· Fachbeitrag · Konfliktmanagement
Mit Ärger konstruktiv umgehen
von Rolf Leicher, Kommunikationstraining, Heidelberg
| Zeitdruck, ein nörgelnder Patient, ungerechte Kritik vom Chef, Überstunden, eigene Fehler - die MFA in der Arztpraxis kann sich über alles Mögliche ärgern. Doch wer sich ärgert, verdirbt sich den Tag und beeinträchtigt die eigene Ausstrahlung. Wenn der Ärger bereits den Siedepunkt erreicht hat, ist es zu spät, mit dem positiven Denken zu beginnen. Wirksamer ist es, schon im Anfangsstadium gegen den Ärger anzugehen und die darin enthaltene positive Energie zu nutzen. |
Ärger als Warnsignal
Ärger ist eine Empfindung, entstanden durch die Diskrepanz zwischen Ihrer Erwartung und der Wirklichkeit. Ärger ist ein wichtiges Signal: „Achtung, da ist etwas, was mir nicht behagt, mir missfällt, mich provoziert oder enttäuscht. Meine Interessen werden nicht gewahrt, mein Selbstwert infrage gestellt. Es besteht Klärungsbedarf.“ Ärger mobilisiert Ihre Energiereserven. Es heißt nun, einen kühlen Kopf zu bewahren, damit es nicht zu einem Konflikt kommt.
Das „Chairperson-Prinzip“ als „Dritter Weg“
Negative Emotionen frei auszuleben, ist in einer Arztpraxis, in der regelmäßig Patienten ein- und ausgehen, so gut wie unmöglich. Aber den Ärger einfach hinunterzuschlucken, hilft ebenso wenig. Zwischen den beiden Extremen gibt es jedoch einen „dritten Weg“: das „Chairperson-Prinzip“. Dieses geht davon aus, dass jeder Mensch für die eigenen Emotionen selbst verantwortlich ist.
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Nehmen Sie in einer ärgerlichen Situation die aufkeimende Emotion wahr und denken Sie sich: „Ich spüre, dass der Ärger kommt und entscheide mich jetzt, ob ich mich ärgern muss.“ So bleiben Sie selbstbestimmt und lassen nicht zu, dass ein anderer über Ihre Gefühle bestimmt. |
Wenn Sie sich dafür entscheiden, sich nicht zu ärgern, und sich damit gut fühlen, haben Sie die Herausforderung gemeistert. Wenn Sie sich für den Ärger entscheiden, sollten Sie die darin enthaltene Energie nutzen. Reaktion auf Ärger kann auch befreiend sein. Sie zeigt dem Verursacher, dass er seine Grenzen überschritten hat und dass man mit Ihnen nicht alles machen kann. Wenden Sie dafür die A-Methode an.
Die A-Methode zur Bewältigung von Ärger
Die A-Methode eignet sich nicht für Ärger mit Langzeitwirkung bzw. tiefer sitzenden Ursachen. Hier kann u- je nach Ursache - ein Experte (z. B. Mediator, Psychologe, Coach) notwendig werden. Die A-Methode hilft bei kleineren Ärgernissen und besteht aus Aussprache, Abreagieren, Ausblick und Ausgleich.