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· Fachbeitrag · Mitarbeiterführung

Frauen führen anders: Warum empfinden Fraueneinen Mann als Chef oft angenehmer als eine Frau?

| Jede weibliche Führungskraft kennt das: Eine Mitarbeiterin erfüllt eine Aufgabe nicht zufriedenstellend. Die Praxismanagerin veranlasst, dass die Mitarbeiterin unterstützt und gefördert wird - und trotzdem klappt es nicht. Als letzte Instanz wird der Chef informiert. Dieser gibt der Mitarbeiterin wenige kurze Anweisungen - und wie auf Kommando läuft es wie am Schnürchen. Hat die weibliche Vorgesetzte etwas falsch gemacht, oder hat sie einfach nur anders als der männliche Chef reagiert? |

 

Ein Problem - zwei Lösungswege

Viele Frauen arbeiten lieber mit einem Mann als Chef als mit einer Frau. Das liegt nicht an der Chemie zwischen den Geschlechtern, auch nicht an der Chef- und Untergebenenposition, sondern am Führungsverhalten und den typischen weiblichen und männlichen Eigenschaften. Wie diese den Praxisalltag beeinflussen, wird bei einer „typisch weiblichen“ und einer „typisch männlichen“ Betrachtung des folgenden Praxisbeispiels deutlich.

 

  • Beispiel

Ein Praxisteam erhebt den Anspruch, dass jede Mitarbeiterin die Grundaufgaben beherrscht. Alle Mitarbeiterinnen können gut röntgen - lediglich bei einer Mitarbeiterin sind die Röntgenleistungen unter dem gewünschten Niveau. Trotz Hilfestellung durch die Kolleginnen gelingen ihr selbst bei relativ unproblematischen Verhältnissen keine zufriedenstellenden Röntgenaufnahmen. Allerdings hat die Praxismitarbeiterin ein gutes Händchen für die Kommunikation mit den Patienten. Sie ist sehr beliebt bei ihnen und kann sie auch sehr gut von empfehlenswerten Behandlungsmaßnahmen überzeugen.

Weibliche Eigenschaften

Frauen bevorzugen den kooperativen Führungsstil. Sie schätzen die Kommunikation und sind in der Lage, Konflikte und Probleme zu diskutieren. Sie lieben und pflegen ihre Beziehungen sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Dabei sind sie leistungsorientiert. Frauen handeln häufig intuitiv. Bei ihnen ist die Fähigkeit stark ausgeprägt, komplexe Situationen, Begebenheiten und Emotionen instinkthaft zu erfassen. Frauen handeln oft auch egalitär - sie sehen sich als Gleiche unter Gleichen. Diese weiblichen Eigenschaften haben entsprechende Auswirkungen auf das Führungsverhalten. Frauen versuchen, zu überzeugen und andere für ihre Pläne zu gewinnen. Dabei stecken sie viel Arbeit und Energie in diese Aufgabe. Sie bemühen sich, möglichst jede Mitarbeiterin gleich zu behandeln.

 

Der Lösungsweg der weiblichen Führungskraft

Eine Praxismanagerin würde versuchen, die Praxismitarbeiterin mit den unterdurchschnittlichen Röntgenleistungen auf das gewünschte Praxisniveau zu bringen. Schließlich besteht die Vorgabe, dass jedes Teammitglied die in der Praxis anfallenden Grundaufgaben beherrschen soll. Mit entsprechender Leistung der Praxismanagerin und der Einsatzbereitschaft des Praxisteams müsste diese Vorgabe auch zu schaffen sein. Deshalb würde die Mitarbeiterin immer wieder geschult und angeleitet und ihr würden Hilfestellungen zur Verbesserung ihrer Röntgenleistungen gegeben. Die kleinste Verbesserung würde positiv gesehen und die Meinung bestärken, dass nur weitere Hilfestellung notwendig wäre, damit die Mitarbeiterin das gewünschte Niveau erreicht.

 

Und das Ergebnis?

Im Zweifelsfall hat die Mitarbeiterin nun einmal kein Händchen für das Röntgen oder einfach kein übermäßiges Interesse an dieser Arbeit. Deshalb wird sie selbst mit größtem Bemühen und umfänglichen Schulungen beim Röntgen höchstens ein durchschnittliches Leistungsniveau erreichen. Je mehr Unterstützung die Mitarbeiterin jedoch erhält, umso mehr wird sie auf ihr Defizit hingewiesen und umso größer wird ihr Frust. Dabei ist sie doch gut - aber leider nicht beim Röntgen, sondern beim Umgang mit den Patienten. Dieses spezielle Talent wird hier von der Führungskraft aber nicht gefördert und bleibt somit für die Praxis ungenutzt.

Männliche Eigenschaften

Männer sind viel direkter als Frauen und sagen konkreter, wie sie etwas erledigt haben möchten. Großartige Diskussionen sind nicht ihr Ding, sie stehen mehr auf rasche Lösungen. Männer definieren sich über ihre Arbeit und sind entsprechend konkurrenz- und machtorientiert. Für Männer zählt weniger die Leistung als das angestrebte Ziel und das erreichte Resultat. Zudem sind Männer deutlich beharrlicher und durchsetzungsfähiger als Frauen. Auch die männlichen Eigenschaften haben Auswirkungen auf das Führungsverhalten. Männer interessiert nicht das Problem, sondern die mögliche Problemlösung. Wenn sie etwas erreichen wollen, sind sie sehr beharrlich - von fantasievoll bis an die Grenze zur Sturheit - und können sich und ihre Interessen sehr gut durchsetzen. Hingegen sind langwierige Erklärungen und der Wunsch, Mitarbeiterinnen in ihrer positiven Entwicklung zu begleiten, eher nicht ihre Sache.

 

Der Lösungsweg der männlichen Führungskraft

Auch ein Praxismanager würde zunächst versuchen, die Mitarbeiterin beim Röntgen auf das gewünschte Niveau zu bringen. Dies würde er jedoch eher mit kurzen und knappen Anweisungen als mit umfassenden Erklärungen probieren. Wenn das in relativ kurzer Zeit nicht funktioniert, ist es wahrscheinlich, dass er die Mitarbeiterin - nach Absprache mit der Praxisführung - im Röntgenbereich entlastet und sie verstärkt bei der Patientenberatung einsetzt.

 

Und das Ergebnis?

Dieses Führungsverhalten zeigt, dass sich Männer mehr an Zielen und Lösungen orientieren. Das Ziel einer Teamführung ist nicht, alle Mitarbeiterinnen gleich zu machen, sondern die Praxis optimal den Patienten zu präsentieren. Wenn es dafür notwendig ist, die Aufgaben der Praxis anders zu verteilen oder Prinzipien zu ändern, dann wird das getan.

 

Die Mitarbeiterin ist glücklich, dass ihr das unangenehme Röntgen künftig erspart bleibt. Die ständigen Belehrungen bleiben aus und sie hat Erfolg, da sie jetzt in einem Bereich eingesetzt wird, den sie überdurchschnittlich gut beherrscht. Für das Praxisteam ist die Situation jedoch erklärungsbedürftig. Der bisherige Anspruch, dass jeder die Grundaufgaben beherrschen soll, gilt anscheinend nicht mehr. Ist dieser Grundsatz nun allgemein aufgehoben oder nur in diesem speziellen Fall? Erfolgt für das Praxisteam keine zufriedenstellende Erklärung, bringen solche von Prinzipien abweichenden Entscheidungen Unruhe und Unsicherheiten in den Arbeitsalltag.

Optimale Mischung der Führungseigenschaften anstreben

Abhängig von verschiedenen Zeiten und Situationen erzielen entweder weibliche oder männliche Eigenschaften und Wertvorstellungen bessere Resultate. Selbstverständlich gibt es Frauen, die eher die männlichen und Männer, die eher die weiblichen Führungseigenschaften pflegen. Häufig jedoch vermischen sich die geschlechtsspezifischen Führungseigenschaften bei den einzelnen Personen - und das ist für ein optimales Ergebnis auch gut so.

 

FAZIT | Frauen in Führungspositionen sollten weiterhin ihre Kommunikations- und Konfliktfähigkeit sowie ihre Beziehungs- und Leistungsorientierung pflegen. Sie sollten aber auch männliche Eigenschaften wie Konkurrenz-, Macht- und Zielorientierung, Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen übernehmen. Zudem sollten sie ihr strategisches Denken schulen: Was ist wichtig und wie erreiche ich dieses Ziel? Um das angestrebte Ziel zu erreichen, sollten sie weniger reden und mehr mit ihrer Überzeugungskraft arbeiten. Sie sollten sich außerdem von der Vorstellung verabschieden, alle Mitarbeiterinnen gleich behandeln zu müssen. Männer in Führungspositionen sollten weniger konkurrenz- und machtorientiert sein und stattdessen mehr Beziehungspflege betreiben. Ihre Kompetenz bei der Anleitung und Führung von Mitarbeitern können sie auch dadurch steigern, dass sie mehr Intuition und Emotionen zulassen. Jeder kann sich weiterentwickeln.

 
Quelle: Ausgabe 10 / 2012 | Seite 13 | ID 34190120