· Fachbeitrag · Zeitmanagement
Eins nach dem anderen: Mono- statt Multitasking!
von Rolf Leicher, Kommunikationstraining, Heidelberg
| Multitasking: Für viele MFA ist es eine ganz normale Situation, mit einem Patienten zu telefonieren und nebenbei eine E-Mail zu lesen oder ein Gespräch mit einer Kollegin über anfallende Arbeiten zu führen und nebenbei die Post zu sortieren. Wachsende Anforderungen an die individuelle Arbeitsleistung und immer schnellere Kommunikationsmittel wie E-Mail und SMS führen bei vielen zu dem Zwang, alles gleichzeitig tun zu müssen. Doch wer so arbeitet, macht nicht nur mehr Fehler, sondern schadet auch sich selbst. Die Alternative heißt Monotasking - eins nach dem anderen. |
Multitasking - eine antrainierte Aufmerksamkeitsstörung
Insbesondere jüngere MFA halten es für völlig normal, mehrere Dinge nebeneinander zu tun. Ihr Argument: „Bei hoher Arbeitsbelastung muss ich mehrere Dinge gleichzeitig tun, um das Tempo zu erhöhen und mein Pensum zu schaffen.“ Dabei ist Multitasking beim Menschen biologisch gar nicht möglich: Durch parallele Erledigung zweier Tätigkeiten werden verschiedene Bereiche des Gehirns in so kurzen Abständen immer wieder abwechselnd aktiviert, dass nur der Eindruck der Gleichzeitigkeit entsteht.
Multitasker tun nichts anderes, als sich eine Aufmerksamkeitsstörung anzutrainieren. Denn beim parallelen Erledigen zweier Dinge wird nur das Kurzzeitgedächtnis aktiviert, in dem Informationen schneller „gelöscht werden“ als im Langzeitgedächtnis. In einer Untersuchung der Stanford University (siehe weiterführenden Hinweis) schnitten Multitasker in allen durchgeführten Konzentrationstests schlechter ab als die Vergleichsgruppe. Sie wurden schneller abgelenkt, hatten weniger Kontrolle über ihre Aufmerksamkeit und konnten sich später auch an weniger erinnern.
Fehler, Stress und andere Folgen
Multitasking bietet den Eindruck, wirtschaftlich zu arbeiten und in wenig Zeit mehr zu leisten. Tatsächlich ist diese Arbeitsweise besonders unökonomisch.
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Die eigene Gesundheit | Wer Multitasking betreibt, stresst sich selbst und ist schnell am Leistungslimit angekommen. Auf Dauer ist die eigene Gesundheit gefährdet. |
Interaktionspartner im Arbeitsprozess (Chef, Kollegen, Patienten) | Wer sich beim Zuhören nicht voll auf seinen Gesprächspartner konzentriert, hört weniger und reagiert langsamer und weniger situationsangemessen. Der Gesprächspartner spürt diese Oberflächlichkeit und fühlt sich nicht ernst genommen oder „abgefertigt“. |
Die Qualität des Arbeitsergebnisses | Es schleichen sich Fehler ein: Wenn sich Tätigkeiten überkreuzen, sinkt nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern die Fehlerhäufigkeit steigt nach Schätzungen von Zeitmanagern um etwa 20 Prozent. |
Zeitliche Ressourcen | Gedankliches Umschalten zwischen zwei oder mehr Aufgaben, Rückfragen, die durch Unaufmerksamkeit erforderlich sind, Klären von Missverständnissen und die Korrektur von Fehlern, die durch zu wenig Aufmerksamkeit entstanden sind, kosten wertvolle Zeit. |
Monotasking - eins nach dem anderen
Es ist eine Frage der eigenen Disziplin, sich voll und ganz auf den Augenblick zu konzentrieren. Insbesondere für Aufgaben von hoher Wichtigkeit hat sich Monotasking bewährt. Denn: MFA, die Monotasking betreiben,
- arbeiten konzentriert,
- schätzen das was sie tun und die daran beteiligten Personen,
- können ihre Kräfte voll und ganz auf eine Tätigkeit richten,
- verschleißen weniger Ressourcen als beim Multitasking und
- liefern bessere Arbeitsergebnisse durch gründliche Erledigung.
In der multimedialen Gesellschaft ist Konzentration nicht einfach, aber nötiger denn je: Die folgende Checkliste hilft Ihnen, sich selbst zu testen und sich künftig noch besser zu konzentrieren: Je öfter Sie mit „ja“ antworten, desto besser!
Checkliste / Konzentration | ||
Ja | Nein | |
Ich vermeide es möglichst, zwei Dinge auf einmal zu tun. | ❒ | ❒ |
Ich konzentriere mich auf das, was ich gerade tue. | ❒ | ❒ |
Ich kenne die Gefahren von Multitasking. | ❒ | ❒ |
Ich komme mit der Informationsflut klar. | ❒ | ❒ |
Ich akzeptiere Multitasking nur in besonderen Fällen. | ❒ | ❒ |
Ich kann einer Sache meine ungeteilte Aufmerksamkeit widmen. | ❒ | ❒ |
Ich vermeide auch die eigenen Ablenkungen. | ❒ | ❒ |
Ich bevorzuge Monotasking bei Aufgaben von hoher Wichtigkeit. | ❒ | ❒ |
Weiterführender Hinweis
- Zusammenfassung der Studie der Stanford University unter http://tinyurl.com/nbot3p