· Fachbeitrag · Kommunikation
Kritik durch den Chef begegnen
von Rolf Leicher, Kommunikationstraining, Heidelberg
| Wie fühlen Sie sich, wenn Sie kritisiert werden? Unwohl. Und genauso unwohl fühlt sich auch der Chef, der den Fehler eines Teammitglieds kritisiert. Das macht ihm keine Freude, weil er Bedenken hat, dass das Gespräch schief läuft. Kritik ist ein Echo auf Ihre Leistung und Ihr Verhalten. Da stellen Sie sich als MFA schon auf Abwehr und Verteidigung ein. Doch wenn Ihnen jeder, der Sie kritisiert, als Widersacher erscheint, werden Sie bald keine Widersacher mehr haben und können sich nicht entwickeln. |
Akzeptieren Sie die Kritik nicht nur zum Schein
Das negativ besetzte Wort „Kritik“ wird oft mit „nörgeln, meckern, schimpfen, tadeln, ermahnen, beanstanden“ gleichgesetzt. Doch Kritik ist von Vorteil.
Ihr Vorgesetzter kritisiert Sie, weil er sich eine Änderung in Ihrem Verhalten wünscht. Und deshalb sollten Sie darauf reagieren, ohne die Ruhe zu verlieren und sich nicht sofort verletzt fühlen: Versprechen Sie Besserung und bemühen Sie sich auch darum. Wenn Sie der Kritik zustimmen, sich aber nicht ändern, muss Ihr Vorgesetzter glauben, Sie hätten ihn getäuscht. Hören Sie also gut zu, bleiben Sie ruhig und achten Sie darauf, was Ihr Kritiker tatsächlich sagt. Bitten Sie, falls nötig, um mehr Details der Kritik: „Könnten Sie mir das genauer erklären?“ ist eine gute Frage. Bitten Sie um Vorschläge oder Hilfe bei der Suche nach einer Lösung: „Was erwarten Sie von mir genau?“
Einer Kritik, die Sie für berechtigt halten, stimmen Sie offen zu: „Sie haben recht - ich sehe es ein. Ich werde es ändern.“ Besprechen Sie dann mit dem Arzt gemeinsam die aus Ihrer und seiner Sicht nötigen Voraussetzungen, unter denen eine Verhaltensänderung möglich ist.
Fallen Sie Ihrem Chef nicht ins Wort, wenn er kritisiert
Auch wenn Ihre Reaktion Ihnen auf der Zunge liegt, lassen Sie zuerst Ihren Vorgesetzten ausreden. Die innere Einstellung „Ich bin so engagiert und geben mein Bestes - und jetzt muss ich mir noch Kritik anhören“ programmiert Sie negativ. Sehen Sie in einer Kritik nicht automatisch die Ablehnung Ihrer Leistung. Denken Sie auch mal daran, dass es für den Arzt auch nicht immer leicht ist, ein gutes Kritikgespräch zu führen.
Dramatisieren Sie die Kritik nicht
Machen Sie aus einer Mücke keinen Elefanten. Fangen Sie nicht an zu jammern („Bei mir geht alles daneben!“) - wollen Sie Mitleid erregen? Tragen Sie dem Arzt keinesfalls die Worte seiner Kritik nach. Sie machen es ihm schwer, konstruktiv zu kritisieren. Denken Sie stets daran: Vielen fällt das Kritikgespräch auch nicht gerade leicht. Also, keinen Schmollmund, keinen Rückzug ins Schneckenhaus. Die ersten Stunden nach der Kritik sind entscheidend. Reagieren Sie dünnhäutig und sensibel? Sie verlieren mehr als Sie gewinnen.
Verschaffen Sie sich Respekt, indem Sie Kritik ertragen, zumindest so lange sie sachlich ist. Niemand anderer als Sie selbst ist für Ihr Verhalten verantwortlich. Geben Sie jemand anderem die Schuld, zeigen Sie höchstens Ihre Abwehr. Auch wenn andere Schuld an einem Fehler haben, so ist es besser, wenn der Chef dies selbst erkennt. Führen Sie ihn am besten mit Fragen dazu.
Gehen Sie auch nicht zu Ihren Kolleginnen, um den Kritiker schlecht zu machen. Verzichten Sie darauf, sich abzureagieren. Als Leistungsträger in der Arztpraxis müssen Sie die Verantwortung für sich selbst übernehmen.
Geben Sie Feedback
Feedback zu geben heißt für Sie, zu sagen, was Sie verstanden haben, wie Sie die Kritik wahrgenommen haben. Bei gut geführter Kritik können Sie zum Beispiel erwidern: „Ich akzeptiere es, wie Sie meine Leistung sehen und werde mir Mühe geben, den Anforderungen gerecht zu werden.“ Wenn Sie Ihrem Chef jedoch sagen: „Sind Sie aber empfindlich!“ oder „Ihnen kann man nichts recht machen!“ ist das eine Bewertung der Kritik und damit unangemessen.
Sollte Ihr Vorgesetzter beleidigend oder aggressiv auf Ihre Fehler reagieren, dann sagen Sie ihm offen, was er angerichtet hat: „Ich fühle mich betroffen über die Art, wie Sie meinen Fehler darstellen“ oder: „Von der Sache her nehme ich Ihre Kritik an, die Form (Art und Weise) hat mir weniger gefallen.“ So erkennt er, wie Sie sich fühlen und wird zukünftig (hoffentlich) einen anderen Ton einschlagen.
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Gehen Sie in die Offensive
Kommen Sie, wenn möglich, Ihrem Chef zuvor und stellen Sie Ihren Fehler offen dar. Warten Sie nicht, bis Sie gerufen werden, dann ist das Gespräch einfacher zu ertragen. Machen Sie aber dem Kritiker keine Hoffnung, dass sich Ihre Leistung sofort verbessert, wenn Sie wissen, dass das nicht geht. Nennen Sie die Voraussetzungen, unter denen Sie sich ändern können. Das kostet zwar Überwindung, macht aber Eindruck.