Praxiswissen auf den Punkt gebracht.
logo
  • Meine Produkte
    Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen.
Menu Menu
MyIww MyIww

· Fachbeitrag · Prozessoptimierung


Methoden zum Fehlermanagement: Die SWOT-Analyse


von Alexandra Schramm, Medienbüro Medizin, Hamburg


| „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ So lautet Murphys Gesetz. Potenzielle Fehlerquellen gibt es viele in Arztpraxen und demnach geht manchmal auch unweigerlich etwas schief. Mit verschiedenen Methoden aus dem Qualitätsmanagement (QM) lassen sich jedoch mögliche Fehlerquellen identifizieren. In PPA 2/2013 haben wir zum Einstieg das Ishikawa-Modell erläutert. Dieses Mal stellen wir Ihnen die SWOT-Analyse vor. |

Definierte Prozesse und Ziele erleichtern die Arbeit


Die SWOT-Analyse (das englische Initialwort für Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) ist ein Instrument des strategischen Managements und Grundlage vieler Marketingstrategien. In den 1960er Jahren wurde dieses Werkzeug zur Entscheidungshilfe an der Harvard Business School entwickelt. Unternehmen jedes Wirtschaftszweigs können mit dieser Methode ihr externes Umfeld auf Chancen und Risiken prüfen und intern analysieren, welche Stärken und Schwächen sie haben. Unternehmen müssen dann entscheiden, welche dieser Stärken sie nutzen wollen, um welche Chancen zu realisieren.


In Arztpraxen sind für viele Prozesse, Vorgehensweisen und Ziele definiert, zum Beispiel wie genau etwa die Neupatientenaufnahme erfolgt und wie lange der Vorgang dauern sollte. Besonders für neue Mitarbeiter sind diese konkreten Angaben zur Orientierung sehr hilfreich. Ob die Vorgaben auch tatsächlich eingehalten werden, können beispielsweise leitende MFA durch den Ist-Zustand mit Hilfe der SWOT-Analyse ermitteln und schriftlich festhalten. Diese Prüfung dient der Praxis als Spiegel und deckt mögliche Fehlerquellen auf. Anschließend können die Teammitglieder besprechen, welche Veränderungen in Relation zu den Zielvorstellungen erreicht werden sollen und ob diese realistisch umsetzbar sind.


Systematisch analysieren - intern und extern


Wenn Sie in der Praxis dieses Instrument einsetzen wollen, beginnen Sie damit, das Thema der Analyse genau zu formulieren. SWOT-Analysen müssen sich immer auf ein konkretes Ziel beziehen, sonst sind die Fragen zum Unternehmen und seinem Umfeld kaum eindeutig zu beantworten. Schauen Sie sich dann die internen und externen Faktoren an. In der externen Analyse wird die Unternehmensumwelt untersucht. Die Chancen bzw. Risiken kommen von außen und ergeben sich aus Veränderungen im Markt, in der technologischen, sozialen oder ökologischen Umwelt. So kann beispielsweise der Wechsel eines Lieferanten die Ursache für neue fehlerhafte Abläufe sein. Die interne Analyse bezieht sich auf Ihre Praxis selbst: Hier schauen Sie sich Ihre Stärken bzw. Schwächen ganz genau an. Eine interne Schwäche kann beispielsweise mangelnde Kommunikation sein, wodurch es in Abläufen zu Fehlern kommt.


  • Beispiel für eine SWOT-Analyse

Interne 


Analyse

Stärken

  • stabiler Patientenkreis

  • moderner und informativer Internetauftritt

  • einzige Praxis im Umkreis, die Hausbesuche oder Business-Sprechstunden anbietet

Schwächen

  • häufige Mitarbeiterwechsel

  • Fehler durch mangelnde Kommunikation

  • Praxismarketing so gut wie nicht vorhanden

Externe Analyse

Chancen

  • Zunahme an Interessenten für präventive IGe-Leistungen

  • Anzahl der Privatpatienten steigt

Risiken

  • hohe Dichte konkurrierender Praxen der gleichen Fachrichtung im Einzugsgebiet

  • Wechsel des Zulieferers

Nun werden die Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren so miteinander kombiniert, dass die Stärken und die Chancen möglichst optimal genutzt und die Schwächen und die Gefahren auf ein Mindestmaß reduziert werden können. Dazu wird mit folgenden Kombinationen gearbeitet:


  • SO = Stärke-Chancen-Kombination: Wie können wir unsere Stärken so nutzen, dass sich die Chancenrealisierung erhöht?
 
  • ST = Stärke-Risiken-Kombination: Wie können wir vorhandene Stärken einsetzen, um den Eintritt bestimmter Risiken abzuwenden?
 
  • WO = Schwäche-Chancen-Kombination: Wo können aus Schwächen Chancen entstehen? Wie können wir Schwächen zu Stärken entwickeln?

  • WT = Schwäche-Risiken-Kombination: Wo befinden sich unsere Schwächen, und wie können wir uns vor möglichem Schaden schützen?


Visualisieren Sie die Gegenüberstellung der Stärken und Schwächen mit den Chancen und Risiken in einer SWOT-Matrix:


Interne Sicht


(Team, Unternehmen, Produkt)

externe Sicht (Wettbewerb, Marktsituation)

SWOT-


Analyse

Stärken 


(Strengths)

Schwächen 


(Weakness)

Chancen


(Opportunities

Mit den eigenen Stärken bestehende Chancen nutzen, 


z.B. mit bestehenden Dienstleistungen einen neuen Absatzmarkt erschließen.

Schwächen beseitigen, um bestehende Chancen zu nutzen, 


z.B. neue Dienstleistungen entwickeln, um Kundenanforderungen zu erfüllen.

Risiken


(Threats)

Mit den eigenen Stärken bestehende Risiken abwehren, 


z.B. durch Werbung für Dienstleistungen einen Wettbewerber zurückdrängen.

Schwächen beseitigen, um bei Risiken bestehen zu können, 


z.B. Qualitätsmängel beheben, um einen Wettbewerber zurückzudrängen.

Auf diese Art und Weise erhalten Sie einen schnellen Überblick darüber, wo Ihre Praxis bereits richtig gut ist, wo es Optimierungsbedarf gibt, welche Chancen sich nutzen lassen, aber auch welche Risiken mit in die zukünftige Planung einzubeziehen sind. Die Kombinationen bilden die Grundlage für die Entwicklung passender Strategien und die Einleitung notwendiger Maßnahmen. Wie dies aussehen kann, sollen folgende Beispiele verdeutlichen:i


  • Welche Maßnahmen sich aus einer SWOT-Analyse ableiten lassen

Beispiel 1: Eine Analyse der Wettbewerber zeigt Ihnen konkret, worin Sie sich von der Konkurrenz unterscheiden. Dabei erkennen Sie ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal, zum Beispiel, dass Sie als einzige Praxis im Umkreis Hausbesuche oder Business-Sprechstunden anbieten, mit dem Sie bei Patienten punkten können. Hierauf sollten Sie verstärkt in Ihren Praxisinformationsbroschüren und auf Ihrer Homepage hinweisen.


Beispiel 2: Sie stellen fest, dass es eine erhöhte Anfrage an präventiven IGe-Leistungen gibt, die Sie auch anbieten können. Dieses Angebot sollten Sie unbedingt in Ihr Leistungsspektrum mit aufnehmen.

Abschließend legen Sie einen Termin fest, bis wann die beschlossenen Maßnahmen umgesetzt sein sollen und prüfen dann erneut, ob der angestrebte Soll-Zustand erreicht ist.


Häufige Fehler bei der Anwendung der SWOT-Analyse


Im Zusammenhang mit der SWOT-Analyse gibt es grundsätzlich fünf Fehler, die immer wieder gemacht werden:


  • Führen Sie eine SWOT-Analyse nicht ohne vorher definiertes Ziel durch. 
Halten Sie es zu abstrakt, lassen sich kaum Antworten auf die interne und externe Analyse finden.

  • Definieren Sie für alle einen verbindlichen Soll-Zustand, ansonsten streben Mitarbeiter unterschiedliche Soll-Zustände an, die nicht zum gewünschten Ergebnis führen oder im schlimmsten Fall neue Fehler verursachen.

  • Halten Sie die interne und externe Analyse strikt auseinander. Manchmal werden die externen Chancen mit internen Stärken verwechselt.

  • Verwechseln Sie die Analyse nicht mit potenziellen Strategien. Die SWOT-Analyse beschreibt Zustände, Strategien hingegen sind Aktionen. Um diesen Fehler zu vermeiden, denken Sie bei Chancen an „günstige Bedingungen“ und bei Risiken an „ungünstige Bedingungen“.

  • Nehmen Sie bei der eigentlichen Analyse keine Priorisierung vor. Es lassen sich daraus keine konkreten Maßnahmen ableiten. Daher sollten zu diesem Zeitpunkt weder Maßnahmen beschlossen noch umgesetzt werden.


Weiterführende Hinweise


Quelle: Ausgabe 04 / 2013 | Seite 18 | ID 37378390