· Fachbeitrag · Selbstmotivation
(Versagens-)Angst trifft Selbstbewusstsein
von Rolf Leicher, Kommunikationstraining, Heidelberg
| Hatten Sie auch schon mal Angst, eine schwierige Aufgabe nicht zu meistern? Meist ist es nicht die Situation selbst, die Angst auslöst. Angst entsteht durch die Bewertung der Situation anhand eigener Erfahrungen und die befürchteten Folgen, wie z. B. Kritik durch den Chef oder die Kolleginnen. So macht die Angst Sie handlungsunfähig, sie lähmt. PPA fasst zusammen, wie Sie Ihrer Angst begegnen und konstruktiv damit umgehen. |
Seien Sie nett zu Ihrer Angst
Angst bewältigen Sie nicht durch Schönreden. Viele versuchen, der Angst zu entfliehen, indem sie diese unterdrücken, ignorieren oder mit Durchhalteparolen übertönen wollen („Alles wird gut werden!“). Angst meint es nicht grundsätzlich schlecht mit uns. Sie ist ein Wächter, ein verantwortungsbewusster Partner, der vor Gefahren warnt, wie ein Verkehrsschild den Autofahrer. Den Warnungen zu entfliehen, wäre eine schlechte Strategie. Unterdrücken Sie Angst nicht, sondern akzeptieren Sie sie und hören Sie ihr gut zu. Sich der Angst bewusst zu stellen, hilft, sich auf Herausforderungen gut vorzubereiten.
Regulieren Sie Ihre Angst
Sich der Angst zu stellen, heißt nicht, sich in sie hineinzusteigern. Denn dann wird aus den anfänglichen „Bedenken“ vor einer Aufgabe im fortgeschrittenen Stadium „Angst“. Besonders wichtig ist es, dieses Gefühl schnell zu erkennen und innezuhalten. Dazu genügen ein paar Sekunden. Atmen Sie durch und lockern Sie Ihre Muskulatur. Um die Situation zu bewältigen, sind auch die Gedanken wichtig. Beeinflussen Sie Ihre Gedanken durch „positive Selbstgespräche“. Dadurch nehmen Sie den Druck aus der Situation.
Negatives Selbstgespräch: | Positives Selbstgespräch: |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Nehmen Sie Ihre Angst ernst, planen Sie sogar Pannen ein. Überlegen Sie, was Sie in diesem Fall tun können. Für Perfektionisten ist jede Panne ein Versagen. Und das löst Angst aus. Entwickeln Sie in Ihren Gedanken eine Strategie dagegen: „Kann sein, dass ich eine Aufgabe nicht so perfekt erledige, meine Stärke ist aber eine andere Tätigkeit, und zwar … und darauf bin ich stolz“.
Verzeihen Sie sich selbst einen Fehler, seien Sie vor allem nicht nachtragend. Erinnern Sie sich immer an gut erledigte Arbeiten, an das Lob eines Patienten, einer Kollegin oder Ihres Chefs. Selbstbewusstsein hält Ihre Angst in Grenzen, reduziert sie auf den Begriff „Bedenken“ und entlastet.
Trainieren Sie Ihr Selbstbewusstsein
Angstgefühle können sich auf Dauer tief einprägen und man hat keinen unmittelbaren Zugriff darauf. Im fortgeschrittenen Stadium helfen Selbstgespräche nicht immer, die offene Kommunikation zu Kolleginnen hilft eher. Loben Sie sich selbst, wenn Sie eine schwierige Aufgabe gut hinbekommen haben. Beruhigend für viele: Von außen merkt man Ihnen Ihre Angst meist nicht an.
Mit Selbstzweifeln schaden Sie unbewusst Ihrem Selbstbewusstsein. Geringes Selbstbewusstsein führt dazu, dass man sich nicht mehr an schwierige Dinge herantraut. Sie machen sich zu viele Gedanken über negative Folgen, wenn etwas falsch läuft und darüber, was andere von Ihnen denken könnten. Für das Selbstbewusstsein gibt es keinen Kippschalter, den man einfach so mal umlegt. Selbstbewusstsein funktioniert wie ein Muskel, der durch ständiges Training gestärkt wird. Die eigenen Bedenken überwinden und den Selbstwert zu erkennen, ist ein laufender Prozess, der in vielen Schritten abläuft.
Weg mit Zweifeln und Bedenken
Während eine extrovertierte MFA sich mehr zutraut als sie kann, wartet der introvertierte Typ erst einmal ab, traut sich nicht an schwierige Aufgaben heran. Wer mehr wagt, risikofreudiger ist und gelegentliche Misserfolge nicht so ernst nimmt, wird resistent gegen die eigenen Vorbehalte und gewinnt an Selbstbewusstsein.
PRAXISHINWEIS | Sicherheit gewinnen Sie nur in der Erprobung Ihrer Kräfte. Nehmen Sie in Kauf, mit einer besonderen Aufgabe nicht auf Anhieb klar zu kommen. Und wenn Sie tatsächlich Schwierigkeiten haben sollten: Zögern Sie nicht, eine Kollegin um Hilfe zu bitten. |