsichtlich deren Absicherungsmöglichkeiten beraten:

    Absicherung
  • Eine Absicherung der Berufsunfähigkeit sollte angestrebt werden, weil nur dort die erreichte Lebensstellung berücksichtigt wird.
  • Eine Erwerbsunfähigkeitsabsicherung bietet sich an, wenn
  • wegen der individuellen Risiko-Umstände, zum Beispiel wegen der Gesundheitsverhältnisse oder der ausgeübten Tätigkeit (Ballettlehrer, Barmixer etc.) eine BU-Absicherung nicht erreichbar ist,
  • der Kunde aus eigener Einstellung nur die Erwerbsunfähigkeit glaubt zu brauchen oder
  • die Höhe der Absicherung wichtiger ist als eine höhere Qualität - weil sie in der Regel zu einem niedrigeren Beitrag als die BU(Z) erworben werden kann.
  • Bei Dread Disease- oder einer Grundfähigkeitsabsicherung steht überwiegend eine Kapitalleistung im Blickpunkt. Eine Erwerbsminderung muss gar nicht eingetreten sein. Eine Rentenleistung empfiehlt sich zum Beispiel dann, wenn der Versicherte auf Grund der gesundheitlichen Schädigungen es vorzieht, beruflich kürzer zu treten und zu Gunsten einer höheren Lebensqualität oder gar Lebensverlängerung Einkommensminderungen akzeptiert.

    Eine philosophische Frage ist die Wahl zwischen BUZ und einer SBU. Die Absicherungsqualität bezüglich der Erwerbsminderung ist im Prinzip identisch. Es gibt aber Unterschiede:

  • SBU:Die SBU ist in der Regel etwas teurer als die BUZ. Meist enthält sie keinen Verzicht auf die Beitragsanpassungsmöglichkeit (§ 172 Versicherungsvertragsgesetz [VVG]). Beiträge zur Altersvorsorge müssen aus der Rente bestritten werden. Sie eignet sich für Personen, die die Altersversorgung nicht über Lebensversicherungen, sondern andere "rentablere" Kapitalanlagen bewältigen wollen.
  • BUZ:Bei der Zusatzversicherungsvariante ist automatisch neben der Bar-Rente eine Befreiung für die so genannte Hauptversicherung mitversichert. Bei sehr guten Produkten ist sogar die garantierte Dynamik des Altersvorsorgebeitrags bei Berufsunfähigkeit mitversichert. Nachteil: Die Hauptversicherung kann bei der Zusatzversicherung nicht einfach herausgekündigt oder massiv heruntergesetzt werden, zum Beispiel wenn man in Zahlungsschwierigkeiten gerät und die Erwerbsminderungsabsicherung auf jeden Fall aufrechterhalten möchte.
    Bedingungen

    Innerhalb eines Produkts spielt die Bedingungsqualität eine entscheidende Rolle. Die Bedingungen des ausgewählten Unternehmens sollten mit der Höchstnote geratet sein (zum Beispiel fünf Sterne bei Morgen & Morgen, FFF bei Franke & Bornberg). Wichtig ist bei der BU-/EU-Definition, dass die Dauerhaftigkeit der gesundheitlichen Beeinträchtigung auf sechs Monate begrenzt ist. Für den Kunden natürlich am besten und rechtssichersten sind möglichst wenig Ausschlüsse. Weltweite Geltung, Verzicht auf Arztanordnungsbestimmungen und Verzicht auf die Anwendung von § 41 VVG (Recht zur Beitragsanpassung bzw. zum Rücktritt vom Vertrag wegen nicht schuldhafter Anzeigepflichtverletzung) gehören zum Standard der höchstbewerteten Bedingungen wie der Verzicht des Versicherers auf die Beitragsanpassung gemäß Â§ 172 VVG.

    Die Bedingungsnote allein sagt noch nichts aus. Man kann sie abschreiben. Der Anbieter sollte über Erfahrung und Kompetenz mit dieser Absicherung verfügen. Branchenreports wie map-Report oder Morgen & Morgen liefern Zusatz-Informationen zu einem Großteil des Markts. Nicht beeindrucken oder verführen lassen sollten Sie sich von einer stark vereinfachten oder - polemischer formuliert - laschen Risikoprüfung des Versicherers. Was heute bequem und großzügig erscheint, schlägt langfristig auf die Leistungsfähigkeit und Überschussbeteiligung des Versicherers durch.

    Unser Tipp:Sprechen Sie die Berufsunfähigkeitsabsicherung auf jeden Fall beim Kunden an. Will der Kunde keine Beratung, protokollieren Sie dies. Bauen Sie sich zur Berufsunfähigkeitsabsicherung eine eigene Kompetenz auf. Ziehen Sie mehrere Ratings, Vergleiche und Publikationen in ihre Versichererauswahl ein. Bei Versicherern, die sich bei den meisten Ratings und Vergleichen in den obersten Rängen finden, können Sie kaum etwas falsch machen.

    Quelle: Ausgabe 11 / 2005 | Seite 14 | ID 98644