· Fachbeitrag · Abrechnungsorganisation
DMP in der Hausarztpraxis: Einschreibung und Erstdokumentation
von Jacqueline Bauer, Praxisberatung und Marketing, AAC Praxisberatung AG, Berlin, www.aac-ag.de
| Für zahlreiche chronische Erkrankungen gibt es inzwischen sogenannte Disease-Management-Programme (DMP). Obwohl DMP insbesondere bei Hausärzten zum alltäglichen Versorgungsangebot, gehören, tauchen im Praxisalltag immer wieder Fragen zu Ablauf, Organisation und Abrechnung auf. Worauf Sie als MFA bei Einschreibung und Erstdokumentation achten sollten, fasst PPA zusammen. |
Welche Patienten kommen für ein DMP infrage?
Potenzielle Teilnehmer an einem DMP sind alle Patienten, die an einem der betreffenden Krankheitsbilder leiden.
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Für Neupatienten können Sie anhand eines Anamnesebogens feststellen, ob sie für die Teilnahme an einem DMP infrage kommen. Hier können Sie explizit die Frage nach bekannten Erkrankungen, Vorerkrankungen oder auch familiär bedingten Erkrankungen stellen. Die endgültige und gesicherte Diagnose stellt der Arzt. Patienten, die die Praxis nur vertretungsweise aufsuchen, sollten Sie außen vor lassen.
Wie finde ich die passenden Patienten?
Mithilfe der Praxisverwaltungssysteme (PVS) können Sie über die Such- oder Statistikfunktion die Bestandspatienten Ihrer Praxis gut herausfiltern, die für eine DMP-Einschreibung infrage kommen.
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Zeitraum der letzten Behandlung | z. B. die letzten vier Quartale |
Zeitraum für Termin | z. B. das laufende Quartal |
Diagnose | z. B. Diabetes mellitus Typ 2 (ICD E11.0 - E11.9), ggf. auch weitere Patienten aus Risikogruppen wie Adipositas (E66.*) |
Da Patienten bereits in das entsprechende DMP eingeschrieben sein können, ist eine zusätzliche Filterung erforderlich: Fragen Sie hier den Einschreibestatus ab bzw., ob im betreffenden Zeitraum DMP-Ziffern abgerechnet wurden.
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Einschreibestatus | nicht ins DMP eingeschrieben |
Abgerechnete Ziffern | keine Abrechnung von DMP-Ziffern in den letzten vier Quartalen |
Außerdem ist die Angabe der Versicherung notwendig, da nicht alle Kassen am DMP-Programm teilnehmen. Der Patient muss bei einer Versicherung Mitglied sein, die das DMP auch anbietet. Erkundigen Sie sich also im Zweifel bei der örtlichen Niederlassung der betreffenden Krankenkasse - am besten bevor Sie den Patienten ansprechen.
Ergebnis Ihrer Suchabfrage sollte eine Liste von Patienten sein, die im laufenden Quartal einen Termin in der Praxis haben und die eine entsprechende DMP-taugliche Diagnose aufweisen (z. B. zu einer entsprechenden Risikogruppe gehören).
PRAXISHINWEIS | Patienten, die infrage kommen können Sie dann in der Akte farblich oder per Vermerk (z. B. „Ansprache DMP“) markiert. So weiß jede Kollegin am Empfang, dass dieser Patient beim nächsten Besuch auf eine mögliche Einschreibung ins DMP angesprochen werden sollte. |
Wie motiviere ich Patienten zur Teilnahme an einem DMP?
Die entscheidende Frage ist nun, wie Sie Patienten zur Teilnahme motivieren können. Eine große Verantwortung liegt hier bei den Empfangsmitarbeitern. Sie sind die ersten Ansprechpartner in einer Praxis und können die Patienten bereits vor Eintritt in das Sprechzimmer auf das DMP-Angebot aufmerksam machen. Das kann sowohl mündlich als auch mit schriftlichen Informationen wie Broschüren oder Flyern erfolgen. Nutzen Sie hierzu verfügbare Informationen der Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen; siehe weiterführende Hinweise).
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Wie erfolgen Einschreibung und Erstdokumentation?
Die notwendige Erstuntersuchung sowie die damit verbundene Aufklärung und Einschreibung des Patienten erfolgt durch den Arzt. Die Teilnahmeerklärung in dreifacher Ausfertigung ist von Arzt und Patient zu unterschreiben. Das Original muss zumeist innerhalb von 10 Tagen postalisch an die zuständige DMP-Datenstelle gesendet werden (Übersicht der Datenstellen nach KVen online unter http://tinyurl.com/zsuba5d). Eine Kopie behält der Patient und eine verbleibt in der Praxis. Bereits mit der Einschreibung legt der Arzt das Dokumentationsintervall fest. Dies kann quartalsweise oder halbjährlich erfolgen. Danach richtet sich auch die erneute Einbestellung des Patienten.
Die Erstdokumentation wird dann am PC erstellt. Dies kann eine MFA anhand der Dokumentation in der Patientenakte erledigen. Hierzu liegen im PVS standardisierte Formulare bereit. Die Software weist auf mögliche Eingabefehler oder fehlende Angaben hin. Nur vollständige Dokumentationen können an die Datenstelle übermittelt werden. Dies erfolgt ausschließlich auf elektronischem Wege - entweder über eine verschlüsselte E-Mail oder auf gleichem Wege wie die online-KV-Abrechnung. Die Abgabefristen für die Erstdokumentation bei der Datenstelle (52 Tage nach Quartalsende des nächsten bzw. des übernächsten Quartals) variiert von KV zu KV. Erkundigen Sie sich hier bei der KV.
PRAXISHINWEIS | Übermitteln Sie die Dokumentationen regelmäßig gesammelt zu bestimmten Terminen, anstatt jede Dokumentation einzeln zu senden. |
Organisieren Sie Ihr Handeln arbeitsteilig!
Handeln Sie im Rahmen der Betreuung von DMP-Patienten arbeitsteilig. Organisieren Sie die Abläufe und arbeiten Sie mit Checklisten.
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Tätigkeit | Verantwortlich |
Information/Motivation zur Teilnahme | MFA |
Entscheidung über DMP-Fähigkeit | Arzt |
Einschreibung und Festlegung Dokumentationsintervall | Arzt |
Durchführung Untersuchungen | Arzt (Unterstützung MFA) |
Erstdokumentation/Folgedokumentation | MFA (Unterstützung Arzt) |
Wie Sie Recall, Folgedokumentation und Abrechnung von DMP organisieren, lesen Sie in einem Folgebeitrag in PPA.
Weiterführende Hinweise
- Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu DMP finden Sie online unter www.kbv.de/html/dmp.php
- Patienteninformationen zu DMP finden Sie online unter www.patienten-information.de. Geben Sie dafür „DMP“ in das Suchfeld rechts oben in der Navigationsleiste ein.