· Fachbeitrag · Mitarbeiteraustausch
Hospitationen: Chance für Ihre Praxis
von Yvonne Willibald, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg
| Als MFA stehen Sie täglich mit Mitarbeitern von anderen Praxen, Labors und Apotheken in Kontakt - ohne deren Arbeitsalltag zu kennen. So kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Wenn die jeweiligen Chefs mitspielen, können gegenseitige Hospitationen helfen, sich in die Situation des anderen einzufühlen und so die Zusammenarbeit zu verbessern. |
Unkenntnis als Konfliktursache
Ärgern Sie sich manchmal, wenn Sie den Facharztbefunden eines Patienten hinterher telefonieren müssen? Vielleicht sind Sie auch genervt, weil ein Testergebnis aus dem Labor immer noch nicht eingetroffen ist. Oder Sie sind gestresst, da die Apothekenmitarbeiterin bereits zum dritten Mal wegen eines fehlerhaften Rezepts anruft. Kontakte mit anderen Mitgliedern der Gesundheitsbranche bedeuten für MFA oft Probleme und Mehrarbeit. Daher betrachten sie häufig auch ihre Gesprächspartner als Teil des Problems statt als Teil der Lösung. Dabei sind beispielsweise die Anrufe für die pharmazeutisch-technische Angestellte (PTA) oft ebenso unangenehm. Denn auch für sie bedeutet es zusätzliche Arbeit, wenn etwa ein Rezept unleserlich oder das verschriebene Medikament längst vom Markt ist. Häufig fehlt gegenseitiges Verständnis, was zu Konflikten führen kann.
Prozessoptimierung durch Perspektivwechsel
Eine Hospitation und der damit verbundene Perspektivwechsel können helfen, die Zusammenarbeit zu verbessern, in dem alle Beteiligten die Arbeitsabläufe des jeweils anderen kennenlernen.
MFA aus Allgemeinarztpraxen, die bei Fachärzten, in Labors oder Apotheken hospitieren, können zum Beispiel
- besser nachvollziehen, warum Facharzt- oder Laborbefunde manchmal später eintreffen als angekündigt,
- die Abläufe in einer Physiotherapie-Praxis oder einer Apotheke besser kennenlernen und beispielsweise sehen, wie die PTA Patienten-Rezepte bearbeiten.
Umgekehrt können MTA und PTA sowie die Mitarbeiter anderer Praxen, die in der Allgemeinarztpraxis hospitieren, zum Beispiel
- den Alltag der MFA in der Allgemeinarztpraxis kennenlernen,
- sehen, welche Wege Rezepte dort gehen
- besser verstehen, warum die MFA am Telefon manchmal so genervt reagiert.
So lassen sich Fehlerquellen aufdecken und gemeinsame Lösungsansätze entwickeln. Achten Sie aber darauf, nur in einem ruhigen Moment und unter vier Augen auf mögliche Fehler hinzuweisen.
PRAXISHINWEIS | Konstruktive Kritik ist hilfreich. Denken Sie aber auch daran, gute Abläufe zu loben! Die Kollegin in der Physiotherapie-Praxis hat die Termine so gut im Griff, dass Berufstätige in der Mittagspause vorbeikommen können, ohne Verzögerungen zu befürchten? Sagen Sie ihr, dass Sie dieses hervorragende Zeitmanagement beeindruckt. |
Hospitation: lediglich ein Besuch
Eine Hospitation ist nicht etwa gleichzusetzen mit einem Praktikum. Als Hospitantinnen sind MFA Besucher der jeweiligen Einrichtung. Das heißt: Sie beobachten, lernen Arbeitsprozesse und das jeweilige Team kennen. Sie arbeiten allerdings in der Regel nicht mit. Je nach Ermessen des jeweiligen Chefs kann es dennoch sein, dass Sie einige Aufgaben übernehmen können.
MERKE | In manchen Apotheken dürfen Sie dann vielleicht nur zusehen, wie die PTA mit dem Rezept in der Hand nach den entsprechenden Medikamenten sucht. Ebenso ist es aber möglich, dass Sie es selbst versuchen dürfen. Vielleicht bekommen Sie sogar den Auftrag, Ihre Kolleginnen in der Arztpraxis anzurufen, wenn es ein Problem mit dem Rezept gibt. Oder Sie übernehmen in der Praxis eines Physiotherapeuten mal unter Aufsicht die Terminplanung. Wer die Situation, über die er sich schon so oft geärgert hat, einmal von der anderen Seite erlebt, wird schnell merken, dass das ebenso frustrierend sein kann. |
Gesetzeslage berücksichtigen
Ganz einfach umzusetzen sind Hospitationen im Gesundheitsbereich nicht, denn Praxis- und Apothekeninhaber müssen rechtliche Einschränkungen beachten. So müssen sich auch die PTA, die in einer Arztpraxis hospitieren, an die Schweigepflicht halten. Diesbezüglich sollten sich Ärzte vorab vertraglich absichern. Zudem sollten Sie die Patienten vorher fragen, ob es in Ordnung ist, wenn die Hospitantin der Untersuchung oder Behandlung beiwohnt. MFA wiederum dürfen nach einer Hospitation die Patienten weder zu einer bestimmten Apotheke schicken noch bestimmte Fachärzte und Physiotherapeuten empfehlen. Denn den Patienten steht eine freie und unbeeinflusste Wahl zu.
Lernen für den Praxisalltag
So kompliziert die Auseinandersetzung mit den rechtlichen Rahmenbedingungen sein kann, so sehr können sich Hospitationen auch für die Praxis lohnen: Denn insbesondere bei Hospitationen in anderen Praxen können MFA Anregungen für ihren Alltag mitnehmen. Vielleicht stellt eine MFA beispielsweise während ihrer Hospitation in einer geriatrischen Praxis fest, dass ihr der Umgang mit älteren Patienten besonders liegt. Daraufhin besucht sie nach Rücksprache mit ihrem Chef eine Fortbildung zur ambulanten Versorgung älterer Menschen - ein Gewinn für Hausarztpraxen, die meist sehr viele Senioren betreuen. Oder eine MFA stellt fest, dass das Terminmanagement der anderen Praxis wesentlich besser funktioniert und trägt das in der nächsten Teambesprechung vor. So profitiert das gesamte Praxisteam von der Hospitation.