· Fachbeitrag · QM in Großpraxen
Studie: Zertifizierung von QM-Systemen nimmt deutlich zu
von Sebastian Schnabel, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg
| Seit 2010 sind niedergelassene Ärzte zur Einführung von Qualitätsmanagement-Systemen (QM-Systemen) verpflichtet. Eine aktuelle Studie zum Qualitätsmanagement in ärztlichen Großpraxen und medizinischen Einrichtungen hat den derzeitigen Stand abgefragt: Zum einen hat über die Hälfte aller Befragten bereits ein QM-System implementiert und auch zertifizieren lassen. Zum anderen hat sich gezeigt, dass Ärzte sich bei der Betreuung des QM-Prozesses vor allem auf ihre Mitarbeiter verlassen. |
Zertifizierung als Investition in den Management-Prozess
Die Einführung eines anerkannten QM-Systems ist sowohl im stationären, als auch im ambulanten Sektor vorgeschrieben. Die Zertifizierung des jeweiligen Systems, also die Prüfung durch einen externen Gutachter, ist für Kliniken und Reha-Einrichtungen zwar obligatorisch, Leistungserbringer in der ambulanten Versorgung sind dazu allerdings nicht verpflichtet. Dennoch geben mehr als 60 Prozent der befragten Ärzte an, bereits ein QM-System zertifiziert oder sogar re-zertifiziert zu haben. 16 Prozent wollen es noch zertifizieren lassen.
Da in Großpraxen mehr Abstimmungsbedarf besteht als in kleineren Praxen, sehen sie die Zertifizierung als Investition in den Management-Prozess. Die Kosten einer Zertifizierung sind im Vergleich zum Umsatzvolumen von Großpraxen vergleichsweise gering. Darüber hinaus nutzen größere Einrichtungen die Zertifizierung oft als Marketing-Instrument: Sie soll Kompetenz widerspiegeln. Ein anderer Grund für die zunehmende Zertifizierung liegt indirekt in der Gesundheitspolitik: Rund ein Drittel Ärzte glauben, die Zertifizierung würde bald gesetzlich vorgeschrieben. Fast 80 Prozent geben an, dass QM nur mit Zertifizierung sinnvoll sei beziehungsweise so ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess gewährleistet werden könne. Diese Sichtweise ist bei größeren Praxen deutlich stärker verbreitet als bei kleineren Praxen.
DIN EN ISO 9000 ist Marktführer bei Großpraxen
Für rund ein Drittel der Befragten (32 Prozent) soll ein QM-System vor allem speziell für die Praxis beziehungsweise die Einrichtung geeignet sein. Die QM-Systeme DIN EN ISO 9000 und QEP gelten als die Grundpfeiler des Qualitätsmanagements im ambulanten Sektor der medizinischen Versorgung in Deutschland. Während QEP sich vor allem für kleine Praxen empfiehlt, wird DIN EN ISO 9000 hauptsächlich im Bereich der Großpraxen, MVZ und ambulant versorgenden Kliniken verwendet (37,9 Prozent). Bei den Großpraxen landet KTQ, ein System für den stationären Bereich, auf dem zweiten Platz. Erst danach folgt QEP auf Platz Drei mit 13,2 Prozent.
Professionelle Hilfe erwünscht
Mehr als die Hälfte der Großpraxen, MVZ und versorgenden Kliniken lassen sich mittlerweile von einem externen Berater professionell beim QM-Prozess unterstützen. Über 80 Prozent der Befragten sind zufrieden mit ihrem Berater, sie vergeben die Schulnote Eins bis Drei. Rund drei Viertel würden sich wieder für ihren Berater entscheiden. Im Jahr 2009 wollten noch 70 Prozent der Ärzte keinen externen Berater beauftragen, um Kosten zu sparen.
Qualitätsmanagement ist vor allem Teamarbeit
Laut Studie binden fast 80 Prozent der Ärzte ihre MFA kontinuierlich in den QM-Prozess ein. Einige sind der Meinung, dass ihre Mitarbeiter besser über QM Bescheid wissen als sie selbst (7,5 Prozent). Demnach ist QM nicht ausschließlich Chefsache, ganz im Gegenteil: Qualifizierte MFA können mit der entsprechenden Unterstützung den Prozess selbst steuern. Die große Mehrzahl der Ärzte sowohl in Großpraxen, MVZ und ambulant versorgenden Kliniken als auch im gesamten ambulanten Sektor sieht den QM-Prozess als Teamaufgabe. Dies ist noch einmal eine Steigerung im Vergleich zu den ohnehin schon hohen Ergebnissen aus dem gesamten ambulanten Sektor aus dem Jahr 2009. Damals waren 65,7 Prozent der MFA dauerhaft in die QM-Prozesse einbezogen.
Effizienz nimmt zu, Umfang aber auch
Fast 90 Prozent der MFA haben überwiegend positiv auf die Einführung eines QM-Systems reagiert. Dies lässt auf eine gute Kommunikationsleistung innerhalb des Praxisteams schließen - vor allem, da Veränderungen, die den eigenen Arbeitsplatz betreffen, oft kritisch betrachtet werden. MFA zeigen sich hier besonders aufgeschlossen und fortschrittlich. Ärzte stehen den Auswirkungen eines QM-Systems zwiegespalten gegenüber: 40 Prozent der Befragten meinen, dass sich durch die Implementierung die Effizienz im Team gesteigert hat. Ebenfalls 40 Prozent der Ärzte sind aber der Meinung, dass sich die schiere Menge an Teambesprechungen erhöht. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass Effizienz und Volumen gleichzeitig angestiegen sind. QM macht allen Mitarbeitern deutlich, wie wichtig verbindliche Absprachen sind. In den meisten Fällen wird der Aufwand für Abstimmung, Planung und auch für Auseinandersetzungen gestiegen sein. Im Gegenzug hat der Abstimmungsbedarf für einzelne Arbeitsgänge abgenommen. Dies ist unmittelbar für die Mitarbeiter im Team deutlich.
Download der Studie im Internet
Die komplette Studie „Qualitätsmanagement in ärztlichen Großpraxen und medizinischen Einrichtungen 2011“ finden Sie im Internet unter www.stiftung-gesundheit.de in der Rubrik „Forschung“. Die Studie beschäftigt sich mit QM in Großpraxen und MVZ, daher wurden ausschließlich leitende Ärzte oder Inhaber von Gemeinschaftspraxen und Praxisgemeinschaften ab vier Ärzten beziehungsweise ab acht angestellten nichtärztlichen Mitarbeitern angeschrieben.