· Fachbeitrag · Teammanagement
Welche Vorteile bieten Praxisleitsätze?
von Angelika Schreiber, Hockenheim
| Praxisleitsätze bieten die Möglichkeit, Ziele der Praxis zu formulieren und damit ein klares Leitbild zu schaffen, an dem sich das ganze Team in der täglichen Arbeit orientieren kann. Mit wenigen prägnanten Leitsätzen kann es gelingen, ein gemeinsames Arbeitsverständnis zu wecken. |
Praxisleitsätze und was dahinter steckt
Anhand der folgenden Beispiele für Praxisleitsätze wird Ihnen schnell deutlich werden, warum solche Leitsätze sinnvoll sind:
Unsere Ziele sind die Gesundheit und das Wohl der Patienten, verbunden mit dem Erfolg unserer Praxis. Dabei helfen uns die folgenden Leitsätze: | |
Information | Wir strukturieren unsere Abläufe so, dass den Teammitgliedern alle erforderlichen Informationen ausreichend und zeitnah zur Verfügung stehen. |
Umgang | Wir gehen stets offen und ehrlich miteinander um. |
Toleranz | Wir sind Fehlern gegenüber tolerant und bieten uns und anderen die Möglichkeit zur Korrektur. |
Anerkennung | Wir erkennen die Leistung anderer Teammitglieder an und geben positive Rückmeldung. |
Unterstützung | Wir unterstützen uns gegenseitig und schöpfen Vorteile aus der engen Zusammenarbeit. |
Kompetenzen | Zuständigkeiten sind klar und erkennbar verteilt und werden eingehalten. |
Auftreten | Gegenüber unseren Patienten treten wir einheitlich und abgestimmt auf und zeigen Interesse an ihrer Gesundheit. |
Entscheidungen | Gemeinsam getroffene Entscheidungen werden eingehalten und überprüft. |
Kritik | Wir sind offen für konstruktive Kritik. |
Professionalität | Wir entwickeln unseren Wissensstand laufend weiter. |
Nachfolgend erfahren Sie anhand von Beispielen, wie die genannten Leitsätze zu verstehen sind:
- INFORMATION: Teambesprechungen helfen, den Informationsfluss zu gewährleisten - vor allem bei kurzfristig eintretenden Veränderungen. Beispiel: Das Labor teilt per Telefon mit, dass ein technischer Defekt das Erledigen einer Laborarbeit verzögert. Diese Information muss unbedingt sofort weitergegeben werden. Sie verursacht ein Umbestellen von Patienten und zieht Veränderungen im Behandlungsablauf nach sich.
- UMGANG: Streit und Missgunst beeinträchtigen die Teamarbeit. Unstimmigkeiten sind auf sachlicher Ebene zu klären. Verständnis untereinander spiegelt sich nach außen wider. Im erfolgreichen Team prägen Freundlichkeit und Wertschätzung den Umgang.
- TOLERANZ: Obwohl die Auszubildende das Labor wegen der Abholung von eiligen Laborarbeiten angerufen hat, liegt der volle Transportcontainer noch Stunden später in der Praxis. Es stellt sich heraus, dass sie das Labor zwar über eine Abholung, nicht jedoch über die Dringlichkeit informiert hat. Als umsichtige Kollegin erklären Sie ihr die richtige Vorgehensweise.
- ANERKENNUNG: Ihre Kollegin hat mit Erfolg ein neues, gut funktionierendes Bestellsystem in Ihrer Praxis eingeführt. Sagen Sie ihr doch ganz einfach, wie toll Sie es finden, dass der Nachschub an Materialien endlich gut funktioniert. Sie freut sich über die Anerkennung und ist eher bereit, die Leistung anderer ebenso zu loben.
- UNTERSTüTZUNG: Ihre Kollegin aus der Verwaltung ist völlig überlastet. Die zweite Verwaltungshelferin ist erkrankt. Quartalsabrechnung, Mahnungen, viele Rechnungen und der Jahresabschluss sind zu erledigen. Auch wenn die Verwaltung nicht Ihr Bereich ist, so können Sie dennoch sicherlich unterstützend wirken.
- KOMPETENZEN: Gibt es keine klare Aufteilung der Zuständigkeiten und Bereiche, so fühlt sich niemand verantwortlich. Es heißt dann immer wieder: „Das habe ich nicht gemacht!“ Oder: „Dafür bin ich nicht zuständig!“ Da hilft nur eine klare Aufgabenverteilung: Welche Aufgabe muss von wem erledigt werden? Bis zu welchem Zeitpunkt?
- AUFTRETEN: Die Geschlossenheit nach außen - also den Patienten gegenüber - spiegelt das Miteinander und die Praxisphilosophie wider. Der Patient sollte stets das Gefühl haben: Ich bin willkommen, das Praxisteam ist für mich da und an meiner Gesundheit interessiert.
- ENTSCHEIDUNGEN: Die Arbeitsplatzvorbereitung sollte nach einer gemeinsam erstellten Checkliste erfolgen. Das bedeutet: Alle Mitarbeiterinnen treffen die Vorbereitungen nach dieser Checkliste. Durch diese Vorgehensweise kann und muss die Qualität der Arbeit stets überprüft werden.
- KRITIK: „Das haben wir immer schon so gemacht!“ ist eine „Killerphrase“ und kein Ausdruck für Offenheit gegenüber konstruktiver Kritik. Abläufe und Anforderungen ändern sich laufend. Der schnelle Wandel fordert Flexibilität. Da kann sachliche und ergebnisorientierte Kritik sehr hilfreich sein. Warum sollten Sie nicht die Ideen von Kolleginnen zur Umsetzung von Verbesserungen nutzen?
- PROFESSIONALITäT: Durch regelmäßige Weiterbildung prüfen Sie die Qualität Ihrer Arbeit und sind bemüht, die Ergebnisse laufend zu verbessern. Sie verstehen Weiterentwicklung als Chance zur Steigerung der Patientenzufriedenheit und damit auch des Praxiserfolgs.