· Fachbeitrag · Patienteninformationen
Praxistipps: Schlafen, nichts als schlafen
von Ursula Katthöfer, Wissenschaftsjournalistin, www.textwiese.de, Bonn
| Leichte Schlafstörungen lassen sich oft schon durch konsequente Schlafhygiene beheben. Die folgenden Hinweise helfen aber auch Patienten, die wegen Schlafstörungen in ärztlicher Behandlung sind. |
Langsam runterkommen
Die Ruhephase des Körpers beginnt nicht erst mit dem Einschlafen, sondern bereits einige Stunden zuvor. Wer den Tag sachte ausklingen lässt, der schläft tief und gut. Stress und Sport hingegen halten wach.
- Ein festes Einschlafritual gewöhnt den Körper daran, dass er zur Ruhe kommen darf. Möglich ist, bei einem Kräutertee im Lieblingssessel den Tag Revue passieren zu lassen. Oder ein nicht allzu aufregendes Buch zu lesen. Auch der Gutenachtkuss gehört für viele Menschen zum Ritual.
- Ein Spaziergang an der frischen Luft hilft, das tagsüber Erlebte zu verarbeiten und Abstand zu Sorgen und Nöten zu gewinnen.
- Ein Bad entspannt und hilft dem Körper physiologisch. Denn nach dem Baden sinkt die Körpertemperatur spürbar - genau wie beim Einschlafen.
- Das Schlafzimmer sollte ein Ort der Ruhe sein - ohne Lärm. Denn bei Lärm produziert der Körper die Stresshormone Kortisol und Adrenalin. Schallisolierte Fenster und eine ruhige Lage machen viel aus.
Einfach abschalten
Das Schlafzimmer ist kein geeigneter Ort für elektronische Geräte. Es schläft sich besser ohne
- Wecker mit Leuchtziffern. Wer ständig sehen kann, wie lange er schon wach liegt, gerät unter Druck - und kann erst recht nicht schlafen.
- Fernseher: Mördersuche, Verfolgungsjagden und sportliche Wettkämpfe regen auf statt zu beruhigen. Schlafmediziner empfehlen dringend, auf den Fernseher im Schlafzimmer zu verzichten - auch wenn manche Menschen gern davor einschlafen. Dieser Schlaf ist nicht tief, sondern oberflächlich.
- Telefon. Wer vom Bett aus lebhaft telefoniert, gewöhnt Geist und Körper daran, im Bett aktiv zu sein. Das widerspricht dem Ort der Ruhe.
- Computer, Tablet und Handy. Sie erfordern ständige Aufmerksamkeit - auch unterbewusst.
Trugschlüsse und Irrtümer
Die besten Tipps zum Einschlafen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Doch manches hilft nicht wirklich.
- Der „Schlaftrunk“ ist kein gutes Mittel. Denn der Körper muss schwer arbeiten, um den Alkohol abzubauen. Beruhigender ist heiße Milch mit Honig.
- Auch ein spätes Abendessen fördert den Schlaf keineswegs.
- Das Nachtlicht mag auf den ersten Blick beruhigen. Doch Licht verhindert die Produktion des Schlafhormons Melantonin.
Quelle: Ausgabe 10 / 2014 | Seite 10 | ID 42926787