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· Fachbeitrag · Interview

Praxiserfahrungen einer Diabetesassistentin

von Petra Meisel, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg

| Interview mit Sandra Grossmann, MFA in der hausärztlichen-internistischen Praxis Mingram/Kowalski, Groß-Umstadt, und seit zwei Jahren als Diabetesassistentin tätig. |

 

REDAKTION: Sie haben die Weiterbildung zur Diabetesassistentin am Universitätsklinikum Gießen gemacht. Geschah das berufsbegleitend? Damit ist schließlich ein nicht unerheblicher zeitlicher Aufwand verbunden.

 

Grossmann: Das war ein Kraftakt, den ich wegen unserer Kinder - die damals fünf und drei Jahre alt waren - ohne die Unterstützung meines Mannes und vor allem meiner Schwiegereltern nicht geschafft hätte. Ich war ca. alle drei Wochen für fünf Tage in Gießen und zwar inklusive Übernachtung. Pendeln wäre wegen der Entfernung nicht sinnvoll gewesen. Es war nicht immer leicht, alles unter einen Hut zu bringen: Nicht nur wegen der Kurse, sondern auch wegen der Hausarbeit, dem Lernen, den Prüfungen und - nicht zu vergessen - der Arbeit in der Praxis.

 

Redaktion: Was hat Sie veranlasst, die Fortbildung in Angriff zu nehmen?

Grossmann: Die Weiterbildung wurde spruchreif, als neben dem ursprünglichen Praxisinhaber noch ein zweiter Arzt, ein Diabetologe, dazukam. Eine diabetologische Schwerpunktpraxis benötigt selbstredend eine Diabetesassistentin, und die gab es noch nicht. Unabhängig davon hatte ich schon während meines Mutterschutzes überlegt, diese Weiterbildung zu machen. Die Praxisveränderung gab den Ausschlag, den Plan in die Tat umzusetzen. Ich wollte den Kurs in einer Klinik an einem näher gelegenen Ort belegen. Der kam aber mangels Teilnehmern nicht zustande. So habe ich die Weiterbildungsmöglichkeit des Klinikums Gießen wahr- und den längeren Anfahrtsweg in Kauf genommen.

 

Redaktion: In welcher Form wurde die Weiterbildung von Ihrem Arbeitgeber unterstützt?

 

Grossmann: Meine Arbeitgeber haben mich für die Schulungen und Hospitationen vom normalen Dienst freigestellt. Das geschah, ohne dass ich hierfür auf Gehalt oder auf Urlaubstage verzichten musste! Was auch sehr hilfreich war: Dr. Kowalski war während der Weiterbildung immer bereit, fachliche Fragen mit mir zu diskutieren.

 

Redaktion: Hatten Sie die Möglichkeit, gelerntes Wissen umgehend in den Berufsalltag umzusetzen?

 

Grossmann: Ja, ich konnte meine neu erworbenen Kenntnisse über Diabetes Mellitus vom ersten Tag an einsetzen. Als diabetologische Schwerpunktpraxis versorgen wir natürlich viele Patienten mit dieser Krankheit. Eine meiner zentralen Aufgaben ist die Patientenschulung. Sie beinhaltet etwa für Patienten mit oraler antidiabetischer Medikation die Themen „Was ist Diabetes“, richtige Ernährung, Fußpflege, Hypoglykämie und Folgeerkrankungen.

 

Redaktion: Hat sich die Zusammenarbeit im Praxisteam dadurch verändert?

 

Grossmann: Ich habe eine Teilzeitstelle, bin also nicht immer ansprechbar, wenn Patienten meinen Rat brauchen. Daher habe ich nach der Weiterbildung einen Teil meines Wissens an meine Kolleginnen vermittelt. Wenn ich außer Haus bin, können sie mich bei Routinetätigkeiten vertreten. Konkret bedeutet das, dass sie Insulinpen-Einweisungen oder Blutzuckermessgerät-Einweisungen ohne meine Hilfe oder Supervision ausführen. Dagegen erfordern Aufgaben wie die Patientenschulungen oder das Einstellen von Insulindosen Spezialwissen. Diese Aufgaben können ausschließlich von mir durchgeführt werden und das meistens auch nur in Rücksprache mit Dr. Kowalski.

 

Redaktion: Haben Sie durch Ihren besonderen Aufgabenbereich den Eindruck, mehr Handlungsspielräume bei Ihrer Arbeit zu haben?

 

Grossmann: Mit Sicherheit. Ich kann meine Schulungen selbstständig planen und einteilen. Das macht mir persönlich viel Freude. Ich führe zum Beispiel im Monat mindestens eine Schulung für Patienten mit oraler antidiabetischer Medikation durch. Das sind immer gleich vier Unterrichtsstunden, die ich selbst konzeptioniere und vermittle.

 

Redaktion: Beschreiben Sie uns kurz Ihren Praxisalltag beziehungsweise inwiefern er sich von dem Ihrer Kolleginnen unterscheidet.

 

Grossmann: So verschieden ist er nicht. Meine Schulungen führe ich in der Regel nachmittags durch. Wurde zum Beispiel eine schwangere Patientin von ihrem Gynäkologen mit erhöhten Blutzuckerwerten zu uns überwiesen, setze ich mich mit der Patientin unmittelbar nach dem Arztgespräch zusammen. Ich frage sie nach ihren Essgewohnheiten und rede mit ihr über gesunde Ernährung. Dazu gehört, dass ich sie aufkläre, welche Lebensmittel den Blutzucker erhöhen, und im Umkehrschluss, welche sie möglichst meiden oder zumindest reduzieren sollte. Bis zum nächsten Termin muss sie dann einen Ernährungsplan führen. Ich kontrolliere anhand der Aufzeichnungen, was sie gegessen hat und vergleiche dazu die ermittelten Blutzuckerwerte. Bewegen diese sich außerhalb des normalen Bereichs, müssen wir die Ernährung umstellen.

 

Redaktion: Inwiefern hat die Weiterbildung Ihre Arbeit in der Praxis bereichert?

 

Grossmann: Für mich persönlich hat sich die Weiterbildung auf jeden Fall gelohnt. Das hat nichts mit mehr Verdienst oder Arbeitsplatzsicherheit zu tun. Ich habe mich dadurch nicht nur fachlich, sondern vor allem persönlich weiterentwickelt. Ich bin viel selbstsicherer geworden und kann mich jetzt problemlos vor einer Gruppe von Menschen präsentieren.

Quelle: Ausgabe 05 / 2012 | Seite 9 | ID 32532830