· Fachbeitrag · Fortbildung
Weiterbildung zur Diabetesassistentin
von Petra Meisel, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg
| In Deutschland zählt Diabetes Mellitus seit Jahren zu den häufigsten Volkskrankheiten. Laut dem „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2011“ sind in Deutschland 12 Prozent der 20- bis 79-Jährigen davon betroffen, also insgesamt 7,5 Mio. Menschen. Entsprechend hoch ist der Bedarf an qualifizierter Versorgung von Patienten mit Diabetes Mellitus. Das kann schon aus Kapazitätsgründen nicht allein Arztsache sein. Hier können MFA sich entsprechend weiterbilden und die Ärzte einer Praxis unterstützen. |
Ärzte bei der Betreuung unterstützen
Mit Diabetes lässt es sich - bei gebotener Vor- und Umsicht - grundsätzlich gut leben. Damit der Umgang mit der Krankheit nicht nur Leben erhält, sondern auch Lebensqualität bewahrt, sind auf das individuelle Krankheitsbild zugeschnittene Patientenschulungen erforderlich. An dieser Stelle haben MFA die Möglichkeit, den Ärzten fachkundig unter die Arme zu greifen. Mithilfe der Weiterbildung zur Diabetesassistentin können sie sich innerhalb der Praxis einen eigenständig ausgerichteten Arbeitsbereich schaffen.
Curriculum der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
Eine Möglichkeit der Weiterbildung bietet das berufsbegleitende Curriculum, das von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) anerkannt ist und von verschiedenen Weiterbildungsstätten bundesweit angeboten wird. Die genauen Adressen finden Sie unter www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/weiterbildung/diabetesassistentin-ddg/weiterbildungsstaetten.html
Nach der Weiterbildung sind die Teilnehmerinnen in der Lage, Schulungen für Menschen mit Diabetes Typ 2 mit und ohne Insulintherapie selbstständig zu planen und durchzuführen. Darüber hinaus können sie die Ärzte bei der Betreuung von Patienten mit Diabetes Typ 1 unterstützen. Beide Aufgaben erfüllen sie jeweils unter Anleitung der behandelnden Ärzte.
Theoretische Inhalte und Schulungsstrukturen
In der Weiterbildung werden zum einen theoretische Grundlagenkenntnisse vermittelt, die die Teilnehmer an Patienten mit Typ-2-Diabetes in Schulungen weitergeben. Dabei vermitteln die MFA nicht nur reines Wissen. Vielmehr werden die Kursteilnehmer befähigt, Patienten Notwendigkeit und Bedeutung dieser Informationen klar zu machen. Weiter lernen sie, zusammen mit dem gesamten Behandlungsteam unterschiedliche Unterrichtsprogramme zu entwickeln.
Um die Qualität der Patientenschulungen kontinuierlich zu gewährleisten, sollten die angehenden Diabetesassistentinnen wissen, wie sie ihre Kurse selbstkritisch auswerten können. Dafür bekommen sie Methoden der Evaluation an die Hand, um so gezielt den Unterricht verändern und verbessern zu können. Außerdem zeigen die Kursleiter, wie die MFA Schulungen und Beratungsstunden in den Praxisalltag einpassen können.
Pädagogische und psychologische Ansätze
Diabetespatienten sind keine homogene Gruppe. Es ist ein großer Unterschied, ob MFA Kinder mit entsprechenden Therapien vertraut machen oder etwa Senioren. Darüber hinaus folgt nicht jeder Patient den Behandlungsvorschlägen mit gleicher Konsequenz. Auch die Grundeinstellungen von Patienten sind durch die persönliche Art, aber auch Ausformung ihrer Krankheit verschieden geprägt. Der eine ist mehr belastet, der andere weniger. Das fordert nicht nur Fingerspitzengefühl sondern psychologisches Fachwissen.
Die Kursteilnehmer lernen die psychologischen Bedingungen für Verhaltensänderungen kennen, mit denen sie den Umgang von Patienten mit Diabetes beeinflussen können. In dem Zusammenhang werden sie auch in die Lage versetzt, den individuellen Schulungs- wie Motivationsbedarf des jeweiligen Patienten zu erkennen. Für die Wissensvermittlung als solche werden sie mit pädagogischen Grundkenntnissen vertraut gemacht.
Umfang der Weiterbildung und Zulassungsvoraussetzungen
Die Weiterbildung erfordert zeitliches Engagement. Der Stundenumfang beläuft sich auf 160 Unterrichtsstunden, die in vier Wochenblöcke aufgeteilt sind. Außerdem müssen die Teilnehmer mindestens fünf Tage in einer Einrichtung oder einem Schulungsinstitut mit Patienten vom Typ-2-Diabetes, das von der DDG anerkannt ist, hospitieren. Je nach Fortbildungsstätte liegt die Teilnahmegebühr zwischen 1.100 und 1.450 Euro.
Zur Fortbildung zugelassen werden MFA, die folgende Voraussetzungen erfüllen - die Punkte müssen vom Arzt per Unterschrift bestätigt werden:
- Nachweis einer mindestens einjährigen praktischen Erfahrung in Schulung und Betreuung von Patienten mit Diabetes mellitus.
- Eine durch Bescheinigung nachgewiesene Teilnahme an einem der folgenden Fortbildungsseminare: „Schulungsprogramm für Typ 2 Diabetes ohne Insulin“ und einem Seminar „Schulungsprogramm für Typ 2 Diabetes mit Insulin“ oder alternativ der „MEDIAS 2“ Schulungsprogramme.
- der Nachweis einer Tätigkeit in einem Team mit strukturierter Diabetestherapie und Trainingsprogramm. Diese Tätigkeit darf nicht länger als ein Jahr zurückliegen.
Abschlussprüfung
Die Prüfung spiegelt den Umfang der Wissensvermittlung: Es gibt zwei Wissenstests mit insgesamt 100 Fragen. Dazu kommt eine Hausarbeit, die das Konzept einer Schulung von 45 Minuten Dauer darstellen soll. Außerdem finden eine Lehrprobe und eine mündliche Prüfung mit jeweils 15 Minuten statt.